Guten Tag meine Damen und Herren,

in dieser Woche haben wir eine schöne Aufwärtsbewegung gesehen. 9.900 Punkte im Dax stehen unmittelbar bevor und wären eine vernünftige erste Zielmarke für diese Gegenrallye. Es wird sich zeigen, ob diese Gegenbewegung in einen nachhaltigeren Aufschwung übergehen wird oder es eben doch nur eine Gegenbewegung bleibt. Immerhin, noch vor kurzem stand der Deutsche Leitindex über 1.000 Punkte tiefer. Eine erste Unterstützung befindet sich bei 9.600 Punkten. Unter 9.300 Punkte sollte der DAX nicht mehr fallen, da diese Aufwärtsbewegung dadurch konterkariert werden würde. Im Moment lautet das Motto „Durchatmen“, mehr ist es aber auch nicht, denn bislang hat sich keine der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessert, ganz im Gegenteil.

EZB-Ratssitzung: Mario Draghi baut schon einmal vor – Ehemaliger BoE-Chef: Deutschland sollte Eurozone verlassen

Mario Draghi bereitet für die am 10. März anstehende EZB-Ratssitzung schon einmal verbal eine weitere geldpolitische Lockerung vor. Die Gefahren, so der EZB-Präsident, hätten deutlich zugenommen und es gebe keine Grenzen dafür, wie weit man gewillt sei, im Rahmen des Zentralbank-Mandates zu gehen.

Derweil äußert sich auch der ehemalige Chef der Bank of England, Mervyn King. Er sieht die Eurozone als gescheitert an und empfiehlt Deutschland den Austritt aus der Gemeinschaftswährung. Nun, das sind die gewohnt markigen Worte von der Insel, aber so ganz falsch liegt Mr. King mit diesem Gedanken nicht. Denn dies entspricht auch der Argumentation zur Eurozonen-Problematik auf Cashkurs, die ich in meinem letzten Buch „Showdown“ bereits thematisiert hatte. Der ehemalige BoE-Chef bringt es genau auf den Punkt: Entweder zahlt Deutschland dauerhaft für alle anderen Euro-Mitglieder (Transferunion) oder aber die Währungsunion wird letzten Endes aufgelöst. Denn darum geht es: Die extremen Unterschiede innerhalb Europas muss man, wenn man schon diese beträchtlichen Disparitäten (kurz- bis mittelfristig) nicht wegbekommt, irgendwie ausgleichen. Dafür gibt es nun einmal nur zwei Möglichkeiten: Entweder Transferzahlungen oder unterschiedliche Währungen. Nichts anderes ließ Mervyn King in dieser Woche verlautbaren.

China: Zombiefirmen vor der Schließung, Millionen Beschäftigte vor der Entlassung

In China setzt sich unterdessen der konjunkturelle Abschwung fort. Im Reich der Mitte werden die größten Massenentlassungen seit rund 20 Jahren erwartet. Hierbei sollen sich die sich die Bereinigungs-Aktivitäten vor allem auf die „unproduktiven Zombiefirmen“ konzentrieren. Auch das gehört zur der Thematik, über die wir schon seit etwa zwei Jahren regelmäßig diskutieren. Es gibt nämlich zahlreiche Unternehmen in China, die unproduktiv sind und anhaltend Verluste schreiben, u.a. wegen einer chronischen Überproduktion. Diese Firmen hätten eigentlich schon längst ihren Betrieb einstellen oder zumindest massiv umbauen müssen. Dieses auch zu tun, erschien bislang nicht nötig. Warum? Die Bewertungen für Maschinen, Gebäude und Grundstücke sind bei vielen Unternehmen in den letzten 20 Jahren immer weiter angestiegen. Demzufolge konnte man immer neue Kredite aufnehmen, mit denen sich die Verluste ausgleichen ließen – ein (Schein-)Wachstum, das also immer wieder auf Pump finanziert wurde.

Das bedeutete zugleich, dass man sich nicht umorientieren und keine Mitarbeiter entlassen musste, sich ein neues Auto bestellen konnte und andere Dinge mehr. Das geht aber immer nur solange gut, wie auch die Firmen immer höher bewertet werden. Diese Bewertungsanstiege hatten ihren Hauptgrund in dem großen Zustrom an Kapital, der das Land in der Vergangenheit erreicht hat – Kapital, das sich an diesen Firmen beteiligen wollte, teilweise planlos in irgendetwas investiert wurde und somit die Preise auf breiter Front nach oben getrieben hat. In dem Moment, in dem das nicht mehr passiert, also kein Geld mehr nach China fließt, sondern sogar abgezogen wird, steigen auch diese Bewertungen nicht mehr. Damit ist auch keine weitere Kreditaufnahme mehr möglich und somit platzt all das, was in den vergangenen Jahren an Schindluder getrieben wurde. Genau das passiert momentan. Einerseits platzen Immobilienfinanzierungen – und zwar für Immobilien, in denen keine Mieter wohnen – und andererseits die Kreditfinanzierungen für eben jene Unternehmen, die seit Jahren als Zombiefirmen nur deshalb am Markt überleben konnten, weil sie noch in der Lage waren, neue Kredite aufzunehmen. Die Resultate aus 20 Jahren Wildwuchs brechen sich nun Bahn. Diese Massenentlassungen, die in diesem Bereich stattfinden (und stattfinden sollen) – und dabei geht es um viele Millionen Arbeiter – werden ganz bestimmt die so oft beschworene Binnennachfrage in China unbedingt ankurbeln...

Auch die Rating-Agentur Moody’s springt auf dieses Spiel auf und senkt den Ausblick für China auf „negativ“. Die Bonitätsnote befindet sich noch auf der viertbesten Stufe (Aa3), doch der Ausblick ist, wie gesagt, negativ. Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang an die Eurozone und begleiten diese Meldung mit den Worten „The show begins.“

Saudi-Arabiens Währungsreserven schmelzen weiter ab: 40-Monatstief erreicht

Saudi-Arabiens Währungsreserven, die wir ebenfalls regelmäßig thematisiert hatten, sind inzwischen unter die Schwelle von 600 Milliarden US-Dollar gefallen. Das entspricht zwar immer noch fast dem dreifachen Volumen der Devisenreserven der USA, jedoch schmolzen die entsprechenden saudischen Guthaben alleine im Januar d.J. um gut 14 Milliarden Dollar auf den Stand von 2012 ab. Die Dynamik, mit der sowohl die Währungsreserven Saudi-Arabiens als auch Chinas nach unten rauschen, ist beeindruckend. Ein höherer Ölpreis wäre dringend notwendig, um diesen Trend für die Ölförderstaaten aufzuhalten. Dieser stabilisiert sich momentan oberhalb von 30 US-Dollar je Barrel.

Gold und Silber: Interessante Entwicklungen an den Terminmärkten

Eine interessante Entwicklung können wir seit einiger Zeit an den Terminmärkten für Edelmetalle beobachten. Dort ist bei den wetten auf Silber und Gold sehr wenig physisches Material hinterlegt, d.h. den Forderungen derjenigen, die Edelmetalle auf dem Papier gekauft haben, steht nun eine rekordtiefe Menge an lieferbaren physischen Edelmetallen gegenüber. Aktuell steht 35 Besitzern von einer Unze (Papier-) Silber tatsächlich nur eine (physisch lieferbare) Unze Silber gegenüber. Das bedeutet, dass 35 Investoren glauben, Anspruch auf Silberauslieferung zu haben, aber lediglich nur ein Investor kann momentan mit Hilfe des in den Lagerhäuser liegenden Silbers auch wirklich beliefert werden, wenn er auf Auslieferung besteht. Bei Gold sieht dieses Verhältnis übrigens noch dramatischer aus: 542 (!) Besitzer von einer Unze Papiergold müssten sich eine Unze physisches Gold teilen. Man kann abwarten, wie diese Nummer ausgehen wird...

US-Autoabsätze positiv, dank Finanzierung auf Pump

Die US-Autoabsätze für Februar geben bei einem ersten Blick Grund zu Freude: Im abgelaufenen Monat wurden 17,5 Millionen Fahrzeuge abgesetzt, was einem Plus von etwa acht Prozent zum Vorjahr entspricht. Volkswagen hatte allerdings weniger zu lachen: Um 13 Prozent gingen die US-Absätze der Wolfsburger zurück, der Skandal des letzten Jahres wirkt also deutlich nach. Doch woher kommt dieser schöne Autoabsatz maßgeblich? Kredite, Kredite, Kredite. Es wird auf Pump gekauft, als gäbe es kein Morgen mehr. Wie nachhaltig eine solche Entwicklung ist, haben wir 2008 gesehen...

Konjunkturdaten aus der Eurozone: Licht und Schatten

Die Arbeitslosenquote in der Eurozone hat sich ebenfalls eher positiv entwickelt und beträgt aktuell (noch) 10,3 Prozent. Zur Erinnerung: Auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise lag die EU-Quote in der Spitze bei 12 Prozent. Allerdings betrug dieser Wert vor der Wirtschaftskrise eben nur 7,5 Prozent. Von daher befinden wir uns noch längst nicht dort, wo wir eigentlich schon lange sein wollten. Zudem sind die Aussichten nicht unbedingt berauschend, selbst wenn es Europa im Vergleich zu anderen Regionen der Welt noch relativ gut geht.

Dennoch mehren sich auch auf dem „Alten Kontinent“ die Warnsignale. So erreichte uns in dieser Woche u.a. wenig Ermutigendes aus dem Verband der Chemischen Industrie in Deutschland. Dort spricht man von einem ernüchternden Schlussquartal 2015, in dem so gut alle wesentlichen Kennzahlen nach unten gingen, darunter eine schwache Binnennachfrage sowie schwache Signale aus den USA und China. Auch der Ausblick der Branche für 2016 ist sehr verhalten.

Ähnliches berichten auch die Maschinenbauer: Der Auftragseingang im deutschen Maschinenbau sank im Januar um 12 Prozent gagenüber dem Vorjahr. Man muss allerdings hinzufügen, dass diese Monatswerte immer sehr stark schwanken können. In diesem Fall war beispielsweise der Vorjahresmonat recht stark. Dennoch waren die aktuellen Zahlen auch im Drei-Monats-Vergleich nicht berauschend, und zwar sowohl mit Blick auf die Nachfrage aus dem Inland als auch aus dem Ausland.

Neuigkeiten aus dem Dirk Müller Premium Aktien Fonds

Bei Wirecard setzt sich die spannende Entwicklung fort. Nach dem mächtigen Absturz vor einer Woche infolge einer dubiosen Meldung zu Betrügereien, die sich am Ende – wie so oft – wieder einmal als heiße Luft entpuppt hat, ging der Aktienkurs wieder deutlich nach oben. Im Tief vor einer Woche war diese Aktie für 31,90 Euro zu haben. Der Kurs hat also seitdem wieder um gut 25% zugelegt. Am Tiefpunkt haben einige die Gelegenheit für Zukaufe genutzt, so etwa die DWS. Die Fondsgesellschaft hat ihren Anteil an diesem Unternehmen von null über 3,9 auf nun fast fünf Prozent aufgestockt. Auch der Dirk Müller Premium Aktien Fonds hat diesen Kurseinbruch für Zukäufe genutzt. Wir danken herzlich für diese Verrücktheiten im Markt! Wie heißt es so schön: „Sei dann gierig, wenn die anderen ängstlich sind und sei ängstlich, wenn die anderen gierig sind.“ Wir versuchen, uns an diesen Leitspruch zu halten. Hinzu kommt, dass Wirecard in Kooperation mit VISA eine neue Prepaid-Karte herausbringen wird, die über zahlreiche Verkaufsstellen (etwa Tankstellen) vertrieben werden soll.

Weitgehende Waffenruhe in Syrien – und ein interessantes Interview mit dem Präsidenten des Landes

Am Dienstag hat die ARD ein zumindest in Teilen recht sehenswertes Interview mit Baschar al-Assad ausgestrahlt. Beachtlich fand ich insbesondere, dass der interviewende Journalist Assad immer mit „Herr Präsident“ angesprochen hat. Daraus kann man einmal mehr ableiten, dass auch die ARD Baschar al-Assad als legitimen, also rechtmäßigen Präsidenten Syriens anerkennt. Das, was momentan der Westen, also die USA und ihre Verbündeten inklusive Deutschland, in dieser Region veranstalten, ist ein Angriffskrieg gegen einen souveränen Staat. Wir sind durch diesen legitimen Präsidenten nicht eingeladen worden, Syriens Luftraum zu verletzen. Genau das wird aber getan. Man muss sich von daher immer klar machen, wer was in dieser Region macht und wie wir es schaffen, Tatsachen regelmäßig zu verdrehen. Man muss Assad nicht mögen, man darf ihn sogar hassen und sagen: „Das ist der falsche Mann auf diesem Posten!“ Das zu entscheiden, liegt allerdings nicht im Belieben der Bundesregierung, die sich an das Grundgesetz zu halten hat, das Angriffskriege klar untersagt. So zumindest entspräche es meinem Verständnis von Rechtsstaatlichkeit und den Grundprinzipien, denen wir uns verschrieben haben. 

Der „böse Assad“ spricht in diesem ARD-Interview immer wieder von „Terroristen“, die laufend gegen seine legitime Regierung vorgingen. Nach westlicher Auffassung grenzt es an eine Unverschämtheit, dass Assad diese Leute ständig als „Terroristen“ bezeichnet. Er müsse unterscheiden, so in dem ARD-Interview, zwischen den „Bösen“, die mit Waffen gegen ihn vorgingen (also den IS) und den „Guten“, die berechtigt die Waffen gegen ihn erheben (nämlich die Oppositionsgruppen). Beide zusammen dürfe man doch schließlich nicht in einem Atemzug als „Terroristen“ bezeichnen, nur weil beide gleichermaßen mit Hilfe von Waffen den legitimen Präsidenten aus dem Amt heben wollen... Eine solche Sichtweise lässt staunen.

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes und erholsames Wochenende und viel Spaß beim Lesen der Beiträge.

Herzlichst

Ihr Dirk Müller