Guten Tag meine Damen und Herren,

der Markt hält sich auch nach der lange erwarteten Fed-Sitzung ziemlich genau an die Charttechnik. Zunächst fiel der DAX bis auf den wichtigen charttechnischen Unterstützungsbereich von 10.130 Punkten, um unmittelbar danach wieder bis auf 10.400 Punkte zu steigen. Mit der im Zuge des US-Zinsentscheides befeuerten Rallye wurden weitere Widerstände schnell übersprungen. Die nächste relevante Marke befindet sich bei 11.000 Punkten. Ein mögliches Ziel zum Jahresfinale wäre der Bereich zwischen 11.400 und 11.800 Punkten, so der Markt nicht zwischenzeitlich wieder nach unten durchsackt. Unter 10.130 und erst recht unter 10.000 Punkten würde es zu deutlichen Abgaben kommen, nach der erlösenden FED-Sitzung steht die Wahrscheinlichkeit aber bei einem versöhnlichen Jahresausklang.  

Was bedeutet die erste Zinserhöhung der Federal Reserve in fast zehn Jahren? Wie wirken sich weitere Zinserhöhungen aus?

Fast zwei Jahre hat die FED den Investoren die Karotte vor die Nase gehalten. „Nimm schnell noch einen Kredit auf, bau schnell noch ein Haus, wir erhöhen bald die Zinsen“. Das hat die FED soweit getrieben, dass die Märkte die Welt nicht mehr verstanden, die Unsicherheiten wurden immer größer. Das ging so weit, dass selbst die Aktienmärkte, die Zinserhöhungen in der Regel hassen wie der Schneemann die Sonne, eine solche förmlich herbeisehnten. Die zermürbende Unsicherheit nervte und was die Märkte noch mehr hassen als Zinserhöhungen ist eben Unsicherheit. Endlich kam sie, die langersehnte Zinserhöhung. Ich weigere mich bewusst, von einer Zinswende zu sprechen. Von einer solch nachhaltigen Zinswende sind wir weit entfernt. Kosmetische Anpassungen ja, aber mehr auch nicht. Die Welt – und US-Wirtschaft ist längst „over the edge“ – sowie der feste Dollar helfen der amerikanischen Industrie, deren Container jetzt schon leer Richtung Asien fahren, sicherlich nicht weiter. Daher ist spätestens im zweiten Halbjahr 2016 eher mit den nächsten Lockerungsübungen als mit einer echten Zinswende in den USA zu rechnen. So kann man auch die Worte der FED-Chefin Janet Yellen interpretieren, die jetzt erst einmal beobachten will. Das lieben die Märkte wieder. Der befürchtete Moment der ersten Zinserhöhung ist endlich katastrophenfrei durch und die weiteren Aussichten zumindest von der Zinsfront bleiben erstmal heiter mit Aussicht auf Fleischbällchen.

Allmählicher Abschied von den fossilen Energieträgern – abzulesen am Rohölpreis

Der Rohölpreis befindet sich weiterhin im Abwärtstrend. Goldman-Sachs sieht ein Ziel von 20 US-Dollar für die kommenden Monate. Die Mär vom Kampf um Marktanteile ums Öl hält sich in den Medien hartnäckig. Die Desinformation ist dabei omnipräsent. Der eine schreibt es vom anderen ab, weil keiner wirklich selbst nachdenkt. Jeder behauptet – und das mit einem Anspruch auf Allgemeinwissen –, dass es nur darum gehe, die Saudis wollten den Amerikanern mit Blick auf das Fracking-Öl Marktanteile abgraben. Sie wissen, dass wir bei Cashkurs eine ganz andere Einstellung zu diesem Thema haben. Es geht nämlich nicht darum, wer den größeren Marktanteil hat, sondern wer im Rahmen der Energiewende das letzte Öl verkauft. Die Saudis und die übrigen OPEC-Staaten brauchen händeringend Einnahmen. Diesen Ländern gehen nämlich die Gelder aus und man kann es sich überhaupt nicht leisten, weniger Öl zu produzieren und zu verkaufen. Man braucht jeden Dollar, den man umsetzen kann. Selbst wenn Saudi-Arabien die Ölförderung drosseln würde, würde das den Preis aufgrund des immer noch vorhandenen Überangebots kaum beeindrucken. Saudi-Arabien hätte aber aufgrund der geringeren Förderung sofort noch weniger in der Kasse. Es geht hierbei als nicht um Marktanteile, sondern ums nackte Überleben. Alles andere ist aus meiner Sicht wohl eher Unfug.

Parallel dazu entscheidet der US-Kongress in einer nächtlichen Sitzung, die kaum jemand mitbekommen hat,  die seit rund 50 Jahren geltenden Ölexportverbote aufzuheben. Man wollte die heimischen Ressourcen für „The Day After“, also für den Fall, dass tatsächlich einmal das Öl ausgehen sollte, schonen. Das hat man nun ad acta gelegt. Zusätzlich darf also das heimische Öl auch noch exportiert werden. Bisher hat man nur die US-Nachfrage  aus heimischen Quellen gedeckt. Nun kann dieses amerikanische Öl auch in alle Welt exportiert werden. Diese durchaus interessante Entwicklung wird in absehbarer Zeit sicherlich nicht für einen steigenden Ölpreis sorgen. Eine kurzfristig anziehende Weltwirtschaft ist gleichfalls nicht in Sicht, bleibt als einziger Preistreiber eine mögliche militärische Eskalation in der Straße von Hormus. Diese ist zwar nicht unmittelbar in Sicht, aber durch die Animositäten zwischen Saudi-Arabien und Iran auch nicht völlig unmöglich.

Das soeben verabschiedete Klimaschutzabkommen treibt natürlich auch den Ölpreis mit nach unten. Wir sind ganz klar auf dem Pfad „Weg vom Karbon, weg vom Öl, weg, vom Gas, weg von der Kohle und hin zu den Erneuerbaren!“ Wer das immer noch übersieht, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Was das für die nächsten Jahre bedeutet, ist vollkommen klar: Selbstverständlich wird es noch ein paar Jahre dauern, bis sich dieser Trend vollkommen realisiert hat. Aber mit jedem Monat bis dorthin wird weniger Öl gebraucht, wird mehr in Erneuerbare Energien investiert, wird substituiert. Das heißt also: Öl und Gas sind perspektivisch tot, Finger weg von diesen Materien! Das nachhaltige Trendthema sind die Erneuerbaren und alles, was damit zusammenhängt. Das resultiert in großen Verwerfungen für die arabischen Staaten und die anderen ölfördernden Regionen dieser Erde, einschließlich der Ölunternehmen und all jener Branchen, die davon abhängig sind und eine positive Entwicklung für alle Bereiche, die von den Erneuerbaren Energien profitieren.

Was geschieht an den Märkten, wenn große Staatsfonds plötzlich dringend Cash benötigen?

Wir haben bereits gesehen, dass die ölfördernden Staaten massiv Währungsreserven abbauen, weil sie dringend Cash brauchen. Das betrifft übrigens nicht nur die Währungsreserven – also im wesentlichen Staatsanleihen –, sondern zunehmend auch die Staatsfonds dieser Länder, welche u.a. in Aktien investiert sind. Auch in diese Kassen greift man nun hinein, etwa in Russland oder in einigen arabischen Staaten. Dabei werden eben auch Aktien verkauft, um Cash in die Hand zu bekommen. Auch diese Entwicklung kann im kommenden Jahr mit einem niedrigen oder sogar noch weiter fallenden Ölpreis Druck auf die Aktienmärkte ausüben. Dieser dringende Bedarf nach Cash hat also durchaus das Potential die Märkte zu drücken. Ich befürchte, dass in naher Zukunft, wenn nicht etwas ganz Außergewöhnliches passiert, das Motto „Cash is king!“ ganz oben stehen wird und viele ganz gierig auf Barreserven sein werden. Dies kann durchaus deutlichen Druck auf die verschiedenen Asset-Klassen bringen.

Was Unternehmen zu berichten hatten

Linde spürt den Abwärtstrend bei den Öl- und Gaspreisen inzwischen schon deutlich. Der Aktienkurs fällt innerhalb der letzten zwei Wochen von etwa 165 auf nunmehr 130 Euro, die Gewinnziele wurden gekappt. Nicht zuletzt die abkühlende Weltkonjunktur macht dem Industriegase-Hersteller und -Anlagenbauer zu schaffen. Linde spürt als Teil der Vorläuferindustrie diese Entwicklung zudem sehr früh. Von daher sollte dies auch für uns eine Warnung für den künftigen Verlauf der Weltkonjunktur sein. Auch in die in der Petrochemie häufig zum Einsatz kommenden Anlagen von Linde wird nun weniger investiert. Die geringere Nachfrage nach diesen Anlagen ist natürlich die logische Folge des deutlich niedrigeren Ölpreises. Diese Entwicklung kommt nicht wirklich überraschend. Ich hatte Linde 2013 als gutes Unternehmen zum Kauf gestellt. Damals lag der Aktienkurs bei 140 Euro. Zwischenzeitlich stieg er bis auf bis zu knapp 200 Euro. Diese Empfehlung ist jedoch über zwei Jahre alt. Inzwischen hat sich die Welt natürlich verändert, siehe sich abkühlende Weltkonjunktur und Einbruch bei den Rohstoffpreisen. Das ist auch für den Linde-Konzern eine vollkommen andere Situation. Im Moment muss man bei der Aktie nicht zwingend dabei sein. Abwarten dürfte von daher nicht die schlechteste Strategie sein. Vieles ist eine Frage der Marktsituation und des Timings – Empfehlungen von vor zwei Jahren sind nicht unbedingt Empfehlungen für heute und umgekehrt.

Das ZDF-Magazin „Frontal 21“ berichtete über unterschiedliche Abgaswerte bei BMW, Mercedes und VW auf Prüfstand und Straße. Im Prüfstand seien die Verbräuche teils deutlich niedriger als auf der Straße. Die Hersteller wehren sich und lasten diese unterschiedlichen Ergebnisse falschen Testbedingungen oder Fehlmessungen zu. Das Thema Dieselverbrennungsmotoren wird allerdings kein Zukunftsthema mehr sein. Das Thema der Zukunft wird der Elektroantrieb sein. Wer dieses Thema verpasst und seitens der Hersteller nicht entsprechend aggressiv investiert, der wird u.U. enden wie einst Nokia. Der Durchbruch bei den Elektrofahrzeugen liegt in der Luft und sobald dieser vollzogen sein wird, wird kaum noch jemand einen stinkenden Verbrenner mit absehbarer Halbwertszeit mehr kaufen wollen. Wer dann erst anfängt, über konkurrenzfähige Elektrofahrzeuge innerhalb der eigenen Flotte nachzudenken, der wird bei Entwicklungszyklen von fünf Jahren und mehr schnell ins Hintertreffen geraten.

Dirk Müller Premium Aktien Fonds: Neues zu Vestas und Dialog Semiconductor

Vestas konnte voll von dem allgemeinen Trend hin zu den Erneuerbaren Energien profitieren. Der Aktienkurs sprang in dieser Woche  um zehn Prozent auf über 480 Kronen und damit auf dem höchsten Stand seit 2008. Goldman Sachs nimmt das Ziel für Vestas auf 540 Kronen pro Aktie nach oben – und das wird für die kommenden Jahre noch nicht das Ende des Aufwärtstrends gewesen sein. Besonders beeindruckend wird diese Entwicklung, wenn man sich vor Augen führt, dass Vestas sein Tief 2012 bei gerademal 23 Kronen hatte.

Turbulent ging es in dieser Woche bei Dialog Semiconductor zu. Das Unternehmen ist geschäftlich stark mit seinem Hauptkunden Apple verbunden. Wie man hört, ist die (recht teure) Übernahme von Atmel in Gefahr, welche die Abhängigkeit von Apple etwas reduzieren helfen sollte. Man plante mit Hilfe dieser Übernahme, im Bereich Internet 4.0, also die Kommunikation zwischen verschiedenen Geräten, stärkere Akzente zu setzen. Diese Übernahme war allerdings immer umstritten. Nun liegt ein neues Gegenangebot von Microchip Technology für diese Übernahme auf dem Tisch. Der eine oder andere Aktionär dürfte sich freuen, da eine zu teure Übernahme damit passé ist.

Allerdings hat in dieser Woche auch eine Umsatzwarnung für das 4. Quartal den Aktienkurs von Dialog Semiconductor negativ beeinflusst: 390 bis 400 Millionen Dollar statt wie bisher erwartet 430 bis 460 Millionen Dollar. Der Aktienkurs fiel unmittelbar nach dieser Zahlenbekanntgabe um 17 Prozent, um zum Handelsschluss fast wieder auf Vortagesniveau zu schließen. Das kann man als temperamentvolle Bewegung bezeichnen. Es kann durchaus sein, dass diese Kursbewegung auch mit dem Übernahmeangebot zusammenhängt. Denn ein Teil des Übernahmepreises für Atmel sollte in eigenen Aktien bezahlt werden. In dem Moment, da der eigene Aktienkurs von Dialog Semiconductor unter Druck kommt, verschlechtert sich das ursprüngliche Übernahmeangebot und jenes des Konkurrenten sieht plötzlich viel besser aus. In diesen turbulenten Zeiten kann es von daher ratsam sein, die vollständigen Quartalsberichte abzuwarten. Ich denke, das dürfte nachhaltiger sein. Kurze und heftige Entwicklungen nehmen wir eher am Rande zur Kenntnis.

Der Fonds konnte seinen Vorsprung gegenüber dem Gesamtmarkt auf fünf Prozentpunkte bei zugleich deutlich geringerer Schwankungsintensität ausbauen. Die Auswahl starker Unternehmen in Verbindung mit einer soliden Absicherung bewährt sich.

Carl Icahn und seine Warnung vor einer Kernschmelze in den Finanzmärkten

Carl Icahn ist einer der großen Investoren in den USA und trägt zudem für viele Finanzentwicklungen und -entscheidungen innerhalb des Apple-Konzerns Verantwortung. Man denke etwa an Dividendenzahlungen oder Aktienrückkäufe, aber auch an die Aufteilung von PayPal und ebay. Carl Icahn ist ein einflussreicher Investor, ist bestens vernetzt und übt viel Druck auf die Unternehmen aus. Carl Icahn warnt in diesen Tagen sehr aggressiv vor einer Kernschmelze des Finanzsystems. Er nennt dabei kein Datum, aber man kann aus seinen Worten schließen, dass er dies relativ zeitnah erwartet. Die Argumente, die Carl Icahn hierbei ins Feld führt, sind vollkommen richtig. Ich kann sie schlichtweg nur unterschreiben.

Denn wir stehen vor sehr großen Risiken. Wir warnen auf Cashkurs schon seit geraumer Zeit davor, dass dies nicht die Frage des „Ob“, sondern des „Wann“ ist. Dieses „Wann“ kann schon 2016 sein, kann aber auch noch zehn Jahre in der Zukunft liegen. Genaueres weiß niemand, auch Carl Icahn nicht. Aber die Zusammenhänge sind offenkundig. Diese Zusammenhänge kann niemand außer Acht lassen, der sich mit dem System wirklich ernsthaft auseinandersetzt und nicht nur dem Schulbuchwissen folgt. Die sog. „Junk Bonds“ sind ein großer, gefährlicher und illiquider Markt – und zudem nur eines von vielen besonders kritischen Themen. Bei diesen „Junk Bonds“ handelt es sich um Anleihen mit hoher Verzinsung, aber eben auch einem hohen Risiko. Diese Anleihen wurden in letzter Zeit Jahren in Billionenvolumina von Unternehmen emittiert, denen es gar nicht so gut geht und die auf diesem Wege Geld aufgenommen haben. Die Anleger ihrerseits gieren weltweit nach Rendite und haben zuhauf diese hochverzinslichen Anleihen mit ihren hohen Risiken gekauft.

Wir hatten schon oft darüber gesprochen, dass der Risikokompass Zins nicht mehr funktioniert. Genau das spielt an dieser Stelle wesentlich mit hinein. Große Fonds haben riesige Summen in diesem Junk-Bond-Sektor investiert. Aber: Mit steigenden Zinsen in den USA, bei abkühlender Weltwirtschaft und den ersten Pleiten bei diesen Junk-Bond-Unternehmen wachsen die Gefahren immens. Denn dieser „High-Yield-Bond“-Markt ist dünn und wenig liquide. Bei stark fallenden Kursen etwa findet ein Verkäufer kaum noch einen Käufer. Momentan ziehen die ersten Anleger Geld aus diesen Junk Bonds ab, die Kurse fallen. Steigende US-Zinsen forcieren diese Entwicklung zusätzlich. Die Konsequenz daraus ist, dass diese Fonds ihre Junk Bonds verkaufen müssen, um die Anleger auszuzahlen. Aber siehe da: Der Markt ist derart dünn, dass sie ihre Stücke gar nicht loswerden. Also sagen die Fonds: „Tut uns Leid, lieber Anleger, wir haben zwar mehrere hundert Millionen Dollar von Euch, aber wir können Euch das Geld nicht mehr auszahlen, weil uns der Markt diesen Kram nicht mehr abkauft, den wir für Euch gekauft haben. Wir müssen den Fonds leider schließen.“

So gerade geschehen bei „Third Avenue“, einem 789 Millionen Dollar schweren Investmentfonds in New York – über Nacht geschlossen. Bei „Lucidus Capital Partners“ sehen wir genau das gleiche: Auch dieser Fonds mit einem Anlagevermögen von 900 Millionen Dollar hat die Schließung angekündigt. Ebenso bei „Stone Lion Capital Partners“: Auszahlungen gesperrt. Meine Damen und Herren, das hat im Vorfeld der Lehman-Pleite ganz genauso angefangen. Man nennt das die „Kanarienvögel in der Kohlemine“ wenn diese schwächsten von der Stange fallen, wird es höchste Zeit die Mine zu räumen, denn der Sauerstoff geht zu Ende. Wenn nicht jemand schnell den Ventilator anwirft, wird es eng. Damals vor Lehman ging es um die Kreditverbriefungen für US-Immobilien: Die ersten Konstrukte platzten und konnten plötzlich nicht mehr auszahlen. Nun sind es die Junk Bonds, also die gleiche Entwicklung, die wir damals hatten. Es handelt sich dabei um Unternehmen in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen, beispielsweise auch aus der Ölindustrie, also etwa Fracking-Unternehmen, die diese Junk Bonds begeben haben und jetzt vor der Pleite stehen. Höhere Zinsen in den USA oder noch niedrigere Ölpreise werden aber zu noch mehr Pleiten führen und zu noch mehr Problemen im Junk-Bond-Segment, bis hin zu einer Kreditklemme und einer Vertrauenskrise.

Hinzu kommen die Probleme in China mit der einbrechenden Wirtschaftsentwicklung dort usw. usf.. Die Gründe für einen Zusammenbruch ganzer Systeme – so wie wir es bei Lehman gesehen haben, dieses Mal allerdings in XXL –, den wir mit Notmaßnahmen noch einmal um ein, zwei oder fünf Jahr verzögern können, sind nach wie vor vorhanden. Man muss diese Zusammenhänge von daher immer im Blick behalten, zumal diese Krisenszenarien sehr schnell akut werden können. Darüber müssen wir uns vollkommen im Klaren sein. Deshalb empfiehlt es sich, diese Warnung von Carl Icahn ernst zu nehmen. Er unterstreicht das, was wir schon seit geraumer Zeit verkünden.

Neue steuerliche Regelungen für Gewinne von US-Unternehmen im Ausland

Darüber hinaus denken die Amerikaner darüber nach, im kommenden Jahr die Besteuerung von Unternehmen im Ausland zu verändern. Bislang haben Großunternehmen, wie beispielsweise Apple, im Ausland große Summen an Geld liegen, die aus Gewinnen dort stammen. Wenn diese Gewinne nach Hause geholt werden, wären bislang 35 Prozent Steuern fällig. Also werden sie das nicht tun und das Geld im Ausland liegen lassen, wo sie in der Regel auf Basis günstiger Steuerabkommen kaum oder keine Steuern bezahlen. Inzwischen liegen riesige Summen im Ausland, an die die Amerikaner nicht herankommen. Die US-Regierung ist nun der Meinung: „Wie schön, wenn wir diese Gelder bei uns zu Hause hätten und das Geld in den USA investiert werden würde!“ Inzwischen streitet man sich eigentlich nur noch um die Höhe der Besteuerung. Barack Obama und seine Demokraten wollen die bisher aufgelaufenen Auslandsgelder einmalig mit 14 Prozent besteuern, die künftigen mit 19 Prozent (statt bisher 35 Prozent). Die Republikaner wollen sogar überhaupt keine Steuern erheben, falls Unternehmen ihre Gewinne in die USA repatriieren. Egal, auf welche Regelung man sich einigen wird, die Konsequenz wird sein, dass die amerikanischen Unternehmen dadurch die Möglichkeit erhalten, Billionengewinne, die im Ausland liegen, relativ günstig in die USA zu repatriieren und dort zu investieren. Dies könnte einen Boom in Amerikas Wirtschaft, aber einen Zusammenbruch der Schwellenländer nach sich ziehen, aus denen dieses Kapital abgezogen werden wird.

In diesem Sinne wird es ausgesprochen spannend bleiben, zahlreiche Veränderungen und Verwerfungen eingeschlossen, die wir in absehbarer Zeit sehen werden. Der Zeitrahmen ist – wie immer – ungewiss, aber die Zusammenhänge sollte man allemal kennen.

Ich wünsche ich Ihnen ein schönes und erholsames Vorweihnachtswochenende und viel Spaß beim Lesen der Beiträge.

Herzlichst

Ihr Dirk Müller