Guten Tag meine Damen und Herren,

die Gegenrallye nach der großen Abverkaufswelle hat sich etwas beruhigt, ist aber noch nicht in sich zusammengefallen. Ein erster erneuter Angriff der Bären am Mittwoch konnte zur Stunde gekontert werden. Wichtige kurzfristige Unterstützungen liegen bei 9.300 und 9.000 DAX-Punkten. 9.900 Punkte wären insgesamt ein gutes Ziel für ein weiteres (Zwischenrallye-) Standbein – was aber nicht zwingend auch so eintreten muss. Unterhalb von 8.700 Punkten werden wir durchaus schwere Abverkäufe erwarten dürfen, die den Markt in die größere Zielzone zwischen 8.300 und 7.600 Punkten führen dürften. Dieser Bereich wäre zugleich die Zone für die Jahrestiefststände – so es nicht zu wirklich hässlichen Entwicklungen kommen sollte. Ein Kurstief um 8.000 Punkte entspräche zudem einem Normalverlauf, d.h. einem Abbau der Übertreibungen der letzten zwei Jahre. Dieses Szenario wäre also alles andere als schlimm, diese Entwicklung würde sich noch vollkommen im normalen Bereich abspielen. Eine nachhaltige Rallye nach oben ist zunächst einmal verschoben, zumindest einmal unterbrochen. Hoffnung kann man ab 9.900 schöpfen, Begeisterung erst über 11.400 entwickeln. Klingt weit entfernt?  Es ist der DAX-Stand von vor 3 Monaten. Wir haben in der Tat bewegte Zeiten.

Europas Lkw-Verkäufe boomen

Die Europäische Union meldet positive Zulassungszahlen für schwere Lkws: um 18,4 Prozent legt die Zahl der neu auf die Straße gekommenen Lastkraftwagen gegenüber dem Vorjahr zu. In Europa scheint es also an dieser Konjunkturfront noch recht gut zu laufen. In anderen Teilen der Welt hingegen sieht es diesbezüglich alles andere als beflügelt aus. So bauen Daimler und die anderen LKW-Bauer in den USA massiv Arbeitsplätze ab wegen schwacher Nachfrage. Aus der Zulieferindustrie für das Transportgewerbe höre ich von einem „darniederliegenden“ China-Geschäft.

Ifo-Geschäftsklimaindex: Ein Stimmungsindikator in schlechterer Laune

Der ifo-Geschäftsklimaindex, also das Vertrauen, das die Unternehmer in die wirtschaftliche Entwicklung haben, geht zuletzt deutlich zurück, besonders hinsichtlich der Ausblicke in die Zukunft. Diese sind – anders als etwa die aktuelle Lageeinschätzung – deutlich negativer als noch in der letzten Umfrage und zudem schlechter als von den meisten Analysten erwartet. Dennoch sollte man nicht zu viel auf diese Stimmungsindikatoren geben. Denn auch die Befragten lesen regelmäßig Zeitung. Sollte die Stimmungs- und Meldungslage – nicht zuletzt auch in der veröffentlichten Meinung – recht schlecht sein, und zwar auch dann, wenn die Lage im eigenen Unternehmen noch ganz gut sein sollte, dann dürfte auch der Einfluss auf die eigene Einschätzung zur gesamtwirtschaftlichen Lage davon nicht unbeeindruckt bleiben. Stimmungsindikatoren sind zwar nicht ganz unbedeutend, aber in ihrer Prognosequalität dann eben doch von begrenzter Aussagekraft.

Roland-Berger-Studie: Onshore-Windkraft inzwischen voll wettbewerbsfähig

Zu den Potentialen der Windenergie hat sich zuletzt Roland Berger im Rahmen einer Studie geäußert. Darin heißt es, dass die Onshore-Energieerzeugung in Europa inzwischen ungeschlagen günstig sein soll; nur noch die Wasserkraft sei preiswerter. Bei 7,3 Cent pro Kilowattstunde lägen die Gestehungskosten bei Windkraft, die an Land erzeugt werde. Der Offshore-Wind sei hingegen mit etwa 16 Cent/kWh noch vergleichsweise teuer. Doch auch in diesem Segment erwartet Roland Berger in den nächsten Jahren deutliche Preisreduzierungen: Bis 2020 will man bei unter 10 Cent/kWh angelangt sein und damit im Bereich der (reinen) Gestehungskosten für Kohle- und Atomstrom. Dieser liegt für Atomstrom aktuell bei 8,8 Cent/kWh, wobei dieser Betrag überaus stark schöngerechnet ist. Denn sämtliche nachgelagerte Kosten sowie die beträchtlichen Risiken für die Gesellschaft sind hierbei überhaupt nicht eingepreist. So können etwa Atomkraftwerke gegen Unfälle und extreme Folgeschäden überhaupt nicht versichert werden, die Versicherungs-Kosten wären unbezahlbar. Sollte dort also etwas Schwerwiegendes passieren, ist es eben ein Problem der Gesellschaft und sämtliche Kosten sind in diesem Erzeugerpreis gar nicht eingerechnet. Wenn man all diese Kosten sauber rechnen würde, wäre konventionelle Stromerzeugung – und insbesondere die Atomenergie – wesentlich teurer. Auch beim Kohlestrom-Gestehungspreis von 8,3 Cent/kWh sind die teils erheblichen Umweltschäden nicht mit eingerechnet. Windkraft ist also inzwischen vollkommen wettbewerbsfähig und in dieser Branche liegt auch die Zukunft.

Dementsprechend befinden sich auch die Unternehmen, die sich damit befassen, stark im Aufwind – irgendwie ganz passend zur Branche. So wuchs u.a. beim spanischen Energiekonzern Iberdrola der Gewinn im abgelaufenen Jahr deutlich, und zwar um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 2,4 Milliarden Euro. Nordex berichtet über pralle Auftragsbücher und auch beim dänischen Windmühlenbauer Vestas – im Dirk Müller Premium Aktien Fonds enthalten – läuft das Geschäft rund, was sich nicht zuletzt an der Kursentwicklung der Aktie über die vergangenen Jahre hinweg ablesen lässt, sie steht kurz unter dem Allzeithoch.

Dirk Müller Premium Aktien Fonds: Bakkafrost sorgt für Freude bei den Anlegern

Bei einem unserer Lieblingsunternehmen im Dirk Müller Premium Aktien Fonds, dem Lachsprodukte-Hersteller Bakkafrost, wurde in dieser Woche ein Gewinn vermeldet, der die Erwartungen deutlich übertraf: 257 Millionen DKK an Überschuss wurden erzielt. Die Dividende dürfte bei 8,25 DKK liegen, erwartet wurden lediglich 7,70 DKK pro Aktie. Der Kurs der Aktie steht mit 320 DKK auf Alltime-High was umso schöner ist, wenn man sich vor Augen führt, wo die Märkte insgesamt momentan stehen.

Als ganz interessante Geschichte am Rande darf vermerkt werden, dass die Seeläusebehandlung mit Frischwasser sowie mit Putzerfischen an Bord der firmeneigenen Schiffe (die wir u.a. auch bei unserer Filmdokumentation letzten Oktober vor Ort thematisiert hatten) nach Auskunft des Bakkafrost-Vorstandsvorsitzenden wohl sehr erfolgreich war. Die Behandlung dieses Parasiten wird bei zahlreichen Mitbewerbern, etwa aus Norwegen und Chile, auf chemischem Wege durchgeführt. Das Frischwasserverfahren hat sich im Vergleich zu dieser konventionellen Methode nicht nur als zielführender, sondern auch noch als günstiger erwiesen, als umweltschonender ohnehin. Somit darf es nicht verwundern, dass auch die weltweite Nachfrage nach Bakkafrost-Produkten und damit die Preise für diese Lachse deutlich ansteigen.

Krieg gegen das Bargeld, nächster Angriff: New York Times fordert Abschaffung der 100-Dollar-Note

Die New York Times fordert die Abschaffung der 100-Dollar-Note. Das Thema Bargeldabschaffung geistert momentan flächendeckend durch so ziemlich alle Medien, man mag sagen: Die Medien schießen sich regelrecht darauf ein. Der vorherrschende Tenor lautet „Leben ohne Bargeld wäre doch gar nicht so schlimm, ist doch klasse und außerdem wäre die Bezahlung doch viel bequemer.“ Natürlich könne man, so die oft bemühte Argumentation, zahlreiche Kriminelle oder Waffenschieber an die Hammelbeine bekommen und ihnen die Geschäftsgrundlage entziehen. Tatsächlich finde ich es widerlich, wie sich renommierte Medien – wie in diesem Falle die New York Times – beim Thema Bargeldabschaffung an die Politik anbiedern und dieses Geschäft mitspielen, denn für die Bürger ist diese Entwicklung eine einzige Katastrophe.

Die Diskussion in Europa dreht sich – einer Salamitaktik ähnlich – nicht allgemein ums Bargeld, sondern erst einmal um die Abschaffung der 500-Euro-Note. Dagegen solle doch nichts einzuwenden sein, so der erwartungsvolle und mahnende Unterton. Wie gesagt, in den USA geht man nun schon gegen den 100-Dollar-Schein vor, später gibt es dann nur noch die 20er und dann die 10er... Ja, und irgendwann lohnt es sich dann gar nicht mehr, überhaupt noch mit Bargeld zu bezahlen. Also lassen wir es doch einfach ganz bleiben! Letztlich könnte man dann also gar nicht mehr über Bargeld verfügen.

Wir dürfen daran erinnern, dass Bargeld – also Münzen und Scheine – das einzige gesetzliche Zahlungsmittel ist, das uns zur Verfügung steht. Beim Giralgeld auf dem Konto handelt es sich lediglich um einen Anspruch auf Münzen und Scheine. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, dass das einzig legale Zahlungsmittel verboten werden soll. Tolle Geschichte, nicht wahr?! Aber was steckt eigentlich dahinter? Warum führt man diesen Kampf gegen das „Bare“? Man erzählt uns etwa, dies diene der Sicherheit. Ein Politiker sagte hierzu einmal: „Wenn man Ihnen erzählt, etwas sei zugunsten Ihrer Sicherheit, dann wird Sie dies entweder Geld oder Freiheit kosten, im Zweifel beides.“

Ganz genau so ist es auch dieses Mal, und es geht um beides: Einerseits bedeutet es Freiheit, mit Bargeld zu bezahlen, denn niemand braucht unbedingt zu wissen, was man so einkauft. Einfaches Beispiel: Ich bin mal gespannt, ob Politiker dann ihre Bordellbesuche demnächst mit der Kreditkarte bezahlen werden. Nun ist dies nichts Illegales. Wer das tut, soll seinen Spaß dran haben. Dennoch gibt es nicht wenige, die nicht wollen, dass alle Welt weiß, wofür man sein Geld ausgibt. Abgesehen davon gibt es sicherlich zahlreiche weitere Dinge, die viele aus gutem Grund bar bezahlen möchten. Dinge, deren Kauf ist zwar nicht illegal, aber es muss nicht jeder wissen, was und wie viel man wovon kauft. Das können etwa spezielle Medikamente sein oder Hygieneartikel. Ich bin mir nicht sicher, ob jeder inkontinente Politiker völlig selbstverständlich seine Windeln für Erwachsene mit der Kreditkarte bezahlen wird und kein Problem damit hat, dass die angeschlossenen „Partnerfirmen“ und deren Mitarbeiter, deren Ehefrau ggf. bei einer Boulevardzeitung arbeitet, auf diese Information Zugriff  hat. Ich denke, dass jeder mit Blick auf eine Bargeldzahlung ohne eine vollständige Nachvollziehbarkeit auf elektronischem Wege so seine eigenen Ideen haben dürfte, in welcher Situation man Bargeld einmal dringend gebrauchen könnte.

Sehr gut gebrauchen könnte man es beispielsweise in einem totalitären Staat. Denn wer weiß schon, wie die Wahlen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ausgehen werden und wir uns u.U. irgendwann einer Regierung gegenüber sehen, die uns nicht wohlgesonnen ist? Eine Regierung, die beispielsweise kritische Geister einfach per Knopfdruck vom Zahlungsverkehr ausschließen kann. Wer dann etwa eine Opposition aufbauen möchte, sähe sich unter diesen Umständen gar nicht mehr in der Lage, sich auch nur ein Brötchen, eine Zeitung oder einen Kugelschreiber zu kaufen, da er schlicht über kein Zahlungsmittel mehr verfügt. Bargeld ist also ein ganz wichtiges Stück Demokratie und gelebte Freiheit. Diese sich nur wegen einer Bequemlichkeit einfach aus dem Geldbeutel nehmen zu lassen, sollten wir nicht geschehen lassen.

Es gibt dazu noch einen ganz anderen wesentlichen Aspekt, nämlich die sog. Bankenhaftung und die (bereits geltenden) Negativzinsen. Wenn wir das Thema Negativzinsen zu Ende denken und für unsere Bankeinlagen Strafzinsen zahlen müssen – perspektivisch bei zwei, drei oder fünf Prozent –, dann käme man doch auf die Idee, das Geld von der Bank zu holen und unter das Sofa zu legen, ganz nach dem Motto „Dann wird es wenigstens nicht weniger!“. Das geht allerdings nicht mehr, wenn es kein Bargeld mehr geben sollte und ihr Guthaben auf dem Bankkonto liegen bleiben muss. In diesem Fall könnte man Ihnen mit Hilfe von Negativzinsen zwei, drei oder fünf Prozent Ihres Guthabens jedes Jahr abziehen. Sie könnten sich schließlich nicht wehren, denn Sie könnten es ja gar nicht abheben...

Darüber hinaus gibt es auch noch die Möglichkeit des sog. Bail-In. Vielleicht erinnern sie sich, dass entschieden wurde, dass diejenigen, die den Banken Geld geliehen haben, auch haften müssen, wenn die Bank Pleite gehen sollte. Geld bei einer Bank als Guthaben zu führen bedeutet aber eben auch, Geld an diese Bank zu verleihen. Falls die Bank dann in Schieflage gerät, wird auch auf dieses Geld zugegriffen. Wenn man dieses Guthaben bar abheben könnte, könnte man sich – so man dies rechtzeitig  tut – davor schützen. Wenn also das Vertrauen in die Banken schwinden sollte, könnte man sich das Bargeld abholen und unter das Kopfkissen legen. Wenn Sie das aber nicht mehr können, weil es kein Bargeld mehr gibt, wird die Bank im Falle einer Pleite auf ihr Geld zurückgreifen und das Guthaben ist einfach weg – ohne irgendetwas dagegen tun zu können. Das scheint nach wie vor ein Aspekt zu sein, den viele noch überhaupt nicht auf dem Schirm haben. Ob dann das Argument „Ich will beim Bäcker nicht so lange warten, bis der Mann in der Schlange vor mir seine Roten durchgezählt hat“ wirklich zugkräftig ist – ich glaube, dazu hat jeder seine eigenen Gedanken...

Nun, eine Alternative wäre, auf das Gold auszuweichen – und offenkundig machen das momentan einige, wie sich an einem steigenden Goldpreis ablesen lässt. Ob das allerdings in einem (direkten) Zusammenhang mit einer Abkehr vom Bargeld steht, lässt sich nicht sagen. Man weiß es schlicht nicht. Machen Sie sich von daher durchaus einmal ein paar Gedanken zum Bargeld, der elektronischen Zahlweisen oder auch „nur“ zur Abschaffung größerer oder kleinerer Banknoten – ich jedenfalls habe mir die meinigen dazu gemacht.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein ruhiges und erholsames Wochenende und viel Spaß beim Lesen der Beiträge.

Herzlichst

Ihr Dirk Müller