Guten Tag meine Damen und Herren,

die Unterstützung bei 9.350 hat wie von der breiten Anlegerschar erwartet zunächst gehalten. Alles andere wäre eine Überraschung gewesen. Warum? Die 9.350 waren bereits im Sommer und im Herbst 2015 nach größeren Kursrückgängen die Wendepunkte, an denen es nach oben ging. Wenn also jetzt wieder dieser „magische“ Punkt erreicht wird sagen sich diejenigen, die auf fallende Preise mittels Shorts gesetzt haben „Hier hat es schon zweimal nachhaltig nach oben gedreht, das ist ein guter Moment meinen Gewinn einzusacken, bestimmt geht es diesmal wieder hier nach oben“. Somit wird der Shortspekulant an diesem Punkt zum Käufer. Diejenigen, die auf günstige Kaufgelegenheiten gewartet haben (und vielleicht beim letzten Mal enttäuscht waren, weil sie den Tiefpunkt verpasst hatten), sagen sich „Endlich bekomme ich noch mal die Chance da zu kaufen. Bestimmt dreht der Markt diesmal wieder hier nach oben“. Der Mensch ist darauf programmiert nach Musterabläufen zu suchen, an denen er sich in seinem zukünftigen Handeln orientieren kann. Wer dreimal unter einer Leiter durchgelaufen ist und im Rest des Tages Unglück hatte, wird künftig jeder Leiter aus dem Weg gehen. Ob es einen logischen Zusammenhang gibt oder nicht. Somit kommen aufgrund der sich vermeintlich wiederholenden Muster zu diesem Punkt viele Käufer zusammen und alleine das sorgt für einen Kaufüberhang, der die Kurse mit hoher Wahrscheinlichkeit drehen lässt. Man nennt das eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.  Da müssten schon große anders gelagerte Kräfte wirken, um diesen Mechanismus zu überlagern.

ABER !! Diese Aufwärtsbewegung ist eben nicht wegen neuer Wirtschaftsdaten oder einer besseren Situationsbeurteilung entstanden sondern eben nur wegen des sich wiederholenden Musters. Das bedeutet, dass am Ende dieser kurzen Erholungsrally mit hoher Wahrscheinlichkeit (wenn es inzwischen nicht positive Meldungen gibt) die eigentliche Abwärtsbewegung schnell wieder einstellt. Wenn jetzt die 9.350 schnell wieder erreicht und sogar unterschritten werden bevor zunächst ein deutlich höheres Kursniveau erreicht war, an dem die Käufer ihre Gewinne einsacken konnten, dreht sich der Mechanismus ins Gegenteil. All jene, die bei 9.350 gekauft hatten, nur aus der Hoffnung, dass es wieder der Drehpunkt sei sind plötzlich entsetzt, dass es eben NICHT der Drehpunkt war, von dem aus es wie zuletzt beständig nach oben geht, sondern der Markt wieder wie eine ausgebrannte Raketenstufe kippt und zu Boden saust. Sie trennen sich mit dem Unterschreiten der 9.350 panikartig von ihren kurz zuvor eingegangenen Positionen, da sie erschreckt erkennen, dass ihre Einschätzung falsch war. Jetzt kommen also jene, die zuletzt als Käufer bei 9350 aktiv waren als Verkäufer zusätzlich auf den Markt. Daher ist ein Durchbrechen einer solchen mehrfach bestätigten Unterstützung meist von deutlichen Kursverlusten und hohen Umsätzen gekennzeichnet.

Wenn es dem DAX nicht schnell gelingt, die 10.150 zu überschreiten und stattdessen bald wieder Richtung 9.350 fällt, muss man dieses Durchbrechen mit höherer Wahrscheinlichkeit erwarten. Für den Gesamtverlauf des Jahres muss man sich daher – bei allem Optimismus, den man gerne haben sollte – auf deutlich tiefere Kurse einstellen. Wir diskutieren in diesem Fall den Bereich von etwa 8.000 Punkten. Das ist ein Szenario, das so manchen erschrecken mag. Denken Sie aber daran, dass wir von einem DAX-Stand (Mitte April 2015) von rund 12.400 Punkten kommen. Wir haben also schon ein ganzes Stück nach unten zurückgelegt. Diese rund 1.600 Punkte bis zum Stand 8.000 sind also nicht mehr unglaublich weit weg. Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass es sich bei diesen 8.000 Punkten um die Höchstmarken der Jahre 2000 und 2008 handelt. Das war einst ein bedeutender Widerstandsbereich nach oben, den wir vor gar nicht allzu langer Zeit erst nach oben überwunden haben. Bei einem Rücksetzer bis auf 8.000 DAX-Punkte wäre also noch gar nichts verrutscht, sondern das wäre noch immer eine ganz normale Korrektur. Erst unterhalb dieses Levels, vor allem ab 7.600 Punkte, müssten wir – verzeihen Sie den martialischen Ausdruck – den Stahlhelm enger schnallen und in Deckung gehen. Auch diese Gefahr ist durchaus gegeben, doch dazu zu gegebenem Zeitpunkt mehr. Zudem handelt es sich – wie bei allen Indexprognosen – um Wahrscheinlichkeiten, niemals um Garantien oder unverrückbare Vorhersagen.

Irland optimistisch hinsichtlich seiner Konjunktur – doch auf wessen Kosten?

Irland zeigt sich überaus optimistisch hinsichtlich seiner Wirtschaftsentwicklung. Für das vergangene Jahr wird nun mit einem BIP-Plus von 6,6 Prozent gerechnet, nach ursprünglich 5,8 Prozent. Für 2016 erwartet man etwas weniger Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt, der aber bei immerhin noch 4,8 Prozent liegen soll. Warten wir ab, wie sich dieses Jahr entwickeln wird. Irland erholt sich von sehr niedrigem Niveau ausgehend wieder. Nun, das irische Modell zur Steuerersparnis für große Unternehmen trägt ganz sicherlich dazu bei.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet für Deutschland eine Wachstumsbeschleunigung für das angelaufene Jahr, ganz im Gegensatz zu den Einschätzungen der Bundesregierung. Letztere senkt die Wachstumsprognose leicht herab. Es wird also wieder ein bisschen gewürfelt. Ich bin derzeit mit vielen Volkswirten im Gespräch und daraus ergibt sich auch ein Verständnis, warum deren Prognosen immer so unspektakulär sind und man den Eindruck gewinnt, sie nehmen die Brisanz der Situation nicht wahr. Tatsächlich finden diese Extremrisiken in ihren Analysen kaum Platz. Sie gehen grundsätzlich von einer mehr oder weniger geordneten Weiterentwicklung ohne große Schocks aus, da sie diese kaum Quantifizieren können. Also werden diese einfach ignoriert oder mit dem schützenden Beisatz „Wenn es nicht zu derzeit nicht absehbaren externen Einflüssen kommt“ Wenn es dann tatsächlich eintritt, sind sie mit den Kollegen auch in guter Gesellschaft und verkünden wie so oft in der Vergangenheit „Das konnte niemand absehen!“. Aus deren Sicht nachvollziehbar, sie wollen sich möglichst wenig angreifbar machen und sich im konservativen Kollegenkreis nicht blamieren. Das Problem haben wir hier nicht, wir können die Probleme beim Namen nennen und darauf verweisen. Vielleicht ergänzt sich das dann ja ganz gut.

Russlands Wirtschaft schrumpft – Japans miese Exportzahlen: Ein mehr als deutlicher Fingerzeig auf die Abkühlung in China!

Die russische Wirtschaft schrumpfte gemäß der offiziellen russischen Statistikzahlen im Gesamtjahr 2015 um 3,7 Prozent. Der abstürzende Ölpreis und die Sanktionen des Westens machen Russland massiv zu schaffen und die Probleme diesbezüglich dürften auch in den kommenden Monaten nicht kleiner werden.

Auch Japan hat seine liebe Not mit den wirtschaftlichen Rahmendaten. Dies ist zwar keine so ganz neue Erkenntnis, doch es kommt nun immer heftiger. Die Importe gingen im Dezember um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück, wenngleich auch an dieser Stelle der niedrige Ölpreis mit hineinspielt. Aber auch die Exporte sanken im gleichen Monat um acht Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Das ist ein heftiger Einbruch, genauer gesagt der stärkste Einbruch seit 2012. Die japanischen Börsen reagieren (widersinnigerweise) mit Freudensprüngen, ganz nach dem Motto „Schlechte Wirtschaft ist klasse, denn dann gibt es wider billiges Geld...!“ Das klingt nicht gerade sinnvoll, ist aber die Logik der Börse.

Für diesen Exporteinbruch Japans waren übrigens in erster Linie die Zielmärkte USA und China verantwortlich. Hierbei gingen die Handelsströme in Richtung USA übrigens nicht so stark zurück wie jene in Richtung China. Aus dem Reich der Mitte war 8,9 Prozent weniger Nachfrage nach japanischen Gütern zu verzeichnen als im Jahr zuvor. Diese Zahl ist sehr interessant und spannend, wie ich finde. Denn seit geraumer Zeit bekommen wir zu hören, dass China sein volkswirtschaftliches Konzept umstellt, und zwar von Export auf Binnennachfrage. Nicht zuletzt deshalb kühle sich die chinesische Wirtschaft momentan etwas ab, so die langläufig publizierte offizielle Argumentation. Man solle sich keine Sorgen machen, denn auch 6,5 Prozent Wachstum seien immer noch respektabel. Außerdem passten solche Entwicklungen besser zu einer Gesellschaft, die sich mehr auf die Binnennachfrage konzentriere. Das chinesische Zentralkomitee entscheidet dann auch einfach per Fünf-Jahres-Plan, dass man sich mehr auf die Binnennachfrage statt auf die Exporte fokussieren solle und mit diesen Wachstumszahlen eigentlich ganz zufrieden sein könne.

Meine Damen und Herren, das ist vollkommener Hafenkäse! Erstens, wie soll so etwas überhaupt funktionieren? Wie stellt man überhaupt eine Wirtschaft per Dekret von Export- auf Binnennachfrage um? Heißt das etwa, man bestimmt die Schließung diverser Fabriken, die von morgen an nichts mehr produzieren und exportieren sollen? Heißt das zugleich, dass die Bürger aufgefordert werden, nun bitteschön mehr einzukaufen. Woher die Chinesen das nehmen sollen, wenn sich die Wirtschaft weiter abkühlt, bleibt ein Geheimnis der Parteinomenklatura. Offen gestanden kann man eine wirtschaftlich gewünschte Entwicklung nicht per Fünf-Jahres-Plan anweisen. So etwas passiert schlicht und einfach. Man kann zwar längerfristig, d.h. in einer Perspektive von mehreren Jahrzehnten, Veränderungen herbeiführen bzw. diese durch staatliche Maßnahmen anregen oder begleiten. Ob eine gewünschte Entwicklung aber tatsächlich so kommt, bleibt dahingestellt. Denn oftmals sind bestimmte Entwicklungen weder vorhersehbar noch gewollt - und insofern auch kaum steuerbar, zudem in sehr kurzen Zeitfenstern. Einen Beschluss, sich von heute auf morgen von Export- auf Binnenwirtschaft umzuorientieren, halte ich von daher für vollkommenen Unfug. Selbst wenn dieses Modell tatsächlich stimmen und real greifbar wäre, weshalb sinken dann die Exporte Japans nach China allein im Dezember binnen Jahresfrist um 8,9 Prozent? Schließlich sollen die Chinesen doch jetzt weniger exportieren und stattdessen mehr Güter nachfragen, sprich importieren. Das passt irgendwie nicht zusammen. Der niedrige Ölpreis kann hierfür übrigens nicht verantwortlich gemacht werden, denn Japan liefert ja gar kein Öl nach China. Vielmehr ist Japan selbst zu 100 Prozent auf Ölimporte angewiesen. Vergessen wir also das alles. Fakt ist, dass es in China den Bach runter geht – trotz aller Versuche, sich das schönzureden. Es gibt kaum noch ernstzunehmende Ökonomen, die die 6,5% offizielles Wachstum für eine Phantasiezahl halten und es gibt einige, die sogar  davon ausgehen, daß China bereits in der Rezession ist.

China ermittelt gegen den Chef der eigenen Statistikbehörde

Dazu passt, dass China aktuell gegen den Chef der eigenen Statistikbehörde ermittelt – eine durchaus spannende Meldung. Denn dabei handelt es sich um genau die Behörde, die regelmäßig vermeldet, wie hoch das (offizielle) Wirtschaftswachstum ist.. Als Begründung für diese Ermittlungen werden Korruptionsvorwürfe zitiert. Nun, sei’s drum, was letzten Endes wirklich dahintersteckt. Fest steht, dass man gegen den Chef der eigenen Statistikbehörde ermittelt. Mal sehen, welche Nachrichten aus dieser Nummer in den nächsten Tagen noch auf uns zukommen werden.

Harte Fakten und „Stimmungen“ am Beispiel des Bauhauptgewerbes in Deutschland

Aus dem Bauhauptgewerbe in Deutschland kamen in dieser Woche einige erstaunliche Zahlen. Zunächst eine positive Überraschung: Im November stiegen die Auftragseingänge gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent. Wo mag dieser Anstieg herkommen? Sicherlich mag u.a. der zusätzliche Bedarf im Bereich der Asylunterkünfte dazu beigetragen haben. Denn wenn man nicht weiß, wo man derart viele Neuankömmlinge unterbringen soll, dann muss man bauen, und zwar richtig mächtig. Dann wird alles angefragt, was einen Backstein und eine Spachtel halten kann. Dass diese Entwicklung natürlich die Auftragszahlen im Bauhauptgewerbe nach oben zieht, dürfte nicht wirklich überraschen. Dass dieser Trend nicht unbedingt gesund für die Konjunktur sein muss – Stichworte Kreditnachfrage und Belastung öffentlicher Haushalte in Kommunen, Ländern und beim Bund –, dürfte ebenso auf der Hand liegen. Aber immerhin ist dies gut für die Bauindustrie. Also müsste die Stimmung dort richtig gut sein.

Allerdings meldete das ifo-Institut in dieser Woche das genaue Gegenteil. Der ifo-Index fiel deutlich um 1,3 Punkte auf 107,3. Der scheidende ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sagt: „Die Wirtschaft blickt erschrocken ins neue Jahr.“ Nun, aufgrund der aktuellen Entwicklungen ist das auch kein Wunder. Das zeigt aber auch, wie stark dieser Index von den aktuellen Entwicklungen abhängig ist. Ich nehme diesen Index von daher auch nicht allzu wichtig, da die aktuellen Entwicklungen in den Medien eine wesentlich prominentere Rolle in den Stimmungsschwankungen der Unternehmer spielen als das, was langfristig tatsächlich für die eigenen Unternehmen erwartet wird. Das bedeutet, dass dann, wenn man als Unternehmer etwa ständig zu lesen bekommt, dass es um die Wirtschaft in China schlecht bestellt ist, im Rahmen einer Umfrage die Antwort wohl nicht allzu positiv ausfallen wird – und zwar unabhängig davon, wie voll die Auftragsbücher tatsächlich sind.

Die Kernaussage der Daten des ifo-Index für das Baugewerbe lautete übrigens: „Im Baugewerbe verschlechtert sich die Stimmung deutlich.“ Gemeint ist also das Baugewerbe, das soeben Rekordauftragseingänge mit einem 19-Prozent-Plus gegenüber dem Vorjahr aufgewartet hatte. Das erkläre sich mal einer. Von daher ist es unabdingbar wichtig, alle harten Fakten logisch zusammenzuführen und sich nicht allzu sehr von irgendwelchen Indikatoren in die Irre führen zu lassen.

US-Wirtschaft: Ist wirklich alles in Butter und fit für weitere Zinserhöhungen?

Schlechte Aussichten gibt es derweil für die USA, auch wenn es landläufig immer heißt: „Dort läuft es gut, die Arbeitslosenzahlen sehen wieder wesentlich besser aus, man kann die Zinsen erhöhen.“ Tatsächlich sollten wir noch einmal auf die Fakten blicken: Die Nachrichtenagentur Dow Jones Newswire hat hierzu eine schöne Zusammenfassung gemacht und sehr richtig erkannt, dass jeder Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg jeweils ein Rückgang bei der Industrieproduktion, bei den Unternehmensgewinnen und bei den Börsenkursen vorausging. Was haben die USA momentan in dieser Hinsicht vorzuweisen? Die US-Industrieproduktion fällt in zehn der letzten zwölf Monate, die Unternehmensgewinne gehen schon seit dem Sommer 2014 deutlich zurück, per drittes Quartal 2015 um fünf Prozent. Der Dow Jones ist zudem seit Jahresbeginn um 7,6 Prozent gefallen.

Also sehen wir alle einschlägigen Vorwarnzeichen für eine Rezession in den USA erfüllt. Hinzu kommt, dass das große US-Transportunternehmen Union Pacific einen Gewinneinbruch von 22 Prozent vermeldet hat. Insgesamt steht der Transportsektor in den USA deutlich schlechter da als der Gesamtmarkt und es wird in den USA weniger transportiert. Was nicht verkauft wird, muss auch nicht transportiert werden, bleibt also auf Halde liegen. Kurzum: All dies spricht durchaus für eine Rezession in den USA. Das alles zusammen mit steigenden Zinsen? Das passt doch hinten uns vorne nicht zusammen. Das sind im übrigen auch die Sorgen, die all diejenigen umtreiben, die ein bisschen mehr hinter die Kulissen und nicht unbedingt mit der klassischen volkswirtschaftlichen Lehrbuchbrille nur noch auf die vordergründigen Indikatoren blicken. Es ist zu konstatieren, dass an dieser Stelle etwas mächtig verrutscht. Die Börsen übertreiben hierbei nicht, sondern beginnen langsam zu verstehen, was hier gerade passiert. Deshalb ist höchste Vorsicht momentan die Mutter der Porzellankiste.

Chefvolkswirt der OECD warnt vor einer neuen Finanzkrise

Der Chefvolkswirt der OECD, William White, hat sich sehr klar zur finanz- und weltwirtschaftlichen Entwicklung geäußert und teilt hiermit unsere Sorgen. Er warnt vor einer weltweiten Krise des Finanzsystems, das gefährlich instabil sei und eine Lawine von Pleiten nach sich ziehen könne. Er benennt zugleich Gefahren für die soziale und politische Stabilität, die mit deutlich größeren Risiken als in den Jahren 2007 ff. verbunden seien. Außerdem sei die Munition der Regierungen und Regulierer weitgehend aufgebraucht. Eine derart klare Aussage des Chefvolkswirtes der OECD sollte man durchaus wahr- und ernstnehmen, zumal bereits einige große Namen in den letzten Monaten vor genau dieser Entwicklung gewarnt haben. Ich glaube also, dass all diejenigen, die überhaupt kein Problem am Horizont heraufziehen sehen, diese Situation noch nicht so ganz erkannt haben dürften und – ob vordergründig, um beispielsweise nicht ihren Verkaufserfolg zu schmälern oder aber aufgrund fehlender Hintergrundinformationen – die Lage zu rosig einschätzen. Man sollte die Szenarien nach unten zwar nicht übertreiben, doch man sollte die Risiken durchaus wahrnehmen und tunlichst nicht ignorieren. William White fügt noch hinzu, ich zitiere: „In der nächsten Rezession wird es offensichtlich sein, dass viele dieser Schulden niemals bedient oder zurückbezahlt werden können. Dann wird es für eine Menge Menschen, die glauben, dass ihre Vermögenswerte etwas wert sind, ungemütlich.“

Billionenschwere Dollarkredit-Risiken für die Schwellenländer

7,6 Billionen US-Dollar an Krediten wurden in den letzten Jahren an die Schwellenländer vergeben. Das bedeutet also, dass etwa Privatpersonen oder kleine und mittelgroße Unternehmen Währungskredite in beträchtlichem Umfang in US-Dollar aufgenommen haben. Diese werden jedoch für gewöhnlich in heimischer Währung bezahlt. Wenn die US-Zinsen ansteigen – was sie ja mittlerweile tun –, dann ziehen auch die Zinsen für US-Dollarkredite an. Also wird auch deren Refinanzierung teurer, d.h. es wird auch schwieriger, diese US-Dollarkredite zu bedienen oder zurückzuzahlen, zumal dann, wenn dafür immer mehr an heimischer Währung aufgebracht werden muss. Denn die jeweilige Landeswährung muss zur Bedienung dieser Fremdwährungskredite wieder in US-Dollar getauscht werden. Da aber der US-Dollar gegenüber diesen Währungen steigt, zumal dann, wenn in den USA die Zinsen weiter ansteigen sollten, wird eine Bedienung dieser US-Dollarkredite immer schwieriger. Nun befinden wir uns auch noch in einer Phase, in der die Schwellenländer ökonomisch unter Druck sind. Genau darin liegt das gefährliche Potenzial einer Kettenreaktion, die zu großen Verwerfungen führen könnte. Denken Sie in diesem Zusammenhang beispielsweise an die Aussage eines chinesischen Analysten, der sagte: „In China sehen wir die größte Blase der Weltwirtschaft – und steigende US-Zinsen werden sie zum Platzen bringen.“ Diese Situation sollte man stets im Hinterkopf behalten.

Dirk Müller Premium Aktien Fonds: Unsere neue Nummer 40

Wir haben die Tiefstkurse von letzter Woche um 9.350 Punkte im DAX dazu genutzt, einen kleineren Teil der Absicherungen kurzfristig aufzulösen. Wir haben an der Stelle Kasse gemacht, an der wir laufzeitbedingt ohnehin einige Absicherungen „drehen“ mussten. Mit Erreichen der 9.850 haben wir diese Absicherungen dann mit längerer Laufzeit wieder aufgefüllt. 500 Punkte Differenz und eine abnehmende Volatilität (was Optionen billiger macht) haben uns hier einen schönen Zusatzertrag gebracht. Zugleich haben wir diese (vorübergehende) Bodenbildung für ein paar Zukäufe genutzt, etwas Liquidität abgebaut und nicht zuletzt unsere neue Nummer 40 mit ins Depot aufgenommen.

Vor einigen Wochen wurde uns ja die 40. Aktie – Keurig Green Mountain – aufgrund einer Firmenübernahme mit einem Kursplus von rund 75 Prozent gegenüber der letzten Notierung aus unserem Depot herausgekauft. Dieses Geld haben wir nun eingesetzt und Anteile des starken Insulinherstellers Novo Nordisk erworben, ein Unternehmen mit einem sensationellen Cashflow. Wir wollten uns eigentlich schon zum Fondsstart bei diesem Unternehmen engagieren, aber das ist uns damals kurzfristig zu teuer geworden, nachdem der Aktienkurs innerhalb von wenigen Wochen stark gestiegen war. Inzwischen ist der Kurs zwar immer noch in etwa auf diesem Niveau, aber bei dem Unternehmen hat sich zwischenzeitlich auch einiges getan. So haben sich innerhalb dieses knappen Jahres die Umsätze und die Unternehmensgewinne deutlich erhöht. Das Unternehmen ist von daher deutlich wertvoller geworden – und das zum gleichen Preis wie vor einem Jahr. Zudem handelt es sich hierbei um einen recht stabilen und wenig konjunktursensitiven Titel, der sich in diesen aktuell schwankenden Märkten wohltuend ruhig verhält. Von daher erscheint es sinnvoll, unser alte Liebe Novo Nordisk mit in unseren Fonds aufzunehmen.

Momentan liegt unser Fonds etwa zehn Prozentpunkte vor dem Vergleichsindex MSCI World. Die Auswahl guter Aktien in Kombination mit den Absicherungen für die Gesamtmärkte macht sich überaus bezahlt.

Der Netzwerkspezialist für Telekommunikationssysteme Ericsson hat diese Woche frische Zahlen vermeldet. Das Unternehmen kann zwar ein Umsatzplus von 8 Prozent vorweisen, doch dieses war im Wesentlichen günstigen Wechselkurseffekten geschuldet. Der Gewinn ging sogar noch deutlicher nach oben, und zwar um rund zwei Drittel. Das Geschäft lief in Indien und in den USA zwar ganz gut, in Brasilien, Russland und im Nahen Osten jedoch sehr schlecht. Insbesondere beim US-Geschäft schlugen die genannten Wechselkurseffekte besonders positiv zu Buche: Das Unternehmen hat seine Umsätze dort in US-Dollar generiert, die dann in eine sich abschwächende Schwedische Krone gewechselt wurden. Dadurch konnte man von einem Rückenwindeffekt durch Währungsgewinne profitieren. Die Dividende wurde von 3,40 auf 3,70 Kronen angehoben.

Für 2016 wurde ein Sparprogramm angekündigt, denn auch der Ausblick bleibt verhalten: Der Telekommunikationssektor befindet sich in einer Phase, in der insgesamt weniger investiert wird und die – zumindest kurzfristig – keine Verbesserungen für die US-Märkte erwarten lässt. Zwar befand sich die Aktie nach Zahlenbekanntgabe unter Druck, es sei aber dennoch die Frage nach den langfristigen Perspektiven für das Unternehmen aufgeworfen. Wird der Telekommunikationssektor tatsächlich ewig unten bleiben oder wird es auch in diesem Bereich Weiterentwicklungen geben, z.B. beim Datenfluss und -volumina, neuen Datentechniken (etwa 5G), einer qualitativ besseren Videoübertragung usw.? Es stellt sich weniger die Frage, ob in diesem Sektor wieder mehr investiert wird, sondern wann. Sämtliche Unternehmen dieser Branche gehen momentan durch eine Art Tal der Tränen. Die Frage ist, ob sich das Geschäft der Telekommunikationsindustrie in einer Delle befindet, das langfristig wieder den Weg nach oben findet. Sollte dem so sein, dann kann man diese Schwächephasen nutzen, um Unternehmen, die eine langfristig starke Perspektive haben, zu relativ günstigen Preisen einzusammeln. Es kann durchaus einmal zwei oder drei Jahre dauern, bis die Branche wieder zum Pfad nach oben zurückfindet. Spannend sind hierbei also die langfristigen Perspektiven – und weniger spannend jene Boomphasen, in denen das Geschäft ausgezeichnet läuft und jeder diese Titel haben möchte, wohlwissend, dass es dann bald wieder zu einer Beruhigung dieses Zyklus’ kommen wird. Cleverer ist es von daher, ein solches Unternehmen in einer ruhigeren Phase zu kaufen, wenn man davon überzeugt ist, dass das Geschäft langfristig ein Erfolg werden wird.

Durchaus intensiv wurden in dieser Woche die Quartalszahlen von Apple diskutiert. Der Iphone-Absatz erreichte mit einem Plus von 0,4 Prozent und 76,8 Millionen verkauften Geräten einen neuen Rekord. Auch der Gewinn erreichte mit 18,4 Milliarden Dollar einen neuen Höchstwert. Ich glaube, nur ein einziges Mal in der Geschichte hat ein einzelnes Unternehmen einen höheren Gewinn ausgewiesen. Man mag sagen, das ist sensationell, zumal schon im Vorjahr ein Rekordergebnis erzielt wurde. Trotzdem ist der Markt enttäuscht und man glaubt, dass Apple diesen Erfolg nicht in dieser Form durchhalten könne. Auch die Prognosen von Apple könnten das vermuten lassen: Apple erwartet einen Rückgang von 58 Milliarden auf 50 bis 53 Milliarden Dollar. Das stand jedoch auch zu erwarten, dass das Wachstum nicht ewig in exponentieller Form weitergehen wird. Der starke US-Dollar hat zudem am Gesamtergebnis gezehrt. Wechselkursbereinigt wäre der Apple-Gewinn nämlich um 8 Prozent gestiegen. So wie sich die Wechselkurse positiv auf das Ergebnis von Ericsson ausgewirkt haben, schlug dieser Effekt bei Apple entsprechend negativ zu Buche.

Nun stellt sich die Frage, wie es jetzt weitergeht. Apple hat sich nie am Billighandy-Segment vergriffen, sondern war immer im Hochpreissegment angesiedelt. Die Iphone-Preise wurden im Schnitt um vier Dollar angehoben. Beachtliche 691 Dollar beträgt der durchschnittliche Preis eines Smartphones. 75 Prozent des Apple-Gewinns wird durch das Iphone-Geschäft generiert, der Rest spielt eher eine untergeordnete Rolle. Wie viele Smart Watches verkauft werden, interessiert nur am Rande. Der Ergebnisbeitrag aus China liegt inzwischen bei 25 Prozent. Das bedeutet, dass eine wirtschaftliche Abkühlung in China künftig auch bei Apple auf die Unternehmenszahlen drücken dürfte. Apple wird auch insgesamt seine Wachstumszahlen nicht mehr in dieser Form aufrecht erhalten können – darüber dürfte Einigkeit bestehen. Die Frage ist aber: Kommt das Unternehmen dadurch auch in Schwierigkeiten? Bei Apple handelt es sich nicht nur um eines der größten Unternehmen in diesem Bereich, sondern insgesamt einen der größten Konzerne überhaupt. Apple stellt Produkte her, die in aller Welt gefragt sind, hat über eine Milliarde User, die aus dieser Apple-Welt überhaupt nicht mehr herauskommen. Braucht Apple also unbedingt „The next big thing“? Daimler, BMW und Konsorten beispielsweise haben über Jahrzehnte, gar länger als für ein Jahrhundert, immer das gleiche Produkt verkauft, das immer aus vier Rädern, Motor, Getriebe und Karosserie bestand. Das nennt sich Auto. Dieses Produkt hat man immer wieder, jedes Jahr mit neuen Modellen, mit facelift oder update als Zwischenmodell auf den Markt gebracht.

Genau so verhält es sich mit den Iphones von Apple: Es gibt einen neuen Sprung, dazwischen auch ein komplett neues Modell etc.. Das funktioniert bei den Autobauern seit Jahrzehnten, ohne dass man das Rad neu erfinden muss. Warum sollte das bei den Smartphones nicht genau so funktionieren? Es werden neue Speicher benötigt, man braucht höhere Datenübertragungsgeschwindigkeiten, höhere Auslösungen usw. usf., man bringt laufend neue Updates unter die Leute – und diese kaufen und kaufen, werfen die Altgeräte weg und kaufen neue... Einen gesättigten Markt wird es in diesem Sektor nie geben. Irgendwann gibt es Hologramme und damit weitere Ideen, ständig neue Updates herauszubringen. Dabei gelingt es immer wieder, die Käufer in langen Warteschlangen vor den Märkten zu versammeln. Man muss sich daran gewöhnen, dass das Wachstum auch dieses Unternehmens in Zukunft geringer sein wird, aber man wird sich ebenso daran gewöhnen, dass es auch künftig ein Vermögen verdienen wird. Erst wenn völlig neue Kommunikationswege entstehen würden, die heute nicht absehbar sind, müsste dies überdacht werden. So wie derzeit im Automobilsektor. Günstige Kurse zum Kauf zu nutzen, wenn alle Kassandra rufen, dürfte auch in dieser Hinsicht nicht der verkehrteste Weg sein.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein angenehmes und erholsames Wochenende und viel Spaß beim Lesen der Beiträge.

Herzlichst

Ihr Dirk Müller