Guten Tag meine Damen und Herren,

Die Märkte zeigten sich diese Woche insgesamt weiter zuversichtlich und stabilisieren nach dem starken Anstieg der letzten Monate weiterhin auf hohem Niveau. Mit einem kurzfristigen Höhenflug um über 200 Punkte erreichte der DAX am Dienstag, nicht weit unter der Marke von 13.000 Punkten, zwischenzeitlich wiedermal einen neuen Höchststand. An den folgenden Tagen gab es etwas Durchatmen, denn die Luft dort oben ist dünn.

Der Nasdaq hat sich nach seinem kurzen Schreckmoment vom Freitag vorletzter Woche beruhigt, die Tec-Werte erholten sich deutlich. Wir bleiben damit im gewohnten Korridor. Unterstützungen finden wir im DAX bei 12.700 und 12.400/12.500 Punkten. An den Märkten herrscht Sorglosigkeit, der VDAX bleibt bei rund 12% auf einem sehr tiefen Stand. Euphorie ist hingegen nicht zu spüren -  und damit ist die Basis für weiter langsam steigende Kurse gegeben. Die Risiken bleiben jedoch bestehen und können jederzeit zuschlagen.

Fallende Rohstoffpreise haben Ihre Konsequenzen

In diesem Sinne lohnt es sich auch, die seit März/April fallenden Rohstoffpreise im Auge zu behalten. Denn deren Entwicklung passt so gar nicht zu den dauerhaft steigenden Aktienkursen. Vor allem der Ölpreis (WTI) geriet stärker unter Druck und fiel mit 43$ pro Barrel zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit Februar 2016. Charttechnisch kann es hier jetzt auch deutlich tiefer gehen. Für die USA rühren sich infolgedessen, zusammen mit steigenden Leitzinsen bei reihenweise enttäuschenden Wirtschaftsdaten, die Zutaten für eine Rezession an. Für Saudi-Arabien sind diese Entwicklungen jedoch besonders problematisch, denn hier bräuchte man endlich wieder einen Ölpreis um die 100$ für einen ausgeglichenen Staatsaushalt.

Auf Verdacht: Neue US-Sanktionen gegen Russland

Wegen des Verdachts auf mögliche Wahlmanipulationen in der Ukraine verhängte die USA neue Sanktionen gegen Russland. Die eigenen, bereits bewiesenen Wahlmanipulationen in anderen Ländern geraten dabei natürlich in völlige Vergessenheit. Mit den Sanktionen möchte man Russlands Gaslieferungen nach Europa reduzieren. Europa soll sein Gas lieber woanders her beziehen.

US-Geostrategie verlangt von uns Handeln gegen die eigenen Interessen

Daher sind diese Maßnahmen auch ganz klar gegen Northstream 2 gerichtet, also die zweite große Pipeline, die Gas von Russland nach Europa bringen soll. Wir brauchen dieses russische Gas, wir erinnern uns! Und damit gehen die Sanktionen ganz eindeutig auch gegen die damit verbundenen Unternehmen in Europa, wie BASF, Wintershall, E-ON, OMV und viele andere, die davon ganz massiv betroffen werden. Wohlgemerkt aus geostrategischem Interesse Amerikas heraus. Also Sanktionen von Amerika gegen Russland, die wir mitgehen sollen, gegen unsere eigenen Unternehmen, weil die Amerikaner das so wollen. Nur um es mal auf dem Punkt zu bringen.

Der Kreis schließt sich: Katar als neuer Energielieferant

Aus diesem bösen Russland sollen wir also künftig kein Gas mehr bekommen, oder möglichst weniger. Woher sollen wir es stattdessen denn bitte schön hernehmen?
Genau! Aus Katar! Katar ist eines der größten Gasförderländer der Welt und besitzt zusammen mit dem Iran ein großes Gasfeld, das zwischen diesen beiden Ländern liegt. Und genau hierher sollen wir künftig unser Gas beziehen. Die zu diesem Zweck geplante Pipeline sollte dann durch Saudi-Arabien und Syrien laufen, um dann -wahlweise über Griechenland oder die Türkei-  das Gas bis nach Europa zu bringen. Das hätten die Amerikaner gerne so gehabt. Doch Assad hat gesagt: „Nö, will ich nicht“ - und damit war Assad natürlich ein Riesenproblem.

Die Kriegsgefahr im Nahen Osten steigt

Vor diesem Hintergrund der Anlehnung zwischen Katar, dem Iran und Russland als Schutzmacht von Syrien, sollte man also die aktuellen Entwicklungen sehen. Nach dem Abschuss des syrischen Kampfjets durch die USA Anfang der Woche, folgten bereits einige Scharmützel und man kann eigentlich schon abwarten, wann es demnächst zu direkten Auseinandersetzungen zwischen den beiden Großmächten USA und Russland auf syrischem Boden kommt. Inzwischen hat auch China Kriegsschiffe in den persischen Golf entsandt – das Säbelrasseln wird lauter. Auch der überraschende Machtwechsel im Königshaus Saudi-Arabiens scheint nicht gerade für die Befriedung des Konfliktherds zu sprechen. Die Kriegsgefahr in der Region steigt.

Größter Steuerskandal in der Geschichte der Bundesrepublik bleibt ungesühnt

Zurück nach Deutschland. Vielleicht haben Sie es immer wieder mal am Rande gelesen – mit den sogenannten Cum-Ex-Geschäften hatten wir in den letzten Jahren einen Riesen-Steuerskandal in Deutschland. Aus meiner Sicht ist es sogar der größte Steuerskandal in der Geschichte der Bundesrepublik. Hier geht es immerhin um einen Steuerschaden in Höhe von 10-30  Milliarden Euro. Genau weiß man es auch nicht mehr. Jetzt gab es da einen Untersuchungsausschuss und die Regierungsparteien haben sich mal angeschaut, was damals passiert ist, wie diese Betrügereien stattfinden konnten. Denn diese Geschäfte waren von Beginn an illegal! Es wurde nur einmal Kapitalertragssteuer bezahlt - aber  mehrfach zurück erstattet. Mehr als hundert Banken waren daran beteiligt und das lief seit den achtziger Jahren bis 2012. Und da waren sowohl SPD Finanzminister Steinbrück, als auch CDU Finanzminister Schäuble im Amt. Tja. Jetzt gab es den Abschlussbericht der Bundestagsparteien, nachdem sie das jetzt lange lange untersucht haben. Und? Alles nur heiße Luft! Sie sehen bei sich keine Fehler. Der Tenor heißt in etwa: „Naja…da hat keiner was falsch gemacht… und wir haben jetzt viel über kriminelle Machenschaften der Banken gelernt… aber damit soll es jetzt auch gut sein.“

Ein Aufschrei müsste durch die Republik gehen

Meine Damen und Herren, da kann man auf die Barrikaden gehen! Wenn man sieht, dass für Kleinigkeiten Strafen verteilt werden und hier bis zu 30 Milliarden Euro Steuergelder über Jahrzehnte in kriminelle Kanäle geschoben werden und keiner etwas dagegen unternimmt. Man drückt die Augen zu weil man denen, die es betrifft, nicht wehtun möchte. Und am Ende bescheinigt man sich gegenseitig nichts falsch gemacht zu haben - und weiter geht’s!

Ein Aufschrei müsste durch die Republik gehen, ein Aufbegehren der Bürger und Steuerzahler. Aber erstens verstehen sie es nicht und zweitens schreit keiner groß, weil sie alle in einem Boot sitzen und keiner außer den Rand-Parteien laut wird  - und denen hört man ja sowieso nicht zu. Derweil sind sich SPD und CDU einig darin, darüber jetzt nicht reden zu wollen - und damit war es das auch. Kurz: Es ist wirklich erbärmlich!

An dieser Stelle wünsche ich Ihnen beim Lesen der Beiträge einen Erkenntnisgewinn und nach diesen heißen Tagen für das Wochenende eine schöne Erfrischung – ob am Badesee oder im Biergarten.

Ihr
Dirk Müller