Am vergangenen Sonntag war ich in einem Biergarten zunächst Zeuge, dann Teilnehmer eines interessanten Gespräches, welches ich Ihnen an dieser Stelle nun sinngemäß wiedergeben möchte. Drei ältere Herren im Alter von ca. 70 bis 75 Jahren unterhielten sich angeregt über den NSA-Abhörskandal. Alle drei waren einhellig einer Meinung. Die ganze Aufregung über den Abhörskandal sei völlig übertrieben, meinte der eine. Der andere sagte, dass die Ausspähaktionen – wenn sie denn überhaupt stimmten – ja ausschließlich nur der persönlichen Sicherheit vor Terroristen dienten. Und der dritte bekräftigte mehrmals hintereinander, er habe nichts zu verbergen.

Mein innerer Druck wurde irgendwann zu stark und ich stand auf und begab mich zum Nachbartisch. „Guten Tag, die Herren, Reinhardt mein Name“, stellte ich mich vor und ließ die Kamera meines iPhones von Gesicht zu Gesicht wandern.

„Ich habe Sie gerade vom Nachbartisch aus belauscht. Ich fand ihr Gespräch sehr interessant und finde es bemerkenswert, dass Sie nichts zu verbergen haben. Würden Sie mir einmal kurz Ihre Kontostände auf´s Band sprechen?“

„Was soll das?“ erwiderte der Herr rechts. „Wer sind Sie? Filmen Sie gerade mit dem Handy? Mein Kontostand geht Sie nichts an. Machen Sie das Ding aus!“

„Aber Sie sagten doch, Sie hätten nichts zu verbergen? Wie sieht´s denn mit Krankheiten bei Ihnen aus? Noch alles in Ordnung mit der Prostata und so?“, fragte ich dreist und ließ die inaktive Kamera wieder von Gesicht zu Gesicht wandern.

„Sagen Sie mal, sind Sie noch ganz dicht? Verschwinden Sie!“, entrüstete sich einer der Rentner und fing leicht an zu zittern.

„Entschuldigung“, sagte ich „war nur ein Spaß. Obwohl mich Ihre bevorzugten Sexpraktiken auch interessiert hätten. Aber nun gut. Ich muss gerade feststellen, dass Sie doch einiges zu verbergen haben.“, antwortete ich.

„Machen Sie sich aus dem Staub, bevor ich die Polizei rufe. So eine Unverschämtheit!“, sagte der linke und umklammerte seinen Krückstock fester, um dann mit den Augen den Kellner zu suchen.

„Ist schon gut, die Herren, ich gehe ja schon. Konnte nur nicht wirklich glauben, dass Sie nichts zu verbergen haben.“, sagte ich und machte mich von dannen.

Ich denke, den drei älteren Herren ist nicht wirklich bewusst geworden, warum ich so frech war, was mir eigentlich – auch im Nachhinein – nicht Leid tut. Traurig und äußerst bedenklich finde ich, dass eine ganze Menge der deutschen Bürger ähnlich zu denken scheinen.

Hier nun aktuelle Umfragen und Statistiken zum Thema: