Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wir leben in einer Welt, die vor großen Veränderungen steht. Alles Traditionelles wird in Frage gestellt, nicht erneuert, sondern komplett neu erfunden. Das mag manch einer bedauern, denn der Mensch hängt - besonders mit steigendem Alter - doch sehr an seiner vertrauten Umwelt. Doch es wird sich nicht aufhalten lassen. Die Welt erfindet sich neu und das mit brachialer Konsequenz. "Die Welt neu denken" ist das geflügelte Schlagwort der neuen aufstrebenden Firmen mit ihren jungen Machern. Es ist gut, dass die Welt sich verändert und weiterentwickelt. Aber dennoch hat das traditionelle seinen Charme, seine Berechtigung und erst mit seinem Verschwinden stellt man fest, dass da etwas Wertvolles verlorengegangen ist.

Fortschritt und Veränderung ist nicht immer und in jedem Fall von Vorteil. Es ist gut, wenn die Technik dem Menschen Arbeit abnehmen kann. Gefährlich wird es, wenn der Mensch dabei überflüssig wird, er nur noch zum Effzienzstörer verkommt. Eine Welt ohne Menschen, von Maschinen gesteuert und entwickelt, wäre wahnsinnig effizient. Der Mensch ist zunehmend das störende Element im System. Aber ist es nicht der eigentliche Zweck des Systems, dem Menschen zu dienen? Eine philosophische Frage, die aber ganz konkrete Auswirkungen auf unseren künftigen Alltag und unsere Gesellschaft haben wird. Schon Henry Ford, der Erfinder der Fließbandarbeit, erkannte früh: "Maschinen kaufen keine Autos".

Ich war vor einiger Zeit in einer großen Fabrikanlage für Kurbelwellen. Sieben Fabrikhallen liefen auch am späten Abend unter Vollast und außer dem Pförtner war keine Menschenseele anwesend. Das gab mir einen Eindruck von dem, was uns künftig erwartet. Wo immer der Mensch - die teuerste, umständlichste, fehleranfälligste und am wenigsten berechenbare Produktionskomponente (ich habe den entmenschlichenden Begriff bewusst gewählt) - ersetzt werden kann, wird er ersetzt werden. Durch Maschinen oder Digitalisierung. Der Mensch stört die Abläufe. Aber wenn wir den Menschen nicht mehr im produktiven System benötigen, ja nicht mehr wollen, wo bleibt er dann? Wir ersetzen Anlageberater durch Roboadvisor, Chirurgen durch Operationsroboter, Taxi- und LKW-Fahrer durch selbstfahrende Fahrzeuge und jetzt Kassierer durch automatische Kassensysteme. Kaum eine Branche, die nicht davon betroffen wäre. Auch früher wurden Jobs durch technologische Entwicklungen überflüssig und es wurden Jobs in neuen Branchen geschaffen. Doch noch nie wurde der Mensch tatsächlich in so hoher Geschwindigkeit überflüssig. Hat sich früher ein Berufsbild im Laufe eines Arbeitslebens langsam aus dem Alltag verabschiedet und der Hufschmied ging einfach in den Ruhestand und schloss seinen Laden, so verschwinden und ändern sich Berufsbilder heute binnen weniger Jahre. Ein Arbeitnehmer müsste 3 oder 4 Ausbildungen in seinem Leben machen, aber der Mensch kann nicht binnen weniger Monate umprogrammiert werden wie ein Roboter. Zudem bleibt in hohem Maße fraglich, ob wirklich so viele neue Jobs geschaffen werden, wie durch die Technik überflüssig werden. Um es auf den Punkt zu bringen: Wir werden für die Menschen nicht mehr genug Arbeit haben. Es wird nicht mehr jeder Mensch gebraucht werden. Nicht im herkömmlichen Sinne von Arbeit. In der Folge gibt es zwei Gedankenansätze hierzu. Der eine ist der Gipfel der Zynik und seien Sie sicher, dass es Kreise gibt, in denen dieser Gedanke durchgespielt wird: "Dann müssen wir weniger Menschen werden".

Der andere und mir sehr viel angenehmere: "Wir müssen über die Verteilung der Produktivitätsgewinne durch die Automatisierung neu nachdenken". Ein bedingungsloses Grundeinkommen oder Bürgergeld wäre die Konsequenz. Schon im alten Rom waren "Brot und Spiele" die wichtigsten Grundlagen um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Notenbanken dachten ja schon über Helikoptergeld nach. Notenbankgeld zu Konsumzwecken direkt auf das Konto der Bürger zu überweisen. Das wäre nichts anderes als ein einmaliges "Bürgergeld". Ist der Schritt zum monatlichen Scheck da noch so weit?! Was wären die Folgen? Sicherlich gäbe es etliche Menschen, die sich in diese Hängematte wohlig fügen würden und den Tag dem Müßiggang widmeten. Aber wäre das überhaupt schlimm, wenn es keine Arbeit zu tun gibt? Wenn wir das Schlaraffenland geschaffen haben, in dem einem gebratene Tauben in den Mund fliegen ist es an jedem Einzelnen, wie er seine Lebenszeit verbringt. Von Müßiggang, zur Kulturentwicklung, Zeit für den Mitmenschen, die Pflege, Zeit für die Kinder, Sport und die Musen. Andere werden sich dennoch in die zur Verfügung stehende Arbeit stürzen, weitere Verbesserungen erfinden, neue Welten entdecken. Ich glaube nicht, dass wir Angst vor dieser Zukunft haben müssen. Der Traum vom Schlaraffenland ist so alt wie die Menschheit und jetzt, wo es am fernen Horizont erreichbar scheint, haben wir wie immer Angst davor, dass es tatsächlich Realität wird und unsere althergebrachte Art zu leben in Frage stellt. Wie immer müssen wir auch vor dem Schlaraffenland keine Sorge haben, wenn wir es richtig angehen. Dazu braucht es kluge Köpfe und ganz sicher keine Maschinen.

Ihr

Dirk Müller

Im folgenden Abschnitt finden Sie einen kleinen Auszug der umfassenden Studie von Dr. Eike Wenzel (Leiter Institut für Trend- und Zukunftsforschung), die ebenfalls Bestandteil von Cashkurs*Trends ist

Nie mehr die Füße an der Kasse platt stehen. Nie mehr den Einkauf vier- oder fünfmal in die Hand nehmen. Läden ohne Kassenzone, die Shopping tatsächlich endlich zum Vergnügen machen. Die Händler könnten enorme Kosten einsparen, das Personal wäre endlich für den Kunden und nicht das Bankkonto des Händlers da. Erleben wir gerade den Beginn der kassenlosen Gesellschaft? Die vielgelobten Technologien wie Apps, Big Data und das Internet der Dinge werden in den kommenden Jahren den Einzelhandel grundlegend verändern. Das Unternehmen, das zuallererst hinter dem nächsten Innovationssprung steht, ist Amazon. Aber auch andere Firmen haben längst damit begonnen, die Digitalisierung des stationären Handels in Angriff zu nehmen. Ein neuer Zukunftsmarkt entsteht, demnächst bereits vielleicht direkt vor unseren Augen – beim Kaufmann um die Ecke.

„AmazonGo“, das bahnbrechende Supermarktkonzept, das Amazon seit Ende 2016 testet und in einem Werbevideo präsentiert, wirkt wie eine Mischung aus Fastfood-Gastronomiekonzept und Nachbarschaftsladen. Mitarbeiter bereiten frische Baguettes und Salate zu, es gibt Käsekuchen-Cupcakes und diverse Getränke in dem Store, der sich an der Ecke 7th Avenue und Blanchard Street in Seattle be ndet. Eine Idealvorstellung vom stressfreien Einkauf, wie ihn sich Konsumenten und Händler wünschen, könnte wahr werden. Der Checkout nach dem Einkauf ist ja eigentlich für jeden eine Belastung, und am Ende muss man auch noch bezahlen. Natürlich werden wir auch in der schönen neuen Welt von AmazonGo zur Kasse gebeten – aber eben auf entspannte Weise, nicht während des Einkaufs, sondern diskret über eine Abbuchung auf unserem Konto.

Und so funktioniert das Go-System genau: Der Kunde öffnet die Amazon-App und führt beim Betreten des Stores sein Smartphone mit einem persönlichen QR-Code auf dem Display über eine Art Eingangsschleuse. Das System hat ihn samt hinterlegter Daten als Shopper identifiziert. Über fixe Sensoren und Kameras an Decke und Regalen, gekoppelt mit Bilderkennung und schlauer Software, weiß Amazon, welchen Artikel der Kunde nun in seine Einkaufstasche steckt. Alles wird in einem virtuellen Warenkorb verbucht, gerade so, als würde man online shoppen. Die Technologie funktioniere ähnlich wie bei einem selbstfahrenden Auto, meldet das Unternehmen, also offenbar mit zentimetergenauer Ortung. Abgerechnet wird über die App, die Dreh- und Angelpunkt der Lösung ist, und über das Kundenkonto bei Amazon.

Nun möchten wir Ihnen eines der Unternehmen vorstellen, die wir im Rahmen der Ausgabe "Kassenlose Supermärkte: Die Zukunft des stationären Handels" von Cashkurs*Trends in die Watchlist aufgenommen haben.

Amazon: Die Revolution des Handels

Nachdem Amazon den Onlinehandel salonfähig gemacht hat, will der Handelsgigant nun auch den stationären Handel digitalisieren. Amazon Go ist der erste Supermarkt der Welt, bei dem man die Waren einfach in die Tasche stecken und den Laden verlassen kann. Die Abrechnung erfolgt vollkommen automatisch beim Verlassen des Supermarkts.

Die Zukunft des Supermarkts hat Ende 2016 in Seattle im US-Bundesstaat Washington begonnen. Der Onlinehändler Amazon testet den ersten Supermarkt der Welt, der ganz ohne Kassen (auch ohne Selbstbedienungskassen) auskommt. Zunächst konnten nur Amazon-Mitarbeiter in dem als "Amazon Go" betitelten Supermarkt einkaufen, der Supermarkt soll aber bereits in den kommenden Wochen oder Monaten für die Allgemeinheit geöffnet werden.

Betritt ein Kunde den Laden, muss er auf seinem Smartphone zunächst die Amazon Go-App öffnen, um Zutritt zu erhalten. Im Supermarkt kann der Kunde dann nach Herzenslust Waren einsammeln und mit diesen den Laden wieder verlassen. Amazon Go setzt eine Vielzahl von Technologien ein, um automatisch zu analysieren, welche Waren der Kunde mit aus dem Laden nimmt und dann eine entsprechende Rechnung zu stellen. Kameras beobachten, welche Waren ein Kunde den Regalen entnimmt oder gegebenenfalls wieder zurücklegt. Außerdem werden RFID-Chips in den Waren eingesetzt. Auch künstliche Intelligenz kommt zum Einsatz, damit sich das Computersystem von Amazon Go ständig selbst verbessert und damit das Kundenverhalten besser nachvollziehen kann. Verlässt ein Kunde den Laden, wird der Einkaufswert der mitgenommenen Waren einfach dem mit der Amazon-Go-App verknüpften Amazon-Konto des Kunden belastet.

Wie die aktuellen Zahlen und die Bilanz von Amazon aussehen und welche weiteren Unternehmen wir in unserer Watchlist haben, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Cashkurs*Trends.

Alle weiteren wichtigen Informationen zu dem aktuellen Trendthema und die dazugehörigen spannenden Aktienanalysen finden Sie im bereits erschienenen Cashkurs*Trends Börsenbrief.

!!! Wichtiger Hinweis: Alle Cashkurs-Premium-Mitglieder erhalten 25% Rabatt auf eine Cashkurs*Trends-Mitgliedschaft !!!

Das nächste Webinar von Cashkurs*Trends findet am kommenden Mittwoch, den 22. Februar 2017 um 18 Uhr statt. Alle interessierten Mitglieder von Cashkurs*Trends erhalten den Anmeldelink - wie gewohnt - vorab per E-Mail.

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