Die Musik in Kanada hat offenbar aufgehört zu spielen. Mit dem Einbruch der Hypothekenbank Home Capital Group. Dieser Kreditgeber hat es dank des drastischen Kursrutsches nun auch einmal kurz in die Medien geschafft. Den Kollegen der anderen Institute ist dies bisher noch nicht gelungen, aber all zu lange kann es angesichts der trüben Aussichten nicht mehr dauern.

Man kann sehen, wie schnell sich eine veränderte Wahrnehmung auf eben noch stabile Kurse auswirken kann. Innerhalb von nur drei Monaten verpuffte eine Rendite von 11,59% pro Jahr und die Kurse erreichten das Niveau von vor 14 Jahren. Zum Glück kratzt so etwas den entspannten passiven buy & hold-Anhänger nicht. Einfach nochmal 20 Jahre warten. Dividenden wird es aber vorerst wohl nicht geben, immerhin, das spart Steuern.

Die Ausgangslage ist freilich eine andere als seinerzeit in den USA. Das muss aber nicht zum Vorteil der Kanadier sein. Die Nullzinskredite und die non recourse loans, die es den Kreditnehmern ermöglichten bei Desinteresse einfach den Schlüssel an die Bank zu schicken, und sich damit des Kredits zu entledigen, gibt es in diesem Ausmaß in Kanada nicht. Das ist gut für die Banken aber nicht so gut für die Kreditnehmer. Die kleben dann, wie man es auch in Deutschland kennt auch bei fallenden Preisen und verdampfendem Eigenkapital am Kredit.

Keine schöne Sache und eine viele zähere Geschichte als ein großer Knall, der mit einer quasi zentralen Rekapitalisierung der Banken halbwegs ordentlich abgewickelt werden konnte (wobei man eine schmerzhafte Nahtoderfahrung des aktuellen Finanzsystems nicht vergessen sollte). Sollten nun also in den kommenden Jahren eine große Anzahl an Hauseigentümern Probleme mit ihren Krediten bekommen und die Banken ebenfalls zur nach der Euphorie üblichen restriktiveren Kreditvergabe zurückkehren, dürfte dies ein deutlich länger anhaltender Prozess als in den Staaten werden. Zudem haben wohl auch das silly german money und seine Freunde dieses Mal deutlich weniger kanadische Kredite erworben als seinerzeit US-amerikanische. Viel von der Soße, die sich die Nordamerikaner zusammengerührt haben, dürfte noch in den eigenen Töpfen köcheln.

Der Wahnsinn endete übrigens wie so oft ein einer Kaufpanik, in der die letzten Käufer nur vor einer Sache Angst hatten. Nicht mehr dabei zu sein. Ein bekanntes Muster, das man auch aus manchen Regionen Deutschlands kennt.

Neben dem langsam zu wackeln beginnenden Immobilienmarkt droht auch von ganz anderer Seite Ungemach. Der dahinsiechende Ölpreis wird ebenfalls seinen Tribut fordern. Oft unterschätzt wird die starke Abhängigkeit des kanadischen Exports von allerlei Rohstoffen. Mal sehen, was der kanadische Dollar aus der Gemengelage machen wird.

Öl macht weiterhin den größten Anteil der kanadischen Exporte aus. Darauf folgen Autos, auch nicht gerade ein Segment, das vor einem großen Boom steht. Ansonsten gibt es von der Ackerfrucht bis zur Holzlatte eine Menge Rohmaterial, das die nördlichen Nachbarn der USA in alle Welt verschiffen.

Während die Auswirkungen fallender Rohstoffpreise schnell thematisiert und relativ klar zu definieren sind, sind die Konsequenzen einer platzenden Immobilienblase völlig anders aber mitnichten weniger problematisch. Wie schnell die negativen Vermögenseffekte durch eine ganze Volkswirtschaft sickern können, hat man 2008 und 2009 gut sehen können.

Man wird sehen, wie gut die kanadischen Banken und Kreditnehmer den Stresstest der Realität überstehen werden. Hoffentlich kommt wenigstens diesmal niemand mit dem Satz „das konnte ja keiner ahnen“. Langsam wird es dann peinlich.

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