In unseren ersten zwei Büchern – Der größte Raubzug der Geschichte (2012) und Der Crash ist die Lösung (2014) – haben wir uns detailliert mit den Ursachen und Folgen jener Finanzkrise auseinandergesetzt, die 2008 die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrunds getrieben hat. Die Folgen dieser Krise wirken bis heute nach, ihre Ursachen sind bis heute weder vollständig verstanden, geschweige denn behoben worden. Wir könnten das auf fortgesetzt bösen Willen bei den Akteuren und auf komplette Unfähigkeit der Politik zurückführen. Und mit derlei Polemik könnten wir bei Vorträgen, auf Podien und in Talkshows sicher auch weiterhin punkten. Zumal wir unverändert davon überzeugt sind, dass nicht nur wir in Deutschland ein massives Elitenproblem haben.

Doch erstens wäre das zu einfach. Es gab (und gibt immer noch!) kriminelle Machenschaften in der Finanzbranche. Aber die Wirtschaft wird nicht von Gangstern beherrscht. Die Politik traut sich an dringend nötige Regulierungen der Finanzmärkte bis heute nicht heran – nicht zuletzt, weil viele Staaten bis an die Halskrause verschuldet und damit abhängig von den Dealern ihrer Anleihen sind. Aber in den Parlamenten, Ministerien und Regierungen sitzen nicht nur willfährige Lobbyisten und wirtschaftspolitische Ignoranten. Ergo: Es muss auch tiefer liegende Ursachen für die verbreitete Ratlosigkeit und Mutlosigkeit in Wirtschaft und Politik geben.

Zweitens wollten wir uns nicht nur im Erfolg unserer Bücher sonnen. Wir haben uns auch Argumente von Kritikern zu Herzen genommen, die uns unter anderem einen Hang zu tagesaktueller Faktensammelwut und oberflächlicher Krisendiagnose, im Gegenzug einen Mangel an vertiefter Krisenanalyse vorgeworfen haben. In diesem Buch gehen wir darum ganz anders vor als in unseren ersten beiden. Grundsätzlicher. Und streckenweise auch etwas theoretischer. Unser Ziel: Möglichst gut lesbar verständlich zu machen, wie die Marktwirtschaft und der Kapitalismus (das ist keineswegs dasselbe!) nicht nur in Einführungsveranstaltungen von VWL-Professoren, sondern tatsächlich funktionieren; wie und warum Marktwirtschaft und Kapitalismus großen Teilen der Menschheit in den letzten 250 Jahren enormen Wohlstand gebracht haben; warum sie aber bis heute daran scheitern, diesen Wohlstand sowohl global als auch nachhaltig fair zu verteilen. Vor allem aber wollten wir selbst genauer verstehen, warum der Kapitalismus periodisch seine Fähigkeit zu technischer und sozialer Innovation, zur Mehrung von Versorgungssicherheit, Alltagskomfort und Lebensqualität, Wohlstand und sozialer Sicherheit verliert – und zu einem System mutiert, in dem nur noch die Interessen von ein paar Dutzend globalen Konzernen, einer immer kleineren Zahl von Superreichen und einer von der Realwirtschaft fast vollständig abgeschotteten Finanzelite zählen.

Zur Gewinnung diesbezüglicher Erkenntnisse widmen wir uns als Erstes einer Frage, die sowohl Anhänger als auch Kritiker des Kapi­talismus schon früh beschäftigt hat: Warum kommt es in diesem Wirtschaftssystem regelmäßig zu Krisen? Warum verläuft das Auf und Ab namens ›Konjunktur‹ bisweilen so heftig? Und lassen sich diese Wechselbäder irgendwie mildern oder gar verhindern?

Daran anschließend beschäftigen wir uns recht ausführlich mit einem leider schon sehr viel weniger beachteten Phänomen: jenen »langen Wellen der Konjunktur«, die der Ökonom Joseph Schumpeter in den 1940er-Jahren zu Ehren ihres russischen Entdeckers »Kondratjew-Zyklen« getauft hat. Da diese Zyklen sich meist über zwei Generationen erstrecken, sprengen sie die Zeithorizonte von Tagesgeschäft und Wahlperioden – erst recht in Zeiten, in denen bezahlte Manager anstelle privat haftender Unternehmer alle paar Jahre die Wirtspflanze wechseln und zwischendurch nur noch auf Quartalszahlen und Jahresboni schauen.

Im fünften und sechsten Kapitel versuchen wir die zahllosen Fallstricke von Regulierungen, Lenkungen und Liberalisierungen verschiedener ›Märkte‹ zu entwirren. Indem wir etwa fragen, was eigentlich genau auf welchen Märkten gehandelt wird. Warum auch die moderne Marktwirtschaft in weiten Teilen eine Planwirtschaft ist. Warum einige wichtige Bereiche des gesellschaftlichen Daseins besser gar nicht – oder wenn, dann nur unter sehr genau festgelegten Bedingungen – durch Angebot und Nachfrage geregelt werden sollten. Indem wir höflich nachfragen, ob das Markttreiben wirklich so tief in der Natur des Menschen verwurzelt ist, wie es die Mehrheit der Ökonomen suggeriert. Ob jenes Geld, das ja angeblich die Welt regiert, tatsächlich zur Beförderung von Handel und Wandel ›erfunden‹ wurde. Schließlich: Warum ausgerechnet die ›Finanzmärkte‹ am Ende des Tages die ineffizientesten Märkte sind.

Im Schlusskapitel untersuchen wir, warum Banker und Bör­sianer in ihren heute kaum noch abzählbaren Kostümen von Kapital, Kredit und Kreditabsicherung von allen ›Wirtschaftssubjekten‹ am schnellsten und am verlässlichsten volkswirtschaftlichen Schaden anrichten. Unsere Kernthese hier: Anders als es die Verfechter unregulierter Finanzmärkte behaupten, sorgen diese gerade nicht dafür, dass Kapital an die volks- oder gar weltwirtschaftlich besten, an die dem allgemeinen Wohlstand förderlichsten Stellen transportiert wird. Denn bei genauerem Hinsehen beobachten die Finanzmärkte die Realwirtschaft kaum. Besser gesagt: An einigen Stellen beobachten sie sie zwar wenigstens noch indirekt – vor allem über die Kurse von Unternehmensanteilen. Doch zu weit über 90 Prozent beobachten die Akteure an den Finanzmärkten sich nur gegenseitig.

Das ist schon deshalb von Übel, weil in kaum einer Herde das Herden­verhalten ausgeprägter ist, als in der kleinen Herde der Anlage­akrobaten. Und es ist von Übel, weil die wichtigste Einnahme­quelle der dort tätigen Individuen leider nicht Investitionserfolge, ja nicht einmal Arbitragegewinne sind, sondern Prämien und Provi­sionen. Die aber gibt es nicht nur für erfolgreiches Handeln, sondern viel zu häufig schon für Handeln an sich.


Die beiden Ökonomen, Querdenker, Redner und Honorarberater Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben 2012 gemeinsam den Bestseller “Der größte Raubzug der Geschichte – warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“. Es war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2013. Mit ihrem zweiten Buch, „Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“, haben sie es bis auf Rang 2 der Spiegel-Bestsellerliste geschafft sowie auf Rang 1 im Manager Magazin und Handelsblatt. In ihm haben sie u.a. die EZB Leitzinssenkung und Minuszinsen für die Banken, die Absenkung des Garantiezinses bei den Lebensversicherungen sowie den Ausgang der EU-Wahl richtig prognostiziert. Der Crash ist die Lösung war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2014.

Im Mai 2016 ist ihr drittes Buch „Kapitalfehler Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“ erschienen. Weitere Informationen über die Autoren finden Sie unter: www.friedrich-weik.de und bei Facebook unter www.facebook.com/friedrichundweik/.

Matthias Weik und Marc Friedrich sind Initiatoren der Petition „EZB Stoppen – wir zahlen nicht für Eure Krise“.



Wir verlosen unter allen Kommentierenden ein Exemplar des soeben neu erschienenen Buches "Kapitalfehler" von Matthias Weik & Mark Friedrich.

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