Mein Großvater war so etwas wie ein Universalgenie.

Er war Landwirt, Lehrer, Fischer, Sammler, Immobilieninvestor, und einer dieser Menschen, die alles zu können scheinen.

Er konnte einen Motor auseinanderbauen, ein Haus mit seinen bloßen Händen errichten, wilde Pferde zähmen, lebensgefährliche Wunden verarzten, Gitarre spielen und genoss innerhalb seiner Gemeinde großen Respekt. 

Zudem war er - wie viele Menschen seiner Generation - die während der Weltwirtschaftskrise aufgewachsen waren, ein disziplinierter Sparer.

Aufgrund ihres großen Misstrauens gegenüber Banken wickelten meine Großeltern fast alle Geschäfte in Bargeld ab. Das Geld bewahrten sie in alten Kaffeedosen auf, die bis zum Rand mit Scheinen und Münzen gefüllt waren.

Hin und wieder, wenn die Dosen zu zahlreich wurden, kauften sie staatliche Sparbriefe.

Das waren natürlich noch andere Zeiten.

Damals war die Regierung tatsächlich noch solvent und die Zinssätze „normal“. Wenn man Sparbriefe kaufte, konnte man mit einer angemessenen Gewinnrate rechnen.

Zudem war der Dollar damals noch an das Gold gekoppelt, die Aussichten auf die eigene Währung waren deshalb durchaus rosig.

Gleichzeitig befand sich das System der sozialen Absicherung noch in guter Form. Man musste sich keine Sorgen machen, ob die Bestände noch ausreichen, wenn man selbst irgendwann in den Ruhestand gehen wird.

Das ist heute leider nicht mehr der Fall.

Wie bereits am vergangenen Freitag berichtet, weist der letzte Jahresbericht im Bereich der sozialen Absicherung eine Deckungslücke von über $40 Milliarden aus – und das im Land der Freien.

Vereinfacht gesagt bedeutet das, dass der sozialen Absicherung schlichtweg die Gelder fehlen, um ihrer Verpflichtung nachzukommen – das gilt besonders für Verpflichtungen gegenüber zukünftigen Rentnern.

Das Problem beschränkt sich keineswegs auf die soziale Absicherung. Einer der größten Treuhandfonds im Bereich Gesundheitsversorgung, die Arbeitsunfähigkeitsversicherung, ist nur Tage davon entfernt, pleite zu gehen.

Wie die Financial Times kürzlich berichtete, sind auch in den Pensionskassen der Städte und Bundesstaaten Finanzierungslücken in Milliardenhöhe zu finden.

Amerika ist nicht das einzige Land, das mit diesen Problemen zu kämpfen hat. Ähnliche Zustände herrschen in den meisten Teilen der entwickelten Welt, besonders in Europa.

Sich auf ein Rentensystem irgendeines westlichen Staates zu verlassen, wäre also schlichtweg töricht.

Aber selbst wenn man die Dinge in die eigene Hand nimmt und anfängt für den Ruhestand zu sparen, muss man einen schweren Kampf austragen.

Überall auf der Welt zerstören Zinssätze, die gegen Null gehen oder sogar negativ sind, Hoffnungen auf eine Ansammlung angemessener Ersparnisse.

Zu Zeiten meines Großvaters konnte man beim Kauf einer einjährigen Staatsanleihe mit 4% Zinsen rechnen, bei einer Inflationsrate von 1%.

Das bedeutete einen Ertrag von 3% nach Abzug der Inflationsrate. Nicht viel, aber auch nicht wenig, und vor allem risikofrei.

Die jüngsten Berichte der Regierung wiesen eine Inflationsrate von 0,9% und Zinsen auf eine einjährige Staatsanleihe von 0,53% aus.

Mit anderen Worten: Man verliert mehr Geld an die Inflation, als man an Zinsen gewinnen kann.

Zu sparen führt also unweigerlich dazu, dass man nach Abzug der Inflationsrate Geld verliert. Und das in einer Zeit, in der die finanzielle Situation der Regierung so prekär ist, wie nie zuvor. Verrückt.

Nach Aussage von Larry Fink, dem CEO von BlackRock (das größte Geldanlageunternehmen weltweit), muss man aufgrund der niedrigen Zinsen heutzutage dreimal so viel Geld zur Seite legen, um für den Ruhestand vorzusorgen, wie noch in den zwei Generationen zuvor.

Es herrscht demnach nicht nur eine Pattsituation bezüglich der von der Regierung gestellten, sondern auch bezüglich der privaten Vorsorgemöglichkeiten für den Ruhestand.

Wie soll man die unerträglich hohen Kosten für die universitäre Bildung seiner Kinder, und für seine medizinische Versorgung stemmen, und gleichzeitig noch dreimal so viel Geld zur Seite legen?

Es scheint ein fast unmögliches Unterfangen zu sein.

Ziel dieser Analyse ist jedoch nicht, Schwarzmalerei zu betreiben. Viel eher soll Aufmerksamkeit auf die Tatsache gelenkt werden, dass konventionelle Strategien der Altersvorsorge nicht länger funktionieren.

Der Kauf von risikofreien Anleihen, das Anlegen eines gemeinsamen Sparguthabens oder die staatliche Altersvorsorge zu gewährleisten, erzielt ganz einfach nicht mehr die Resultate wie einst.

Es gibt allerdings einige Anlageklassen und Nischeninvestitionen, die deutlich höhere Ertragsraten generieren können, ohne dass ein erhebliches Risiko in Kauf genommen werden muss.

Und das Beste ist, dass diese Anlage- und Investitionsmöglichkeiten nur kleineren Investoren zur Verfügung stehen.

Bei Anlagen im großen Stil - zum Beispiel bei Aktien erster Klasse - gibt es Dutzende Wege, auf denen man einen großen Anteil an die Wall Street oder die City of London verlieren kann.

Hochfrequenzhandel, erneute Verpfändungen, Sicherstellung der Solvenz von Banken, wettbewerbswidrige Preisabsprachen, und ähnliche Praktiken – die Finanzwelt wird regiert von einem kleinen, geschlossenen Insider-Club, dem wir als gewöhnliche Bürger natürlich nicht angehören.

Nischeninvestitionen aber sind nicht lohnenswert genug für diese Finanzhaie.

Goldman Sachs wird vermutlich in absehbarer Zeit nicht in den burmesischen Kunstmarkt einsteigen. Und das ist nicht einmal ein gutes Beispiel.


Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung von http://www.valuewalk.com für Cashkurs übersetzt. Den Originalbeitrag finden Sie in englischer Sprache unter http://www.valuewalk.com/2016/04/now-almost-impossible-save-retirement