Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.0778 (07.31 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.0706 im europäischen Handel markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 113.32. In der Folge notiert EUR-JPY bei 122.15. EUR-CHF oszilliert bei 1.0740.

Die Verbalakrobatik seitens der EZB ändert sich. Das hat sehr gute Gründe:

  • Die Arbeitslosigkeit ist auf dem niedrigsten Stand seit Juli 2009,

  • das Wachstum des BIP reüssiert mit den höchsten Niveaus seit 2011 oberhalb der von der EZB selbst festgelegten Potentialwachstumsrate (!),

  • die strukturellen Haushaltsdefizite sind in der Eurozone bereinigt,

  • die Nord-Süd-Divergenz in der Handelsbilanz ist Geschichte,

  • und das Wachstum der Eurozone basiert auf wiederkehrenden Einkommen (nicht wie in den USA und dem UK maßgeblich auf Kredit!), der besten Qualität, die Wachstum ausweisen kann.

  • Die Frühindikatoren weisen in Richtung einer Beschleunigung der Wachstumsdynamik.

Mehr noch hat die EZB diese positiven Konjunktur- und Strukturerfolge in den letzten Jahren nicht prognostiziert und diese Chancen nicht angemessen thematisiert, sondern primär das Thema Risiken in den Vordergrund gespielt.

Vor diesem Hintergrund ist die jetzt in zarten Ansätzen erkennbare Veränderung der Verbalakrobatik als Einstieg in eine zukünftige verhaltene Zinswende auf keinen Fall als ambitioniert zu bezeichnen. Nein, ganz im Gegenteil!

EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny thematisierte die Technik der absehbaren Zinswende in der Eurozone. Ob die Anleiheankäufe zuerst tangiert würden, der Einlagenzins (-0,4%) zuerst angehoben würde oder aber der Leitzins (0,00%) erhöht würde, bleibt seinen Angaben nach offen.

Nun liefert Herr Nowontny keinen Zeitplan, es geht um die Form der Einleitung der Zinswende, ohne sich auch hier festzulegen. Das machen wir in diesem meinungsstarken Format des Forex Reports anders - das dürfen Sie von uns erwarten, wir erwarten es auch von uns selbst.

Prognose:

Die EZB wird nach den Parlamentswahlen in Frankreich im Juni dieses Jahres die Zinswende starten. Zunächst werden die Negativzinsen, die erhebliche Kollateralschäden in der europäischen Finanzarchitektur zur Folge haben, im dritten Quartal 2017 kassiert. Im vierten Quartal beginnt eine ernste Debatte über den ersten Zinsschritt, der im ersten Halbjahr 2018 auf der Agenda stehen wird. Die quantitativen Maßnahmen werden sukzessive ab 2018 verringert und maximal bis 03/2018 beibehalten. Die Verringerung kann sogar unter Umständen vorgezogen werden.

Von der Inflationsseite kommt die EZB in Handlungszwänge. Laut finaler Berechnung stellte sich der Anstieg der Verbraucherpreise per Februar auf 2,0% nach zuvor 1,8% im Jahresvergleich. Per Februar 2016 lag dieser Satz noch bei -0,2%. Die Kerninflationsrate legte binnen Jahresfrist unwesentlich von 0,8% auf jetzt 0,9% zu.

Die aktuelle Argumentation der EZB, die sich auf die Kernrate fokussiert, wirft Fragen auf. Die Politikausrichtung im Rahmen der Null- und Negativzinspolitik war kausal immer mit der Gesamtrate korreliert, nicht mit der Kernrate, die durchgehend keine Deflationsdebatte erlaubte.

Die aktuelle Verbalakrobatik mit der Fokussierung auf die Kernrate liefert damit eine Asymmetrie in den Grundlagen der Entscheidungsfindung im EZB-Rat. "Food for thought!"

Während sich die EZB mit der Zinswende trotz überzeugender Konjunktur- und Strukturdaten ziert, hat der Offenmarktausschuss der Federal Reserve diese Woche einen Zinsschritt geliefert, obwohl wir mit dem schwächsten realen Wachstum seit 2011 konfrontiert sind (und per 2016 dynamisch steigender öffentlicher Verschuldung in Höhe von 5,6% des BIP als Subvention des BIP!) und sich die Dynamik weiter eintrübt, während die Preisinflation deutlich zulegt (Stagflation!).

Wir bedienen uns der GDPNow Prognose der Federal Reserve Atlanta und erlauben uns ein leises, aber dennoch vernehmbaren "Oooops". 0,9% annualisiert nach Prognose bei 2,3% bis 3,3 % im Januar - Gedanken schweifen in Richtung Tiger und Bettvorleger…. Kein weiterer Kommentar!

US-Veröffentlichungen:

Der Index des Philadelphia Fed Survey sank per Berichtsmonat März von extrem hohen 43,3 auf 32,8 Punkte. Die Prognose lag bei 30,0 Zählern.

Die US-Neubaubeginne legten in der auf das Jahr hochgerechneten Fassung von 1,251 auf 1,288 Millionen Objekte zu. Der Chart belegt, dass wir damit in Richtung der Niveaus des Jahres 2008 bei latent wachsender Bevölkerung vorstoßen.

Dagegen sank der annualisierte Wert der Baugenehmigungen von 1,293 auf 1,213 Millionen.

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Erst ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.0350-1.0320 dreht den Bias zu Gunsten des USD.

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