Die Ölpreisstabilisierungsversuche der OPEC scheinen ins Leere zu laufen. Neben einer stetig zulegenden Angebotsflut aus den USA gibt es dafür aber wohl noch eine ganze entscheidende weitere Entwicklung. Die globale Nachfrage ist zurzeit einfach nicht gegeben. Wer versucht, dieses Problem von der Angebotsseite her zu lösen, darf sich nicht wundern, wenn ihm nicht allzu viel Erfolg in seinen Bestrebungen beschert bleiben wird.

Auf ähnliche Weise werden die Dinge offensichtlich auch beim weltgrößten unabhängigen Rohölhändler Vitol Group gesehen. In einem Statement des Unternehmens heißt es wie folgt: „Die Ölnachfrage wächst nicht wie einst einmal prognostiziert. Gleichzeitig wächst die Roh- und Erdölförderung in den USA weitaus schneller als ehedem angenommen.“

Und damit sind die weltgrößten Ölproduzenten einem hohen Druck ausgesetzt. Sie müssen sich auf eine gemeinsame Linie zu Förderkürzungen einigen, nur um die Ölpreise auf dem aktuellen Niveau stabil zu halten. Hinzu kommt, dass außerhalb der OPEC fördernde Ölländer wie der Iran, Russland oder Libyen dem OPEC-Platzhirsch Saudi-Arabien stetig Marktanteile abluchsen.

Vitols Asien-Chef Kho betonte in einem Interview, dass sich die größte unstimmige Variable an den Ölmärkten derzeit auf einer kaum gegebenen Nachfrage ableite. Was die Ölmärkte dringender als alles andere brauchten sei ein beständiges Nachfragewachstum – und dies so schnell wie möglich. Wachstum fände an den Ölmärkten zwar statt, allerdings bei Weitem nicht schnell genug.

Angestellte Prognosen zu den Ölmärkten sagten ein Wachstum von rund 1,3 Millionen Fass pro Tag im laufenden Jahr voraus. Laut den Firmendaten Vitols habe dieses Wachstum bisher allerdings nur bei etwa 800.000 Fass pro Tag gelegen, so Kho. Während das Wachstum der globalen Nachfrage hinter den Prognosen zurückgeblieben ist, wuchs gleichzeitig der Output in den USA um bis zu 500.000 Fass pro Tag.

Die schleppende Ölnachfrage basiert mittlerweile hauptsächlich auf einem sinkenden Konsum innerhalb der OPEC-Staaten sowie einem abrupten Abschwung der Aktivitäten in Russland und Indien. Erst vor Kurzem hatte die Internationale Energieagentur ihre Nachfrageprognose für Indien für das laufende Jahr um 11% gekürzt.

Platzhirsch Saudi-Arabien mit Zweckoptimismus

Auch in China könnte sich die Ölnachfrage laut Vitol in den nächsten Monaten bedeutsam abschwächen. Dies liegt allen voran an den niedrigeren Importquoten, die den Raffinerien in China durch Peking auferlegt wurden. Egal, wo man zurzeit an den Weltölmärkten hinblicke, so Kho, es finde kaum Wachstum statt.

Einzig der Platzhirsch Saudi-Arabien verfolgt die aktuellen Entwicklungen mit einem hohen Grad an (Zweck)Optimismus. Laut interner Berechnungen der Saudis soll sich die Nachfrage an den Weltölmärkten im laufenden Jahr etwa auf dem Niveau von 2016 einpendeln. Chinas Nachfrage, deren Wachstum in etwa auf Vorjahresniveau liegen soll, wird dazu einen eigenen Beitrag leisten. 

Vor wenigen Tagen hatten sich die OPEC, Saudi-Arabien und Russland auf die Verlängerung der im November letzten Jahres beschlossenen Förderkürzung bis ins Jahr 2018 hinein verständigt, um Angebotsüberschüsse abzubauen. Dies dürfte kein allzu leichtes Unterfangen sein. Wie Bloomberg kürzlich mitteilte, ist die Frackingölproduktion in den USA zuletzt elf Wochen in Folge geklettert. Ende April wurde ein Ausstoß von 9,29 Millionen Fass Öl pro Tag vermeldet.

Ertrinken die Weltrohölmärkte am Fracking-Öl?

Laut interner Prognosen der U.S. Energy Information Administration soll im Jahr 2018 ein neues Produktionshoch bei 9,96 Millionen Fass pro Tag erreicht werden. Diese Kennzahl könnte sich als zu pessimistisch erweisen, nachdem Amerikas Frackingfirmen ihre Budgets im laufenden Jahr um einen zehnfach höheren Faktor steigern als der Rest der Welt.

In den Vereinigten Staaten werden die Explorationsbudget im laufenden Jahr um 32% auf $84 Milliarden zulegen. Der Rest der Welt expandiert die eigenen Budgets hingegen um gerade einmal 3%. Es ist selbstredend, dass der OPEC und Russland aus dieser Entwicklung neue Probleme entstehen werden.

Denn die durch die OPEC beschlossenen Förderkürzungen werden bereits zu 44% durch die wachsende Angebotsflut aus den USA aufgefangen. Hinzu kommt, dass sich viele Fracking-Firmen in den USA diesmal mittels Vorverkäufen ihrer Produktion die aktuellen Ölpreise gesichert haben – und somit bestens gegen potenzielle Preisrückgänge gewappnet sind.   

Falls Saudi-Arabien die Weltölpreise wieder klettern sehen möchte, sollte dessen Führung vielleicht einen Brief an Fed-Chefin Janet Yellen schreiben, um Amerikas Fracking-Firmen die Finanzierung zu erschweren. Solange diesen Firmen der Zugang zum billigen Geldtrog der Fed erhalten bleibt, werden sie die Weltrohölmärkte in Fracking-Öl ersäufen. An diese neue Realität sollten sich die Marktakteure endlich anpassen.

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