Elektromobilität, alternative Energiequellen wie Solar- oder Windkraft sowie die Steigerung der Leistungsfähigkeit von Batterien als Energiespeicher sind derzeit nicht nur in der Wirtschaft ein beherrschendes Thema, sondern werden auch politisch extrem vorangetrieben und unterstützt. Spätestens der Erfolg von Tesla zwang die deutsche Autoindustrie zum Umdenken. Nun werden Milliarden in Forschung und Entwicklung gesteckt, um nicht den Anschluss zu verlieren. Einer der Hauptprofiteure vom aktuellen Boom sind vor allem die Batteriehersteller und Rohstoffzulieferer, denn die sukzessive Abkehr von den Kohlenwasserstoffen erfordert vor allem leistungsfähige Energiespeicher. Seit Bekanntwerden der Pläne von Tesla, ab 2018 bis zu 500.000 Elektrofahrzeuge pro Jahr bauen zu wollen, was ich persönlich sehr bezweifle, ist vor allem das Element Lithium in Zusammenhang mit Lithium- Ionen-Akkus in aller Munde. Wohl selten hat ein chemisches Element einen ähnlich hohen Stellenwert zugemessen bekommen, wie er Lithium für die kommenden Jahrzehnte prophezeit wird. Bisher noch kaum vom Mainstream beachtet, hat sich der Kobaltpreis im Schatten von Lithium spektakulär entwickelt, denn auch dieses Element ist wesentlicher und unverzichtbarer Bestandteil in den neuen leistungsfähigen Batterien.

Der Kobaltpreis explodiert über 120% in den letzten 12 Monaten

Gerade im Zuge der e-Mobilität tritt Kobalt mittlerweile verstärkt aus dem Schatten ins Rampenlicht, denn seit Anfang des Jahres ist der Preis für eine Tonne Kobalt um knapp 70% gestiegen. Auf Sicht der letzten zwölf Monate steht sogar mehr als eine Verdopplung zu Buche. Immer mehr Investoren und Batteriehersteller gehen auf Sicht der nächsten Jahre von einem Angebotsdefizit aus und treiben so die Preise weiter nach oben. Außerdem steigt auch die Nachfrage aus China dramatisch an. So dürften die Chinesen 2020 ungefähr so viel Kobalt nachfragen wie im letzten Jahr insgesamt weltweit produziert wurde.

E-Mobilität sorgt für stark steigende Nachfrage

Die anziehende Nachfrage dürfte vor allem der Tatsache geschuldet sein, dass Kobalt für die Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus praktisch unverzichtbar ist. In fast jedem Elektroauto kommt das silbrige Metall damit zum Einsatz. Alleine für das „Model 3“ von Tesla werden pro Auto 12! Kilogramm Kobalt benötigt. Da Kobalt eine hohe Energiedichte aufweist und damit ein schnelles Aufladen ermöglicht, wird es in zunehmendem Maße für die Kathode in Lithium-Ionen-Akkus verwendet. Nicht nur Tesla, sondern vor allem auch die chinesische BYD Company als Hersteller von Batterien und batteriebasierten Speicherkraftwerken setzen mittlerweile auf die sogenannte NCA-Technologie. BYD ist der weltgrößte Produzent von wiederaufladbaren Akkumulatoren, welche vor allem für Mobiltelefone verwendet werden. Bei der NCA-Technologie bestehen die Akkus aus einem Lithium-Mischoxid sowie Nickel, Kobalt und Aluminium. Pro kWh Batterieleistung werden für diesen Batterietyp 0,22 Kilogramm Kobalt benötigt. Das macht bei einer 55-kWh-Batterie, wie sie voraussichtlich im „Model 3“ von Tesla verbaut werden soll, einen Kobaltbedarf von 12,1 Kilogramm.

Tesla könnte 5% der weltweiten Kobaltproduktion nachfragen

Sollte Tesla seine Pläne in die Realität umsetzen, will man bereits im nächsten Jahr fast eine halbe Million Elektroautos produzieren und verkaufen. Diese sollen vermutlich sogar mit noch größeren Batterien ausgestattet werden. Alleine Tesla könnte also über 6.000 Tonnen Kobalt benötigen und damit bereits 5% der weltweiten Kobalt-Produktion nachfragen. Im Zuge der e-Mobilität planen aber auch zahlreiche andere Hersteller neue Elektroautos. Bis 2020 könnten dadurch leicht zehn Millionen neue Elektroautos mit Batterien bestückt werden müssen. Dann würde dieser zusätzliche Kobalt-Bedarf in Höhe von ca. 120.000 Tonnen schnell der gesamten Kobalt-Jahresproduktion entsprechen, welche im Jahre 2015 bei knapp 124.000 Tonnen lag.

In ihrer kürzlich veröffentlichten Kobalt-Studie stellen die Experten von Canaccord eine Verdopplung der Kobaltnachfrage bis 2025 auf knapp 203.000 Tonnen in Aussicht. Als Hauptargument wird der zunehmende Einsatz von leistungsfähigeren Batterien in Elektrofahrzeugen, als Speichermedien und in der Unterhaltungselektronik angeführt.  Schon jetzt konsumieren Batterie-Chemikalien die Hälfte der weltweiten Kobaltförderung. Bis 2025 dürfte sich dieser Verbrauch nochmals verdoppeln und für ca. 73% der Kobaltnachfrage verantwortlich sein.

Fragwürde Kobaltförderung im Kongo

Mit der explosionsartig steigenden Nachfrage kann die Angebotsseite sicherlich kurzfristig nicht mithalten. Ähnlich wie bei Lithium und zahlreichen anderen Rohstoffen dauert es immer sehr lange bis neue Fördergebiete erschlossen sind und mit der Förderung bzw. Produktion begonnen werden kann. Erschwerend kommt hinzu, dass mehr als die Hälfte (50-60%) des weltweit geförderten Kobalts aktuell aus dem politisch instabilen Kongo kommt und dort teilweise unter sehr zweifelhaften Methoden abgebaut wird. So fördern mehr als zwei Millionen Arbeiter im Kleinbergbau dort unter teils unmenschlichen Bedingungen Kobalt und Spezialmetalle für die weltweite Handyproduktion. Der Boom geht an ihnen meist spurlos vorbei, während die eigene (korrupte) Regierung oder Milizen prächtig verdienen. Letztlich handelt es sich um archaische und oft gefährliche Abbauprozesse, um vor dem Waschen, Sortieren und Verpacken hochgradige kobalttragende Sulfid-Erze (Heterogenit) zu gewinnen. Man kennt die Bilder von Kindern, die in Fabriken Turnschuhe nähen, von Pflückern auf Bananenplantagen, die giftigen Pestiziden ausgesetzt sind, Heerscharen von Frauen auf Reisfeldern, die wie Sklaven gehalten werden. In diese Bilder reihen sich die Abertausenden von Kongolesen ein, die täglich für Handybatterien, iPod-Akkus und Elektromotoren ihr Leben riskieren. Nicht wenige Hersteller wollen ihr Kobalt daher aus Imagegründen nicht aus dem Kongo beziehen.

Mögliche Risiken

Natürlich gibt es wie in jedem Markt auch erhebliche Risiken. Insbesondere der Wegfall von staatlichen Subventionen könnte zu einer langsamer als erwartet ausfallenden Penetration der e-Mobilität führen. So sieht Tesla derzeit durch den Ausstieg von Trump aus dem Pariser Klimaschutzabkommen seine Gewinne schwinden. Die Hersteller „schmutziger“ konventioneller Autos mit Verbrennungsmotoren mussten von Tesla sogenannte Zero Emission (ZEV) Credits abkaufen und bezahlten somit die Gewinne von Tesla - eine direkte Folge der Herrschaft der Klimaapostel. Dieses absurde Geschäftsmodell dürfte sich nun kaum noch tragen, da Präsident Trump ausgestiegen ist.

Darüber hinaus könnten unzureichende Batterieproduktionskapazitäten das Wachstum in e-Mobilität Branche behindern und letztlich zu einer geringeren Nachfrage führen. Auch kann es zu einem Wechsel der Batterietechnologie kommen, da der Batteriemarkt stark wächst und somit die Entwicklung konkurrierender Technologien begünstigt und anfeuert.
Außerdem wollen die Hersteller natürlich ihre Batteriekosten senken und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Fahrzeuge erhöhen. Fortschritte an der Forschungs- und Entwicklungsfront könnten z.B. die Kobaltabhängigkeit verringern, während gleichzeitig die Lithium-Ionen-Akku-Leistung verbessert wird. Ein weiteres Prognoserisiko ist, dass die Substitutionsraten, die der Markt zwischen Nickel und Kobalt angenommen hat, zu konservativ sind, und somit zu einer niedrigeren Kobaltnachfrage führen könnten. Auch können niedrigere Kupfer-  und Nickel-Preise die Kobalt-Gewinnung, welche dort ja lediglich als Beiprodukt entsteht, stark beeinflussen. Und schließlich ist das weltweite Kobaltangebot bisher stark von der Demokratischen Republik Kongo abhängig.

Fazit

Die fundamentale Analyse deutet daraufhin, dass die enge Angebots- und Nachfragesituation am Kobaltmarkt auf Jahre hinaus durch die steigende e-Mobilität und zunehmende Elektrifizierung angespannt bleiben und weiter in ein Angebotsdefizit rutschen wird. Zudem ist Kobalt in erster Linie ein Beiprodukt aus der Förderung von Kupfer und Nickel. Mit dem Kongo als größtem Förderer und Chinas dominanter Rolle bei der Veredelung gibt es eine hohe Intransparenz und viele moralische Fragen im Zuge des Weiterverarbeitungsprozesses. Reine Kobaltminen existieren derzeit fast gar nicht, so dass es auch an Anlagemöglichkeiten mangelt. Investoren sollten daher eher in Unternehmen investieren, die Kobalt auch veredeln, weiterverarbeiten oder recyceln. Insbesondere sollte man als Anleger in diesem Sektor besonders darauf achten nicht auf die üblichen bezahlten „Promotions“ und sog. „Pump and Dump“ Aktionen, bei denen die Aktien dann in Deutschland abgeladen werden, reinzufallen. Aufgrund des aktuellen Hypes im Sektor werden gerade wieder viele wertlose Gesellschaften in Börsenbriefen, Aktienboards etc. als nächster Kobalt-Highflyer oder „1000%-Chance“ angepriesen und entsprechend hochgepusht. Hier gilt es extrem wachsam zu bleiben, denn die „Rattenfänger“ sind wieder unterwegs.

In der aktuellen Börsenbrief-Ausgabe von Cashkurs*Gold (www.cashkurs-gold.de) haben wir das Thema intensiv beleuchtet und auch schon einige interessante Aktien angesprochen. In einer der nächsten Ausgaben werden wir dann einen aussichtsreichen und fundamental überzeugenden Titel im Detail analysieren und vorstellen.