Dabei müßten wir nicht nur im westlichen Teil unseres Landes viel über die Substanz unseres Nachbarn wissen, weil die "Soziale Markt-Wirtschaft", die es bei uns gab, bevor sie von "shareholder value" plattgemacht worden ist, über substantielle französische Wurzeln verfügte. Aber, wer erinnert sich schon daran oder kennt das langjährige französische Ansinnen, deutsche Soldaten für französische Kriege einsetzen zu können.

Frankreich geht an Krücken, auch wegen Berlin

Der Einfluss des Staates auf die französische Wirtschaft war selbst für stramme Anhänger der "Sozialen Marktwirtschaft" außergewöhnlich hoch. In einer Zeit, die von dem Vormarsch des "shareholder value" seit Anfang der neunziger Jahre bestimmt gewesen ist, waren damit Kampflinien klar. Der Feind für die Grundlagen des französischen Wirtschaftsordnung stand in der Hauptstadt des vielleicht engsten Freundes: im ökonomisch-globalistischen Washington. Jede Entwicklung hat ihren Gipfelpunkt und der war vor einigen Jahren bei einer Entscheidung des damaligen Wirtschaftsministes und heutigen Präsidentschaftskandidaten Marcon zugunsten des Verkaufs eines französischen Industriediamanten Namens "Alstom" mit seiner Nuklearkomponente an ein amerikanisches Globalunternehmen zu bewundern. Seitdem ist die französische nukleare Waffe in den Händen Washingtons. Das erklärt an einem einzigen Beispiel, was der Präsidentschaftskandidat Marcon bedeutet. Er hat die Substanz der politischen französischen Bewegungsfreiheit über den Atlantik verschoben und das kann ihm keine andere Kandidatin oder Kandidat das Wasser reichen. Von Frankreich als Pfeiler eigener europäischer Bewegungsfreiheit dürfte wenig übrigbleiben, wenn es nach einem Wahlsieg nach ihm gehen sollte. Siemens hatte seinerzeit das Nachsehen umd nicht nur in Paris hatte man den Eindruck, dass entsprechende Münchener Übernahmeangebote nicht auf die Übernahme ernsthaft ausgerichtet gewesen sind. Berlin blieb stumm. Was sind solche Freunde wert?

Die französische Wettbewerbsfähigkeit ist an der Agenda 2010 hängen geblieben

In Berlin mokiert man sich über die Aussagen des Martin Schulz zur Agenda 2010. Will man vergessen machen, was die Berliner Politik und das damit verbundene Reformwerk für Frankreich und seine Wirtschaft bedeutet? Intime Kenner der französischen Szene verweisen dabei auf zwei Komponenten: Die französische Arbeiterschaft hat ihre Rechte auf der Straße erkämpft und die kann ein französischer Präsident - anders als ein deutscher Bundeskanzler - nicht mit einer Disketten-Agenda "shareholder-value" zum Opfer bringen. Daneben belaufe sich der Wettbewerbsnachteil der französischen Wirtschaft gegenüber dem deutschen Konkurrenten auf mindestens dreißig Prozent und das könne man einfach nicht überleben. Jede weiter Verschuldung in Frankreich müsse die ohnehin gebeutelten Privathaushalte treffen. Revolution und Bürgerkrieg wären wahrscheinlich, sagt man und Anschläge habe es schon in letzter Zeit genug gegeben.

Le Pen ante portas?

Klar, so etwas gehört auf den politischen Seziertisch. Aber wo in Gottes Namen gibt es in Deutschland noch eine früher selbstverständliche offene Diskussion über alle Vor- und Nachteile. Unsere eigene Regierung lügt uns doch lieber jenseits der eigenen Verfassung von einem Krieg in den anderen, als reinen demokratischen Tisch zumachen. Le Pen sieht man im Trump-Tower und vermutlich hat die gute politische Freundin des Holländers Geert Wilders auch dessen Tel Aviv-Connection verinnerlicht. Was will man unter diesen Umständen bezwecken, wenn die Dame als die "Leibhaftige" ausgerufen werden sollte. Berlin macht doch auch das, was andere wollen.

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