Etwas mehr als eine Woche nach Amtsübernahme der Trump-Administration, unterzeichnete der Präsident eine Executive Order, die Verteidigungsminister James Mattis einen Zeitraum von dreißig Tagen einräumt, um einen Plan auszuarbeiten, aus dem hervorgehen soll, wie sich die Terrorgruppe ISIS bezwingen lässt.

Bezug auf dieses Dekret nehmend, soll dieser Plan auch Empfehlungen zu militärischen Manövern, diplomatischen Maßnahmen, der Benennung von Partnern und Strategien sowie Finanzierungsideen enthalten. Nun, da wir dem durch unseren Präsidenten gesetzten Ultimatum entgegenblicken, erweckt es den Eindruck, als ob das Militär Donald Trump einen Plan präsentieren wird, der auf weitaus mehr militärischen Aktionen als in jüngerer Vergangenheit aufbaut.

Werden wieder Tausende Marines in den Nahen Osten entsandt?

Trotz allem wird mit anderen Ergebnissen gerechnet. Ganz so, als ob es das alte Sprichwort zu bewahrheiten gilt, nach dem alles wie ein Nagel aussieht, wenn jemand nur einen Hammer zur Hand hat, mehren sich Berichte, laut denen das US-Militär die Empfehlung abgeben wird, Tausende amerikanische Soldaten nach Syrien und den Irak zu entsenden.

Sollte es tatsächlich dazu kommen, würde die Situation in beiden Ländern massiv eskalieren. Momentan sind noch rund 5.000 US-Soldaten in der Region stationiert, um unseren nunmehr 13 Jahre lang anhaltenden Krieg im Irak auszufechten, während zusätzlich 500 Mitglieder diverser Spezialeinheiten in Syrien operieren.

Der momentan haltende Waffenstillstand in Syrien, der ohne Involvierung der Vereinigten Staaten Ende des Jahres 2016 ausgehandelt wurde, hat positive Ergebnisse zur Folge und führt dazu, dass die sich in Opposition gegenüberstehenden Gruppen unter Vermittlung des Irans und Russlands wieder miteinander unterhalten.

"Schutzzonen" in Syrien

Glaubt auch nur irgendjemand daran, dass die potenzielle Aussendung von Tausenden von US-Soldaten unter Berücksichtigung einer Situation, die bereits ohne unsere Teilnahme gelöst zu sein scheint, einer guten Idee entspricht?

In eben jenem Sprachstil, der an seine Pläne zum Bau einer Schutzmauer an unserer Grenze zu Mexiko erinnert, teilte der Präsident im Rahmen einer politischen Versammlung im Bundesstaat Florida am vergangenen Wochenende mit, dass er beabsichtige, „Schutzzonen“ in Syrien einzurichten, für welche er die Golfstaaten bezahlen lassen wolle.

Doch die Umsetzung eines solchen Plans blickt einer ganzen Reihe von Problemstellungen entgegen. Erstens würde die Errichtung von „Schutzzonen“ im Innern Syriens – vor allem falls diese durch amerikanische Truppen geschützt würden – eine massive Invasion Syriens durch US-Soldaten notwendig machen, solange al-Assad diesem Ansinnen nicht zustimmt.

Auch Russland nimmt seine Interessen wahr...

Beabsichtigt Präsident Trump seine Amtszeit tatsächlich mit einer völkerrechtlich illegitimen Invasion eines souveränen Landes zu beginnen? Zweitens würden sich Probleme im Hinblick auf Russland ergeben. Der Kreml erweist sich im Versuch, Syrien von ISIS und al-Qaida zu säubern, nämlich als politischer Partner der Assad-Regierung.

ISIS verliert zurzeit tagtäglich bereits weitläufig an ehedem besetztem Gelände. Ist Präsident Trump dazu bereit, eine militärische Eskalation mit Russland zu riskieren, um bewaffnete Regimegegner al-Assads zu protegieren? Drittens erweisen sich die Golfsstaaten als massive Unterstützer von al-Qaida und ISIS in Syrien.

Auf diese Weise hatte sich jedenfalls auch der erst kürzlich von seinem Amt als Nationaler Sicherheitsberater zurückgetretene Michael Flynn in einem Interview im Jahr 2015 geäußert. Solange die potenzielle Einrichtung von „Schutzzonen“ also nicht dazu dienen soll, ISIS und al-Qaida zu protegieren, macht es keinen Sinn, die Golfstaaten in eigene Pläne zu involvieren.

Viele Beobachter werden vielleicht behaupten, dass wir nicht allzu überrascht sein sollten über diese jüngsten Entwicklungen. Als Präsidentschaftskandidat sprach sich Donald Trump vehement dafür aus, ISIS ein für allemal den Garaus zu machen.

Sollte Washington sich nicht besser aus der Region heraushalten?

Wie dem auch sei, glaubt irgendwer daran, dass eine Verfolgung derselben Strategie aus den letzten 16 Jahren diesmal andere Resultate zutage fördern wird? Falls das, worauf wir zurzeit einhämmern kein Nagel sein sollte, wird ein verstärktes Einhämmern dann letztendlich seinen Dienst erweisen und das – was immer es ist – worauf wir einhämmern, einnageln?

Washington tut sich schwer damit die Wahrheit zu akzeptieren: Um das Problem ISIS zu lösen ist eine weitaus geringere außenpolitische Involvierung der Vereinigten Staaten in der Region des Mittleren Osten von Nöten – und nicht das Gegenteil.

Solange wir diese Tatsache nicht verstehen, werden wir als Land damit fortfahren, in einem tödlichen Nullsummenspiel Billionen von US-Dollars aus dem Fenster zu schmeißen und einen Beitrag dazu leisten, unzählige Leben in der Region auszulöschen.

Gastbeitrag für CK*Wirtschaftsfacts / © 2017 Dr. Ron Paul / Institute for Peace and Prosperity

Dr. Ron Paul war in der Vergangenheit neben seiner rund zwanzigjährigen Tätigkeit als Kongressabgeordneter für den Bundesstaat Texas in der Hauptstadt Washington auch Präsidentschaftskandidat für die Partei der Republikaner. Sein neues Buch „Swords into Plowshares“ ist im Buchhandel erhältlich.

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