Während der amerikanische Mainstream in der vergangenen Wochen seine Obsession mit vermeintlichen russischen Hackerattacken zum Ausdruck gebracht hat, welche die US-Präsidentschaftswahlen im November beeinflusst haben sollen, und auf die eine neue Runde der Sanktionen als Antwort seitens der aus dem Amt scheidenden Obama-Administration erfolgte, fand abseits des heimischen Medien-Mainstreams eine sehr wichtige Entwicklung statt.

Im Anschluss an ein Treffen zwischen den Außenministern Russlands, Irans und der Türkei im letzten Monat kam es zur Verkündung und Umsetzung eines Waffenstillstandsabkommens in dem durch einen schrecklichen Bürgerkrieg geplagten Syrien.

Bislang erweckt die Situation den Eindruck, als ob diese Waffenstillstandsvereinbarung auch tatsächlich halten würde. Nach sechs Jahren eines schrecklichen Bürgerkrieges blicken die Einwohner Syriens endlich der Chance auf einen Wiederaufbau und einer Verbesserung ihrer individuellen Lebensumstände entgegen.

Waffenstillstandsvereinbarung ohne Beteiligung von UNO oder USA

Was ist an dieser beschlossenen Waffenstillstandsvereinbarung so außergewöhnlich? Gewiss ist es die Tatsache, dass dieser Waffenstillstand ohne die Teilnahme und Involvierung der Vereinten Nationen und der US-Regierung geplant, vereinbart und implementiert worden ist.

Vielmehr erwiesen sich die wachsende Frustration über Washingtons ablehnende Haltung in Bezug auf eine Separierung von „moderaten“ Rebellen- von gefährlichen Terrorgruppen und das anhaltende Insistieren Washingtons auf einen Regimewechsel in Syrien als Triebkräfte, um die drei zuvor genannten Staaten nach einer eigenen Lösung für die vorherrschenden Probleme in Syrien suchen zu lassen.

In diesem Zuge wurde die syrische Regierung – als auch ein Großteil der Opposition – in die Verhandlungen und die darauf folgende Vereinbarung mit eingeschlossen, wessen sich die US-Regierung bis dato wiederholt verwehrt hatte.

„Wir sind die ,unentbehrliche Nation’“...

Seitens der Washingtoner Neocons und der „humanitären Interventionisten“ wurde uns immer wieder mitgeteilt, dass die Vereinigten Staaten von Amerika eine zentrale Rolle bei der Suche nach Lösungsstrategien in Weltkrisen spielen müssten, da es andernfalls zu keinen tragbaren Ergebnissen kommen würde.

Wir sind die „unentbehrliche Nation“, wie sie behaupten, und ohne unsere Teilhabe und Involvierung wird die Weltarchitektur kollabieren. Unsere Glaubwürdigkeit steht in solchen Fällen auf dem Spiel, wie zu jedem sich bietenden Moment behauptet wird, und falls wir uns dieser Dinge und Entwicklungen nicht selbst annehmen, wird es niemand tun.

All diese Behauptung entsprechen nicht der Wahrheit und haben nichts mit der Realität zu tun. In der vergangenen Woche konnten wir alle Zeuge des Ereignisses werden, dass es auch anders geht. Tatsache ist, dass die Involvierung der Vereinigten Staaten zur „Krisenlösung“ oftmals mit ein Grund ist, weswegen sich Krisen in der Welt verlängern und weswegen diese eskalieren.

Historische Beispiele: Koreakrieg oder Nahost-Konflikt

Rufen Sie sich an dieser Stelle einmal den seit mehr als 60 Jahren bestehenden Kriegszustand zwischen Nord- und Südkorea in Erinnerung. Hat der amerikanische Interventionismus auch nur irgendetwas an dieser Situation geändert oder einen Beitrag dazu geleistet, dieses Problem zu lösen? Wie sieht es mit Blick auf unsere seit Jahrzehnten andauernden Interventionen im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern aus?

Sind wir dem Abschluss eines echten Friedens zwischen Israelis und Palästinensern wirklich näher gekommen, obwohl wir doch Milliarden von US-Dollars auf Basis von Bestechungen und Interventionen in den Sand gesetzt haben?

Die Nichteinmischung in die Angelegenheiten von anderen schädigt die Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten im überseeischen Ausland keineswegs. Vielmehr sind es die dauerhafte Einmischungen der US- Regierung in innere Angelegenheiten von souveränen Drittstaaten, deren Bombenkampagnen, deren Drohnenkriege und deren Regimewechselpläne, die unsere Glaubwürdigkeit im überseeischen Ausland in einem immer stärken Maße untergraben.

Mainstream-Medien als Kriegsadjudanten

Die Blockadehaltung der US-Regierung hielt den Bürgerkrieg in Syrien am Laufen. Während die syrische Armee und Russland den Ostteil Aleppos gemeinsam von dessen vierjähriger Belagerung durch al-Qaida befreiten, setzte sich die Obama-Administration zu diesem Zeitpunkt noch für die Verabschiedung eines Waffenstillstandsabkommens ein.

Nachdem syrische Bürger damit begannen, ihre verlassenen Häuser im Ostteil Aleppos wieder in Besitz zu nehmen, setzte das US-Außenministerium seine Propaganda fort, laut der die russische und syrische Regierung Zivilisten aus reinem Spaß abschlachteten.

Weswegen richtet sich die allgemeine Aufmerksamkeit der Mainstream-Medien momentan also auf unbewiesene Behauptungen, die Russland für Hackerattacken verantwortlich machen, auf die seitens des aus dem Amt scheidenden Präsidenten Obama eine vorhersehbare, jedoch unbedeutende Antwort erfolgte?

Problemlösung bedarf keines Weltpolizisten

Das Gros der Mainstream-Medien erweist sich als Nachrichtenübermittler der Washingtoner Interventionisten, und sie unternehmen den verzweifelten Versuch, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von etwas abzulenken, was sich als Anfang vom Ende des langen syrischen Alptraums erweisen könnte.

Der Mainstream ist nicht daran interessiert, den Amerikanern den Eindruck zu vermitteln, als ob sich der Rest der Welt um sich selbst kümmern und seine eigenen Probleme auch ohne die Einmischung des selbst erklärten Weltpolizisten USA lösen könne.

Wenn der Groschen in der Heimat irgendwann gefallen sein wird, dass wir im überseeischen Ausland nicht gebraucht werden, um regionale Krisen zu lösen, werden die Neocons auf die Verliererstraße geraten. Lassen Sie uns inständig darauf hoffen, dass dies so bald wie möglich geschehen wird!

Gastbeitrag für CK*Wirtschaftsfacts / © 2017 Dr. Ron Paul / Institute for Peace and Prosperity

Dr. Ron Paul war in der Vergangenheit neben seiner rund zwanzigjährigen Tätigkeit als Kongressabgeordneter für den Bundesstaat Texas in der Hauptstadt Washington auch Präsidentschaftskandidat für die Partei der Republikaner. Sein neues Buch „Swords into Plowshares“ ist im Buchhandel erhältlich.

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