Der Skandal um gefälschte Bankkonten bei Wells Fargo schaffte es in der letzten Woche auf die Titelseiten der Medien und wird wahrscheinlich dafür sorgen, auch in den kommenden Wochen für Schlagzeilen zu sorgen. Was Mitarbeiter von Wells Fargo taten, indem sie Millionen von Bankkonten ohne Autorisierung der eigenen Kunden eröffneten, war ganz offensichtlich nicht rechtens, doch in glanzvoller Manier Washingtons wird der Skandal dazu genutzt, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von noch größeren, weitläufigeren und vor allem weitaus wichtigeren Skandalen abzulenken.

Worin sich Mitarbeiter von Wells Fargo, die diese Bankkonten eröffneten, verstrickt sehen, entspricht nichts anderem als Betrug und Diebstahl, was zu deren adäquaten Bestrafung führen sollte. Doch um wie Vieles größer ist der Betrug, den das Federal Reserve System begeht, und weshalb wird es der Federal Reserve erlaubt, ihren Taten auch weiterhin ohne Bestrafung nachgehen zu können?

Wells-Fargo-Betrug: Bestehende Regularien haben versagt

Über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren hat das Federal Reserve System den Außenwert des US-Dollars massiv abgewertet und den Sparern das Geld aus der Tasche gezogen, um es in die tiefen Taschen der Schuldner zu leiten. Wo bleibt der öffentliche Aufschrei? Wo finden die Anhörungen vor dem Kongress statt? Und weswegen geht der Kongress den Aktivitäten der Federal Reserve nicht aufs Schärfste nach?

Die aktuellen Entwicklungen erinnern mich an die Geschichte des Piraten, der Alexander dem Großen gegenübersteht. Durch Alexander der Piraterie bezichtigt, antwort der Pirat „Weil ich meinen Aktivitäten mittels eines kleinen Schiffes nachgehe, werde ich als Pirat und Dieb bezeichnet. Du, der Du die Welt mit Deiner großartigen Marine das Fürchten lehrst und in Atem hältst, wirst als Imperator bezeichnet.“

Mehr als zweitausend Jahre später hat sich nicht allzu viel geändert. Wells Fargo wird einer schärferen Überprüfung und Kontrolle und vielleicht auch härteren Strafen entgegen blicken. Es wird unzweifelhaft zu lautstärkeren Rufen nach einer strikteren Regulierung kommen, dabei gänzlich die Tatsache außer Acht lassend, dass bestehende Regularien dabei versagt haben, den Betrug bei Wells Fargo aufzudecken.

So wie bestehende Regularien in der Geschichte stets dabei versagt haben, Betrug gleich welcher Art oder den Ausbruch von Finanzkrisen zu vermeiden. Und wer wird am meisten darunter leiden? Selbstverständlich werden es die normalen Bankkonteninhaber sein. Jedwede Art von Strafzahlungen, die amerikanische Behörden Wells Fargo aufbrummen, wird durch einen nachfolgenden Gebührenanstieg unter Konteninhabern wieder eingespielt.

Keine Gefahr für die Boni...

Eine potenzielle Rückerstattung von Bonuszahlungen, so sie denn überhaupt verhängt werden sollte, wird wahrscheinlich einem massiven Widerstand der Profiteure dieser Bonuszahlungen ausgesetzt sein. Diese Entwicklung wird wiederum langfristige und äußerst kostspielige Gerichtsprozesse zur Folge haben. Selbst wenn der CEO und dessen Vorstandsriege bei Wells Fargo zurückträten, ist nicht damit zu rechnen, dass sich die Firmenkultur bei Wells Fargo in absehbarer Zukunft ändern wird.

Als eine der größten Geschäftsbanken der Welt ist man sich bei Wells Fargo über die Tatsache bewusst, dass die eigene Bank nicht nur als „too-big-to-fail“, sondern auch als zu groß, um die Institution strafrechtlich zu verfolgen, eingestuft wird. Letztendlich wird es keine Rolle spielen, wie empört sich Medien und Öffentlichkeit im Angesicht des Skandals gerieren.

Denn Wells Fargo und die Aufsichtbehörden werden auch in der Zukunft beste Kumpels bleiben. Und eben jene Aufsichtsbehörden, die einmal mehr dabei versagt haben, den Betrug aufzudecken, werden mit noch mehr Macht und noch größeren Finanzbudgets bedacht, die aus den finanziellen Mitteln der amerikanischen Steuerzahler zur Verfügung gestellt werden.

Kontinuierlich sinkender Lebensstandard für Main Street

Nach allem, was wir in der Vergangenheit an Erkenntnissen gewonnen haben, wird die Federal Reserve ihre Strategie niedriger Zinsen und des billigen Geldes aufrechterhalten. Rentner und Pensionäre, die einst einmal glaubten dazu in der Lage zu sein, von ihren Zinsen auf ehedem getätigte Investments zu leben, werden irgendwann einsehen, dass sie durch die Niedrigzinsen wie eine Zitrone ausgequetscht werden.

All jene, die sich auf Erträge aus festverzinslichen Investments verlassen haben, werden sich darüber gewiss werden, dass ihre monatliche Kaufkraft immer stärker schwindet, während die Lebensmittelpreise weiter zulegen. Die fetten Katzen an der New Yorker Wall Street werden auch zukünftig Zugang zu Niedrigzinskrediten und billigem Geld haben, während all jene, die der Main Street angehören, einem kontinuierlich sinkenden Lebensstandard ins Auge blicken.

Es ist bereits fünf nach Zwölf, um die Federal Reserve derselben Behandlung wie Wells Fargo und allen anderen Falschspielern an der Wall Street zu unterziehen. Nach allem, was geschehen ist, zeigt sich, dass es in erster Linie die Erzeugung von Geld aus dem Nichts durch die Federal Reserve ist, welche das betrügerische Verhalten erst ermöglicht. Warum sollte die Fed also nicht für ihr Verhalten zur Verantwortung gezogen werden?

Hoffen wir darauf, dass der Kongress irgendwann aufwachen wird, um die Verantwortlichen der Federal Reserve zur eingehenden Befragung vor die entsprechenden Ausschüsse zu laden, und ebenso viel Druck auf die Fed auszuüben wie dies mit Blick auf privatwirtschaftlich organisierte Betrüger und/oder betrügerisch handelnden Unternehmen geschieht.

Gastbeitrag für CK*Wirtschaftsfacts / © 2016 Dr. Ron Paul / Institute for Peace and Prosperity

Dr. Ron Paul war in der Vergangenheit neben seiner rund zwanzigjährigen Tätigkeit als Kongressabgeordneter für den Bundesstaat Texas in der Hauptstadt Washington auch Präsidentschaftskandidat für die Partei der Republikaner. Sein neues Buch „Swords into Plowshares“ ist im Buchhandel erhältlich.

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