Amerikas Anti-Raketenschutzschild, das zurzeit nahe den Grenzen zur Russischen Föderation installiert wird, lässt sich „unauffällig“ in ein offensives Waffensystem umfunktionieren. Der russische Staatspräsident Wladimir Putin führte dazu aus, dass er „Jahr für Jahr“ genauestens darüber im Bilde sei, auf welche Weise Washington beabsichtige, dieses Raketensystem zu entwickeln.

Über den Aufbau des ballistischen Raketenschutzschilds der NATO in Osteuropa sprechend, erklärte Russlands Staatspräsident, dass die Amerikaner nun zu Werke seien, ihre Raketen auf den entsprechenden Militärbasen zu stationieren. Wörtlich hieß es in einem Auszug:

„Die in einer Kapsel lagernden Raketen werden zum Zweck eines Starts von seebasierten Tomahawk-Raketen genutzt. Nun stationieren sie [Anmerkung der Redaktion: die Amerikaner] dort ihr Raketenabwehrsystem, dessen Raketen dazu in der Lage sind, ein Ziel in einem Radius von 500 Kilometern aufs Korn zu nehmen. Doch Technologien entwickeln sich auf schnelle Weise weiter, und wir verfügen über die Kenntnis abzuschätzen, in welchem Jahr die Amerikaner über eine neue Rakete verfügen werden, die nicht einen Radius von 500 Kilometern, sondern einen Radius von 1.000 Kilometern und hernach sogar mehr ausweisen wird. Und ausgehend von diesem Moment werden sie damit beginnen, unsere nukleare Schlagfähigkeit zu bedrohen.“

Diese Worte wählte Putin am Freitag im Rahmen eines Treffens mit den Chefs von internationalen Nachrichtenagenturen auf der in St. Petersburg stattgefundenen Konferenz International Economic Forum (SPIEF).

„Wir sind uns Jahr um Jahr darüber bewusst, was geschehen wird, und sie wissen ganz genau, dass wir uns darüber im Klaren sind“, so Putin. Putin fügte an, dass westliche Offizielle „ihre [Nachrichtenberichterstattung und Medien] hinters Licht führen“, welche ihre Zuhörer- und Leserschaft in diesem Zuge falsch informiere.

Verständigung mit dem Westen gestaltet sich schwierig

Hauptproblem sei, so Russlands Staatspräsident, dass die Menschen sich nicht darüber bewusst sind, wie gefährlich die aktuelle Lage tatsächlich ist. „Die ganze Welt wird in eine völlige neue Größenordnung hineingezogen, während [Washington] so tut, als würde nichts geschehen“, wie Putin ausführte.

Ergänzend machte Putin darauf aufmerksam, dass er den Versuch unternommen habe, sich mit seinen westlichen Amtskollegen zu verständigen. Doch dieses Ansinnen sei vergebens gewesen.

„Sie sagen, dass deren [Raketensysteme] Teil ihrer Verteidigungsbereitschaft und nicht offensiv ausgerichtet sind. Sie sagen ferner, dass diese Systeme darauf abzielen, ihre eigenen Länder vor potenzieller Aggression zu schützen. Doch dies entspricht nicht der Wahrheit“, so Putins Erklärung gegenüber den Journalisten.

Raketensysteme: Wirklich nur "rein defensiv"?

Putin fügte an, dass „ein strategisch einsetzbares und ballistisches Raketenabwehrschild vielmehr Teil einer offensiv ausgerichteten Strategie ist, [und] in Verbindung mit einem aggressiv ausgerichteten Raketenangriffssystem funktioniert.“

Die große Gefahr ist, dass dieselben Raketenstartrampen, die im Sinne eines defensiv ausgerichteten Raketenabwehrschirms auch zum Abfeuern von Tomahawk-Raketen genutzt werden können, sich in „nur wenigen Stunden“ installieren ließen, so Putin weiter. 

„Wie können wir uns darüber im Klaren sein, welche Art von Raketen sich in diesen Abschussvorrichtungen befinden? Alles, was es braucht, um die Systeme umzufunktionieren, ist, [das System] zu reprogrammieren, was sich auf unauffällige Weise bewerkstelligen lässt“, so Putin.

Putin ergänzte, dass die Regierungen der Staaten, auf deren Territorien diese NATO-Komplexe lokalisiert seien, über keine Handhabe verfügten herauszufinden, ob dies in die Tat umgesetzt worden sei oder nicht.

Aufrüstung in Osteuropa: Täuschung durch Washington von Anfang an

Washington habe sich seit Anbeginn der Verlautbarung einer Verlagerung von ballistischen Raketenabwehrsystemen nach Osteuropa der Täuschung bedient, stets darauf hinweisend, dass diese Systeme gegen eine „nukleare Bedrohung durch den Iran“ gerichtet seien, wie Putin erklärte.

Putin ergänzte, dass Teherans angeblich offensive Nuklearschlagsfähigkeit nun überhaupt nicht existiere – und dies größtenteils Dank Präsident Obamas Engagement. „Warum haben sie nun also ein Raketenabwehrschild in Rumänien errichtet?“, wie Putin fragte.

Während er darauf hinwies, dass die NATO von „konkreten Vorschlägen“ im Hinblick auf eine Kooperation mit Russland absehe, teilte Putin ferner mit, dass die amerikanische Außenpolitik nun die so genannte „strategische Balance“ gefährde…Dank derer die Welt [seit Ende des Zweiten Weltkriegs] vor großen Kriegen und militärischen Konflikten geschützt blieb.

Einseitige Aufkündigung von Abkommen durch Washington

Sich einseitig aus dem im Jahr 1972 abgeschlossenen Anti-Ballistischen Raketenabkommen zurückziehend, habe Washington „der internationalen Stabilität den ersten kolossalen Schlag versetzt“, wie sich Russlands Staatspräsident ausdrückte.

Um die globale Balance zu wahren hat Moskau im Umkehrschluss an der Entwicklung seines eigenen Raketenprogramms gearbeitet, wozu sich die Führung der Vereinigten Staaten noch zu Beginn der 2000er Jahre bekannt hatte. Damals befand sich Russland in einer schwierigen finanziellen Situation.

„Ich schätze, dass die Hoffnungen in den USA auf einer sich intensivierenden Abrüstung im Vergleich mit Sowjetzeiten basierten“, erklärte Putin.

„Heutzutage blickt Russland auf signifikante Verbesserungen in diesem Sektor. Wir haben unsere Raketensysteme modernisiert und erfolgreich an der Entwicklung von neuen Raketengenerationen gearbeitet. Ganz zu schweigen von Raketenabwehrsystemen“, wie Putin gegenüber den Chefs der internationalen Nachrichtenagenturen verlautbarte.

Putin: Gegenmaßnahmen statt "Agression"

Putin wies darauf hin, dass es sich bei diesen Schritten um Gegenmaßnahmen und keine „Aggression“ handele, wie es Moskau derart oft in der westlichen Presse vorgeworfen wird.

„Wir müssen Sicherheit nicht nur für uns selbst herstellen. Sondern es ist wichtig, in der Welt für eine strategische Balance zu sorgen, welche den Frieden auf Erden auch weiterhin garantiert....Es ist die gegenseitige Bedrohung, welche die [Menschheit] seit Jahrzehnten mit weltweiter Sicherheit versorgte“, wie Putin abschloss.


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Russland hat einen derartigen Aufmarsch an seinen Grenzen seit 1941 nicht mehr erlebt

Gastbeitrag für CK*Wirtschaftsfacts / @ 2016 Global Research

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