Jetzt mal nicht meckern! Viel tröstlicher sind dagegen doch die vielen Botschaften aus dem Schilderwald der Wahlplakate in diesen Tagen. Was für eine Materialschlacht. Und wer weiß, wie viele Bäume diese Aktion das Leben gekostet hat. Loriot liebte die Politiker auf den Wahlplakaten. Dort sind sie tragbar, geräuschlos und leise zu entfernen...

Von oben herab wird uns wieder mal viel versprochen, selbst das Blaue vom Himmel mitten in der Nacht. „Korruption muss bezahlbar bleiben!“, plakatieren die Satiriker von „Die Partei“. Zähle ich die vielen anderen Versprechen der etablierten Parteien grob zusammen, dann ist am 26. September schon wieder Weihnachten. Dann blühen die Landschaften wie auch der Börsen-DAX noch im Spätherbst wild herum.

Doch Moment! Wer soll das alles bezahlen? Wer hat so viel Geld? Einen schnellen Blick in den Spiegel bei zugenähten Taschen dürfen Sie an der Stelle wagen. Alle „Beiträge“ werden heute ganz elegant vom Konto abgebucht oder gleich einbehalten. Sie müssen sich um nichts kümmern! Wie schön!

Wir kennen den Schaden nicht in Zahlen, der durch das Zutun so mancher Politiker angerichtet wurde, ob Bankenrettung, Eurorettung, HSH Nordbank, Afghanistan oder die Dinge, über die man nicht so gerne spricht oder sprechen sollte. Aber die Menschen vergessen in einer Art von kollektiver Demenz so schnell, dass man gar nicht so viele Schäden auf einmal anrichten könnte, dass es auch nur ansatzweise auffallen dürfte. Eines ist sicher. Sollte das Geld der anderen nicht ausreichen, wird es aus der Zukunft geborgt. Nie waren Kredite so billig, billiger noch als manche Wahlwerbung. Im Land der einstigen Dichter und Denker gibt es ihn noch, den Glauben ans Schlaraffenland.

Was soll man wählen?

In finanziellen Dingen ist Gold am ehrlichsten. Es tut einfach nichts. Es redet nicht, hat Wahlkämpfe und TV-Duelle nicht nötig, sondern hat nur einen Preis. Auch die Börse ist in ihrer Sichtweise ehrlicher als so manches Wahlversprechen. Herkömmliches Geld dagegen wird immer mehr zum Abenteuer. Hat man welches, zerrinnt es immer schneller zwischen den Fingern, wenn man nichts damit macht. Geld ist auch eine Art von Glaube und bedarf der permanenten Werbung.

Jetzt aber, wo die Inflation steigt und der Aufschwung durch Materialmangel wie zu DDR-Zeiten den Zenit überschreitet, diskutieren die Notenbanken den Ausstieg aus der Superdroge Billiggeld. Der Zeitpunkt ist denkbar schlecht und zu spät. Daher schaute die Welt in der letzten Woche nach Jackson Hole in die Rocky Mountains. Dort tagten digital die großen Notenbanker über ihre Geldpolitik.

Nicht der Rede wert...

Die Luft in den Bergen war klarer als das, was die Geldgötter von sich gaben. Für jeden war etwas dabei und vor allem aber nichts, was die Börse ärgern könnte. Eine Normalisierung der Geldpolitik ist offenbar so schwierig wie Zahnpasta zurück in die Tube zu drücken. Im Vorfeld des Treffens litt die Börse unter gewissen Ungewissheiten. Wann eigentlich nicht?

Führende Meinungsexperten lesen nun in ihren Glaskugeln, dass in den USA mit nur unter dem Mikroskop sichtbaren Schritten die Geldzügel etwas gestrafft werden könnten, indem die Notenbank zunächst etwas weniger Geld pro Monat druckt. Theoretisch. Ende 2022 könnten dann die Zinsen um erste homöopathische Dosen angehoben werden. Wenn nichts dazwischen kommt. Wird es aber! Nein, es wird keine echte Zinswende geben, höchstens verbal. Zumindest das ist gewiss.

„Was heißt das für mich konkret!?“

Man wird an den großen Dingen ohnehin nichts ändern können, an denen man sich am meisten aufreibt. Vieles, was einem heute medial über den Weg läuft, hat zum eigenen und eigentlichen Leben kaum Bezug und entsprechend wenig Relevanz. Mir scheint es sinnvoller, die eigene Bude sauber zu halten und vor der eigenen Haustüre zu kehren, als beim Betrachten und Erspüren des Großen und Ganzen in schlechte Laune zu verfallen. Es sind die kleinen Dinge, die für einen selbst einen viel größeren Nutzen haben, als sich im Großen zu verlieren... und dann im Kleinen.