Dirk Müller ist seit vielen Jahren das Gesicht der Börse. Kompetent und charismatisch versteht er es, das Börsenlatein so zu übersetzen, dass es auch Normalsterbliche begreifen. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und spricht Klartext. Für den NATURSCHECK beantwortet er regelmäßig Fragen unserer Leser zu den Themen Politik, Wirtschaft und Finanzen.


Lieber Herr Müller, es kommt mir vor, als seien Jahre vergangen seit unserem letzten Gespräch vor drei Monaten. Vorab die Frage: Sie waren ja einer der frühen Mahner bzgl. Corona und haben sich bereits Anfang Februar in eine Art freiwillige Quarantäne begeben. Haben Sie Haus und Garten seitdem verlassen?

Dirk Müller: (lacht) Ich bin tatsächlich fast komplett zu Hause und mache alles von daheim aus. Mit einer Ausnahme: Ich war bei der Beerdigung von Norbert Blüm – die konnte man ja schlecht verschieben. Das war mir wichtig und ein Bedürfnis. Ansonsten war ich seitdem weder essen, noch habe ich öffentliche Vorträge gehalten. Ich mache im Moment alles digital – und das werde ich auch die nächsten Monate so beibehalten, angesichts der Konsequenzen, die entstehen können. Und damit meine ich gar nicht das Virus, das macht mir die geringsten Sorgen - sondern die Maßnahmen, die derzeit ergriffen werden.

Denn wenn ich nun in ein Restaurant gehe und meinen Namen angeben muss, und zwei Tage später wird irgendein Gast, der auch irgendwo im Raum saß, positiv getestet, dann klingeln die bei mir und sagen: Müller, du musst in Quarantäne. Das ist mir keine Pizza wert.

Ja, es ist schon faszinierend. Kaum hat man die Maßnahmen etwas gelockert, und schon wird wieder über „Superspreader“ und neue „Hotspots“ geschrieben. Woher man bereits montags weiß, dass sich am Sonntag angeblich 100 Menschen in einer Kirche oder in einem Restaurant „infiziert“ haben, ist mir allerdings schleierhaft. Denn so schnell kann man weder testen, noch Tests auswerten. Und wie die Übertragung stattgefunden haben soll, ist ebenfalls ein Rätsel. Doch vergeht sicher vielen die Lust, wieder unter Menschen zu gehen.

Dirk Müller: So ist es. Und sobald die App da ist, kann man jeden unserer Schritte nachvollziehen. Und dann kommt man vielleicht auf die Idee zu sagen: Man macht diese Zwangsquarantäne nicht mehr in den eigenen vier Wänden, sondern in Sammelunterkünften. Und darauf kann ich gerne verzichten.

Ich erinnere mich noch gut an unseres letztes Gespräch. Da ging es u.a. um regionale apokalyptische Naturphänomene, die uns ins Jahr 2020 hinüberbegleitet haben. Nun ist der Bill-Gates-Tsunami ja über den kompletten Planeten hereingebrochen, und so gut wie alle Länder und Menschen sind von den politischen Maßnahmen betroffen. Wie haben Sie die letzten drei Monate insgesamt erlebt?

Dirk Müller: Ich habe mich inzwischen davon verabschiedet, mir Gedanken zu machen, wie gefährlich dieses Virus ist oder nicht. Anfang des Jahres, als das Virus hierzulande noch keine große Rolle spielte, habe ich mich ja sehr laut geäußert und gesagt, dass unsere Regierung die Sache komplett unterschätzt, denn da kommt ein riesen Ding auf uns zu. Das politische Nichthandeln war für mich eine potentielle Gefährdung der Bevölkerung. Dafür hat man mich heftig kritisiert.

Nun hat man aus diesem Virus „den Herrgott sei bei uns“ gemacht, als würde er die Menschheit ausrotten. Und nun stellen wir fest: das ist es definitiv auch nicht. Daher sind die vielen erzwungenen Maßnahmen auch inzwischen völlig unangemessen. Damals hat man mich beschimpft, ich würde übertreiben und Hysterie verbreiten. Nun behauptet man, ich untertreibe, weil ich sage, Corona ist nicht der Weltuntergang. Ich versuche, mich irgendwo dazwischen zu bewegen und die Balance zu halten. Und in der Mitte fühle ich mich am wohlsten.

Was wir derzeit auf jeden Fall erleben, ist eine dramatische Veränderung unserer Gesellschaft in einer hohen Geschwindigkeit. Und dazu benötigt es ein Narrativ. Es gibt es sehr gutes Buch, das man gelesen haben sollte, wenn man die Dinge verstehen möchte: „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari. Das Buch beschreibt sehr gut, wie unsere Kultur entstanden ist. So hat sich der Mensch vor allem deshalb zum Lebewesen Nr. 1 auf dem Planeten Erde entwickelt, weil er Fantasie hat und Mythen und Geschichten erzählen kann über Dinge, die überhaupt nicht existieren.

In einer kleinen Gruppe von fünf oder sechs Leuten können sie sich untereinander absprechen, da brauchen Sie keinen „Chef“. Die Wissenschaft sagt: Bis zu einer Gruppe von ca. 150 Personen funktioniert Kooperation einfach durch das persönliche Einanderkennen und den persönlichen Austausch. Wenn Sie aber eine größere Gruppe, z.B. hunderttausend Menschen in eine Richtung marschieren lassen wollen, geht das auf der Basis nicht mehr.

Da braucht es dann ein Narrativ, also eine „Story“, an die alle glauben. Ob das nun die Story ist, dass der liebe Gott seinen Sohn geschickt hat, der sich ans Kreuz hat nageln lassen oder irgendeine andere ... Ohne über den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte zu urteilen: die Story hat ausgereicht, dass Millionen sie geglaubt haben und in dieselbe Richtung gelaufen sind. So ist unsere christlich-abendländische Kultur entstanden.

In einer anderen Region und in einer anderen Zeit waren es die ägyptischen Pharaonen, die mit der Story, dass der Gott Ra sie geschickt hätte, jahrtausendelang das Pharaonenreich regiert haben. Anders wäre das gar nicht gelaufen, ohne die Story. Überall werden Mythen und Geschichten erzählt, und die jeweiligen „Reichsgrenzen“ gehen immer nur so weit, bis sie an die Grenzen eines anderen Geschichtenerzählers stoßen. Das ganze globale Staatswesen ist eine rein menschliche Fiktion.

Da wir inzwischen ganz viele Geschichtenerzähler haben – wodurch die Welt in Nationen, Philosophien, Religionen etc. aufgeteilt ist – stehen diese sich oft unvereinbar gegenüber und kämpfen um ihre Vorherrschaft.

Wenn ich die Menschheit zusammenführen möchte und zum Ziel habe, dass sieben Milliarden Menschen in dieselbe Richtung laufen, dann brauche ich eine neue Geschichte und ein neues Narrativ. Das kann ein globaler Klimawandel sein oder ein gefährliches Virus. Und dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob dieser Klimawandel oder dieses Virus so sind, wie sie uns präsentiert werden. Wichtig ist, dass alle Menschen an diese Story glauben und sich den gleichen neuen Regeln, Gesetzen und Zielen unterwerfen.

Das klingt logisch. Da wir uns diese Geschichten ja aber nicht selbst ausgesucht haben, wie können wir gewährleisten, dass wir in die richtige Richtung laufen? Und wie entziehen wir uns dieser Entwicklung, wenn wir spüren, dass sie nicht unseren Vorstellungen entspricht?

Dirk Müller: Das ist derzeit äußerst schwierig. Denn ganz offensichtlich wird alles niedergepflügt, was sich dem neuen Narrativ entgegenstellt. Und ich werde mich hüten, Menschen, die auf mich hören, nun in den Kampf gegen Windmühlen zu schicken. Gleichzeitig glaube ich aber auch nicht, dass dort draußen – vielleicht unter der Führung eines Bill Gates – alle Regierungen der Welt zum Ziel haben, die Menschheit zu versklaven. Never ever!

Die Wahrheit liegt immer irgendwo in der Mitte. Es gibt sicher Politiker, die vor allem auf ihren eigenen Vorteil aus sind. Viele anderen jedoch folgen einer Art gottgegebenen, missionarischen Anspruch, die Welt zu verbessern. Und wenn wir uns den aktuellen Zustand des Planeten betrachten, so ist eine Umgestaltung unserer Gesellschaft und ein neues Denken dringend notwendig. Dass hier anscheinend irgendjemand für uns alle entscheidet, mag uns nicht gefallen, und doch findet es statt.

Das Positive an der Sache: Im Grunde sind die ökologisch-wirtschaftlichen Ziele, wie in der „Agenda 2030“ festgelegt, ja genau das, was Sie in Ihrem Heft seit vielen Jahren fordern: Weniger Massenkonsum, mehr nachhaltiges Wirtschaften, saubere Energie usw. Wir regen uns seit Jahrzehnten darüber auf, dass wir zu einer Wegwerfgesellschaft geworden sind, immer mehr billigen Scheißdreck aus China importieren, immer mehr Autos, immer mehr Müll, dass die Natur immer mehr zerstört wird …

Und jetzt kommen die, die das Geld und hinter den Kulissen den Einfluss haben, und sagen: Wir schaffen jetzt eine neue Welt! Und statt uns darüber zu freuen und die Chancen darin zu sehen, regen wir uns darüber auf, weil der Impuls „von denen“ kommt.

Dass mächtige Lobbygruppen unsere Regierungen steuern, ist ja nichts Neues. Früher hat der Deutsche-Bank-Chef Ackermann Frau Merkel eingeflüstert, was sie zu tun hat. Es waren immer die Konzerne und die Großindustrie, die Einfluss genommen haben. Unsere Demokratie ist schon immer eine Scheindemokratie, in der der Bürger nichts zu sagen hat.

Nun haben wohl einflussreiche Gruppen beschlossen, sich der globalen Sache anzunehmen, haben das Ganze über Jahre aufgebaut, haben die politischen Entscheidungsträger, den IWF, etc. überzeugt und hinter sich geschart. Was jetzt wichtig wäre, ist, sich dem Unabwendbaren nicht entgegenzustellen, sondern sich einzubringen und dafür Sorge zu tragen, dass diese neue Welt im Sinne der Menschen geschaffen wird und nicht nur im Sinne der großen Konzerne. Aufhalten können wir das Ganze sowieso nicht.

Nehmen wir einmal an, dass das weltweite Herunterfahren der Wirtschaft und der damit verbundene Zusammenbruch einiger Branchen wirklich so gewollt und gesteuert ist, so ist die Umsetzung ja alles andere als human. Denn es wird viele Opfer geben, und Totalüberwachung, Zwangsimpfungen, Mikrochip etc. klingen eher nach Freiheitsberaubung. Zudem investiert Bill Gates ja seit langem nicht nur in Impfstoffe, sondern ist auch Aktionär von Monsanto, fördert Gentechnik, etc. Da bleibt ja von der Natur nicht mehr viel übrig.

Dirk Müller: Das ist genau, was ich meine. Die Agenda 2030 steht – nun geht es um die Art der Umsetzung. Wo geht die Reise hin? Nehmen wir darauf Einfluss, oder schauen wir kritisierend und tatenlos zu. Überlassen wir alles den großen Konzernen, oder bringen wir uns ein? Und was das Thema Überwachung angeht: Bereits heute sind wir umgeben von zahllosen Überwachungsinstrumenten, von Radarfallen, Kameras in den Städten, Gesichtserkennung an Bahnhöfen etc... Unsere persönlichsten Dinge teilen wir im Internet und bewegen uns nicht ohne Smartphone.

Während wir jedem Eingriff in unsere persönliche Freiheit äußerst kritisch gegenüberstehen, finden die Chinesen „erzieherische Maßnahmen zum Wohle des Ganzen“ richtig gut. Denn freiwillig ändern viele Menschen sich augenscheinlich nicht. Und auch die jüngere Generation hierzulande scheint sich um das Thema Privatsphäre keinen großen Kopf mehr zu machen.

Wir beiden entstammen einer Generation, deren Narrativ es war, unabhängig und individuell zu sein. Diese unbegrenzte Freiheit des Individuums gab es in früheren Zeiten kaum. Da musste sich jeder integrieren und in die Gesellschaft einfügen. Selbst der Königssohn schlief mit den anderen Burgbewohnern im Thronsaal. Es gab keine abgetrennten Räume für alle und jeden.

Unser Individualismus ist heute einer der Gründe für die aktuellen Probleme in der Welt, da jeder sich immer mehr ausbreiten und ausleben möchte. Wir entstammen einem Zeitgeist, wo es geil war, einen V8 zu fahren. Man hat uns erzählt: „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“. Wir haben uns am „Marlboro-Mann“ orientiert. Man hat uns all diese Geschichten erzählt, hat sie uns eingebläut, weil sie damals für die Ziele der Mächtigen passten.

Jetzt bekommen wir eine neue Story – und die steht im Widerspruch zu unserer alten Identität, die auf einem anderen Mythos basiert. Und jetzt sollen wir umlernen und eine neue Identität annehmen nach den neuen Regeln. Und das fällt natürlich wahnsinnig schwer, da die alten Rollenbilder tief verankert sind. Wir sollen die alten Götter loslassen, da jemand kommt und sagt, sie gelten nicht mehr.

Das würde auch erklären, warum die großen Medien derzeit völlig gleichgeschaltet und mit einer nie dagewesenen Aggression gegen alle Andersdenkenden vorgehen.

Dirk Müller: Ja, und das versteht man nur, wenn man das zugrundeliegende Prinzip erfasst. Denn gerade in dieser Umbruchphase ist es zwingend notwendig, dass so viele Menschen als möglich an das neue Narrativ glauben. Und selbst die, die nicht daran glauben, müssen in dieselbe Richtung gehen. Deshalb hat man früher die alten Götterstatuen zerschlagen und hat die Menschen mit allen Mitteln dazu gebracht, sich den neuen Göttern unterzuordnen. Wer in der DDR seine Kinder nicht im Sinne des Sozialismus erzogen hat, dem hat man gedroht, ihm die Kinder wegzunehmen. Dasselbe droht man im Moment den sogenannten „Impf-Kritikern“ an.

Wir erleben also eine äußerst kritische Situation, in der unglaublich viel Energie aufgewendet wird, um ein neues Weltbild zu etablieren. Und es fällt schwer, wirklich zu erfassen, was richtig und was falsch ist oder welchen Rat man anderen Menschen geben könnte. Denn im Grunde blicken wir ja selbst noch nicht durch.

Das beschreibt es treffend! Der Zwiespalt zieht sich nicht nur quer durch uns selbst, sondern auch quer die Bevölkerung. Selbst Familien oder gar Paare erleben ihn. Viele ältere Menschen berichten uns, dass ihre Kinder das neue Narrativ bereits komplett verinnerlicht haben, während sie selbst nur ungläubig den Kopf schütteln können über das, was gerade geschieht. Es beliebt also spannend! Aber lassen Sie uns von dieser philosophischen Betrachtung noch kurz zur alten Welt zurückkommen. Neben den gesellschaftlichen Umwälzungen erleben wir ja auch einen massiven Börseneinbruch. Ist das nun der Supercrash, den Sie prophezeit haben? Oder geht der Kelch noch an uns vorüber?

Dirk Müller: Das ist die große Diskussion, die wir gerade führen. Dass sich die Börsen derzeit erholen, ist in so einer Phase normal. Denn es werden ja von den Zentralbanken Billionen in den Markt gepumpt. Doch die große Pleitewelle kommt erst noch. Und viele Branchen werden sich überhaupt nicht mehr erholen. Dazu hat die EU angekündigt, nur noch bestimmte Industriezweige finanziell zu unterstützen.

Ich erwarte, dass der schwere Schlag für die Börse erst im Herbst kommt. Denn was in der Realwirtschaft passiert, ist ja dramatisch. Wir haben die größte Weltwirtschaftskrise, die es jemals gegeben hat. Und die hat gerade erst angefangen. Wer hier an einen Nachholeffekt glaubt, ist völlig auf dem Irrweg. Denn wer drei Monate nicht im Restaurant war, der geht jetzt nicht hin und bestellt sich 17 Hauptgerichte. Dasselbe gilt für Reisen. Und bevor ein Impfstoff da ist – egal was man davon hält – werden die nicht nachlassen und die Menschen weiter einschränken.

Da das Impfen anscheinend einen elementaren Aspekt des aktuellen Geschehens darstellt, wird der Druck also aufrechterhalten, denn sonst würden die Menschen dem ja auch nicht zustimmen. Also stehen uns noch heiße Monate bevor.

Im Moment heißt es durchatmen – und dann kommt die zweite Welle, wenn der Impfstoff in Aussicht ist. Dann braucht es die maximale Panik, die wir dann auch an den Märkten und an den Börsen erleben werden. Unabhängig von jeder Spekulation um sonstige Hintergründe der aktuellen Maßnahmen – eines ist klar: Die komplette Menschheit regelmäßig zu impfen, ist der Heilige Gral des Geldverdienens.

Wie immer zum Schluss die Frage, wie Sie persönlich es schaffen, den äußeren Turbulenzen standzuhalten und in ihrer Mitte zu bleiben?

Dirk Müller: Aus spiritueller Sicht ist das, was draußen geschieht, ja im Grunde zweitrangig. Da orientiere ich mich an den asiatischen Philosophien und versuche nicht anzuhaften, sondern zu akzeptieren, dass sich die Welt, in der ich lebe, dauernd verändert. Das ist einfach so! Die Welt geht ja auch nicht unter, die dreht sich weiter. Jeden Tag geht wieder die Sonne auf. Auch die Vögel interessiert es nicht, was draußen passiert. Warum soll ich mich da verrückt machen? Alles ist permanent im Fluss. Alles ist permanente Veränderung. Lassen wir uns also überraschen, was noch kommt und bleiben wir optimistisch und positiv.

Lieber Herr Müller, ganz herzlichen Dank für das interessante und wieder sehr offene Gespräch. Wir freuen uns schon auf das nächste Mal!

Das Interview führte Michael Hoppe

Hinweis: Das nun frisch in der aktuellen Ausgabe von Naturscheck abgedruckte Gespräch fand bereits Ende Mai statt.