Wie in vielen Bereichen des (wirtschaftlichen) Zusammenlebens kommt es auch an der Börse immer wieder zu Betrugsfällen. Hohe Strafen, Handelsüberwachung und gesetzliche Regulierung sind der Abschreckung für manch durchtriebenen Gangster nicht genug. Eine bekannte Variante sieht so aus, dass ein Schein-Unternehmen als vielversprechendes Aktien-Investment angepriesen wird. So werden Käufer angelockt, welche in Wahrheit wertlose Aktien erwerben. Hier wird auf Gier und Unerfahrenheit gesetzt. Fliegt der Betrug auf, bricht der Aktienkurs zusammen und die Anleger wurden um ihr investiertes Geld gebracht, während die ursprünglichen Verkäufer, meist identisch mit den Initiatoren, sich ein Vermögen ergaunerten. Fälle dieser Art sind belegt und bewiesen und kommen immer wieder vor. In dieser neuen Serie wollen wir verdächtige Aktienwerte behandeln und somit Sie als Anleger vor potentiellem Betrug warnen und hoffentlich bewahren.

Ihre Cashkurs-Redaktion

Paketeria AG (ISIN: DE000A0STYL7)

Die BaFin warnt in ihrem jüngsten Rundschreiben erneut vor Spam-Faxen, die bezüglich einer Empfehlung für eine gewisse Paketeria AG im Umlauf seien. Es geht konkret um den Hinweis, dass „die Aktie um 4.200 % steigen werde“. Dies sei darin begründet, dass – angeblich – ein sogar von der BaFin genehmigtes Übernahmeangebot der Postbank AG vorliege, zum Preis von 89,50 Euro je Aktie. Gegenwärtig notiert die Paketeria-Aktie bei 2,10 Euro. In jeder Hinsicht klingt diese Meldung nach der altbekannten Geschichte. Ferner bestreitet die BaFin, dass ihr ein wie oben beschriebenes Übernahmeangebot bekannt sei. Es sei „daher eine Untersuchung wegen des Verdachts auf Marktmanipulation“ eingeleitet worden. [1]

Dieser Fall hingegen zeichnet sich ein wenig tückisch, denn bei der Paketeria AG handelt es sich, so weit sichtbar, um ein real operierendes Unternehmen, wenn auch nur ein kleines. Die Marktkapitalisierung liegt bei etwa vier Millionen Euro. Seit Anfang 2008 werden Aktien des Unternehmens an der Börse gehandelt, die jedoch zum Emissionszeitpunkt noch mit knapp 80 Euro notierten und sich im Laufe der Zeit auf das heutige Niveau senkten. Die Beschreibung des Geschäftsmodells sorgt eingangs für etwas Verwirrung. So operiert die Firma im Bereich des „Super Service Markets“, welcher durch folgende Auflistung genauer klassifiziert wird: „Paket- und Briefversand, Telekommunikation, Strombörse, Online-Apotheke, Tinten-Tankstelle, Copy/Druck, Schreibwaren, Internet, Foto, eBay, Goldankauf und Coffee 2 Go“. [2]

Paketeria AG in Wirklichkeit INJEX Pharma AG?

Freilich liest sich das so weit recht imposant, man darf allerdings dabei nicht vergessen, dass es sich lediglich um ein kleines Unternehmen handelt. Allzu sehr können die einzelnen Geschäftsbereiche also nicht ausgebaut sein. Begibt man sich nun auf die Suche nach weiteren Informationen, ist zunächst wieder auffällig, dass die Paketeria AG über keine eigene Homepage verfügt und sich generell auf der Internetpräsenz www.injex.de wiederfindet. Hier wird die Sache dann erneut verwirrend. Scheinbar handelt es sich bei dem Namen INJEX um ein medizinisches Patent, welches eine nadelfreie Injektion möglich machen soll. Nach allerhand Pressemitteilungen, in denen viel von Unternehmens-Zusammenschlüssen und Übernahmen zu lesen ist, soll die Paketeria AG, stand „Dezember 2011“, kraft Hauptversammlungsbeschluss in „INJEX Pharma AG“ umbenannt werden. Ob dann der beschriebene Geschäftsbereich noch Gültigkeit besitzt, bleibt abzuwarten. Ferner erfährt der Aufmerksame Leser davon, dass sich das entsprechende Unternehmen die längste Zeit der vergangenen Monate und Jahre mit einem Insolvenzverfahren herumschlug, welches schlussendlich anscheinend abgewendet werden konnte. [3]

Übernahmen und Insolvenzen

Konkretes erfährt man aus einer Pressemitteilung via dpa-AFX vom 21. September 2011: „Paketeria AG erbringt Nachweis über 500.000 Euro Eigenkapital und bleibt somit im Freiverkehr der Deutschen Börse AG in Frankfurt gelistet und handelbar.“ Im Weiteren wird hierzu der Vorstand zitiert: „Der Nachweis musste in kürzester Zeit nach der Insolvenzaufhebung erbracht werden, die fehlenden Geschäftsberichte 2008-2010 waren dabei ein größeres Problem…“ Der Name des Vorstands lautet Andy Rösch. [4]

Vielleicht ist dieser Name dem einen oder anderen alten Börsen-Hasen bekannt.  In einem Artikel des manager magazins vom April 2002 bezüglich seines Rückzuges aus der Rösch AG wird dieser als eine „schillernde Figur“ beschrieben. Weiter heißt es: „Das mit hohen Verlusten kämpfende Unternehmen ist auf nadelfreie Injektions- und Messsysteme spezialisiert.“ Interessant! Die Idee hinter INJEX beziehungsweise Paketeria sowie die dazugehörige Personalie sind also schon seit Längerem bekannt. [5]

Kurzer Exkurs: Die Rösch AG eröffnete am 1. März 2003 ein Insolvenzverfahren, so zumindest geht es aus dem Kurzportrait zur Aktie der „Abwicklungsgesellschaft Rösch AG Medizintechnik“ hervor. Aktueller Kurs: 2,3 Cent. Damit wurde die Exposition zur Geschichte quasi nachgereicht. [6]

Was dies am Ende alles noch mit einer glaubhaften Übernahme durch die Postbank AG zu tun haben soll, ist eigentlich keiner weiteren ernsthaften Untersuchung wert. Tückisch allemal ist der Umstand, dass betroffenes Unternehmen schon länger am Markt notiert und sich für vertrauensselige Anleger auch genügend Bestätigung seitens der eigenen Pressemitteilungen generieren ließen, um der vorliegenden Miss-Information Glauben zu schenken. Alle Fakten zusammen genommen sollte jedoch jeder tunlichst die Finger davon lassen. Es kann zwar nicht nachgewiesen werden, dass Personen, die mit dem Unternehmen verbunden sind, auch hinter der Spam-Aktion stecken, auf der anderen Seite schafft es die Paketeria AG, die ja angeblich schon umbenannt sein soll, nicht, sich als seriöse Anlage zu qualifizieren. Bei Weitem nicht.

Eine kleine Anmerkung zum Schluss: Der zuletzt in dieser Serie behandelte Titel „Underseas Research & Recovery“ liegt mittlerweile bei 0,12 Euro, also über 60 Prozent tiefer…

[1] siehe
http://www.bafin.de/cln_117/nn_722564/SharedDocs/Artikel/DE/Service/Meldungen/2011/meldung__111221__paketeria__ag.html

[2] nach Portrait auf OnVista:
http://www.onvista.de/aktien/snapshot.html?ID_OSI=19045095&PERIOD=4#chart

[3] siehe http://injex.de/fnews

[4] aus http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2011-09/21413489-paketeria-ag-erbringt-nachweis-ueber-500-000-euro-eigenkapital-und-bleibt-somit-im-freiverkehr-der-deutschen-boerse-ag-in-frankfurt-gelistet-und-handelb-016.htm

[5] siehe http://www.manager-magazin.de/unternehmen/karriere/0,2828,191685,00.html

[6] Chart und Info via http://www.onvista.de/aktien/snapshot.html?ID_OSI=81582&PERIOD=7#chart