Frankfurt (BoerseGo.de) - Der deutsche Aktienmarkt setzte heute seine Erholungs-Rally schwungvoll fort. Wie in der vergangenen Woche wurden wieder Vorschusslorbeeren für die jetzt in Fahrt kommende Berichtssaison Q3 verteilt.

Einen neuen Anlass dafür lieferte heute früh der niederländische Konsum-Elektronik-Riese Philips, der einen überraschenden Quartalsgewinn aus dem Ärmel schüttelte. Die Analysten hatten dagegen einen Verlust in Aussicht gestellt. Damit gelang den Niederländern dasselbe Kunststück wie bereits dem US-Aluminium-Giganten Alcoa am Mittwoch. Der gelungene Start der Berichtssaison untermauert jetzt das Argument, dass die Erholung der Wirtschaft an Fahrt gewinnt.

Diese Woche sind die Zahlen zahlreicher US-Schwergewichte fällig, darunter Intel, JP Morgan, Google, IBM oder General Electric.

„Der Aktienmarkt wird seinen positiven Grundton beibehalten“, glaubt jedenfalls Stanley Nabi, Vice Chairman des New Yorer Vermögensverwalters Silvercrest Asset Management Group (Bloomberg). „Die Gewinnzahlen der Unternehmen, die diese Woche herauskommen, sollten sehr solide ausfallen und die konjunkturellen Nachrichten sind derzeit sehr ermutigend“, so Nabi.


Der Xetra-DAX schloss heute mit einem Tagesgewinn von 1,25 Prozent auf 5.783 Punkten.

Gute Aussichten für Halbleiterhersteller

Das Gros der Blue Chips fuhr heute satte Gewinne ein. Spitzenreiter war Infineon. Der Halbleiterhersteller, der vor ein paar Monaten noch als Penny Stock gehandelt wurde, steigt anscheinend zum Darling des Börsenparketts auf. Heute bewegte sich die Chipaktie wieder mal im Sog der stramm nach Norden strebenden Branchenkollegen an der Wall Street. Bereits am am Freitag hatte die  Deutschen Bank verkündet, man sei davon überzeugt, dass die Gewinne der Halbleiterhersteller die Erwartungen der Wall Street schlagen werden. Außerdem hatte der Londoner Finanzkonzern Barclays den gesamten IT-Hardwaresektor von "Neutral" auf "Positive" hochgestuft.
Siemens wiederum profitierte von den guten Zahlen des Konkurrenten Philips. Bayer bekam heute Schub aus Amerika. Banc of America Securities-Merrill Lynch hob das Kursziel von 52 auf 57 Euro und bestätigte das Buy-Rating.
Gekauft wurden auch die konjunktursensiblen Zykliker, also wie ThyssenKrupp, Salzgitter oder MAN. Bei den Finanz-Titeln wie Allianz, Commerzbank und Deutsche Bank setzte sich die Rally der Vortage ebenfalls fort, weil dort die Risiken zurückgehen.


Die Deutsche Post stand dagegen etwas im Schatten. Laut Medienberichten wollen private Konkurrenten des Logistikkonzerns bis zum Jahresende ein Gemeinschaftsunternehmen gründen und ein eigenes bundesweites Post-Zustellnetz aufbauen. Leichte Verkäufe gab es auch bei E.ON. Auch der Branchenkollege RWE schwächelte etwas. Möglicherweise belastete die wieder hochschäumende Diskussion über den Ausstieg aus der Zukunftseneergie Kernkraft (keine Treibhausgase, keine Abhängigkeit vom Iran und anderen Lieferanten).



Im MDAX konnte Stada Arzneimittel die Freitagsgewinne fortführen. Banc of America Securities-Merrill Lynch begann die Beobachtung des Generikaherstellers mit "Buy" und einem Kursziel von 24,00 Euro. Gefragt waren Krones, Klöckner und BayWa.

Die Aktien der Heidelberger Druckmaschinen brachen dagegen wegen einer Gewinnwarnung ein. Die Kunden der Heidelberger, das Printgewerbe, leiden darunter, dass Leser und Anzeigenkunden zunehmend ins Internet abwandern.

Der TecDax wurde ebenfalls von einem Chip-Titel angeführt, nämlich von Dialog Semiconductor. Begehrt waren auch Solarworld und Manz Automation.

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