Frankfurt (BoerseGo.de) – Nach einem kurzen Ausflug in die Verlustzone hat der deutsche Aktienmarkt am Nachmittag den Sprung in den grünen Bereich geschafft. Neben einer Reihe von Quartalszahlen halfen die allfälligen Daten zum US-Arbeitsmarkt dem Index auf die Sprünge, während die Daten zur Industrieproduktion in Europa kaum beachtet wurden. Allerdings währte die Freude nicht all zu lange, nachdem die Kurse an der Wall Street abbröckelten gab auch der deutsche Markt seine Gewinne wieder vollständig ab.


Manchmal erscheint die kurzfristige Börsenlogik doch recht eigenartig: Die saisonbereinigte Industrieproduktion der Eurozone ist im September 2009 weniger stark angestiegen als erwartet. Gegenüber dem Vormonat August erhöhte sich der Output nur um 0,3 Prozent, Volkswirte hatten mit einem Anstieg um 0,5 Prozent gerechnet. Das lässt den Markt in Deutschland weitgehend den Handelstag über jedoch kalt. Positiv reagiert er dagegen auf die jeden Donnerstag anstehenden Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe der Vorwoche in den USA: Diese sanken saisonbereinigt auf 502.000, das sind 10.000 weniger als in der Vorwoche, und 8000 weniger als erwartet worden waren. Eine negative Abweichung von 0,2 Prozent von der erwarteten Industrieproduktion im eigenen Währungsraum hat demnach am Markt weniger gewogen, als eine positive Abweichung von 8.000 Anträgen auf Arbeitslosenhilfe auf einem anderen Kontinent. Das macht ökonomisch betrachtet wenig Sinn, und hat sich letztendlich auch nicht durchgesetzt.


Vor diesem Hintergrund beendet der deutsche Leitindex DAX den Handel nahezu unverändert mit einem kleinen Minus von 0,08 Prozent bei 5.664 Zählern.


Zahlen zum dritten Quartal gab es heute von dem Düngemittel- und Salzspezialisten K+S, der wegen der anhaltenden Kaufzurückhaltung der Agrarwirtschaft erneut ein schwaches Ergebnis verkünden musste. Unter dem Strich rutschten die Kassler ins Minus, und wollten wegen der anhaltend hohen Unsicherheiten auch weiter keine konkrete Prognose für das Geschäftsjahr 2009 abgeben. Nach Meinung vieler Branchenkenner dürfte es jedoch auf dem Kalimarkt auf absehbare Zeit wieder aufwärts gehen, und so beflügelte die Hoffnung, dass das schlimmste nun vorbei sei auch den Aktienkurs, der um 1,7 Prozent zulegt.

Auch der Energieversorger RWE hat im abgelaufenen Quartal weniger verdient, die Wirtschaftskrise, Preissenkungen in Großbritannien und der Ölpreis belasteten das Ergebnis. Zwar kassierte das Unternehmen einen Teil der Jahresprognose ein, hielt jedoch die viel beachtete Gewinnprognose aufrecht und äußerte sich zuversichtlich zu den Aussichten für das Jahresendquartal: Die Aktie gewinnt o,2 Prozent.

Titel der Lufthansa legten um 1,6 Prozent zu, hier bewegte möglicherweise ein Bericht zu einer unerwartet hohen Auslastung der Frachtsparte im Oktober. Ohne wesentlich neue Nachrichten gewinnen Bayer 1,7 Prozent und Linde 2,2 Prozent, das Duo belegt somit die Spitzenplätze im DAX.

Wenig erfreut zeigten sich die Aktionäre über den Geschäftsverlauf bei Salzgitter, der zweitgrößte deutsche Stahlkonzern bleibt weiterhin in den roten Zahlen. Zwar lag der Verlust niedriger als im Vorquartal, aber Umsatz und Ausblick konnten die Aktionäre nicht überzeugen: Die Aktie verliert 2 Prozent.

Schlimmer erwischt es nur Volkswagen, die 5,1 Prozent auf weniger als 100 Euro nachgeben. Der Grund scheint unklar: Medienberichten zu Folge wollen die Wolfsburger ein Münchner Autohaus kaufen, die VW-Bank stellt eine Schuldverschreibung vorfällig, die Konzerntochter Skoda verkaufte weniger Autos, und bei Porsche sind Milliardenverluste aus misslungenen Spekulationsgeschäften zu verdauen. Darüber hinaus wird einen Abstieg der VW-Stammaktien aus dem DAX spekuliert, wofür die VW-Vorzugsaktien nachrücken könnten.

Im Tec-DAX machen SMA Solar einmal mehr Freude, die Prognose wurde zum wiederholten Mal angehoben dafür gibt es ein sattes Plus von mehr als 17 Prozent. Conergy, Phoenix Solar und Q-Cells werden dagegen verkauft.

Im M-DAX rücken TUI, Stada und Leoni vor, Elring Klinger und vor allem Sky Deutschland finden dagegen wenig Gnade.

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