Frankfurt (BoerseGo.de) - Der deutsche Aktienmarkt gewinnt wieder Boden zurück und löst sich damit etwas von den extremen Untiefen der Vortage. Im derzeitigen Tiefenrausch haben sich die Börsennotierungen viel zu weit von den langfristigen fundamentalen Bewertungen entfernt. Hilfreich ist heute eine deutlich bessere Stimmung für die ausgebombten Bank-Titel. Dort geht die Panik wieder aus dem Markt und die Vernunft geht zurück. Das ist auch der Citigroup zu verdanken. Vikram Pandit, der CEO der Citigroup, erklärte, sein Haus erlebt derzeit das beste Quartal sei 2007. Damals fuhr der weltumspannende Finanzkonzern seinen bislang letzten Gewinn ein. Die Citigroup war in den ersten beiden Monaten des Jahres wieder profitabel, so Pandit. Außerdem ist das Karussell der Fusionen & Übernahmen anscheinend wieder angelaufen. Das zeigen jedenfalls die gestrige Übernahme des Pharmakonzerns Schering Plough durch seinen größeren Rivalen Merck & Co., die Wiederaufnahme der Fusionsgespräche der Spezialchemie-Hersteller Dow Chemical und Rohm & Haas sowie Anzeichen, dass der Biotechspezialist Genentech nun völlig von seiner Muttergesellschaft, dem Schweizer Pharmariesen Roche, übernommen wird. Derartige Elefanten-Hochzeiten werden in der Regel am Markt positiv aufgenommen, weil der Aufkäufer Zuversicht zeigt, weil sie die Hoffnung auf weitere Übernahmen anregen und weil die Zahl der für Anleger verfügbaren Unternehmen kleiner wird. Der DAX gewinnt zur Mittagsstunde 1,5 Prozent auf 3.748 Punkte.

Es ist gerade zu selbstverständlich, dass auch die hierzulande in den vergangenen Woche verramschten Bank-Titel auf die Meldung der Citigroup reagieren und wieder anspringen. Die zuletzt empfindlich vernachlässigte Commerzbank macht momentan den größten Kurssprung. Die Deutsche Bank hatte bereits schon am Wochenende über einen guten Jahresstart berichtet.
Daimler darf ebenfalls mitfeiern. Morgan Stanley beförderte das Autopapier gleich um zwei Stufen, nämlich von „Untergewichten“ direkt auf „Übergewichten“. Vollkswagen genießt heute ebenfalls die Gunst der Broker. Die HSBC verbesserte ihre Empfehlung von „Untergewichten“ auf „Neutral“. Die Briten glauben, dass Porsche seine Zukäufe bei dem Autokonzern noch beschleunigt.
Die Deutsche Post profitiert außerdem davon, dass der Wettbewerb zwischen dem Logistikkonzern und den privaten Briefdiensten einen Rückschlag erlitt. Medien berichten, dass sich die Abschaffung des Steuerprivilegs der Deutschen Post verzögert.

Trügerische Sicherheit

Die vor kurzem noch als vermeintlich „sicheren Häfen“ aufgesuchten Versorgen müssen bei der heutigen Erleichterungs-Rallye draußen bleiben. Besonders E.ON steht unter Druck. Der Stromversorger gab einen sehr enttäuschenden Ausblick auf das laufende Jahr ab und schraubte auch seine Gewinnprognose für 2010 zurück. Merrill Lynch bekräftigte zwar das Urteil „Neutral“, garnierte das Ganze aber mit skeptischen Kommentaren und befürchtet eine weiter Abschwächung des Invesoren-Vertrauens. Die E.ON-Enttäuschung drückt derzeit auch auf den Börsenkurs des Branchenkollegen RWE. Auch die in den zitterigen Vortagen noch beliebten „defensiven“ Papiere des Dialyse-Anbieters Fresenius Medical Care werden heute wieder abgegeben.
 
Der Citi-Effekt spiegelt sich auch im MDAX wieder. Spitzenreiter ist dort ebenfalls eine Bank, nämlich die Hypo Real Estate. Der bereits in den Vortagen gefragte Immobilien-Titel Gagfah kann seinen steilen Aufwärtstrend fortsetzen. Gefragt ist auch der weltweit operierende Baukonzern Hochtief. Die sich abzeichnende Entspannung der Bankenkrise dürfte auch dem eng damit verflochtenen - weil stark kreditabhängigen - Bau-Sektor neuen Auftrieb geben.

 
Wie so oft wird der TecDAX von einem der dort stark repräsentierten Solarwerten angeführt, heißt sind es die Papiere von SMA Solar. Außerdem ist ein „alter Bekannter“ gefragt, nämlich Smartrac. Der Spezialist für RFID (Radio Frequency Identification)-Komponenten tauchte in den vergangenen Wochen relativ häufig in der Liste der Gewinner auf. Heute hilft anscheinend die Meldung, dass die zuständige US-Patenbehörde die Gültigkeit eines Patents bestätigte. Im Februar gewann der Technologiekonzern eine Zertifizierung von Mastercard. Gefragt sind auch Singulus und Pfeiffer Vacuum, „alte Bekannte“ aus den glorreichen Zeiten des verblichenen Neuen Marktes.

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