Liebe Leserinnen und Leser,

nach einer kurzen, technisch bedingten Erholung des Bund-Futures Ende vergangener Woche über die Marke von 144 fiel er in der Spitze unter die 143. Die wichtige Unterstützungsregion von 142,50 wurde aber nicht gestriffen. Aufgrund der Schwäche der Aktienmärkte in den vergangenen Tagen erholte sich der Markt für deutsche Staatsanleihen wieder. Ohne Aktienmarktschwäche hätten die Bunds wahrschlich die 142,50 getestet. Somit blieb es eine Woche, die sich per Saldo  wenig veränderte und innerhalb einer gewissen Bandbreite handelte.

Der mittelfristige Aufwärtstrend ist eindeutig gebrochen (siehe Gleitender Durchschnitt für 90 Tage). Allerdings befinden sich viele kurzfristige Indikatoren nach der großen Schwäche im Mai noch immer im leicht überverkauften Bereich. Es zeigt sich also ein diffuses Bild.

Bei der gestern um 4 Mrd. € aufgestockten Bundesobligation Serie 166 (5 Jahre) musste der Bund deutlich tiefer in die Tasche greifen als noch vergangenen Monat. Die Anleger freuen sich, denn es gab 42% mehr Zinsen als im Mai. Die Rendite lag bei 0,54% (zuvor 0,38%).

Nächste Woche begibt der Bund zweijährige Schatzanweisungen und übernächste Woche wird die 1,50%ige zehnjährige Benchmark, die für den Bund-Future relevant ist, aufgestockt.

Die Zinsen der Euro-Peripherieländer tendierten uneinheitlich. Die Renditen der allerschwächsten Bonitäten (Griechenland, Portugal) zogen an, in Italien fielen die Zinsen sogar leicht:

 

Renditen-Factsheet

 
 

aktuell

 
 

Vorwoche

 
 

Deutschland

 
 

1,51%

 
 

1,53%

 
 

Italien

 
 

4,14%

 
 

4,19%

 
 

Spanien

 
 

4,45%

 
 

4,42%

 
 

Portugal

 
 

5,78%

 
 

5,53%

 
 

Griechenland

 
 

9,20%

 
 

8,81%

 
 

Frankreich

 
 

2,06%

 
 

2,06%

 
 

USA

 
 

2,10%

 
 

2,12%

 
 

Kurs Bund-Future

 
 

143,79%

 
 

143,54%

 

Die Zinssätze sind unverbindliche Indikationen zum Zeitpunkt der Erstellung des Rentenmarktkommentars für Staatsanleihen mit 10 Jahren Restlaufzeit

Die von mir bereits vor einigen Wochen als „schizophren“ dargestellte Situation, dass die Aktienmärkte schlechte Arbeitsmarkt- und Konjunkturdaten geradezu herbeisehnen, damit insbesondere die US-Notenbank FED ihre Geldschwemme aufrecht erhält, wird inzwischen stark diskutiert. Diese Diskussion ist auch der Auslöser für die derzeitige Nervosität an vielen Märkten. Liebe CK-Leserinnen und -Leser, es kann doch auch nicht wirklich gesund sein, dass Aktienmärkte steigen sollen, wenn die Konjunkturdaten schlecht sind. Die Analysten hecheln derzeit jedem noch so falsch gebauten Satz amerikanischer Notenbanker oder solcher, die mal in die Medien wollen und deren Namen man nie vorher gehört hat, hinterher, um daraus zu interpretieren, ob oder ob nicht oder wann über ob nie wieder die Anleihenkäufe der  FED beendet werden.

Am morgigen Freitag kommen die alles entscheidenden US-Arbeitsmarktdaten, die somit das Damoklesschwert die über die Geldschwemme  darstellen. Die Erwartung liegt bei 165.000 bis 170.000 neuen Stellen und 7,5% Arbeitslosenquote. Der zuvor veröffentlichte ADP-Bericht zeigte nur 135.000 neue Stellen. Hurra, die Wirtschaft läuft schlecht (Satire)! Also hier immer in Hab-Acht-Stellung sein.

Sonstige Themen werden momentan weitgehend ausgeblendet. Übrigens auch die heutige EZB-Sitzung, von der allgemein keine Beschlüsse erwartet werden. Der Leitzins sollte unverändert bei 0,50% bleiben.

Selbstverständlich existiert immer noch das schöne Bild von André Kostolany, den ich einmal live bei einer Vorlesung in der Uni Mannheim erleben durfte, über die Aktienmärkte und die Wirtschaft: Er verglich die Märkte mit einem Hund und die Konjunktur mit dem Herrchen: Mal läuft der Hund vor dem Herrchen, mal läuft das Herrchen vor dem Hund. Aber Hund und Herrchen sind immer noch über die Leine verbunden.

Übersetzt bedeutet dieses Hund-Herrchen-Prinzip, dass auch in Zeiten schlechter Konjunkturdaten Aktienmärkte steigen und in Zeiten einer starken Konjunktur Kurse fallen können. Aber sie können sich eben nur bis zu einem gewissen Abstand (= der Leine) von einander entkoppeln. Mir gefällt dieses Bild des Altmeisters André Kostolany sehr gut, der es übrigens verstand, mit einfachen Worten und Vergleichen die Regeln der Börse zu erklären.

Gelddrucken durch Notenbank kann eindeutig Inflation erzeugen: Dies ist kein Hirngespinst, sondern wird auch durch die Gremien ganz klar diskutiert. Der 5-Billionen-Mark-Schein meiner Heimatstadt, den ich mal auf einem Flohmarkt gekauft habe, ist Zeuge davon, dass unkontrollierbare Auswüchse ganz logisch und regelmäßig in Desastern enden.

DWN

Eine schöne Woche wünscht Ihnen

Steffen Scholz