Über die Abhängigkeit Deutschlands von Rohstoffen und Energieträgern wird meist nur dann gesprochen, wenn es in den Kram passt. So werden etwa die benötigten Importe von Uran stets als Argument gegen die Nutzung der Atomenergie angeführt. Was sollen wir machen, heißt es lapidar, wir haben ja kein Uran. Wenn wir die Kraftwerke länger laufen lassen wollen oder gar neue in Auftrag gäben, dann würden wir uns vom Ausland abhängig machen. In diesem Falle müsste Deutschland tatsächlich Uran importieren.

Angesichts der umfassenden Rohstoffabhängigkeit unseres Landes ist diese Aussage jedoch weder überraschend noch ein schlagendes Argument gegen eine einzelne Erzeugungsart. Gerade der Ausbau der „erneuerbaren“ Energien Windkraft und Photovoltaik hängt in starkem Maße von Rohstoffen ab, die weder in Deutschland noch im Rest der Europäischen Union verfügbar sind.

Kobalt ist nicht erst durch einen der vielen clownesken Fernsehauftritte einer Politikerin bekannt geworden. Auch die Bedeutung der Metalle der Gruppe der „Seltenen Erden“ ist geläufig. Oft werden diese um weitere Stoffe ergänzt und auf Grund ihrer Bedeutung für zahlreiche Produktionsprozesse insgesamt als strategische Metalle bezeichnet.

Für die Freunde der Deindustrialisierung ist das freilich irrelevant. Für all diejenigen, die ein Grundverständnis von ökonomischen Zusammenhängen und Produktionsprozessen und vielleicht sogar eine Ausbildung haben, ist das Thema umso bedeutsamer.

Die folgende Tabelle zeigt die weltweite Produktion der Metalle der „Seltenen Erden“. Den ersten Platz nimmt China ein, auf das mit weitem Abstand die USA folgen.

 

Nicht nur bei diesen beiden Ländern darf man von einer Bevorzugung der heimischen Nutzung gegenüber einem etwaigen Export rechnen. Produktionsstätten, die diese Stoffe nutzen können, von der Metallveredlung bis zur Elektronik, gibt es in beiden Ländern. Bei einer spürbaren Verknappung wird dann schlichtweg nichts mehr an andere Länder abgegeben.

Werfen wir einen Blick auf das Graphit. Graphit wird unter anderem zur Herstellung von Elektroden aber auch im Rahmen der Produktion von Siliziumzellen zum Beispiel für Solarpanels eingesetzt.

 

Mal sehen, wann wir von langjährigen Lieferverträgen mit Madagaskar und Mosambik hören. Solange Robert Morgenthau die Photovoltaik noch nicht als Brückentechnologie bezeichnet hat, lassen sich die Entscheider der Republik möglicherweise ja auch zum Abschluss von Vierjahresverträgen herab. Vorher müssen die beiden Länderinnen sich freilich noch der Berliner Diversitäts-Charta unterwerfen. Reine Formsache.

Richtig einseitig wird es dann beim Kobalt. Daher hier noch der Blick auf die Werte für dieses unter anderem für die Produktion von Stromspeichern essentielle Element.

 

Vom Flughafen Antananarivo auf Madagaskar bis nach Kinshasa sind es rund zehn Flugstunden. Praktischerweise liegt Mosambik grob auf dem Weg. So könnte man binnen eines Tages gleich drei gute Deals machen. Mit Segelboot und Rad dauert es etwas länger, aber wir werden sicher bald vom Rundfunk über die Erfolge informiert.

Wer annimmt, für den Bau moderner Windräder würden nur leicht erhältliche Rohstoffe eingesetzt, der irrt. So wird beispielsweise Neodym in großem Stil für die Permanentmagneten in Windrädern verwendet. Der australische Minenbetreiber Lynas schätzt den Anteil des Ausbaus der Windkraft am gesamten Verbrauch der Seltenen Erden in den kommenden Jahren auf bemerkenswerte 30 %.

Schon jetzt sorgen die hohen Rohstoffpreise für Probleme bei vielen Windradherstellern, wie unlängst die Aktionäre von Gamesa erfahren durften. Das Unternehmen gehört zum auf „erneuerbare“ Energien ausgerichteten Konzern „Siemens Energy“, dessen Aktie sich seit dem September 2020 um 55 Prozentpunkte schlechter entwickelt hat als der breite europäische Aktienmarkt. Auch die Zahlen anderer Hersteller sehen wenig erheiternd aus.

Oft wird die Problematik der gestiegenen Preise daher so dargestellt, als sei die Branche ein unschuldiges Opfer dieser Entwicklung. Dabei sorgt sie selbst mit ihrem enormen Rohstoffbedarf für eine dauerhaft steigende Nachfrage bei einem nur bedingt flexiblen Angebot.

Die ständig wiederholten Aufrufe zum Verzicht können die realen Abhängigkeiten nicht verdecken. So importierte die EU zwischen Januar und Oktober dieses Jahres 70 % mehr Flüssiggas aus Russland als im Vorjahr. Auch die Importe von Nickel und Aluminium aus Russland legten zu. Der Anteil der russischen Lieferungen liegt bei 40 % des insgesamt von Deutschland importierten Nickels, einem Metall, das in großem Stil für den Bau von Stromspeichern benötigt wird.

Bei fast allen relevanten Rohstoffen ist Deutschland auf Exporteure angewiesen, die sich dank der globalen Nachfrage nicht für Berliner Schulmeistereien zu interessieren brauchen. Wer erwartet, die Exporteure wären dankbar, wenn ihnen jemand die Rohstoffe abnimmt, der überschätzt seine eigene globale Bedeutung. Darüber kann der Bürger in den kommenden Monaten in Ruhe nachdenken, während er in der kalten Wohnung die Verdunkelungsregeln rezitiert und versucht, den nassen Waschlappen mit dem Teelicht zu trocknen.

Die Ökonomie beschäftigt sich mit dem Einsatz knapper Ressourcen für alternative Verwendungszwecke. Dies gilt auch für die vielfältig einsetzbaren Seltenen Erden. Die Spanne reicht von der Metallveredlung, über die Verfahrenstechnik bis zur Hochleistungselektronik. Wer also die Verwendung dieser Stoffe in einem Sektor durch massive Förderung anheizt, der verteuert auf diese Weise viele andere Prozesse. Die daraus resultierenden Kosten oder sogar die Nichtverfügbarkeit anderer Güter für bestimmte Prozesse ist daher kein Zufall, sondern eine direkte Folge von überbordenden Subventionen. Dies ist die ignorierte Kehrseite der gepriesenen Lenkungswirkung.

Es stellt sich die Frage, wie der weltweite Ausbau der Förderung von Seltenen Erden aber auch von schnöden Dingen wie Kupfer und Nickel in das Programm zur Rettung der Welt passen soll. Aber vermutlich reden genau aus diesem Grunde immer mehr Leute vom „Klimaschutz“ und immer weniger vom Umweltschutz.

„Was heißt das konkret für mich!?“

Ein Junkie, der den Dealer wechselt, bleibt abhängig. Wer unabhängiger werden will, und dafür spricht eine Menge, der muss die heimische Förderung von Energieträgern ausbauen. Wer das nicht will, sollte sich nicht beklagen, wenn ihm andere Länder aus Ost und West die geopolitischen Bedingungen diktieren.

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