Eisenerz landete nach einem 34%igen Kursrutsch im laufenden Jahr wieder auf dem Niveau von 2009. Der Preisverfall führte den Rohstoff nun unter die Marke von 90 US-Dollar pro Tonne, womit sich die Preise seit dem Hochpunkt 2011 mehr als halbiert haben. Wer überlebt?

Spannend werden die kommenden Jahre für die Unternehmen werden, die Milliardeninvestitionen in der Annahme höherer oder stabiler Preise getätigt haben.

Zwei der spannendsten Aspekte der Wirtschaft sind die Zyklen und die Fähigkeit des Menschen, diese zu ignorieren. Je näher man dem Ende einer Entwicklung kommt, desto mehr Freude macht vielen die Extrapolation der jüngeren Vergangenheit. Was die letzten paar Jahre gut lief, läuft auch in den kommenden Jahren. Das geht meistens eine Weile gut, damit auch jeder Zeit hat, sein Ticket zu lösen, sorgt aber längerfristig immer wieder für Schmerzen. Unvergessen sollte die Tatsache sein, dass viele Banken in der akuten Phase der Krise mehr Geld verloren haben, als sie in der gesamten vorangegangenen Dekaden dauernden Existenz an Gewinnen erwirtschaftet hatten. Dieses Debakel ist ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wohin zu hohe Einstiegspreise gepaart mit hohem Fremdkapitaleinsatz führen können. Schlechtes Timing ist nicht schön, aber alleine selten tödlich. Den Stoß über die Klippe versetzt den Investoren in der Regel das geliehene Geld. Bei Firmen ist dies nicht anders.

Nicht nur an den Aktien- und Anleihenmärkten lassen sich die kostspieligen Erfahrungen vieler Markteilnehmer verfolgen. Auch in der vielzitierten Realwirtschaft gelten die gleichen emotionalen Gesetze. Wie heißt es so schön? Wer an der Börse ohne Erfahrungen und mit Geld anfängt, der hat nachher kein Geld aber viele Erfahrungen. Auch im Rohstoffzirkus der Großkonzerne haben in den letzten Jahren zahlreiche Auguren ihren Erfahrungsschatz deutlich vergrößert.

Die Leiden der großen Bergbaukonzerne lassen sich aus dem Preisverlauf der Industriemetalle allein nicht herauslesen. Immerhin liegen die Preise deutlich über einer jahrzehntelangen Handelsspanne zwischen 100 und 200.

Die Cash Flow- und Verschuldungsproblematik der letzten Jahre haben sich die meisten Firmen selbst eingebrockt. Wie im agrarischen Schweinezyklus wurden die Investitionen just dann massiv ausgeweitet, als die Party in vollem Gange war. Neue Projekte wurden angestoßen, viele davon schuldenfinanziert. Das ist in etwa vergleichbar mit der letzten Kiste Bier, die auf der Feier unbedingt noch für den doppelten Preis von der Tankstelle geholt werden muss, obwohl alle schon bedient sind. Wenn dann noch der Staat von einer Einladung zur Party träumt, gehen vermutlich bereits die ersten Gäste …

Die folgende Grafik zeit den Verlauf der Eisenerzpreise und den langen Marsch des BHP Billiton Aktienkurses. Dieses Unternehmen haben wir ohne besonderen Anlass aus der Liste der großen Minenkonzerne ausgesucht. Es gibt Unternehmen, die wesentlich schlechter dastehen und eine höhere Abhängigkeit vom Eisenerz aufweisen.

In der letzten Zeit hat sich die Entwicklung deutlich entkoppelt. Währen die Eisenerzpreise weiter nachgaben, verharrten die Aktien viele Bergbaukonzerne auf ihren Niveaus. Sollte sich der Rohstoffpreis nicht stabilisieren, sollte sich diese Situation rasch ändern.

Die absehbar sinkenden Cash Flows werden für finanzielle Probleme sorgen. Sollten die Kosten nicht rasch in nennenswertem Umfang gesenkt werden können, kann sich rasch ein erheblicher zusätzlicher Finanzierungsbedarf aufbauen, der für kleinere Unternehmen schnell bestenfalls zum Ärgernis wird. Auch existenzielle Probleme bei einigen, die sich vor ein paar Jahren für mutig hielten, kämen nicht überraschend. Solange die Finanzierung für viele Firmen dank des Bond-Bullenmarktes günstig ist und reibungslos funktioniert, wird niemand in Panik verfallen, aber der Credit Markt ist eine Diva, von der man sich nicht übermäßig abhängig machen sollte…

Am Beispiel BHP lässt sich das finanzielle Grundproblem der zeitlich missglückten Investitionen gut darstellen. Bei steigenden Preisen wurde selbst dann noch investiert, als blasenähnliche Züge zumindest nicht auszuschließen waren. Zum anderen konnten die Projekte nicht aus dem Cash Flow finanziert werden. Fremdkapital wurde dankbar und im großen Stil aufgenommen.

So lange man keine ernsteren Probleme hat, lässt sich diese Last vergleichsweise locker schultern. Bei steigenden Risikoprämien sind mehr als 25 Milliarden Dollar Nettoverschuldung plus das was noch dazukommt schnell mehr als lästig. Eine schnelle Belebung der Preise wäre hilfreich, man sollte jedoch nicht sein Haus darauf setzten. Derzeit liegen die Vorräte in chinesischen Häfen auf Rekordniveau. Gleiches gilt für die chinesische Inlandsförderung, die ebenfalls nicht unter einem Mangel an neuen Projekten leidet.

Mit den Investitionen wurde nicht gegeizt. Der Großteil der neuen Anlagen und Projekte wurde nicht aus den operativen Cash Flows finanziert.

Entscheidend für die finanzielle Zukunft der Firmen wird sein, wie sehr man sich mit Krediten aus dem Fenster gelehnt hat und bei welchen Erzpreisen noch profitabel gefördert werden kann. Von den oft genannten „Cash Kosten“ ist in diesem Zusammenhang wenig zu halten. Wie man im Goldminensektor beobachten kann, ist es vielen Firmen möglich munter Geld zu verbrennen, obwohl die Preise über den wie auch immer ermittelten Kosten liegen.

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