Liebe Leser,

der folgende Bericht betrifft auch mich in persönlicher Sache, da ich als Niedersachse in einem Gebiet wohne, in dem vielerorts Erdgasförderung durch die sogenannte Fracking-Methode betrieben wird.

Vorab jedoch eine kurze Erklärung:

Das Wort „Fracking“ bedeutet so viel wie „verpressen“ oder auch „aufspalten“. Dabei handelt es sich um eine umstrittene Methode zur Erdgasförderung. Bei dem Vorgang werden in großen Tiefen Gesteinsmassen mit Hilfe von Chemikalien und hohem Wasserdruck aufgespalten, um so an das wertvolle Erdgas zu kommen. Dabei kommt es jedoch immer wieder zu Unfällen der Betreiber bei denen u.a. giftige Chemikalien das Grundwasser verunreinigen oder es durch Bohrungen zu Erschütterungen der Erde kommen kann.

Quelle: welt.de

Die beiden zuletzt genannten Pannen sind nun zu hoher Wahrscheinlichkeit dabei u.a. auch der RWE Dea bei der Erdgasförderung in meiner Heimatregion im Kreis Verden (Aller) unterlaufen. Nach langen Protesten und einer regelrechten Gegenbewegung innerhalb der Bevölkerung war nun am letzten Donnerstag unser Bundesumweltminister Peter Altmaier zu Gast in unserem beschaulichen Dörfchen, um sich persönlich ein Bild von der Lage zu verschaffen. Ein sympathisch wirkender Umweltminister hatte sicherlich Freude an diesem positiven Auftritt, steht doch zufällig bald auch die Bundestagswahl vor der Tür. Da passt es sicherlich in den Zeitplan, der Rot-Grünen Regierung in Niedersachsen dieses heikle Thema, wie schon häufig zuvor, wegzuschnappen. Diese hatte vor den Wahlen bereits angekündigt empfindliche Maßnahmen gegen die Technik zu ergreifen. Bisher ist hier jedoch noch nichts passiert. Für die Thematik „Fracking“ sieht Peter Altmaier hingegen aktuell „keine Perspektiven, solange nicht eindeutig geklärt ist, dass alle Gefahren beherrschbar sind, dass kein Gift ins Erdreich gelangen kann und es keine Erdbeben geben wird.“ Hier gäbe es innerhalb der CDU bereits erfolgsversprechende Übereinstimmungen.

Wie so häufig wird bei dieser Problematik, die bei uns bereits seit sehr sehr langer Zeit besteht, auf Lösungen für die Zeit nach der Bundestagswahl verwiesen. Dazu sollen u.a. die Entsorgung des Lagerstättenwassers (dieses wird bei der Erdgasgewinnung an der Oberfläche freigesetzt und enthalt krebserregende Stoffe) oder auch eine Untersuchung der geologischen Folgen bezüglich der bereits angesprochenen Erdbeben gehören. Erdbeben hat es hier in unserer Region zuvor jedoch nie gegeben, da es aus geologischen Fakten auch keine Anhaltspunkte dafür gibt. Bürger aus meiner Nachbarschaft beispielweise streiten sich hier bereits seit Jahren mit der RWE Dea aufgrund von Gebäudeschäden. In diesem Fall besteht hingegen die Problematik u.a. in der Beweispflicht der Bürger gegenüber der RWE Dea. Wenn man sich nun die Kosten für Gutachter und Anwalt vorstellt, kann man sich diesen Kampf David gegen Goliath leicht ausmalen. Aufgrund dessen ist ebenfalls in Planung die Beweispflicht umzudrehen. So müsste dann künftig der Erdgasförderer beweisen, dass entstandene Schäden NICHT von ihm verursacht wurden.

Weiterhin waren jedoch auch immer wieder deutliche Vorstöße gegen die FDP zu vernehmen. Diese sei u.a. dafür verantwortlich das Gesetze nicht genehmigt wurden. Es wurde sehr klar deutlich, dass sich eine versteckte Zweitstimmenkampagne wie bei der Landtagswahl in Niedersachsen im Januar 2013, bei der die CDU lediglich auf 36,0% und die FDP auf stolze 9,9% kam, nicht wiederholen soll.

Jedoch kam auch ein Sprecher, der bis dahin verprügelten RWE Dea, zu Wort. Dieser war sehr an einer ausgeprägten Kommunikation interessiert und meinem Eindruck zufolge, kann man auch behaupten, dass sich die RWE Dea in den vergangenen Monaten nicht versteckt hat. So arbeitet die RWE Dea u.a. an der Forschung umweltverträglicherer Fördermöglichkeiten, was natürlich indirekt auch ein Schuldzugeständnis für die momentan umweltschädlichere Methode darstellt.

Im Focus Money hingegen war vor kurzem jedoch erst ein Bericht zu lesen, der über die Chancen des Frackings aufklärte. Damit einhergehend wurden natürlich auch die Gewinnmöglichkeiten der Unternehmen, die diese Methode in Deutschland aktuell prüfen, als attraktiv angepriesen. Damit also ein guter Indikator, dass sich mit Fracking hohe Renditen erzielen lassen und auch die Lobby sicher Ihren Einfluss haben wird. Mittlerweile haben weitere Weltkonzerne die Chance in den Schiefergasvorkommen gesehen, welche lt. Schätzungen in Deutschland ca. 2,3 Billionen Kubikmeter betragen und somit ungefähr den deutschen Bedarf für 25 Jahre abdecken würden. Der aktuelle Wert dieser Schiefergasvorkommen beträgt rund 1.000 Milliarden €! Ein Betrag an dem natürlich alle, also Unternehmen und Politik, verdienen wollen.

Einer dieser Konzerne ist die Exxon Mobil aus den USA, die dort bereits ein regelrechtes Fracking-Fieber auslösen konnten. Jedoch auch dort sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Die folgende ZDF-Doku veranschaulicht die Problematik zwischen Weltkonzern und regionaler Bevölkerung sehr gut!

Bei uns in Deutschland sind die großen Player EWE, VNG, ebenso bereits Exxon und wie schon genannt die in meiner Heimat aktive RWE Dea. In der Branche zur Erdgasförderung mittels Fracking sind aktuell ca. 10.000 Beschäftigte aktiv, die einen Jahresumsatz von 4,5 Milliarden € erwirtschaften. Tendenz steigend!

Abschließend stellt sich also die Frage, welche versprechen die Politik nach den Wahlen einlöst und wie sich der von beiden Seiten gewünschte Konsens entwickelt. Eines ist allerdings klar, die Zeiten der lauten Demonstrationen sind vorbei. Eine mittlerweile zu Experten geschulte Initiative in meiner Region, so wie sicherlich auch in anderen, wird aufmerksam bleiben und immer wieder prüfen, ob die Verantwortlichen den politischen oder wirtschaftlichen Interessen nachgehen oder, und so soll es ja sein, eine Übereinstimmung dieser beiden Wege finden werden.

Ihr Andreas Meyer

Einige spannende Links:

Quelle: Die Welt, eigene Recherchen


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