In diesen Tagen erweist sich mein langweiliger Rat von damals, regelmäßig ein paar silberne oder goldene Münzen zu kaufen, wenn es der Geldbeutel zulässt, als richtig. Mit Aktien lief es seit einem Jahr noch besser, doch ich gebe dem toten Metall den Vorzug. Warum das? Nun, bei Aktien muss man mehr Zeit zum Beobachten aufwenden, dem Management auf die Finger schauen und zwanzigmal um die Ecke denken.

Ich mag die langweiligen Dinge, obwohl der Edelmetallmarkt zurzeit alles andere als langweilig ist. Ein wenig des Ersparten in Sicherheit zu bringen, erscheint mir sinnvoller, als mit allem auf Prozentjagd zu gehen. Mit dem Rest kann man ja machen, was man will. Aber ich habe wenig Zeit und noch weniger Lust, mich nach Aktien umzuschauen. Erinnern Sie sich an den Sparplan in Gold und Silber und dieses hässliche Sparschwein, das diese Münzen willig fraß?

Das Schwein ist dick geworden, sein Inhalt in Euro wesentlich mehr wert als vor drei Jahren. Eine richtige Unze Gold kostet gerade 890 Euro. Silbermünzen werden bei 16 Euro gehandelt. Sie zu verkaufen, brächte ein wirklich hübsches Sümmchen – in Euro... Uhhhh....

In den letzten Jahren stellte sich immer wieder die Frage, wann man verkaufen sollte. Gold stand bei 500, 600, 700 oder wie neulich bei 830 Euro. (echte Unzen) Papiergold und -silber interessieren mich nicht. Und heute? Hmmmm... Die einen schauen auf die technische Situation. Gold in Euro brach aus einer Untertassenformation bei 780 Euro aus, rannte hoch und kam an die 780er-Marke zurück (Pullback), um jetzt in Richtung 900 Euro zu laufen. Aus der Chartformation ergeben sich rechnerische Kursziele von 1.000 Euro, bevor es dort eine lange Konsolidierung geben könnte. Puh, ist das kompliziert! Sie wissen schon, dass es auch anders kommen kann.

Andere beobachten die COT-Daten, die Positionierungen an den Terminbörsen. Die Longs an der COMEX haben ihre Position auf 135.000 Kontrakte ausgebaut, während die Shorts ihre Positionen um 5.000 Kontrakte auf 343.163 reduzierten – ein ziemlich bullisches Bild. Was kümmert es mich? Zusammen genommen ergibt sich eine Shortposition von 207.691 Kontrakten. Es ist hinlänglich bekannt, dass Edelmetalle politische Metalle sind und es wurde oft genug bewiesen, dass wenige Hände den Markt versuchen, im Griff zu halten. Ohne diese Marktmächte, stünden die Preise höher. Das nur nebenbei. Man kann sich darüber aufregen – man kann es auch als Subventionierung der Preise verstehen.

Edelmetalle sind seit jeher die einfachste Form, Ersparnisse zu speichern, unabhängig davon, was Experten meinen. Wer Gold hat, hat immer Geld, sagen die Alten. Gold ist Geld, und sonst nichts, sagte der Gründer von J.P.Morgan. Aktien sind schnell gekauft, mit einem StoppLoss abgesichert oder mit Gewinn verkauft. Unzen machen die Sache etwas schwieriger. Vielleicht haben das die Götter so eingerichtet, dass man mit Edelmetall weniger schnell „spielen“ kann. Wer weiß?

Auf die Schwäche des Euro hatten Gold und Silber eine passende Antwort: steigende Notierungen. Welch Zufall! Sie wissen ja bereits, nicht Gold ist gestiegen, sondern der Papierwertgefallen. Eine weitere Dummheit fliegt gerade auf – die Goldnotiz in US-Dollar. Was kümmert es mich hierzulande, wie Gold in Dollar notiert? Nicht die Bohne! Wir haben hier den Euro, mit dem wir die täglichen Dinge bestreiten. Um ihn ist es offenbar nicht sonderlich gut bestellt. Dumm ist nur, dass die meisten Ersparnisse der Bürger in Euro notieren. Seit wann werden die Preise für Brötchen, Autos, Haarschnitte und Gummibärchen in US-Dollar ausgewiesen? Sehen Sie? Nur beim Gold stört man sich nicht daran. Übrigens, in vietnamesischem Dong steht Gold sogar noch viel besser. Kleiner Scherz!

Steigende Preise

Die Experten sorgen sich dauernd vor einer Deflation. Dabei könnten die Basiseffekte (Vergleiche zum Vorjahr) dafür sorgen, dass in den kommenden Wochen das Thema Inflation häufiger in der Presse auftaucht. Öl notiert bei 86 USD/Barrel fast dreimal so hoch wie seit seinem Tief vor zwei Jahren. Eisenerzpreise verdoppeln sich, und damit die Sorgenfalten der Stahlhersteller. Eine Tonne Kokskohle kostet jetzt 220 USD/Tonne statt 180 USD wie vor zwei Wochen. Kupferpreise fliegen davon, Nickel, Blei und Aluminium hinterher. Dabei ist nicht klar, ob die höheren Rohstoffkosten auf die Konsumenten überwälzt werden können. Wenn ja, wird das Zeug da draußen teurer. Und es wird davon in den Zeitungen stehen.

2010 werden vermutlich 2.600 Tonnen Gold und 22.000 Tonnen Silber aus dem Bauch von Mutter Erde gefördert. Gleichzeitig stellt man Unmengen an neuen Krediten her, an Druckerpressen und Computern. Die Preise sollten vorerst weiter steigen, sagt der gesunde Menschenverstand. Nein, es ist nicht nur der Fleiß der Leute in den Unternehmen oder deren tolle Chefs, die die Aktienkurse befeuern – es ist zum großen Teil das zusätzlich aus dünner Luft produzierte Geld. Es hat die Wirtschaft aus ihrem Winterschlaf gerissen und wohl auch den Grundstein für eine neue Blase gelegt. Ja, eine Blase würde uns helfen, sagt Nobelpreisträger Paul Krugman. Geld auszugeben, das man nicht hat, um Dinge anzuschieben, die man vielleicht gar nicht braucht und gleichzeitig eine Reinigung des Marktes zu verhindern, nur weil die damit verbundenen Schmerzen den Politikern das Leben schwermachen würden? Man kann sich aufregen. Man kann sich aber auch darauf einstellen...

Blasen haben eine wunderbare Eigenschaft: Sie erzählen den Leuten, dass die Sache wieder funktioniert. Blasen schieben Wirtschaften an, bringen Leute in Arbeit. Börsen antizipieren weitere Unternehmensgewinne. Zudem fühlt man sich irgendwie reicher, sicherer und wohl auch besser, wenn man sich in einer Blase befindet. Anleger rechnen ihre Gewinne hoch, Politiker ihre Ausgaben und die Produzenten von Blasen ihren Bonus und Machtzuwachs. Mit steigenden Kursen geht die Bescheidenheit in die Knie. Normal denkende Menschen zweifeln solange, bis auch sie ein massensyndromartiger Druck in die Blase saugt – genügend Stoff für weitere Beiträge. Später.

Fazit

Cool bleiben: Wer kein Gold hat, muss den Kursen jetzt nicht hinterher rennen. Es gibt sicherlich günstigere Gelegenheiten. Eine Ausweichmöglichkeit wäre das Silber. Dessen Kurse notieren zurzeit 63-mal niedriger als die des gelben Metalls.

Stur bleiben: An goldenen oder silbernen Sparplänen würde ich nichts ändern und ganz stur regelmäßig einen Teil der Ersparnisse dort parken. Man weiß nicht, was kommt, wie lange eine Blase atmet, die Eurozone und auch der Euro durchhalten und wo schwarze Schwäne auftauchen.

Klug bleiben: An Gewinnmitnahmen ist noch niemand arm geworden, doch man wechselt beim Verkauf von Metall wieder in den Euro zurück, dessen Zukunft so weich ist wie ein Stück Sahnetorte im Sonnenschein.

Strategisch denken: Regelmäßige Einnahmen sichern und Ausgaben unter Kontrolle halten. Gemeint ist auch, Kredite und damit ständige Belastungen und Abhängigkeiten meiden bzw. über Bord zu werfen.

Flexibel bleiben: Einen Teil der Überschüsse aus dem Papiergeldsystem zu nehmen, um sie später, sollte es dazu kommen, in die neue Währung eines neuen Systems transportieren zu können. Sollte es zu einer galoppierenden Inflation kommen, werden Edelmetalle ihre Kaufkraft erhalten, jedenfalls erfolgreicher als die modernen Zinsprodukte. Und wenn keine Inflation kommt? Dann kommt der Staatsbankrott. Aber dann hat man immer noch seine Metalle, die nicht bankrottgehen können. Hinter ihnen steckt im Gegensatz zum heutigen Geld kein Versprechen, sondern nur der Besitzer.