Global aktive Investmentbanken blicken deutlich trüberen Zeiten entgegen. Dieses Ergebnis fördert eine neue Studie der US-Großbank JPMorgan Chase zutage. So agieren die Institute in einem Kapitalmarktumfeld, in dem die Herausforderungen beständig wachsen. Die Gründe finden sich einerseits in einem sich abkühlenden Weltwirtschaftswachstum und andererseits in einer teils signifikanten Ausweitung der Zinsdifferenzen an den Bondmärkten sowie einem Rückgang der allgemeinen Geschäftsaktivitäten.

Und so sei laut JPMorgan damit zu rechnen, dass die Gewinne der Investmentbanken im laufenden Jahr um durchschnittlich 21% sinken werden. Das ist schon eine Hausnummer. Bei JPMorgan Chase wachsen die Bedenken, dass die Umsätze und Erträge im 1. Quartal des Jahres deutlich unter den Ergebnissen im Vergleichsmonat des Vorjahres liegen werden.

Dies ist im Angesicht der Lage an den Rohstoff-, Energie- und Junkbondmärkten auch kaum verwunderlich. Nachdem es im Dezember 2015 zu Warnungen kam, laut denen rund die Hälfte aller im globalen Ölsektor emittierten Hochzinsanleihen ausfällig werden könnte, setzte ein Bericht der Beratungsfirma Deloitte & Touche gestern noch einen oben drauf.

Ein Drittel aller Öl- und Gasfirmen steht vor der Pleite

Danach blicke ein Drittel aller Rohöl-, Gas- und Frackingfirmen einem Bankrott entgegen. Auch die Aussagen von JPMorgan Chase tendieren in diese Richtung. So habe sich das Emissionsgeschäft unter global aktiven Investmentbanken bereits merklich abgekühlt, in einem Kapitalmarktumfeld, in dem sich die Zinsdifferenzen beständig ausweiten.

Hinzu gesellt sich die Tatsache, dass die an den globalen Finanzmärkten zu beobachtenden Turbulenzen den Investmentbanken das Geschäft vermasseln. Die Preisrückgänge an den Aktien- und Rohstoffmärkten erschweren es den Instituten, Geld in ihren traditionellen Geschäftsfeldern zu verdienen.

Analysten weisen seit Wochen darauf hin, dass die Einnahmen aus dem traditionellen Aktiengeschäft unter Investmentbanken am Sinken seien, weil das Handelsvolumen an den Aktienmärkten in den Vereinigten Staaten immer dünner werde. Hinzu kommt, dass der MSCI Weltindex seit Jahresbeginn um knapp 10% an Wert verloren hat.

Selbst wenn es zu einer Normalisierung der Lage an den Finanzmärkten käme, so die Studie von JPMorgan Chase, bleibe die Kürzung der Gewinnprognosen für das Gesamtjahr 2016 intakt. Denn auf Marktturbulenzen folge oftmals eine Periode rückläufiger Aktivitäten und Transaktionen an den Finanzmärkten.

"Deutsche Bank nicht in Liquiditätskrise"

Die Top-Empfehlung von JP Morgan Chase in den Vereinigten Staaten bleibt die Aktie des Rivalen Goldman Sachs, welche durch die Analysten auf „kaufen“ heraufgestuft wurde. Goldman verfüge nicht nur über eine exzellente Kapitalstruktur, sondern werde im laufenden Jahr seine Aktienrückkäufe fortsetzen.

Gleiches gelte im Übrigen auch für Morgan Stanley, deren Aktie JPMorgan Chase ebenfalls eine Empfehlung auf „übergewichten“ wert ist. Es wird davon ausgegangen, dass Goldman Sachs and Morgan Stanley im laufenden Jahr etwa 23% der eigenen Aktien zurückkaufen werden, wodurch sich der Umlauf der netto ausstehenden Dividendenpapiere bis zum Jahr 2018 um rund 15% verringern dürfte.

Eine Herabstufung erfuhr die Schweizerische Credit Suisse Group. Und zwar von „kaufen“ auf „neutral“. Begründet wurde diese Maßnahme auf Basis von rückläufigen Aktivitäten und Einnahmen in den Geschäftsbereichen Kreditprodukte und Anleiheverbriefungen. Interessant ist, dass JP Morgan Chase die Deutsche Bank AG zur Nummer 1 unter allen global aktiven Investmentbanken auserkoren hat.

Laut Aussagen von JPMorgan Chase befinde sich die Deutsche Bank AG nicht in einer Liquiditätskrise. Auch an den Märkten aufgekommene Sorgen im Hinblick auf potenzielle Probleme einer Refinanzierung seien übertrieben. Interessant scheint ferner, wie im aktuellen Marktumfeld keine Krähe der anderen ein Auge auszuhacken versucht.

Es war JPMorgan-Chef Jamie Dimon, der am vorvergangenen Freitag einen potenziellen Bruch der wichtigsten technischen Unterstützung im KBW-Bank-Index verhinderte, indem er einen persönlichen Kauf von 500.000 Aktien seines Instituts lautstark an den Märkten hinaus posaunte. Gleichzeitig vermeldete die Deutsche Bank, mit dem Rückkauf eigener Anleihen beginnen zu wollen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...,-)