Die grotesken Verrenkungen zahlreicher Zentralbanken haben außer der Zerstörung der Anleihemärkte und der ausufernden staatlichen Selbstsubventionierung nichts erreicht. Da die absoluten Bewertungen nicht nur am Anleihemarkt teilweise aberwitzig sind, bleibt einzig die relative Attraktivität bestimmter Anlageklassen zueinander als Auswahlkriterium.

Auch vielen institutionellen Anlegern ermöglicht die Beschränkung auf relative Bewertungen, sich den Kauf von Unternehmensanleihen mit negativen Renditen schönzureden. Eine Rendite von minus 0,05 % ist doch viel besser als die minus 0,6 % für die Bundesanleihe. Leider ist besser nicht gleichbedeutend mit gut.

Nur weil der Verzehr von zehn Flaschen Bier weniger schädlich ist als der Verzehr von zehn Flaschen Schnaps, bleibt allein der Verzicht eine gesunde Lösung. Gar nicht anzulegen ist freilich schon rein technisch nicht möglich. Ob in Cash, Aktien, Bargeld oder als Sichteinlage, irgendwo muss das Vermögen zu jedem Zeitpunkt stecken.

Bei institutionellen Anleger kommen die regulatorischen Rahmenbedingungen hinzu, die teilweise aus den späten 80iger zu stammen scheinen. Bitte kaufen Sie keine Aktien, das ist riskant, kaufen sie lieber Anleihen mit negativen Zinsen, da weiß man wenigstens, was man verdient. Gerade Stiftungen zerreißt es förmlich im Spannungsfeld zwischen der Erfüllung des Stiftungszwecks, der Erwirtschaftung ordentlicher Erträge und dem aktuellen Zins- und Bewertungsumfeld.

Besonders schmerzhaft ist für viele Anleger und Finanzproduktverkäufer die erstaunlich langsam dämmernde Erkenntnis, dass zwar die Aktienquoten bei vielen Anlegern bereits sehr hoch sind, aber immer noch erkleckliche Summen in Anleihen stecken. Gleichzeitig zerbröselt der Sinn einer Aussage, die sich die Freunde des Goldes jahrzehntelang anhören durften. “Gold zahlt keine Zinsen!”.

Das ist heute wichtiger denn je, rentiert doch Gold damit um mehr als einen halben Prozentpunkt höher als eine zehnjährige Anleihe der Bundesrepublik Deutschland. Aber was könnte schon sicherer sein als die Anleihe eines Staates, in der ein von einer selbst ernannten Elite definierter Kanon der wichtigsten Themen irgendwo zwischen einem Lufballonverbot, dem Zwang zur dritten Toilettentür, der Enteignung und Denunziation politischer Gegner und kruden Enteignungsfantasien verortet ist.

Bleibt die Situation am Anleihemarkt unverändert oder sinken die Renditen weiter, dann steigt die relative Attraktivität des Goldes (und anderer Anlagemetalle) weiter an. Das wird nach und nach auch den einen oder anderen institutionellen Anleger ins Grübeln bringen. Angesichts der überschaubaren Größe des Edelmetallmarktes kann sich diese Nachfrage allen regulatorischen Restriktionen zum Trotz zu einem relevanten Faktor entwickeln.

Da nicht alle Anleger ihre Metalle physisch einlagern können oder wollen, sollte man den ETF-Markt nicht aus dem Auge verlieren. Sollten sich nennenswerte Nachfrageverschiebungen einstellen, dann werden sie sich auch in diesem Segment zeigen.

Die folgenden Charts zeigen die Entwicklung der Bestände der verschiedenen Edelmetall ETFs.

   

   

Auffällig ist die sich von den anderen Metallen stark unterscheidende Entwicklung der Palladiumbestände (siehe dazu auch https://www.cashkurs.com/rohstoff-und-edelmetallwelt/beitrag/palladium-steigt-etf-bestaende-verdampfen/). Während der Palladiumpreis im Jahresverlauf neue Hochs markierte sanken die Bestände in den Fonds auf neue Mehrjahrestiefs. Beim Gold hingegen zeigt sich eine mehr oder weniger kontinuierliche Aufwärtsbewegung. Platin und Silber haben vor einigen Monaten beziehungsweise gerade eben einen offenbar lauten Weckruf vernommen.

Eine seltener betrachtete aber ebenfalls interessante Perspektive ergibt sich aus der Entwicklung der Bewertung der Bestände in US-Dollar. Wie stark hat sich das in die Fonds investierte Vermögen verändert? Die Antwort gibt die folgende Grafik.

    

    

Durch die starken Preisveränderungen verändert sich das Bild deutlich. So haben offenbar Palladium-Investoren in die steigenden Kurse verkauft, und die Platinanleger haben in die fallenden Kurse hinein deutlich aufgestockt. Bemerkenswert ist auch der neue Höchststand beim Silber trotz eines noch immer weit vom Allzeithoch liegenden Preises pro Unze.

Palladium ist der große Ausreißer im Gesamtbild der Entwicklungen der Edelmetall ETFs. Ein Faktor, über den man beim Palladium nachdenken sollte, ist die Möglichkeit eines durch neue Allzeithochs bei den Preisen ausgelöste Nachfrage und damit eine Trendwende bei den ETF-Beständen.

Eine plötzlich auftretende Nachfrage in einem Markt, der in der Nähe eines Allzeithochs notiert, in dem die ETF-Bestände über Jahre fast komplett abgebaut wurden und in dem seit Jahren ein strukturelles Angebotsdefizit besteht, hat durchaus Potential, die Preise deutlich zu bewegen.

Der Markt ist ebenso klein wie illiquide und nennenswerte weitere Verkäufe verlieren auf Grund der geringen verbliebenen Bestände an Bedeutung. Nennenswerte Käufe hingegen können zu massiven Kursveränderungen führen.

Und bevor wir alle es vergessen: Gold zahlt keine negativen Zinsen.