Die Serie „Raumschiff Enterprise“ habe ich als Kind geliebt. Damals war ich von dieser fremden, völlig irrealen Welt mit ihren technologisch fantastischen Möglichkeiten fasziniert. Heutzutage ist zwar immer noch viel Fantasie. Doch nimmt die kommerzielle Dimension der Raumfahrt ohne Zweifel deutlich zu. Neben KI ist sie das zweite markante Zukunftsthema auch an der Börse. Wo liegen die Chancen und Risiken beider Branchen, die ohnehin immer größere Schnittmengen aufweisen?
An den Börsen gibt es derzeit wenig Neues, schrieb ich noch am vergangenen Mittwoch. Da hatte mich wohl der jugendliche Leichtsinn gepackt. Denn schon am Freitag krachte es. Bis dahin liefen die US-Märkte besser als die europäischen. Halbleiter- und KI-Aktien stiegen weiter, als gäbe es keine Schwerkraft mehr. Manche Kursverläufe erinnern inzwischen eher an Raketenstarts als an gewöhnliche Börsencharts.
Steuern machen Dinge teurer. So einfach und klar diese Aussage ist, so hartnäckig ist der Widerstand gegen Steuersenkungen. Das beliebteste Gegenargument lautet: Die Unternehmen würden jede Entlastung sofort in höhere Preise ummünzen. Dieses Risiko würden die meisten Steuerzahler vermutlich sehr gerne eingehen.
Seit Jahren glaubt die Politik, man könne wirtschaftlichen Aufschwung herbeireden wie gutes Wetter. Dabei kann auch diese Koalition ihre Visionen ungefähr so glaubwürdig präsentieren wie eine Pyromanengruppe den Wiederaufbau einer Feuerwehrwache.
Gute Laune an den Aktienmärkten trotz geopolitischer Probleme und Lieferkettenstörungen sowie einem globalen Super-Schuldenzyklus. Die steigende Inflation animiert die Notenbanken zu restriktiver Geldpolitik und Europa beschäftigt sich mit wirtschaftlicher Stagnation. Und bei den US-Mega-High-Tech-Caps sorgt man sich um Kurskorrekturen angesichts vermeintlich überhitzter Erwartungen. Was spricht also für die überaus gute Stimmung?
Lange war die Finanzwelt ein Eldorado für Schuldenmacher. Geld kostete praktisch nichts, Zentralbanken verteilten Gratisliquidität wie Karnevalskamelle und die Staaten konnten neue und oft sinnlose Milliardenpakete schnüren, ohne dass jemand ernsthaft fragte, wer das später bezahlen soll. Investoren kauften sogar Staatsanleihen mit Negativzinsen — also Papiere mit garantierten Verlusten. Gibt es dafür eigentlich Stockhiebe? Finanzielle Vernunft war ungefähr so modern wie heute ein Faxgerät. Doch dann stieg der Ölpreis und mit ihm etwas, das die Märkte fast vergessen hatten: Inflation.
Das Leben ist teuer geworden. Aber die Deutschen denken offenbar nicht im Traum daran, weniger zu reisen. Verständlich. Reisen bildet schließlich – und es ist eines der wirksamsten Mittel gegen die Einbildung, dass hierzulande noch alles irgendwie ganz gut läuft. Gespart wird am Urlaub traditionell zuletzt. Vielleicht, weil man einfach mal sehen will, wie Länder aussehen, in denen Züge pünktlich fahren, Flughäfen funktionieren, Baustellen irgendwann verschwinden und Menschen nicht jeden zweiten Satz mit „Das ist politisch schwierig“ beginnen. Kein Wunder, dass viele unserer Landsleute nach dem Urlaub gar nicht mehr zurückwollen.
Eine von vielen irreführenden Formulierungen im Hinblick auf die öffentlichen Kassen lautet, es seien Dinge „kaputtgespart“ worden. Diese Formulierung suggeriert, man habe tatsächlich gespart, weil man zu wenig Geld habe. Das Problem ist jedoch nicht der Mangel an Geld, sondern vielmehr wie es ausgegeben wird.
Gerne wird die dänische Energiepolitik als beispielhaft dargestellt. Dabei wird oft einseitig der Verzicht auf Kohle gefeiert, während man nicht so genau darauf achtet, durch was die Kohle eigentlich ersetzt wird. Nun…
Deutschland besitzt Gold. Viel Gold. Rund 3.350 Tonnen davon liegen in Tresoren in Frankfurt, New York und London. Es ist so ziemlich das Letzte, was dieses Land noch hat, ohne dass irgendein Ministerium schon ein Förderprogramm, eine Taskforce oder eine „Transformationsagenda“ darauf geklebt hätte. Aber…
Statt zu sparen, erfindet die Politik neue Steuern. Dabei haben wir gar kein Einnahmeproblem, sondern ein massives Ausgabeproblem. Noch nie hat der Staat mehr Steuern eingenommen - über eine Billion Euro. Und trotzdem will man nun neue Steuern implementieren und eine Rekordverschuldung von fast 200 Milliarden Euro verabschieden. Und das obwohl 250 Milliarden Euro Einsparpotenzial offen auf dem Tisch liegen — wenn man nur den Willen hätte, sie zu heben. Ein Gastbeitrag von Marc Friedrich.
Nicht nur bei der Geldanlage ist es ein Fehler, sich von Emotionen leiten zu lassen. Aber auch bei der Beurteilung der Fähigkeiten von Gründern oder Managern scheint sich mancher eher von Gefühlen als von Fakten leiten zu lassen. Vielleicht liegt das aber auch am Bewusstsein der eigenen Minderleistung.
Im Fußball ist der Ausputzer ein Abwehrspieler, der die harte „Drecksarbeit“ der Verteidigung übernimmt. Auch Notenbanken haben diese Funktion. Früher haben sie die Preisstabilität mit harter Zinsknute verteidigt. Heute besteht ihre neue Drecksarbeit jedoch vor allem darin, zu verhindern, dass Wirtschaftskrisen schmerzhafte Gegentore schießen. Selbst die feinste stabilitätspolitische Ball-Artistik der Notenbanker verbaler Art kann diese neue Spielweise nicht vereiteln.
„Die Rente ist sicher.“ Ein Satz aus einer Zeit, als Telefone noch Wählscheiben hatten und politische Versprechen länger hielten als Joghurt. Die Rente ist tatsächlich sicher – sicher zu klein, sicher zu spät und sicher nicht genug. Seit Jahren weiß jeder, der einen Taschenrechner bedienen kann, dass das bisherige Modell an seine Grenzen stößt. Trotzdem wurde mit diesem Spruch Politik gemacht, Vertrauen eingesammelt und Wahlen gewonnen. Heute heißt es plötzlich: Sorgen Sie bitte selbst vor. Nur womit eigentlich – nach Steuern, Abgaben, Sozialbeiträgen und jener kreativen staatlichen Zugriffslust, die vom Monatslohn meist nur die Krümel übrig lässt?
Deutschland Wirtschaft verzeichnet einen mittlerweile beängstigenden Produktivitätsrückstand gegenüber den USA. Die Entwicklungen rund um die Anwendung und Einbettung von KI-Anwendungen dürften diese Tendenz in den kommenden Jahren weiter verstärken.
Die US-Börsen haben ihre Kriegsverluste komplett abgeschüttelt und tun so, als wäre nichts gewesen. Auch der DAX bleibt in Schlagdistanz zu seinen alten Hochs. Man könnte meinen, die Welt sei in bester Ordnung. Das ist sie natürlich nicht. Energie wird teurer, Unternehmen ächzen, Insolvenzen steigen. Der Mittelstand kämpft ums Überleben, und die Politik setzt auf Ideologie. Und die Börse? Sie feiert – bemerkenswert unbeeindruckt von der Lage draußen.
Der Strukturwandel in der Softwarebranche ist real. Wie bei allen strukturellen Veränderungen kommt es darauf an, rasch und entschlossen darauf zu reagieren. Weinen, Lamentieren und die Schuld bei anderen suchen wird dabei kein Erfolgsrezept sein.
Am letzten Mittwoch noch schaffte der DAX den größten Punktgewinn seiner Geschichte: 1.159 Zähler. Klingt gewaltig – ist es aber nur bedingt. Denn 1.000 Punkte wiegen heute deutlich weniger als früher. Am Ende waren es „nur“ fünf Prozent. Doch der Börsenhandel ist nervöser und schneller geworden. Ein Tweet, ein Gerücht oder ein halbherziger Waffenstillstand – und alles gerät durcheinander. Kein Wunder bei so viel Kriegsangst. Nur Rüstungsaktien und der Ölpreis leiden unter Friedenspanik und sind dann so entspannt wie Vegetarier auf einem Grillfest.
In einem Interview beschrieb einst Yuri Bezmenov, ein ehemaliger KGB-Offizier und Überläufer das Konzept der Demoralisierung. Damit ist die langfristige Strategie einer gezielten ideologischen Unterwanderung einer Gesellschaft gemeint. Bezeichnenderweise wurde das Interview im Jahr 1984 geführt.
Das Land der Energiepreisrekorde konnte einen neuen Titel einheimsen. Laut Bloomberg erreichten die Strompreise hierzulande am Terminmarkt das Vierfache der Preise in Frankreich. Da Rekorde da sind, um sie zu brechen, muss das nicht das Ende der Fahnenstange sein.
Na? War Ihr Ostern auch so verdorben? Dann waren Sie vermutlich tanken. Der lieben Verwandtschaft den Besuch aus Benzinkostengründen abzusagen, wäre am Ende vermutlich teurer geworden – emotional wie finanziell. Wobei… vielleicht hat Sie auch einfach die nackte Angst an die Zapfsäule getrieben: die diffuse Sorge, Benzin könnte bald rationiert werden und man steht da wie bestellt und nicht abgeholt – nur ohne Sprit. Nichts ist mehr unmöglich in diesem Land, in dem wir so gut und gerne leben. Oder gelebt haben. Man weiß es nicht mehr so genau.
Wenn mancher die Raumfahrt immer noch als Milliardärs-Spielerei abtut, kann das nur an einem mangelnden Willen liegen, sich zu informieren. So beschäftigt man sich in Deutschland weiter mit dem Abstellen von E-Rollern, sucht nach Möglichkeiten, den Niedergang der Bahn wegzulächeln und spricht von Mikro-Mobilität während man einfach nur den Anschluss verliert.
Früher war Geld eine erstaunlich überschaubare Angelegenheit: Man hatte es – oder eben nicht. Punkt. Heute ist man einen Schritt weiter. Man hat es vielleicht, aber sicher ist nur eines: Es gehört einem nicht wirklich. Es wird verwaltet, reguliert, besteuert, entwertet – und im Zweifel gegen einen verwendet. Unter der Matratze? Ein Paradies für Motten, Einbrecher und nostalgische Romantiker. Auf dem Konto? Eine Einladung zur schleichenden Enteignung durch Inflation, Gebühren und geldpolitische „Notwendigkeiten“. Willkommen im modernen Finanzsystem: Egal, was Sie tun – es ist falsch. Aber immerhin mit System.
In einem der zahlreichen Helden-Witze über den kürzlich verstorbenen Chuck Norris heißt es, er habe eine Drehtür zuschlagen können. Außerdem habe er bis unendlich gezählt und das gleich zwei Mal. Ähnlich faszinierend sind manche Prognosen zu den Auswirkungen kommender KI-Anwendungen.
Edelmetalle gelten in Krisenzeiten als das Maß aller Dinge. Doch scheint der Nahostkonflikt genau diese sichere „goldene“ Börsenregel zu torpedieren. Denn Gold und Silber befinden sich klar auf dem Rückzug. Besonders bemerkenswert ist, dass Gold sogar mehr verloren hat als alle anderen Anlageklassen. Ist alte Sicherheit das neue Risiko? Oder findet bei Edelmetallen nur eine Verkettung fataler Umstände statt, die keine lange Dauer hat?
In der Theorie sind Geldpolitiker die Gralshüter der Preisstabilität. Früher hat die Deutsche Bundesbank dieses Ziel auch praktisch sehr konsequent verfolgt. Hört man auf ihre aktuellen Äußerungen, scheinen die Notenbanken die Fahne der Stabilitätsmoral weiterhin hochzuhalten. Gezwungenermaßen führen die immer schwierigeren konjunkturellen und finanziellen Rahmenbedingungen jedoch auch zu immer mehr Abweichungen zwischen Wort und Tat.
Manche politischen Erkenntnisse kommen spät. Sehr spät. Die jüngste Einsicht von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gehört dazu: Der Atomausstieg in Europa sei ein „strategischer Fehler“ gewesen. Bemerkenswert ist weniger die Erkenntnis als der Zeitpunkt. Es ist ungefähr so, als würde der Kapitän erst dann feststellen, dass das Schiff ein Loch hat, wenn die Passagiere bereits mit Schwimmwesten im Atlantik treiben.
Im Iran ist die Hölle los. Raketen, Drohnen und wankende Börsen. Durch die Straße von Hormus fließen normalerweise rund 20 Prozent des weltweiten Erdöls. Jetzt nicht mehr. Auch kein Gas. Ein kleines Nadelöhr mit globaler Wirkung. Wenn dort etwas stockt, bekommt die Weltwirtschaft einen epileptischen Anfall. Die meisten Menschen merken davon erst etwas, wenn es teurer wird. Wirtschaft und Preise gelten schließlich als esoterische Disziplinen.
Herzlichen Glückwunsch. Sie haben geklickt. Das ist schon einmal der wichtigste Teil modernen Journalismus. Irgendwo zwischen Schlagzeile, Scrollbewegung und leichtem Stirnrunzeln haben Sie entschieden: Das lese ich jetzt. Gratulation. Genau so funktioniert das Spiel. Die Überschrift hat Sie also gepackt, der Algorithmus nickt zufrieden, und ich darf jetzt ein paar Absätze lang so tun, als wüsste ich, worum es geht. Ob man das ernst nehmen muss? Nicht unbedingt. Oder vielleicht gerade doch...
Künstliche Intelligenz wird immer mehr das digitale Helferlein mit Preisliste, AGB und Update-Intervall. In der Gratisversion fühlt sie sich an wie die Revolution im kostenlosen Probemonat – man ist begeistert, euphorisch und erzählt es dem Nachbarn. In der Abo-Variante ist sie dann tatsächlich eine Revolution. Allerdings mit monatlicher Abbuchung und der leisen Erkenntnis, dass Fortschritt inzwischen im Lastschriftverfahren erfolgt.
Wie gut, dass es Donald Trump gibt. Kaum eine Figur eignet sich so zuverlässig als politischer Blitzableiter. Wer Dampf ablassen will, findet bei ihm reichlich Zielscheiben: Frisur, Tonfall, Deals, Größenfantasien. Man kann sich an ihm abarbeiten wie am Sandsack – und übersieht dabei bequem die eigenen Baustellen. Die überwiegend links sortierten Genossen in den Redaktionsstuben bekommen zuverlässig neue Steilvorlagen, um ihren Schäfchen zu erklären, was wichtig und was richtig ist.
Börsen sind keine Raketenwissenschaft. Sie folgen einem Prinzip, das sogar in Ministerien grundsätzlich bekannt sein dürfte: Angebot, Nachfrage, Preis. Wird etwas knapp, steigt der Preis. Gibt es zu viel davon, fällt er. Mehr braucht es nicht. Märkte reagieren nicht auf Absichtserklärungen, sondern auf Realitäten. Diese Preise sind handelbar. An den Börsen.
Olympische Medaillen sind das wohl teuerste Missverständnis der Gegenwart. Sie hängen schwer um den Hals, glänzen im Scheinwerferlicht und sollen Wert symbolisieren. In Wahrheit symbolisieren sie vor allem, wie weit man mit sechs Gramm Wahrheit, 494 Gramm Hoffnung und einer guten PR-Abteilung kommt.
Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist.“, sagte Karl Valentin. Er hatte Humor. Und Erfahrung. Beides hilft auch beim Blick auf die Börse – besonders dann, wenn Behörden warnen. Die Finanzaufsicht BaFin tat das in der vergangenen Woche wieder einmal. Sie warnte vor Turbulenzen. Davon ist zwar weit und breit nichts zu sehen, aber warnen kann man ja immer. Sicher ist sicher. Nichts ist peinlicher, als nach dem Knall zu erklären, man habe leider nichts gehört. Also lieber vorher trommeln. Prävention durch Pressemitteilung. Deutschlands liebste Form der Risikovorsorge.
Die PISA-Ergebnisse zeigen einen historischen Leistungsabfall deutscher Schüler – doch statt Ursachen zu analysieren, werden Ausreden gepflegt. Während Kompetenzen sinken, steigen die Schulnoten weiter. Ein schonungsloser Blick auf die Zahlen und Hintergründe.
In Davos wurde wieder ernst geschaut. Sehr ernst. So ernst, wie Menschen schauen können, die gerade Champagner trinken und dabei über Ungleichheit diskutieren. Es ist dieser besondere Blick zwischen Weltschmerz und Bonuszahlung. Die Betroffenheitsmesse lief auf Hochtouren. Drinnen Häppchen, draußen Haltung. Drinnen Netzwerken, draußen Narrative. Der Ablauf ist ritualisiert wie Weihnachten: Erst die Oxfam-Studie mit den vielen Milliardären, dann das kollektive Nicken, anschließend eine Rede von Donald Trump mit zuverlässig anschließender medialer Empörung – und zum Schluss der Rückflug im Privatjet. Nachhaltig, versteht sich. Zumindest moralisch.
Wir haben es wirklich gespürt. Die deutsche Wirtschaft ist 2025 gewachsen. Um 0,2 Prozent. Ein ganz feines Kribbeln, irgendwo zwischen Statistischem Bundesamt und kollektiver Selbsttäuschung. Früher hätte man so etwas als Messfehler weggelächelt. Heute nennt man es Aufschwung. Ich spreche das Wort vorsichtig aus, wie man ein krankes Haustier streichelt: Bloß nicht zu fest, sonst ist es wieder tot.
Das neue Jahr steht dem alten in nichts nach. Die USA entführen einen Staatspräsidenten, wollen sich jetzt Grönland einverleiben und entern russische Öltanker. China beschränkt den Export wichtiger Rohstoffe und hat auch sonst einiges zu bieten, was wir früher mal hatten – und wo wir heute nur noch moralisch mithalten können.
Das neue Jahr fühlt sich schon wieder erstaunlich abgenutzt an. Keine Sorge: 2026 wird zwar wirtschaftlich schlechter als 2025, aber immerhin noch besser als 2027. Man muss ja Prioritäten setzen. Über Jahre hinweg haben wir von der Substanz gelebt, jetzt leben wir von den Sondervermögen. Der Unterschied ist rein semantischer Natur – finanziell fühlt es sich ungefähr so an, als würde man den Dispo umbenennen.
Man muss es mögen, dieses Land der kognitiven Dissonanzen. Deutschlands Wirtschaft liegt am Boden, aber der DAX legte in diesem Jahr 22 Prozent zu. Was für ein Börsenjahr! Offenbar fühlt sich Kapital dort am wohlsten, wo es nichts mit der Realität zu tun hat oder mit diesem Land, in dem wir so gut und gerne leben. Während Fabriken dichtmachen, Aufträge wegbrechen und der Mittelstand nervös an den Rollos zerrt, wird an der Börse gefeiert. Vielleicht ist Geld einfach ein scheues Reh, das die staatliche Umgebung als große Gefahr sieht, wobei: frische Schulden ziehen auch Unternehmen an wie Blut die Moskitos.
„Die Lage war noch nie so ernst“, sagte oft Bundeskanzler Konrad Adenauer. Diese Skepsis findet sich auch in Börsenprognosen für 2026. Man verweist unter anderem auf das Ende der Premium-Partnerschaft Europas mit den USA, die deutsche Wirtschaftskrise und Überbewertungen bei Hightech. Aber auch 2025 war nicht ohne Risiken und Schwankungen. Wer aber seine Emotionen im Griff hatte und Chancen erkannte, erzielte eine sehr gute Performance. Und gegen Kursschwankungen gibt es ein schönes „Geschenk“.
Es gibt Tage, da will man keine Nachrichten mehr lesen. Verständlich: Zwischen Firmenpleiten, steigenden Arbeitslosenzahlen und ständig höheren Preisen fragt man sich, ob wir nicht längst in einer Parodie leben. Das meiste steht ohnehin hinter einer Paywall. Was die Öffentlichkeit erfahren soll, erfährt sie. Wenn sie es überhaupt interessiert.
Vielen Städten und Gemeinden stehen in finanzieller Hinsicht schwere Jahre bevor. Bereits im vergangenen Jahr stieg das Defizit auf kommunaler Ebene stark an und dieser Abwärtstrend ist ungebrochen. Noch erschreckender als die Entwicklung der Einnahmen ist der Anstieg der Ausgaben.
Obwohl die Inflation näher bei drei als bei zwei Prozent liegt, senkte die Fed ihren Leitzins zum dritten Mal hintereinander um 0,25 Prozentpunkte auf jetzt 3,75 Prozent. Auch 2026 bleibt sie geldpolitisch locker. Aufgrund eines weniger robusten Arbeitsmarkts und der dramatischen Staatsverschuldung werden Konjunktur- und Finanzmarktstabilität Priorität vor Preisstabilität eingeräumt. Und mit einem ab Mai 2026 neuen taubenhaften Fed-Chef bleiben US-Aktien erst recht geldpolitisch gut geschmiert.
Wird 2026 das Jahr, in dem Deutschland mit einer Wunderkerze den Hausbrand löschen will? Fakt ist: Der DAX feiert Auslandserfolge, während die Heimatwirtschaft im Bürokratie-Stau verkohlt. Viel Glanz an der Börse, wenig Licht im Land – aber dafür reichlich politische Teelichter zur Beruhigung.
„Black Friday“ jetzt auch am Montag – aber nur digital. Offiziell heißt das „Cyber Monday“, inoffiziell jedoch „Globaler Shopping-Reflex mit WLAN-Zugang. Millionen Menschen stürzen sich auf Angebote, die angeblich ihr Leben verbessern, aber zuverlässig nur eines tun: die Wohnung mit Dingen vollstellen, die man so dringend braucht wie ein drittes Kniegelenk. Man kauft Dinge, die man nicht braucht, mit Geld, das man nicht hat, um Leuten, die man nicht kennt, zu zeigen, wie modern man konsumiert. Und weil das noch nicht absurd genug ist, behaupten manche sogar, sie würden damit „die Wirtschaft ankurbeln“. Das ist, als würde man sich freiwillig dreimal täglich den Kopf an die Wand schlagen, um die Tapetenindustrie zu unterstützen.
Der letzte Mittwoch war mal wieder so ein Schicksalstag. Einer von vielen. Nvidia – dieses gottgleiche Tech-Monster, inzwischen größer als das deutsche BIP, aber mit deutlich besseren Zukunftsaussichten – verkündete Zahlen. Analysten, Experten und andere Börsen-Orakel taten im Vorfeld so, als hinge das Schicksal der Menschheit an diesem Quartalsbericht. Man hätte meinen können, ein fehlendes Etwas im Earnings-Call würde ein Schwarzes Loch erzeugen. Und was geschah? Natürlich nichts. Wir leben noch. Zumindest bis zu den nächsten „Zahlen zum Verbraucherpreisindex“ oder dem großen Zinsschock deluxe.