Der Streit im Führungsteam des Pimco Total Return Fund, dem ehedem größten Anleihefonds der Welt, bei gleichzeitig plötzlicher Aufgabe der lange angestammten Posten von Bill Gross und Mohamed El-Erian fordern ihren Tribut. Neueste Daten zeigen, dass die durch den Fonds gehaltenen Vermögenswerte zum ersten Mal in den letzten acht Jahren unter die Schwelle von $100 Milliarden gerutscht sind. Noch im Jahr 2013 verwaltete der Total Return Fund eine in etwa drei Mal höhere Summe an Kunden- und Anlagegeldern.

Neueste Daten zeigen, dass Investoren im Monat August weitere $1,8 Milliarden an Anlagen aus Pimcos Total Return Fund abzogen. Im Monat zuvor beliefen sich die Kapitalabzüge auf insgesamt $2,5 Milliarden, wie es in einem Statement zum Geschäftsverlauf auf der Seite des in Kalifornien ansässigen Unternehmens heißt. 

Wer ein wenig länger zurückblickt, wird sich am Kopf kratzen, denn immerhin belaufen sich die Kapitalabzüge unter Investoren des Total Return Fund nunmehr bereits auf 28 Monate in Folge. In diesem Zuge brachen die durch den Fond gehaltenen Vermögenswerte im Monat

Von Anleger gestellten Finanzmittel haben sich verdrittelt

Es ist immer noch ein stattliches Sümmchen, das der Total Return Fund da für internationale Investoren verwaltet. Doch im Vergleich mit dem im Jahr 2013 erreichten Hoch von knapp $294 Milliarden lässt sich gewiss mit Recht von einem Desaster sprechen. Die durch Anleger bereit gestellten Finanzmittel haben sich damit innerhalb von nur zwei Jahren fast gedrittelt.

Gewiss wird diese Entwicklung hauptsächlich mit der Aufgabe des Führungspostens des an den Finanzmärkten als „Bondkönig“ betitelten Bill Gross zu tun haben, auch wenn Pimco in den letzten Wochen und Monaten immer wieder kund tat, die aktuelle Entwicklung durch eine Auflage von neuen Produkten umzukehren.

Kein Turnaround in Sicht

Bislang ist von einem sich abzeichnenden Turnaround nichts zu spüren. Vielmehr stellt Gross seine Analysen und langjährigen Erfahrungen nach erfolgtem Jobwechsel nun Janus Capital Group zur Verfügung, während sich dessen ehemaliger Partner im Chefsessel von Pimcos Total Return, Mohamed El-Erian, als Berater der deutschen Mutter Allianz Group verdingt.

Es ist das erste Mal seit Beginn des Jahres 2007, dass die durch den Total Return Fund gehaltenen Vermögenswerte unter die Schwelle von $100 Milliarden gesunken sind. Damals erwies sich Bill Gross als Frontrunner an den Bondmärkten, indem er – wie eine Reihe von anderen Kapitalverwaltern – noch vor Verkündung von QE1 durch die Fed in großem Maße in amerikanische Staatsanleihen einstieg.

Veranlagten Kapitalsummen stiegen, um fast $300 Millliarden Dollar

Die aus diesen Frontrunning-Geschäften erzielten Renditen veranlassten damals immer mehr Investoren, ihre Kapital ebenfalls beim Total Return Fund zu veranlagen. Bis zum April 2013 kletterten die veranlagten Kapitalsummen beim Total Return Fund auf fast $300 Milliarden. Seitdem haben die Investoren jedoch rekordhohe Beträge aus dem Fonds abgezogen.

Dazu trug nicht nur eine sich plötzlich deutlich verschlechternde Performance des Total Return Fund bei (vielleicht ausgelöst durch die Tatsache, dass Frontrunning-Aktivitäten sich eben nicht auf die zuvor zu beobachtende Weise wiederholen ließen?). Wie stark das Vertrauen unter Investoren in Kapitalverwalter auch mit deren jeweiliger Führungsriege verbunden sein mag, hat der einsetzende Krach zwischen Bill Gross und Mohamed El-Erian an der Spitze des Fonds wohl jedermann vor Augen geführt.

Zwar hat sich der Kapitalabzug im August in Vergleich mit den Monaten zuvor ein wenig stabilisiert. Doch auch weiterhin lassen die Kapitalerträge des Total Return Fund aus dem Blickwinkel der Anleger zu wünschen übrig, die im laufenden Jahr bei gerade einmal 0,73% liegen.

Im oberen Viertel des Rankings

Trotz allem liegt der Total Return Fund in einem Renditeranking von Morningstar damit im laufenden Jahr noch im oberen Viertel im Vergleich mit seinen Rivalen. Die bei Pimco verfolgte Strategie ist recht defensiv ausgerichtet. Dies gilt vor allem im Hinblick auf die Märkte für Unternehmensbonds, von denen sich Pimco zurzeit generell verstärkt zurückhält.

Insgesamt verwaltete die im kalifornischen Newport Beach ansässige Allianz-Tochter Pimco im 1. Halbjahr Anlagegelder in Höhe von $1,52 Billionen, die in Form von verschiedenen Fonds verwaltet wurden, und die zurzeit hauptsächlich in Form von defensiven und nach eigener Aussage hoch qualitativen Staats- und Regierungsanleihen veranlagt sind.