Originalartikel von valuewalk.com

Der Einsturz der Ölpreise hat sowohl Verlierer als auch Gewinner hervorgebracht. Aus diesem Grund besteht, wie bei jeder größeren Entwicklung in einem Rohstoffsektor, für die meisten Investoren die Schwierigkeit, zu entscheiden, welchen Weg es am besten einzuschlagen gilt.

Fest steht, dass die weltweit führenden Ölproduzenten vom Einsturz der Ölpreise in den vergangenen Monaten am schwersten betroffen sind. Für Inhaber von Anteilen dieser Firmen sind die Preise teilweise um mehr als 33 Prozent gefallen. Die Herausforderung für Investoren, die im Öl-Geschäft aktiv sind (und weiterhin sein wollen), wird folglich darin bestehen, in Erfahrung zu bringen, welche Firmen für die kommende Zeit, in der der Ölpreis 50 Dollar pro Barrel oder weniger betragen könnte, am besten gewappnet sind.

Die Firmen mit einer hohen Verschuldung und hohen Betriebskosten werden unweigerlich die ersten sein, die an Boden verlieren werden. Im Gegensatz dazu werden die gering verschuldeten Unternehmen mit einer guten Kostenstruktur die derzeitige Krise mit hoher Wahrscheinlichkeit überstehen. Es sind folglich diese Firmen, die, wenn sich der Ölpreis wieder normalisiert hat, profitieren werden und auf die Investoren daher ein Auge werfen sollten.

Die Auswahl der richtigen Aktien wird jedoch nicht der einzige Weg sein, um von den ruinierten Ölpreisen profitieren zu können. Im Folgenden stellen wir Ihnen daher 5 mögliche Strategien vor, mit denen Sie sich entweder auf eine etwaige Erholung oder einen weiteren Niedergang des Ölmarktes vorbereiten können, abhängig davon, wie und in wen sie investieren wollen.

1.    Setzen Sie auf Ölunternehmen mit niedrigen Kosten und geringen Schulden.

Das Gewinnen von Öl ist, um es einfach zu sagen, ein kostspieliges Unterfangen. Die Kosten für das Aufspüren und Fördern eines Barrel Öls liegen zwischen 16,88 Dollar im Mittleren Osten und 51,60 Dollar in den Vereinigten Staaten, so das amerikanische Amt für Energiestatistik (EIA). Ein erst kürzlich vom Business Insider veröffentlichter Bericht der Citi Bank zeigt, dass ein Großteil der Schieferölproduktion in den USA in Schwierigkeiten geraten würde, falls die Preise für Rohöl unter 60 Dollar pro Barrel sinken sollten (Brent liegt momentan bei 49 Dollar), und dass viele Firmen auf Vorhaben verzichten, die ein Preisniveau von über 80 Dollar benötigen, um auch nur im Ansatz profitabel sein zu können.

In diesem komplizierten Segment sollten Anleger daher in Firmen investieren, die kostengünstiger als ihre Konkurrenten produzieren können und zudem weniger Schulden haben, während sie niedrigere Rohstoffpreise akzeptieren müssen. [M1] Im Folgenden stellen wir Ihnen drei Firmen vor, in die es sich lohnen kann zu investieren:

Crescent Point Energy (NYSE, TSX: CPG):

Als konventioneller Öl- und Gas- Produzent mit Kapitalanlagen in Kanada und den Vereinigten Staaten, kann Crescent Point billiger Öl fördern als seine kanadische Ölsand-Konkurrenz. Obwohl sie die Ausgaben für 2015 (im Vergleich zum letzten Jahr) um 28 Prozent senken konnte, plant die in der Saskatchewan-Region ansässige Firma noch immer, die durchschnittliche Tagesproduktion auf 152 000 Barrel zu steigern. Zudem hat Crescent Point eine solide Bilanz mit einer Verschuldung von nur 2,8 Milliarden, Stand 30 September 2014, im Vergleich zu einem Marktwert von 11,55 Milliarden Dollar. CPG bietet seinen Investoren darüber hinaus einen sehr attraktiven Gewinnanteil von 10,64 Prozent auf den momentanen Aktienkurs an. Dies könnte Spekulationen darüber anfachen, dass der Gewinnanteil für Investoren, im Falle eines Gleichbleibens der Ölpreise, niedriger ausfallen könnte. Trotzdem hat Crescent Point erst kürzlich bekannt gegeben, dass die Dividenden für Anleger nur im äußersten Falle gekürzt werden würden, und sich durch die etwaige Aufnahme von Krediten über eines ihrer Kreditinstitute oder durch die Kürzung ihres Investitionshaushalts im Verlauf diesen Jahres Abhilfe geleistet werden könnte.

Husky Energy (TSX:HSE):

Obwohl das Unternehmen, teilweise aufgrund des Kostenanstiegs von seinen Sunrise Ölsand Projekten, in den letzten 6 Monaten eine Minderung des Firmenwerts von 25 Prozent verkraften musste, bietet der Upstream- und Downstream-Gigant Husky eine ansehnliche Gewinnrate von 4,69 Prozent für Investoren, die darauf abzielen, Geldanlagen längerfristig halten zu wollen (Buy and Hold Strategy). Husky verfolgt zudem momentan einen strikten Sparkurs, indem es seinen Investitionsplan für 2015, hauptsächlich in Hinblick auf die im Westen Kanadas angesiedelten Öl- und Gasunternehmungen, um gut 1,7 Milliarden Dollar kürzt. Ein Drittel der Produktion von Husky in 2015 belief sich auf Erdgas, was wesentlich besser als die Ölförderung lief und dem Unternehmen in der nächsten Zeit ansehnliche Gewinne einbringen sollte. Ferner wird die Firma einen beträchtlichen Geldfluss aus ihren Liwanprojekten im Südchinesischen Meer einfahren. Die Zusammenarbeit mit der Chinesischen Firma CNOOC jährt sich dieses Jahr zum zweiten Mal, wodurch Husky, im Vergleich zu den Preisen in Nordamerika, ein um 50 Prozent höheres Preis Premium aus dem Gasgeschäft erzielen wird.

Suncor Energy Inc. (NYSE:SU) (TSE:SU) Energy:

Der kanadische Ölsandgigant musste seit der 11.6 Milliarden teuren Verschrottung seiner Aufbereitungsanlage(n) in 2013 den Gürtel deutlich enger schnallen. Wie The Motley Fool erst kürzlich berichtete, senkte Suncor (daher auch) die laufenden Betriebskosten von 37 Dollar pro Barrel in 2013 auf 31,10 Dollar im letzten Quartal des Jahres.

Dennoch ist die Firma nicht von einer zu hohen Schuldenlast bedroht, da sie mit niedriger gewordenen Gewinnspannen fertigwerden muss. Wie Motley Fool hinzufügt, hatte SU ungefähr 6.6 Milliarden Dollar an Schulden, verglichen mit knapp 42 Milliarden Dollar Eigenkapital eine der niedrigsten Schuldenquote des Industriezweigs. Zu guter Letzt können Anleger auf lange Sicht eine Dividende von stattlichen 3,17 Prozent erwarten.

2.    Investieren Sie weniger in einzelne Wertpapiere und dafür mehr in von der Börse gehandelten Energiefonds

Eine geeignete Aktienauswahl im Energiesegment zu treffen, ist nicht nur in (wirtschaftlich) guten Zeiten eine schwierige Angelegenheit. Ganz zu schweigen von der derzeitig höchst unberechenbaren und extrem riskanten Investitionslandschaft. Zu einem an der Börse gehandelten Energiefond zu wechseln, könnte daher eine gute Alternative sein, um die momentanen Risiken des Ölgeschäfts besser im Zaum halten zu können. Eine Möglichkeit könnte dabei sein, in den iShares S&P TSX Capped Energy Index Fund (XEG) zu investieren. Dieser Fond beinhaltet Aktien von Energieunternehmen, welche an der Toronto Stock Exchange gelistet sind.

Anteile an diesem ETF zu halten, könnte derzeitig ein sehr guter Weg sein, um, im Falle eines kurzzeitigen Aufschwungs des Ölpreises, einen kurzfristigen Gewinn im Energiemarkt zu erzielen.

3.    Setzen Sie auf fallende Ölpreise

Eigentlich wäre die Zeit, um auf fallende Ölpreise zu setzen schon vor 6 Monaten gewesen. Diejenigen, die glauben, dass der Rohölpreis weiter sinken wird, könnten aber, wenn sie den richtigen Moment erwischen, immer noch von dieser Entwicklung profitieren. Ein Weg dies zu tun, wäre auf inverse Öl ETFs zu setzen. Das Magazin Zacks hat einen interessanten Artikel über vier interessante Unternehmen verfasst, die in diesem Segment aktiv sind. So sei der allgemein beliebte ProShares Ultrashort DJ-UBS AG (NYSE:UBS) Rohöl ETF (SCO) eine gute Alternative. Darüber hinaus erweise sich der Horizon BetaPro NYMEX Crude Oil Bear Plus ETF (HOD) als ebenfalls nicht uninteressant für Investoren. Dieser zur Absicherungs- und Anlagezwecken derivative ETF sollte jedoch nur von erfahrenen Tradern in Betracht gezogen werden, da er das Verhältnis zwischen Fremd-und Eigenkapital täglich neu definiert und daher ein nur sehr schwer kalkulierbares Investitionstool für Anleger darstellt. Ein Investor, der HOD ETFs im Juni letzten Jahres gekauft hätte, hätte eine 264,5 prozentige Steigerung seines Einsatzes erzielen können.

4.    Setzen Sie auf fallende Kurse bei Dienstleistungsunternehmen 

Obwohl sich der Preis für Öl momentan immer noch im Keller befindet, erzielen die meisten der Ölfirmen immer noch Einnahmen mit ihren Geschäften. Die Dienstleistungsunternehmen der Ölbranche sind jedoch gegenüber den Ölproduzenten verpflichtet, einerseits Öl aus neuen Feldern zu fördern und/oder anderseits die bestehenden Anlagen in Stand zu halten. Dies macht sie besonders für die momentan sinkenden Ölpreise anfällig. Sie sind es nämlich, die die Einsparungen der großen Ölproduzenten zu spüren bekommen.  So begannen laut einem Bericht von Reuters viele der Hedge Funds schon im November auf das Straucheln von europäischen Dienstleistungsunternehmen wie OCG, Fugro oder Seadrill oder in Amerika ansässigen Firmen wie Schlumberger (NYSE:SLB), Halliburton (NYSE:HAL), Baker Hughes (NYSE:BHI) und National Oilwell Varco Inc. (NYSE:NOV) zu spekulieren. 

5.    Kaufen Sie Aktien von Transportunternehmen

Durch die gefallenen Preise für Benzin, Treiböl und Flugzeugtreibstoff gehen Fluggesellschaften, Schifffahrts- und Speditionsunternehmen als klare Gewinner aus der derzeitigen Situation hervor. Zwei Beispiele in diesem Zusammenhang sind Delta Airlines, mit einem Zuwachs von 27,2 Prozent seit Juni, und das in Kanada operierende Transportunternehmen WestJet (TSX:WJA), das im selben Zeitraum 19,2 Prozent Zuwachs verzeichnen konnte. Zudem könnten Transport- und Logistikunternehmen wie TransForce Inc. (TSX:TFI), Saia (NASDAQ:SAIA), Echo Global Logistics (NASDAQ:ECHO) und J.B. Hunt Transport Services (NASDAQ:JBHT) ebenfalls eine vielversprechende Option sein, obwohl die Dividendenzahlungen dieser Unternehmen gegenüber den weltweit führenden Ölproduzenten weitaus dürftiger und daher nicht wirklich der Rede wert zu sein scheinen.



Der Autor besitzt keine Anteile der oben aufgeführten Investitionsmöglichkeiten. Wir raten, ein Investment sorgfältig zu prüfen, bevor Sie sich entscheiden, in eine der genannten Möglichkeiten zu investieren.



Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung von www.valuewalk.com für www.cashkurs.com übersetzt. Den Originalbeitrag finden Sie in englischer Sprache unter: www.valuewalk.com/2015/01/5-ways-play-oil-price-plunge/http://www.valuewalk.com/2015/01/top-five-factors-affecting-oil-prices-2015/