Die Börsen brechen massiv ein und gerade dies können spannende Zeiten sein, sich interessante Aktien anzuschauen und gemäß Warren Buffett den 1 US$ für nur 50 Cents zu kaufen. Bereits in der vergangenen Woche haben wir mit der Telecom Argentina (Link hier) einen eher exotischen Kandidaten besprochen. Auch heute soll in Form der MTN Group ein Unternehmen aus der gleichen Branche präsentiert werden, welches jedoch ebenso ganz besondere Merkmale in Puncto Aufstellung und regionale Diversifikation mit sich bringt. Auch MTN ist in der Telekommunikation aktiv. Mit dem Hauptsitz in Südafrika bedient das Unternehmen jedoch vor allem den afrikanischen Kontinent wie auch den Nahen Osten. Am einfachsten hilft dabei eine Aufstellung der Kunden nach Ländern (sortiert nach Anzahl der Kunden).

Nigeria, Iran, Südafrika, Ghana, Uganda, Kamerun, Sudan, Elfenbeinküste, Afghanistan, Syrien, Jemen, Gambia,  Rwanda, Benin, Guinea, Kongo, Botswana, Liberia, Swasiland, Süd Sudan, Zypern.

Man deckt also eine breite regionale Spanne mit zahlreichen Kunden und Kundenpotentialen ab, die auch in Zukunft mit Telekommunikationsleistungen versorgt werden wollen. Auch wenn sich der Telekommunikationsmarkt in diesen Regionen einen zunehmenden Druck ausgesetzt sieht, sollten sich langfristig interessante Chancen ergeben.

Die Aktie hat in den letzten fünf Jahren deutlich besser abgeschnitten als der Gesamtsektor. Erst seit Anfang Juli hat sich die Aktie auf Talfahrt begeben, was auch an den enttäuschenden Q2-Zahlen lag (mehr dazu im subjektiven Betrachtungswinkel). Bei dieser Aktie, deren RSI bereits im stark überverkauften Bereich angekommen ist, wird an der Börse in Johannesburg in südafrikanischen Rand gehandelt. Eine interessante Alternative kann der ADR aus den USA mit der ISIN US62474M1080 darstellen.

Wie gewohnt wollen wir die größte Aufmerksamkeit auf die fundamentale Betrachtung des Unternehmens legen. Dies geht zum einen sowohl quantitativ als auch qualitativ. Ersteres soll den Anfang machen.

  • Bewertung:  Es wird durch alle Kennzahlen hinweg deutlich, dass die MTN Group derzeit deutlich unterbewertet gehandelt wird. Dieser Eindruck verfestigt sich, wenn man sich den Vergleich zum Durchschnitt der Branche ansieht. DCF: Das bereits angesprochene Discounted-Cashflow-Model,welches nicht nur die aktuelle Situation des Unternehmens, sondern gleichermaßen Wachstumswerte wie auch Zinsmärkte mit einbezieht, ermittelt einen fairen Wert, der 65% über dem aktuellen Kurs liegt, wodurch gleichermaßen eine attraktive Sicherheitsmarge definiert ist.
  • Dividende: Mit 7,63% Dividendenrendite erweist sich das Unternehmen auf den ersten Blick als absoluter Dividendenschlager. Dies wird untermauert von einem attraktiven Wachstum der Gewinnbeteiligung. Allerdings sind dafür auch über 70% des Gewinns notwendig, sodass nur wenig für neue Investitionen übrig bleibt. Die Quellensteuer in Südafrika ist mit 15% (also genau bis zum anrechnungsfähigen Punkt) im problemlosen Bereich für deutsche Investoren. Der heimische Fiskus schlägt die restlichen 10% bis zur 25%-Quote der Abgeltungssteuer oben drauf, sodass keine weiteren Antragsdokumente von Nöten sind.
  • Kapitalstruktur: Wie für ein Telekommunikationsunternehmen üblich steht auch MTN auf stabilen Beinen. Eine EK-Quote von beinahe 50% und ein angemessenes und im Vergleich zur Branche sogar überdurchschnittlich gutes Verhältnis von Verschuldung zu Eigenkapital sind Stabilitätsanker und definitive Pluspunkte.
  • Wachstum & Profitabilität: In diesem Punkt spielt neben der günstigen Bewertung die größte Musik. Die folgende Grafik zeigt den langfristigen Aufwärtstrend der Ertragssituation. Hier herrscht eine hohe Kontinuität beim Umsatz. Auch die Gewinne ziehen gleichermaßen mit an, was sich in einer gleichbleibenden Marge wiederspiegelt.

Der subjektive Betrachtungswinkel

  • Exotischer Markt: Die eingangs aufgeführten Länder, welche gleichermaßen die Hauptabsatzmärkte für Datennetze, Mobiltelefone, Roaming und Co. darstellen, machen bereits deutlich, dass es sich hierbei um absolute Entwicklungsländer handelt. Das Potential ist hier sehr groß, allerdings auch die Gefahr für wirtschaftliche Rückschläge.
  • Ethik und Moral: Viele Banken legen großen Wert darauf, in welchen Ländern Unternehmen aktiv sind. So kann es z.B. sein, dass ein Hersteller von Medikamenten keine Unterstützung in Form von Krediten erhält, weil er eben diese Produkte z.B. in den Iran exportiert. Somit könnte die Argumentationskette auch dahin führen, dass Telekommunikations-dienstleistungen den Terror unterstützen. Dies sind dahingehend sicherlich interessante Aspekte, deren Gewicht jeder individuell einschätzen sollte.
  • Kostendruck: Wenn wir vergleichen wie der Mobilfunkmarkt bei uns aufgebaut wurde und wie er heute dasteht, so kann man eben diese Entwicklung zeitlich versetzt auch auf die genannten Regionen beziehen. Genau dieser Preisdruck im Zusammenspiel mit ungünstigen Währungskursen hat dafür gesorgt, dass der Umsatz in Q2 um 6% gefallen ist. Das EBITDA ging sogar um 10% zurück. Allein 6 Prozentpunkte dieser 10% waren auf Währungseffekte zurückzuführen. Organisch fielen die Rückgänge deutlich geringer aus.   
  • Aktienrückkauf und Dividende: Die Dividende wird in Südafrika zweimal im Jahr gezahlt, was nichts Ungewöhnliches ist (in den USA oftmals beispielsweise pro Quartal). Die stetige Steigerung  der Gewinnbeteiligung, wie auch ein Aktienrückkaufprogramm sollten mittelfristig interessante Komponente sein, die den Aktienkurs stützen können. Die folgende Grafik verdeutlicht diesen Trend.

Im Fazit:

Afrika als einer der am schnellsten wachsenden Märkte für Mobiltelefone wird auch in Zukunft interessante Wachstumsraten mit sich bringen. Dies spiegelt sich in hoher Kontinuität bei MTN wieder. Dieses Wachstum in Kombination mit einer günstigen Aktie sind absolute Vorteile, die dafür sorgen können, dass sich der Titel in Zukunft langfristig wieder auf den Weg Richtung Norden macht. Eine hohe Dividende mit starker Entwicklung bei allerdings etwas zu hoher Ausschüttungsquote sind attraktive Entschädigungen für den Anleger. Der Preisdruck des Mobilfunkmarktes, ethische Parameter aufgrund der Absatzländer, wie auch Währungseffekte, gegen die sich nicht effektiv abgesichert wurde sind hingegen negative Parameter. Nichtsdestotrotz kann die Aktie unterm Strich interessante Argumente liefern, die eine spannende regionale Diversifikation darstellen und somit einen genaueren Blick wert sind.

Ihr Andreas Meyer


Quelle :www.am-capital.de, www.bloomberg.com, www.reuters.com, www.morningstar.com, www.mtn.com

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