Winnebago Industries stellt ein Produkt her, welches überspitzt dargestellt für den US-Amerikaner wohl ein Abbild des freiheitlichen Glaubens darstellt. Das Wohnmobil als Urlaubsdomizil, das gleichermaßen die Freiheit ermöglicht hinaus in den „Wilden Westen“ (Achtung leichte Ironie) zu reisen, erfreut sich bei zunehmender Anzahl an Kunden großer Beliebtheit. Man muss der richtige Urlaubstyp für einen solchen Trip sein, dann jedoch, so haben es auch Studien gezeigt, bleibt man dieser Variante ein Leben lang treu. Langfristige Kunden also, die mit hoher Wahrscheinlichkeit immer wieder nach Neuerungen fragen, Zusätze benötigen oder ein Modell aus der Vermietung beanspruchen, garantieren eine wiederkehrende Nachfrage. Nichtsdestotrotz hängt das Geschäft stark an der wirtschaftlichen Entwicklung. Schließlich ist ein neues Wohnmobil allemal ein Luxusgut und erst dann notwendig, wenn das Geld dafür über ist. Winnebago Industries profitiert von der wieder angezogenen US-Wirtschaft, sodass seit den Trauerjahren nach 2009 wieder die Kassen klingeln.

Der Chart der Aktie zeigt die Nervenstärke, die man bei diesem Investment auf jeden Fall mitbringen sollte. Nach enttäuschenden Entwicklungen wird das Papier gut und gerne mal auf steile Talfahrt geschickt. Genauso gerne geht es dann aber auch nach oben, wenn erfreuliche Ergebnisse kommen. So sehen wir den jüngsten Anstieg Ende Juni, welcher durch ein Übertreffen der Erwartungen für das Quartal ausgelöst wurde (s. dazu auch subjektiver Betrachtungswinkel). Der RSI (Relative-Strength-Index), welcher überkaufte oder überverkaufte Aktien anzeigt, befindet sich derzeit im neutralen Bereich. Von diesem kurzfristigen charttechnischen Indikator sind daher keinerlei Signale zu erwarten.  

Wie gewohnt wollen wir die größte Aufmerksamkeit auf die fundamentale Betrachtung des Unternehmens legen. Dies geht zum einen sowohl quantitativ als auch qualitativ. Ersteres soll den Anfang machen.

  • Bewertung:  Bei dem Wohnmobil-Hersteller handelt es sich um eine Aktie, welche gerade im Vergleich zur Industrie eher günstig bewertet ist. In allen Parametern ist das Papier der US-Amerikaner derzeit günstiger zu haben, als dies bei der Konkurrenz der Fall ist. Setzt man das Discounted-Cashflow-Model an, welches nicht nur die aktuelle Situation sondern gleichermaßen auch Zinslandschaft und künftige Zahlungsströme mit einbezieht, so ergibt sich ein fairer Wert von ca. 23,31 US$, was einer Sicherheitsmarge von ca. 12,94% entspricht.
  • Dividende:  Wie so oft handelt es sich bei schnell wachsenden Unternehmen nicht um Dividendenschlager. Das ist auch hier nicht der Fall. Der Großteil der Gewinne (nämlich 100% - 17,21% = 82,79%) werden in neue Produktgruppen, Marketing und Vertrieb eingesetzt.
  • Kapitalstruktur: Dieser Punkt spielt eine besonders hohe Rolle. Mit einer sich stetig verbesserten EK-Quote von mittlerweile knapp über 60% steht das Unternehmen auf stabilen Füßen. Besonders bemerkenswert ist, dass Winnebago derzeit kaum über Schulden verfügt. Natürlich hat man Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten (dies ist ein völlig normaler Aspekt in der Unternehmensführung und ein Augenmerk der Finanzierung), jedoch sind Bankschulden, Kredite oder Syndizierungen nicht vorhanden. Eine gesunde Kapitalstruktur bedeutet demnach auch Sicherheit für den Investor. Dies ist bei Winnebago, von dieser Front aus, gegeben.
  • Wachstum & Profitabilität: Die folgende Grafik veranschaulicht das eingangs bereits dargestellte Bild. Geht es der Wirtschaft gut, so wächst auch das Unternehmen. In den Krisenjahren nach Lehmann sah dies deutlich schlechter aus. Seitdem jedoch konnte das Unternehmen den Turnaround erfolgreich meistern und wächst nun von Jahr zu Jahr sowohl bei Umsatz als auch Gewinn. Der Consensus der Analystenmeinungen geht dahin, dass dies auch in den kommenden Jahren so weiter gehen soll.

Der subjektive Betrachtungswinkel

  • Achtung Überraschung: Wenn Unternehmen ihre Zahlen melden, stehen diese direkt im Vergleich zu den Analystenschätzungen. Treten diese ein, hat es meist keinen allzu großen Einfluss. Werden diese jedoch übertroffen kann die Aktie explodieren. Dieser Effekt wirkt jedoch gleichermaßen in die andere Richtung. Winnebago hingegen schafft es immer wieder die Analysten zu überraschen und übertrifft die vorher getroffenen Schätzungen, was die folgende Grafik veranschaulicht.
  • USA: 93% der Umsätze werden in den USA generiert. Daher ist die wirtschaftliche Entwicklung im Land der unbegrenzten Möglichkeiten besonders wichtig. Ein Investor dieser Aktie, sollte diese also stets ganz genau im Auge behalten. Eine Zinswende, die nun wohl doch erst im Dezember kommt, deutet im Umkehrschluss daraufhin, dass die US-Wirtschaft scheinbar doch noch nicht derart zu laufen scheint.
  • Vorstand: Seit 2015 ist Robert J. Olson neuer CEO des Unternehmens. Ein neuer Vorstand bringt neue Chancen, wie jedoch auch neue Risiken mit sich. Als 64 Jahre alter Manager ist er in der Branche gut vernetzt, was hier sicherlich einen immensen Vorteil ausmacht. Der Innovationsfortschritt ist bei Wohnmobilen sicherlich nicht dermaßen hoch, wie dies z.B. in der Software oder Internetwelt der Fall ist. Nichtsdestotrotz muss er sich seine Sporen erst verdienen, weswegen man auch diesen Wechsel gerade in jüngerer Zukunft näher beobachten sollte.

Im Fazit:

Alles in allem ist Winnebago Industries ein günstiger Titel mit stabiler Kapitalstruktur und interessantem Wachstumsbild. In Sachen Profitabilität muss man sich weiter verbessern, hat jedoch bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass man in der Lage ist hier für Überraschungen zu sorgen. Ein neuer CEO muss sich in diesem Posten erst beweisen und das Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich durch die oftmals holprige US-Wirtschaft lenken. Unterm Strich sollten die positiven Argumente jedoch auf der Hand liegen, weswegen ein genauerer Blick sicherlich lohnend ist.

Ihr Andreas Meyer


Quelle :www.am-capital.de, www.bloomberg.com, www.reuters.com, www.morningstar.com,

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