Bedenken über ein Platzen der größten Immobilienblase in Australiens Landeshistorie verschärfen sich in diesen Tagen. Insbesondere die Metropole Melbourne wird wohl das Epizentrum dieser potenziell platzenden Blase bilden, wie sich Experten an Australiens Häusermärkten überzeugt zeigen. Bei Licht besehen sei jedoch keine Metropole des Landes davon ausgenommen, da der Überhang an Hypothekenkrediten auf Basis einer rücksichtlosen Kreditvergabe durch das heimische Bankensystem seines Gleichen suche.

Künstliche Immobilien-Verknappung

Immer mehr Beobachter kritisieren sowohl die heimische Immobilienindustrie als auch eine ganze Reihe von Politikern, die sich weigerten die Existenz einer immensen Blase an den heimischen Häusermärkten anzuerkennen. Immer wieder werde auf das Argument verwiesen, dass in Australiens Metropolen angeblich ein Mangel an Immobilien bestünde.

Wie in der Vergangenheit ausgeführt, handelt es sich jedoch zumeist um eine künstliche Verknappung, da Lokalregierungen einfach nicht genügend Bauland ausweisen. Manche Ökonomen gehen gar so weit, die Behauptung aufzustellen, dass es an den heimischen Immobilienmärkten längst schon ein Überangebot an Häusern gäbe.

Die aktuelle Situation wird dabei nicht selten mit derjenigen in den Vereinigten Staaten vor dem Platzen der Häuserblase im Jahr 2006 verglichen. Laut der Kritiker soll Victoria über das größte Überangebot an Immobilien verfügen. Individuelle Schätzungen haben Annahmen zur Grundlage, dass die Bestände hier bereits um etwa 125.000 Einheiten höher lägen als die Nachfrage.

Im Gegensatz zu den Expertisen und Analysen der einschlägigen Interessengruppen, deuten diese alternativen Daten klar und deutlich darauf hin, dass sich Australien inmitten der größten Häuserblase in der Landeshistorie befindet. So geht man bei dem Analysehaus LF Economics davon aus, dass es die Umsetzung dringend notwendiger Reformen an den Häusermärkten sein wird, welche die Blase letztendlich zum Platzen bringen wird.

Und Australien blickt auf eine ganze Reihe von geplatzten Häuserblasen zurück, ist in diesem Bereich somit reich an Erfahrungen. Statistiken zeigen, dass eine platzende Immobilienblase die Anzahl der unverkauften Objekte und Bestände sehr schnell in die Höhe schießen lassen kann. Laut LF Economics werde allein schon durch diesen Aspekt der Mythos von einer auf ewig bestehenden Knappheit entzaubert.

Eine ganze Reihe von Entwicklungen bedingen sich in einem solchen Fall gegenseitig. Einerseits werden Arbeitslosigkeit und der Grad der Unterbeschäftigung zulegen, was mit einer deutlichen rückläufigen Nachfrage Hand in Hand gehen wird. Australien dürfte sich ab diesem Zeitpunkt auch nicht mehr als Auswanderungsmagnet in der Welt erweisen.

Mietpreise unter Druck

Das dadurch bedingte Überangebot an Investitionsobjekten wird die Mietpreise verstärkt unter Druck setzen. Sinkende Immobilien- und Mietpreise – inklusive rückläufiger Verkäufe – werden sich für Investoren äußerst negativ auswirken, da diese sowohl unter deutlichen Kapitalverlusten als auch einem starken Rückgang der Nettomieteinnahmen leiden werden.

Analysen und Studien zeigen, dass insbesondere die Metropole Melbourne besonders stark von einer solchen Entwicklung betroffen sein dürfte. Auf realer Basis sind die Mieten dort seit dem Jahr 2010 nicht gestiegen. Melbourne blickt unterdessen auf einen Boom im Hinblick auf seine Häuserpreisentwicklung, die in der aktuellen Phase um knapp 180% zulegten.

Analysten sind davon überzeugt, dass die Häuserpreise auch in allen anderen Metropolen des Landes in den vergangenen Jahren hochgradig inflationiert wurden. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Häuserpreise in Relation zu den erzielenden Mieten, den Einkommen, der Inflation und der BIP-Entwicklung gesetzt werden. Mittel- bis langfristig, so die Bedenken, können die Immobilienpreise gar nicht anders, als sich an diese zugrundeliegenden Realitäten und harten Fakten anzupassen.

Warnendes Beispiel USA

Selbst Australiens Zentralbank warnte in den letzten zwölf Monaten wiederholt vor anhaltenden Spekulationen an den heimischen Häusermärkten. Gouverneur Glenn Stevens forderte seine Landsleute dazu auf, sich darüber bewusst zu werden, wie sich eine platzende Häuserblase auf die ohnehin angeschlagene Wirtschaft Australiens auswirken würde.

Wie damals in den USA, so haben rücksichtslose Kreditvergabepraktiken nun auch in Australien ihren Anteil an der vorherrschenden Situation. Laut vieler Analysten haben die australischen Immobilienmärkte eine künstlich generierte Nachfrage erfahren, die allein durch das heimische Banken- und Finanzsystem angekurbelt worden sei.

Viele Banken haben astronomisch hohe Kredite an private Spekulanten vergeben, wodurch die Häuserpreise aufgepumpt wurden. Auf diesen fahrenden Zug sprangen – wie so oft – irgendwann immer mehr Käufer auf. Kein Wunder, dass es insbesondere die Vertreter von Banken und aus der Politik waren, die wiederholt darauf hinwiesen, dass steigende Preise auf einem Mangel an Objekten und Bauland beruhten

Der immense Überhang an Hypothekenkrediten gefährdet nicht nur die Immobilienindustrie, sondern auch Australiens Ökonomie als solche. Die aktuellen Vorschläge zur Reformierung der heimischen Immobilienmärkte reichen von der Einführung einer Provinz- und Landsteuer über die Einführung einer Verkehrswertsteuer bis hin zu etwaigen Sonderabgaben, die auf Hauseigner zukommen könnte. Es sind eben jene Punkte, die dafür sorgen könnten, die Blase zum Platzen zu bringen.