Rentenabschläge bei vorzeitiger Inanspruchnahme einer Rente wegen Alters lassen sich vermeiden:

Bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze können Rentenminderungen durch die vorzeitige Inanspruchnahme einer Rente wegen Alters durch Zahlung von Beiträgen ausgeglichen werden (§ 187a Abs. 1 S.1 SGB VI). Somit ist auch bei vorzeitigem Rentenbeginn eine volle Rente möglich.

Berechnungsbeispiel:

Ausgangspunkt der Berechnung sind Ihre persönlichen Entgeltpunkte. Für jeden Monat der vorzeitigen Inanspruchnahme der Altersrente wird ein Abzug von 0,30 Prozentpunkten (= 0,003) vorgenommen.

Weist Ihr Rentenkonto beispielsweise 40 Entgeltpunkte aus und Sie möchten 3 Jahre früher in Rente gehen, erfolgt ein Abzug in Höhe von 4,32 Entgeltpunkten.

Rechenweg:

 

a) Ermittlung des korrigierten Zugangsfaktors der vorzeitigen Rente:

 

1 (Zugangsfaktor gem. § 77 Abs. 2 Nr. 1 SGB VI) - 36 (Monate) x 0,003 = 0,892 (Zugangsfaktor vorzeitige Rente)

 

b) Ermittlung abzuziehende Entgeltpunkte:
40 - 0,892 x 40 = 4,32 abzuziehende Entgeltpunkte für 36 Monate

 
 

c) Errechnung Ausgleichszahlung;

 

Die Ihnen abgezogenen Entgeltpunkte sind mit dem Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung und dem aktuellen Jahresdurchschnittseinkommen zu multiplizieren und durch den Zugangsfaktor Ihrer vorzeitigen Rente zu dividieren:

Ergebnis: Bei einem um drei Jahre vorgezogenen Rentenbeginn sind 32.845,22 Euro an die Rentenversicherung zu zahlen, um Rentenabschläge zu vermeiden.

Rentabilität der Ausgleichszahlung

Am 01.07.2016 beträgt der Rentenwert, der einem Entgeltpunkt entspricht, 30,45 Euro. Bei Zurechnung von 4,32 Entgeltpunkten erhöht sich die Monatsrente somit um 131,54 Euro. Demgegenüber steht der vorgenannte Kapitaleinsatz in Höhe von ca. 33.000,00 Euro. Die Verzinsung des eingezahlten Kapitals beläuft sich immerhin auf 4,80 Prozent jährlich.

Jedoch ist die konkrete Rentenbezugsdauer unbekannt. Die statistische Lebenserwartung ist ein Durchschnittswert, der sich persönlichen Überlegungen nur bedingt zugrunde legen lässt (Jahr 2014: Männer 65 noch 17,69 Jahre / Frauen 65 noch 20,90 Jahre). Bereits ohne Verzinsung müsste der Rentenbezieher nach Rentenbeginn noch 21 Jahre leben, um den Kapitaleinsatz aufzuzehren.

Dauerhafte Rendite?

Problematisch ist, dass der Ruheständler vorgenanntes Kapital ausschließlich auf die eine Karte „gesetzliche Rentenversicherung“ setzen würde. In welcher Höhe künftig Rentenzahlungen erfolgen, vermag heute niemand mit Sicherheit zu sagen. In Zeiten negativer Kapitalmarktzinsen lässt sich wohl noch nicht einmal ausschließen, dass sich der vorstehender Berechnung mit zugrundeliegende Rentenwert einmal rückläufig entwickeln wird.

Steuern

Jedoch sind Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung innerhalb geltender Höchstgrenzen als Sonderausgaben von der Steuer absetzbar (§ 10 Abs. 1 Nr. 2a EStG). Diese sind an die jährlichen Höchstbeiträge zur knappschaftlichen Rentenversicherung gekoppelt (10 Abs. 3 S. 1 EStG).

Der Beitrag in der knappschaftlichen Rentenversicherung errechnet sich aus dem Beitragssatz (2016: 24,80 %) und der Beitragsbemessungsgrenze (2016: 7.650 Euro/West - 6.650,00 Euro/Ost monatlich).

Resümee

Unter Zinsgesichtspunkten ist die Ausgleichszahlung interessant. In Anbetracht der langen Rentenbezugsdauer, die zum Aufzehren des Einmalbetrages erforderlich ist, lässt sich jedoch nur schwer einschätzen, ob sich die Investition lohnt. Unbekannt ist im Weiteren, wie hoch künftige Rentenwerte ausfallen werden. Unter Berücksichtigung des persönlichen Steuersatzes und der durchschnittlichen Lebenserwartung lässt sich die Rendite näher konkretisieren aber nicht bestimmen.