Wenn Bondikone Jeffrey Gundlach spricht, hören Investoren rund um die Welt aufmerksam zu. Auch dem Chef von DoubleLine Capital scheint nicht entgangen zu sein, unter welchen Abgabedruck die Junkbond- und Ramschanleihemärkte in den vergangenen Wochen geraten sind. Es sei unfassbar, so Gundlach, dass die Federal Reserve im aktuellen Marktumfeld und im Angesicht einer rapiden Verschlechterung der Lage an den Rohstoff-, Hochzinsanleihe- und Kreditmärkten eine Zinsanhebung am 16. Dezember überhaupt nur in Erwägung zöge.

So warnte Jeffrey Gundlach am Dienstag in einem Webcast davor, dass der Ausblick auf eine Zinsanhebung der Federal Reserve nicht nur die Märkte für Hochzinsanleihen im Besonderen, sondern auch die Kreditmärkte im Allgemeinen stark unter Druck gesetzt habe. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass insbesondere Aktienanleger vorsichtig agieren sollten, wenn es an den Junkbondmärkten zu Kursrutschen kommt.

Wie die Rohstoffmärkte hatten sich die Hochzinsanleihemärkte in der Vergangenheit oftmals als Taktgeber für die Entwicklung von anderen Marktsegmenten erwiesen. Blicke er, so Gundlach in seinem Webcast, auf die Junkbondmärkte, so blicke er auf ein Gemetzel. Seiner Ansicht nach sei es trotz allem noch zu früh, um einen Wiedereinstieg in Hochzinsanleihen in Erwägung zu ziehen.

Dies gelte insbesondere auch für ausstehende Schuldpapiere im Energie- und Ölsektor. Er halte sich von Dingen fern, die an jedem einzelnen Handelstag weiter im Preis fielen, so der DoubleLine Chef. Gundlach zählt sich zum Camp der Mahner in Bezug auf eine potenzielle Zinsanhebung der Federal Reserve.

Dies gelte vor allem unter Berücksichtigung der Tatsache, dass eine wachsende Anzahl von Anlageklassen auf sich teils merklich verschlechternde Marktbedingungen hindeuteten. Dazu gehörten allen voran die Rohstoffmärkte, an denen in den vergangenen Wochen und Monaten neben dem Öl- und Gassektor auch der Basismetallbereich stark unter die Räder gekommen ist.  

So hat der Kupferpreis seit Sommer 2014 seine Talfahrt fortgesetzt und seitdem nochmals rund 40% an Wert eingebüßt. Gleichzeitig ließe sich, so Gundlach, feststellen, dass das zu beobachtende Handelsvolumen an den US-Aktienmärkten vielleicht das schlechteste jemals gemessene Verhältnis aufweise.

Sie erinnern sich, was ich Ihnen dazu in meinem Bericht zum Tod von Richard Russell mit auf den Weg gegeben hatte? Wenn nicht, lesen Sie hier ruhig noch einmal nach. Angemerkt sei hier, dass sich Russell bereits seit Frühjahr dieses Jahres auf Basis seiner zum Einsatz gekommenen Indikatoren davon überzeugt zeigte, dass das Smart Money den Retailinvestoren Aktien im Paket in die Hände werfe, und somit eine ernsthafte Aktiendistribution an den US-Aktienmärkten vor sich ginge.

Nun, wie dem auch sei, laut Gundlach handele es sich im Fall der Rohstoffmärkte um die „Witwenmacher“ für die Gesamtmarktentwicklung. Dieser von Hedgefondsikone Kyle Bass entliehene Begriff könnte unter Umständen als verklausuliertes Synonym für einen möglichen Gesamtmarktrückgang genutzt worden sein. Wer weiß. 

Denn, so Gundlach, sei es im aktuellen Finanzmarktumfeld schlichtweg kaum zu glauben, wie man bei der Federal Reserve überhaupt nur einen Gedanken an potenzielle Zinserhöhungen verschwenden könne. Dies gelte vor allem im Hinblick auf die ohnehin bereits problematische Lage an den Märkten für Hochzinsanleihen und den Märkten für Fremdfinanzierungen. Zum aktuellen Zeitpunkt sind die Kurse der mit CCC eingestuften Junkbonds auf Multijahrestiefs gesunken. Ich bin im gestrigen Bericht zu den Ölmärkten und Kinder Morgan auch am Rande auf die Junkbondmärkte eingegangen.

Seit dem im Frühsommer 2014 ausgebildeten Hoch haben die Junkbondmärkte mehr als 20% an Wert eingebüßt, womit diese sich technisch gesehen wieder in einem Bärenmarkt befinden. Trotz des nur äußerst schleppenden Wirtschaftswachstums in den Vereinigten Staaten und einer sich merklich abkühlenden Weltwirtschaft sei die Fed wohl dazu bereit, den Leitzins anzuheben, so Gundlach.

Und dies nur, weil sich das Fed-Board in verbalakrobatischer Kommunikationsweise in eine solche Situation und Erwartungshaltung der Märkte selbst hinein buxiert habe. Sollte die Fed in der kommenden Woche tatsächlich ihren Leitzins um 25 Basispunkte anheben, werden wir am nächsten Morgen in einer anderen Welt aufwachen, so Gundlach weiter.

Erinnern Sie sich bitte daran, dass jeder Zinsschritt (0,25%) der Federal Reserve den globalen Finanzmärkten bis zu $800 Milliarden an Liquidität entziehen würde. Die Federal Reserve sollte sich, so Gundlach, ein Beispiel an der schwedischen Riksbank nehmen. In den Jahren 2010 und 2011 startete die Riksbank ihren Zinsanhebungszyklus, nur um zu erkennen, dass dieser Kurs wieder ganz schnell revidiert werden musste, worauf vehemente Zinssenkungen einsetzten.

Heute bedient sich die Riksbank gar eines eigenen QE-Programms zur Schwächung der schwedischen Krone und senkte den eigenen Leitzins in negatives Terrain ab. Der Federal Reserve, so Gundlach weiter, könne es ganz schnell genauso gehen. Es fragt sich, wie groß der Schaden sein wird, den die selbst kreierte Sackgasse der Fed und anderer Zentralbanken zu diesem Zeitpunkt bereits verursacht haben wird. Ein Blick auf die aktuelle Lage an den Rohstoff- und Junkbondmärkten verheißt gewiss nichts Gutes...