Viel tut sich nicht mehr auf dem griechischen Grundstücks- und Häusermarkt. Er liegt am Boden und es wird nachgetreten.

Neuerdings muss jeder Immobilienkäufer darlegen, wie er die Kaufpreissumme beschaffen konnte.

„Nun“, könnte man sagen, „nicht weiter schlimm.“ Für uns deutsche Steuermelkkühe sind solche Ambitionen des Fiskus nichts Neues. Also warum sollte nicht auch der griechische Fiskus nach der Herkunft von Vermögen fragen dürfen?

Wie so oft steckt auch hier der Teufel im Detail.

Der griechische Fiskus orientiert sich bei seiner Aufforderung nach dem „Vermögensnachweis“ ausschließlich an von ihm selbst festgelegten „Einheitswerten“.

Als deutsche Steuermelkkuh würde man nun sagen: „Ist ja super für die griechischen Käufer. Der Einheitswert liegt doch weit unter dem Verkehrswert!“

Nur in Griechenland eben nicht.

Dort ist es umgekehrt. Der Einheitswert liegt beim doppelten oder noch mehr des tatsächlichen, inzwischen  teilweise in Grund und Boden getretenen Kaufpreises.

Der tatsächliche Kaufpreis interessiert also nicht. Der Vermögensnachweis hat gefälligst zu einem vom Fiskus vorgegeben Wert zu erfolgen.

Käufer, die sich bei den gesunkenen Preisen nun doch wieder aus der Deckung wagten und auf das eine der andere Schnäppchen hofften, hängen mit ihren schon abgeschlossenen Kaufverträgen in der Luft. Die Notare dürfen die Abwicklung nur vorantreiben, wenn der Vermögensnachweis erbracht ist.

Das bedeutet, dass die weniger gut Betuchten, die die Gelegenheit zum Kauf nutzen wollen, nicht zum Zuge kommen, weil sie (da ja weniger gut betucht) den Vermögensnachweis für den irrwitzigen Phantasiewert des Finanzamtes nicht erbringen können.

Damit wird der Immobilienmarkt restlos erstickt.

Oder steckt dahinter vielleicht sogar System, wie es die griechische Internetzeitung „Imerisia“ andeutet?

Makler und Notare sprechen von der Schaffung eines Marktes für “Wenige”. Und zwar für diejenigen, die Immobilien zu besonders niedrigen Preisen erwerben und gleichzeitig mit ihren Einkommen den verlangten Vermögensnachweis liefern können. “Nur jene, die ein signifikantes Einkommen haben, vermögen heutzutage Immobilien zu kaufen. Für die Verkaufsgeschäfte geringeren Wertes, in welche hauptsächlich jene involviert sind, die niedrige oder mittlere Einkommen haben, scheitern die Verträge an den hohen Einheitswerten und dem Vermögensnachweis, der nicht erbracht werden kann“, betont der Immobilienberater der Gesellschaft Lead & Co., Athanasios Lingos.

Der griechische Immobilienmarkt befindet sich seit nunmehr 4 Jahren in der Deflation.

Schon mehrfach konnte in der Historie beobachtet werden, dass inflationären Phasen, deflationäre vorausgingen. In der deflationären Phase, also bei fallenden Preisen, haben die Vermögenden die Chance ihr Vermögen zu mehren, wogegen die mittleren und unteren Schichten Vermögen und Arbeit verlieren.

Dieser Vorgang kann nun wunderbar in der Gegenwart in Griechenland beobachtet werden.

Vor deflationären und inflationären Phasen muss man sich aber nicht nur in Griechenland in Acht nehmen. Deshalb gilt auch bei Immobilieninvestments in Deutschland: „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“.


Hinweis des Autors: Damit Käufer, die heute in Deutschland in Immobilien investieren, ihr Vermögen nicht schon morgen wieder los sind, habe ich mein Buch „Vermögenssicherung im Euro-Desaster, Der kritische Immobilienkurs“  geschrieben.