• Worauf Anleger achten müssen, um in Zukunft solide von riskanten geschlossene Konstruktionen zu unterscheiden.

  • Zeitbombe Kombimodelle: Warum der Fiskus bei notleidenden Fonds ein zusätzlicher Problemfaktor werden könnte.

Unabhängig, ob es nun ein geschlossener Schiffsfonds, ein geschlossener Immobilienfonds oder einer zur Finanzierung eines Windparks ist: Das Konstrukt und die damit verbundenen Probleme und Risiken sind häufig ähnlicher als die verschiedenen Investitionsobjekte erwarten lassen. Entsprechend kann man aus dem Schiffsfonds-Debakel einiges für die Zukunft lernen. Um auch unter erschwerten Einkaufsbedingungen eine überdurchschnittliche Rendite ausweisen zu können, griffen die Emittenten hier schließlich zu einer Methode, die auch in anderen Wirtschaftsbereichen gerne genutzt wird: Sie hoben einfach die Fremdkapitalquote an. Wie sich das auf die ausweisbare Eigenkapitalrendite auswirkt, zeigt das folgende Rechenbeispiel:

Zusätzlich wurden Darlehen noch in den damaligen Niedrigzinswährungen Schweizer Franken und Japanischer YEN aufgenommen. Ergänzend wurde noch in vielen Fällen die Tilgung reduziert, um den Anlegern die gewohnten Renditen ausweisen zu können.

Das zeigt, dass die ausgewiesene Prognoserendite bzw. Ausschüttung geschlossener Fondsanlagen nur begrenzt für die Risikoeinschätzung taugt. Ein „7-Prozenter“ mit geringem Fremdkapitalanteil aus einer Zeit niedrigerer Einkaufspreise kann deutlich weniger gefährdet als ein „7-Prozenter“ dessen Ausschüttungsprognose mit einem hohen Anteil an Fremdkapital und einer niedrigen Tilgung schön gerechnet wurde.

Insofern gilt: Die isolierte Betrachtung von Ausschüttung und Rendite sagt nichts aus. Fremdkapitalanteil und Tilgungsmodalitäten sind besonders in der aktuellen Niedrigzinsphase und dem allgemeinen Anlagenotstand genau zu prüfen.

Steuertrick mit Spätfolgen

Bis 2005 wurden viele geschlossene Schiffsfonds als sogenannte „Kombimodelle“ konstruiert.  In den ersten Jahren wurde so viel wie möglich  abgeschrieben und es entstanden in der Regel Verluste, die steuerlich absetzbar waren. Dann wurde in die günstige „Tonnagebesteuerung“,  gewechselt. Hier wird nicht mehr der tatsächlich angefallene Gewinn besteuert. Vielmehr wird ein fiktiver Gewinn angenommen, der sich grob danach bemisst, wie groß der Laderaum des Schiffes ist. Der kommunizierte Vorteil für die Anleger: Diese Besteuerungsart ist normalerweise deutlich günstiger – die Steuerlast fällt also niedriger aus.

Das Modell birgt allerdings ein Risiko, das vielen Anlegern nicht bekannt ist: Beim Wechsel von der „normalen“ Besteuerung zur Tonnagesteuer wurde die Differenz aus Buchwert und geltendem Marktwert des Schiffes festgeschrieben. Der Differenzbetrag wird steuerwirksam, sobald das Schiff verkauft bzw. die Beteiligung aufgelöst wird. Nun wurde der Buchwert in den ersten Jahren meist so stark nach unten gefahren wie steuerrechtlich möglich. Der Marktwert von Containerschiffen war insbesondere in den Boomjahren 2006 - 2008 dagegen relativ hoch. Sollte jetzt einer der damals so beliebten Kombifonds gezwungen sein, sein Schiff / seine Schiffe zu verkaufen, wird der Erlös mit großer Wahrscheinlichkeit deutlich niedriger ausfallen als der einst festgesetzte Verkehrswert. Im schlimmsten Fall reicht der Verkaufspreis nicht einmal aus, um die Steuerschuld zu tilgen. Dann käme auf die Gesellschafter sogar eine Steuernachzahlung zu.

Fazit:

Ungünstige Kombinationen von Einkaufspreis eines Vermögenswertes (Immobilie, Schiff, usw.) zu langfristig realistisch erzielbaren Erträgen (Miete, Charter usw.) können zwar durch die genannten Aspekte optisch verschönert werden, aber in vielen Fällen erhöht sich durch die schöne Optik das wirtschaftliche Risiko.