Die Argumente gegen das Bargeld werden alle paar Monate in allen Gazetten ausgebreitet. Die Betonung der stets gleichen Punkte macht die genannten Argumente jedoch nicht stimmiger. Ohne Bargeld gäbe es weniger Terror heißt es. Es gäbe weniger Geldwäsche oder ganz allgemein formuliert mehr Sicherheit. Zudem würde die Wirtschaft endlich wieder laufen. Das alles klingt höflich formuliert naiv.

Kürzlich hatten wir das zweifelhafte und kurze Vergnügen mal wieder in der Süddeutschen zu blättern (zum Glück kostenlos). Es bestätigte sich der Eindruck, dass die Skala der Trostlosigkeit nach oben offen ist und die GMX-Startseite offenbar zum Konvergenzkriterium vieler Tageszeitungen geworden ist. Ein Artikel unter dem Titel „Pro und Contra zum Bargeld“ breitete sich auf einer ganzen Seite aus. Der Artikel ist uns nicht auf Grund der Qualität aufgefallen, sondern weil es interessant ist, welche Themen dem emsigen Leser alle paar Monate präsentiert werden. Es ist mal wieder so weit.

Wir halten nichts von der staatlich verordneten Abschaffung des Bargeldes. Wenn die Bürger es nicht mehr benutzten wollen, wird man es schon merken. Den Eindruck hat man in Deutschland bisher nicht. Das Gegenteil ist der Fall.

Die Argumentation für die Abschaffung des Bargelds stützt sich meist auf die folgenden Argumente.

1. Bargeld helfe vor allem Kriminellen

Das klingt so, als würde in der digitalen Geldwelt alles mit rechten Dingen zugehen, was mitnichten der Fall ist. So hat die digitale Welt viele kriminelle Machenschaften erst ermöglicht. Das spricht nicht gegen die Nutzung der Technologie, man sollte nur nicht so tun, als ginge es um weiß und schwarz.

Das Argument „jedes Jahr werden in Deutschland rund 100 Milliarden Euro gewaschen“ bezieht sich vermutlich wie der im Artikel folgende Hinweis auf den Kauf von Immobilien wohl kaum nur auf das Bargeld. Ein Kauf von Immobilien für ein paar Millionen Euro, der mit Bargeld abgewickelt wird, dürfte eher eine Seltenheit sein. Auch Geldwäsche funktioniert eben viel besser digital. Vor diesem Hintergrund ist es doch interessant, dass mittlerweile, der aktuellen Einreisewelle sei dank, ja so gut wie jeder in Deutschland ein Konto aufmachen kann, wenn er, verinfacht gesagt, irgendein Dokument mit dem Bundesadler vorweisen kann. Glauben Sie nicht? Hier das Rundschreiben der BaFin.

Man darf sich wundern, wie unwichtig plötzlich offenbar die Verhinderung der Geldwäsche ist, deren Bedeutung sonst immer sehr hoch gehängt wird. Das Bleiberecht ersetzt eine eindeutige Identifikation. Bemerkenswert. Für den Normalbürger bleiben natürlich sämtliche Anforderungen so wie sie waren. Der Sicherheit halber, Sie verstehen.

2. Bargeld sei unsicher

Angesichts des nicht eben seltenen Diebstahls von Kreditkartendaten und sonstiger digitaler Spielereien wie Phishing und Co. bereiten uns derartige Gefahren wesentlich mehr Sorgen als der Diebstahl von zwanzig Euro, die man in der Hosentasche hat. Gegenüber dem normalen Bankraub hat der digitale natürlich positive Seiten, wie etwa das Ausbleiben der Personengefährdung. Angeblich überwiegen die Risiken des Bargeldeinsatzes denjenigen des digitalen Transfers. Das würden wir gerne einmal bestätigt sehen. Wie wäre es mit der rechtlich bindenden Meldung aller relevanten Fälle von Kartenbetrug und Pin-Diebstahl durch die Banken? Wer mal Stress mit seinen Karten hatte, weiß, wie erpicht manches Institut darauf ist, diesen Vorfall ebenso generös wie leise zu regeln. Die im Artikel genannte Argumentation „gibt es kein Bargeld mehr, gibt es auch kein Problem mehr mit seiner Sicherheit“ ist in seiner Tiefe in etwa auf dem Niveau einer Schularbeit der dritten Klasse. Ohne Wasser kann niemand ertrinken. Da scharrt der Pulitzer Preis sicher schon mit den Hufen.

3. Bargeld sei unpraktisch

Diese Urteil sollte man dem Nutzer überlassen. Wenn der überwiegende Teil der Einkäufe in Deutschland bar abgewickelt wird, dann kann es so schlimm mit der Unbequemlichkeit nicht sein.

4. Bargeld verstärke die Finanzkrise

Das ist trotz der feinen Auswahl an Argumenten unser Lieblingsblödsinn. Jaja, wenn nicht alle Bürger und Firmen ihre Oktrilliarden in den Geldbörsen oder unter dem Kopfkissen horten würden, dann wären wir mitten in einem Riesenaufschwung. Das ist natürlich Unfug.

Als Argument wird herangezogen, die negativen Zinsen würden nicht richtig wirken können, solange es Ausweichmöglichkeiten gibt. Dummerweise bedeutet dies im Unkehrschluss nicht, dass die negativen Zinsen zwingend “funktionieren“ würden, wenn es keine Ausweichmöglichkeiten gäbe. Nun gibt es zum einen immer Ausweichmöglichkeiten, zum anderen ist Geld ja nicht weg, weil es investiert wurde. Das Geld liegt nur woanders. Es ist wie mit der unseligen Debatte um die „Rotation aus Anleihen in Aktien“ oder auch umgekehrt. Eine solche ist technisch nicht möglich. Ebenso wenig ist es möglich, die gesamte globale Asset-Allokation zu verändern. Dieser verändert sich durch den Bestand an emittierten Papieren und deren aktuelle Preisen. Zudem darf man anmerken, dass relevante Investitionen von Firmen wie Daimler oder BASF sicherlich nicht von der Existenz von Bargeld abhängen. In Ludwigshafen wird man nicht drei neue Werke bauen und dies aus Barmitteln finanzieren, die man in Truhen auf dem Werksgelände verbuddelt hatte.

Das Argument, das Bargeld sei schuld daran, dass das Experiment der Negativzinsen nicht funktioniere, ist das Eingeständnis eines gescheiterten Ansatzes und die gleichzeitige Suche nach einem Schuldigen. Das bedeutet leider nicht, dass so etwas beim Fachpersonal in Berlin nicht dennoch aufgeschnappt und womöglich geglaubt wird.

Noch mehr Sicherheit? Weg mit dem Auto!

Vielleicht sollte man aber nicht so kleinkariert sein, die Argumente gegen das Bargeld akzeptieren und auf andere Dinge ausweiten. Wie wäre es mit einem Verbot von Automobilen? Für viele Verbrechen werden Automobile genutzt. Zu den bekanntesten Vergehen dieser Art zählen die Entführung oder der Raub, auch der Bankraub. Müssten alle Täter zu Fuß flüchten, könnte die Polizei sie per Pferd viel schneller einfangen. Auch bei der Beseitigung von Beweisen leistet das Auto vor allem Kriminellen gute Dienste. Wieviele Leichen wurden nicht schon im Kofferraum transportiert. Schluss damit! Der Fahrrad-Gepäckträger bietet hier die nötige Transparenz. Wer nichts zu verbergen hat, braucht auch keinen Kofferraum.

Zudem sind Autos teuer und unproduktiv. Anstatt auch im Verhältnis zum Einkommen sehr hohe Summen durch den Kauf eines zunehmend wertverlustigen Autos mittelfristig zu binden könnten die Konsumenten das Geld anderweitig investieren. Schluss mit der Kapitalhorterei im Konsumbereich! Klar, einer muss die Karren zwar produzieren, aber wir wollen an dieser Stelle nicht tiefer bohren als dies bei den üblichen Argumenten gegen das Bargeld der Fall ist. Der Hang zum übermäßigen Konsum von Autos, die einen auch mit 200 PS und fünf Meter Länge nur von A nach B zu bringen vermögen, hemmt Investitionen und verstärkt somit die Finanzkrise. Also weg damit.

Zudem sind Autos unsicher. Natürlich gilt das wie beim Bargeld nicht für die Sache selbst, aber die Zahl der Verletzten, Toten und Staugestressten geht in die Zehntausende – Jahr für Jahr. Schluss damit. Der sofortige Zwang zum Home-Office muss kommen. Neben dem papierlosen Büro (Schlachtruf der 90er) kommt es so schon bald zum autofreien Parkplatz. Weniger Stolperfallen und nicht nur für Kinder schönere Aussichten sind die Folge. Zudem ergibt sich durch den freiwerdenden Platz enormes Potential für Neubauten, natürlich auch für den sozialen Wohnungsbau. Damit ist die Abschaffung des Automobils nicht nur ein Beitrag zu unserer Sicherheit sondern auch unabdingbar für die soziale Gerechtigkeit.

Für die Argumentation gegen das Bargeld gilt der alte Spruch: Dichter Nebel liegt im Tal, nimm den Fuß vom Gaspedal. Sinnvoller wäre es, die Diskussion um finanzielle Sicherheitsrisiken ehrlich zu führen und nicht im Zuge eines paranoiden Kontrollwahns überzureagieren. Ein Bargeldverbot bringt die Menschen keinen Meter voran. Auch die Problematik der Finanzkrise muss auf anderen Baustellen gelöst werden. Mancher Schmerz lässt sich nicht ewig aufschieben. Ansonsten gilt für die Europäer weiterhin der Schlachtruf „Nichts wie weg mit der Kohle!“

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