Auch an Amerikas Junkbond- und Hochzinsanleihemärkten setzt sich die Talfahrt seit Beginn dieses Jahres fort. Wer in die Historie blickt, erkennt, dass dies ein sehr schlechtes Zeichen für die weitere Entwicklung an den heimischen Aktienmärkte sein dürfte. Der bearishe Trend an den Ramschanleihemärkten hat sich in den letzten Monaten verstetigt und weist keinerlei Anzeichen für eine Trendwende auf. Ganz im Gegenteil weiten sich die Zinsdifferenzen in nahezu allen Sektoren im Vergleich mit amerikanischen Schatzanleihen sehr stark aus.

Dicke Renditen - hohes Risiko

Hochzinsanleihen haben in den vergangenen sechs Monaten negative Renditen von knapp 8% produziert.. Seit Beginn des neuen Jahres stehen -2% zu Buche. Diese Kennziffer ist vor allem unter der Prämisse bedeutsam, da der Monat Januar seit Bestehen des Bank of America Hochzinsanleiheindexes in 25 der letzten 29 Jahre positive Renditen generierte. Auch der S&P 500 Index blickt im Januar auf den stärksten Rückgang der Kurse seit rund sechs Jahren.

Wer die Gewinnentwicklung in Amerikas Unternehmenssektor zu Rate zieht, erkennt – wie gestern berichtet –, dass die KGVs der S&P 500 Firmen im Angesicht des Kursrückgangs laut Daten von FactSet trotz allem noch moderat angestiegen sind. Doch Aktienmarktinvestoren könnten die lautstarke Message seitens der Hochzinsanleihemärkte schlussendlich ebenfalls vernommen haben.

Denn in der Vergangenheit erwiesen sich die Hochzins- oder Ramschanleihemärkte jeweils als sehr guter Indikator für die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten. Nicht selten liefen die Kurse an den Junkbondmärkten den Kursen an den Aktienmärkten lange schon voraus. Es gibt keinen Grund davon auszugehen, dass heute alles anders sein soll.

Denn der bearishe Trend an den Junkbondmärkten hat sich in den letzten Monaten verstetigt und weist keinerlei Anzeichen für eine Trendwende auf. Im Gegenteil weitete sich die optionsbereinigte Zinsdifferenz mit Blick auf BofAs Hochzinsanleiheindex zum Ende der letzten Woche auf 776 Basispunkte aus. Zum Ende des Monats Dezember wurden hingegen 695 Basispunkte – nach 525 Basispunkten im Hochsommer – gemessen. 

Damit liegt die optionsbereinigte Zinsdifferenz nun schon mehr als 200 Basispunkte oberhalb von deren historischem Durchschnitt (575 Basispunkte). Der im Zuge des Rohölpreisverfalls höchst angeschlagene Energiesektor hat daran den größten Anteil. Doch es sind auch die sich in China abkühlenden Wachstumsaussichten, die mit zu den Kursrückgängen an den Junk- und Hochzinsanleihemärkten beigetragen haben.

BofAs Energiesubindex weist seit Beginn dieses Jahres eine negative Rendite von -9% auf, während es diese Kennziffer mit Blick auf die vergangenen sechs Monate auf -29% bringt. Viel interessanter noch ist die Tatsache, dass sich der optionsbereinigte Spread im Sektor von Ende Dezember (1.400 Basispunkte) auf 1.570 Basispunkte (15,7%) ausgeweitet hat.

Damit befinden sich weite Teile des Sektors in absolutem Stressterritorium, was für alle ausstehenden Schulden gilt, deren Spread in Relation zu amerikanischen Schatzanleihen mehr als 1.000 Basispunkte aufweist. Damit geht auch die Tatsache einher, dass die Ausfallrisiken an den Junkbondmärkten astronomisch hoch sind. Zuletzt warnte Moody´s Capital Markets vor einer deutlichen Beschleunigung der Zahlungsausfälle.

Darauf weist auch die Tatsache hin, dass in den Vereinigten Staaten ansässige Junkfirmen gerade in höherem Tempo zahlungsausfällig werden als deren Pendants in den Emerging Markets. Im Dezember 2015 erreichte die 12-monatige Ausfallrate in den USA einen Wert von 3,4%. Emittenten in den Schwellenländern lagen hingegen „nur“ bei 3,1%. 

Kein Wunder, dass sich die Neuemissionen von Ramschanleihen in den USA im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat merklich abgekühlt haben – und zwar von knapp $18 Milliarden auf nur noch $6,25 Milliarden. Ein noch größerer Rückgang steht im Vergleich mit derselben Periode des Jahres 2014 zu Buche, in der es zu Neuemissionen in einem Umfang von $28,5 Milliarden gekommen war.

Der Einbruch der Neuemissionen an Amerikas Ramschanleihemärkten indiziert, dass Niveaus erreicht worden sind, die zuletzt in den vergangenen drei Rezessionen zu beobachten waren. Und so warnen Analysten und Ratingagenturen davor, dass die Verschuldungsaktivitäten an den Hochzinsanleihemärkten darauf hindeuteten, dass der aktuelle Kreditzyklus seinen Hochpunkt überschritten hat.