Auf der nicht mehr ganz so fröhlichen Renditejagd lauert weiterhin so manches Bäreneisen auf die Anleger. Während einige vorsichtige Jäger und Sammler einen weiten Bogen um die gut sichtbaren Fallen machen, stürzen andere beherzt auf sie zu. Bis es schnapp macht...

Illiquidität… Dieser Begriff vereint am Finanzmarkt seine schlichte Einfachheit mit dem allgemeinen Unverständnis vieler Anleger. Am Finanzmarkt werden wie am Kunstmarkt bereits Preise bezahlt, die man in vielen Fällen durchaus Knappheitspreise nennen kann.

Eine wachsende Schar Anleger jagt eine immer kleinere Menge an Anlagen, die eine bestimmte Rendite versprechen.  Es ist wie bei einer Auktion am Ende eines langen Kunstbooms. Auf Grund des knappen Angebots steigen die Preise, obwohl die Qualität der Bilder oder Vasen immer schlechter wird. Hauptsache, man hat noch eine Vase aus Xin-Dong, denn die Preise für Vasen aus Xing-Dong sind in letzten Jahren beachtlich gestiegen.

Das oft wohklingende englische Wort „priceless“ wird gerne verwendet, wenn von Kunstwerken die Rede ist. Dies kann natürlich im Fall der Fälle auch bedeuten, keinen Preis zu erhalten. Das wiederum ist nicht ganz so wohlklingend, wenn man Geld braucht.

Die Preise für diese Vasen sind gestiegen, weil immer mehr Menschen mit mehr Geld aggressiver für diese Vasen geboten haben. Die Vasen sind die gleichen und wenn sich nicht kaputt gehen, können sie in Ruhe vor sich hin altern. Die Preise können steigen oder auch kollabieren. Mal ist ein Maler in Mode, mal ist er es nicht.

Nichts hält für immer und wenn niemand sich mehr für die Vasen interessiert mag der ideelle Wert hoch sein, der Preis, den man bekommt wird tief sein. Falls jemand bietet. Vielleicht steigen die Preise wieder, wenn Xin-Dong wieder in Mode kommt, aber in der Zwischenzeit hockt der Vasenbesitzer möglicherweise auf einem unersetzbaren Kunstschatz. Verkaufen kann er ihn aber nicht. Er besitzt eine illiquide Anlage.

Am Finanzmarkt sieht es ähnlich aus.

Fast wie auf einer Kunstauktion scharen sich die Bieter um illiquide Geldanlagen, die ein paar Pünktchen mehr Rendite versprechen. Mal ist es eine Anleihe aus einem private placement, für die es möglicherweise nach der Platzierung keinen Markt gibt. Ein anderes Mal ist es ein Fonds, der sich mit Krediten unbekannter Qualität vollgesogen hat. Möglicherweise darf es auch Vehikel sein, dessen Gründer in ihrem unermesslichen Ratschluss Beteiligungen an nicht gelisteten Firmen erwerben.

Die Problematik ist die Gleiche.

Das Papier ist während der Laufzeit nicht oder nur mit großen Verlusten (die die so ersehnte Wunschrendite oft deutlich übersteigen) zu verkaufen. Oft ist nicht einmal die Laufzeit begrenzt, was die Länge des Schmerzes auf das Minimum an Restlebensdauer des Besitzers und realer Restlaufzeit des erworbenen Papiers einschränkt. Benötigt der Besitzer vor dem Ende der Laufzeit Geld, kann das Papier aber nicht liquidieren, hat er ein Problem.

Die Kehrseite der paar zusätzlichen Renditepunkte zeigt dem Käufer ihr nicht so schönes Gesicht und es wird sonnenklar, warum Illiquidität und Insolvenz zwar nicht gleich aber doch gefährliche Geschwister sind. Beides kann finanziell tödlich sein.

Der Anleihemarkt zeigt derzeit, wie ein größeres Problem in der Entstehung aussieht. Ein wachsender Markt bei deutlich langsamer ansteigendem Handelsvolumen. Jeder Bondhändler wird ihnen gerne bei einer Flasche (oder einer Kiste) Bier ein paar Details zur Lage an den Anleihemärkten schildern. Dieser Markt ist weder der einzige noch der schlimmste Fall. Selbst in den vermeintlich stets liquiden Aktienmärkten zeigt sich in vielen Nischen schon so manches Luftloch.

Für manche Anleger können illiquide Anlagen in angemessenen Umfang sinnvoll sein. Für die meisten gilt jedoch klaren Kopfes darüber nachzudenken, ob ein paar Zehntel eines Prozentpunktes mehr Rendite die Nachteile der Nichthandelbarkeit oder drastischer Kursabschläge rechtfertigen.

Mit wenigen Taten kann man mehr Geld sparen als mit der Vorhaltung ausreichender Liquidität für mehr oder weniger überraschende Ereignisse. Wer nicht weiß, wofür die Liquidität denn nötig sein soll, der sollte an folgendes denken: Überraschungen heißen bekanntlich Überraschungen weil sie überraschend eintreten. Eine schöne Überraschung ist es, wenn man ein bisschen zu viel Liquidität in der Kasse findet.

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