Willkommen zum Marktanalyse-Podcast dieser Woche! Mein Name ist Mike Gleason.

Für diese Ausgabe konnten wir Frank Holmes, CEO und Chief Investment Officer bei U.S. Global Investors und Autor des Buches "The Goldwatcher: Demystifiyng Gold Investing", als Interviewpartner gewinnen. Holmes vertritt einen optimistischen Ausblick auf die Edelmetallbranche und wird sich zu anstehenden Entwicklungen auf dem Gold- und Silbermarkt äußern. Werden wir nach dem starken Start in das Jahr eine rückläufige Entwicklung beobachten? Finden Sie Holmes Antworten auf diese und viele andere Fragen nach der aktuellen Marktanalyse.

Im Fokus der letzten Wochen standen die Notenbanker - sowohl die U.S. Notenbank, als auch die Bank of Japan hatten die Märkte in Aufruhr gebracht, indem sie die (Zins-)Sätze nicht veränderten. Zuletzt gab die U.S. Notenbank bekannt, dass sie darauf verzichten werde, die Zinssätze zu erhöhen, da einige ihrer ökonomischen Indikatoren eine Abwärtsbewegung verzeichnet hatten.

Janet Yellen, Präsidentin des Federal Reserve Board, deutete zwar an, dass eine Zinsabhebung im Rahmen des nächsten Treffens im Juni umgesetzt werden könnte. Allerdings hat Yellen in jüngster Vergangenheit eher mit Worten als mit Taten von sich reden gemacht. Investoren scheinen ihre Aussagen diesbezüglich auch nicht mehr wirklich ernst zu nehmen. Noch Anfang dieses Jahres herrschte unter Notenbankbeobachtern die übereinstimmende Meinung, dass im Laufe des Jahres eine ganze Kampagne zur Ratenerhöhung initiiert werden würde. Diese Erwartungen schwächten sich Ende Januar ein wenig ab, es wurde allerdings immer noch von mindestens vier Erhöhungen gesprochen. Ende März waren es dann noch zwei bis drei, und jetzt ist es eine - oder auch keine.

Zusätzliche Stimuli: Bank of Japan hält die Füße (noch) still

Dem friedlichen Flügel der U.S.-Notenbank wurde vorvergangene Woche ein weiterer Grund zugespielt, untätig zu bleiben. Nach Angaben des U.S.-Wirtschaftsministeriums stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf Jahresbasis berechnet im ersten Quartal um lediglich 0,5%. Unterdessen verzeichnet das Anlagegeschäft einen Rückgang, die globale Nachfrage ist verhalten. Zudem blieben aggressive Stimulierungskampagnen der Zentralbanken in Europa, Japan, und China bisher ohne nennenswerte Auswirkungen auf die Realwirtschaft.

Die Bank of Japan entschied sich zuletzt gegen weitere Stimulierungsmaßnahmen - eine Ausweitung des Anleihenaufkaufs oder eine Zinssenkung noch tiefer in den negativen Bereich wurden ausgeschlossen. Diese Untätigkeit enttäuschte viele Investoren und förderte einen globalen Ausverkauf von Aktienpapieren. Allerdings sorgten diese Ankündigungen für eine deutliche Erholung des Yen, da der U.S. Dollar sich auf neue Tiefwerte zubewegte. 

Die Talfahrt des Dollar trieb die Märkte für Edelmetalle weiter an. Am vorvergangenen Freitag lag der Goldpreis bei $1288 pro Unze - und stieg damit alleine an diesem Tag um $20, und um ganze 4,5% im Laufe der Woche.

Für Gold bisher ein gutes Jahr

Für Gold war es bisher ein gutes Jahr. Momentan wird es allerdings von Silber deutlich in den Schatten gestellt. Die Silberpreise stiegen im Laufe der vergangenen Woche um 5,2% und schlossen bei $17,9 pro Unze. Nachdem der Silbermarkt monatelang dem Goldmarkt hinterhergehinkt war und in einem Kursbereich stecken blieb, der nirgendwo hinzuführen schien, zog er im April deutlich an und schloss mit einem seit Jahren nicht erreichten monatlichen Gewinn von 16%.

Die Tatsache, dass Silber nun die Märkte der Edelmetalle anführt, und die Aktien für Goldförderung neue Jahreshöchstwerte erreichen, obwohl der restliche Aktienmarkt schwächelt, räumt jegliche Zweifel an einer steigenden Kurstendenz aus dem Weg. Die sprichwörtliche Wand der Sorgen wurde überwunden, die Argumente der Pessimisten widerlegt. Als die Wall Street Analysten im vergangenen Dezember davon abrieten, Edelmetalle zu kaufen, weil die Notenbank voraussichtlich eine Verschärfung ansteuere, wiesen wir auf die Schwächen ihrer Analysen hin und zwangen Investoren sie zu ignorieren. Dabei konnten wir noch nicht einmal wissen, dass die Prognosen der Mainstream Experten den absoluten Tiefpunkt der Gold- und Silbermärkte markieren würden.

Niemand kann abschätzen, wie sich die Edelmetallmärkte in nächster Zukunft entwickeln werden. Wir würden deshalb weiterhin einer Skepsis gegenüber Vorhersagen, seien sie optimistisch oder pessimistisch, zustimmen. Ein Kommentar, der Ende März auf einschlägigen Webseiten zum Thema Gold veröffentlicht wurde, warnte davor, dass April ein schlechter Monat für die Metallmärkte werden würde.

Saudische Verantwortung für 9/11-Anschläge sorgt für massive Unruhe

Diese Analyse stellte sich als grundfalsch heraus. Und selbst wenn der Kommentar die Entwicklung richtig vorausgesagt hätte: Welchen Vorteil hätte ein langfristig agierender Investor davon, solchen Vorhersagen Bedeutung zuzumessen? Würden Sie all ihre Barren an einem Tag verkaufen, nur weil ein Analyst der Meinung ist, dass eine kurzfristige Preisanpassung bevorsteht? Ich hoffe nicht.

Diese Märkte sind unvorhersehbar, Unbeständigkeit kann sich in jedem Sektor und zu jeder Zeit unmittelbar ausbreiten. Experten zufolge sollte sich der U.S.-Dollar im Laufe des Jahres festigen, da angenommen wurde, dass die Notenbank die Zinsen erhöhen wird, während der Rest der entwickelten Welt unter negativen Zinsen leidet. Genau das Gegenteil ist passiert. Der Dollar ist erheblich gesunken, und seine Talfahrt könnte sich weiter fortsetzen, wenn Spannungen mit China, Russland, und Saudi-Arabien eskalieren. Unsere angeblichen Verbündeten in Saudi-Arabien drohen momentan damit, große Mengen an U.S.-Vermögenswerten abzustoßen. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie in Ben Swanns Reality Check von vorletzter Woche:

Ben Swann: "Saudi-Arabien hat die Obama-Administration und Kongressmitglieder davor gewarnt, dass U.S.-Staatspapiere im Wert von ungefähr $750 Milliarden verkauft werden würden, wenn der Kongress ein Gesetz verabschiedet, das es erlaubt, saudische Amtsträger für die Anschläge vom 11. September haftbar zu machen. Zudem stellt sich die Frage, ob die Saudis den U.S. Dollar in den OPEC-Ländern als ausschließliche Währung, in der Öl ver- und gekauft wird, schützen? Der Name der Währung ist Petrodollar, das stimmt. Das zu verändern könnte den Kollaps für einen Großteil unserer Wirtschaft bedeuten. Schon viel zu lange befinden sich die Vereinigten Staaten in einer Beziehung mit Saudi Arabien, die mehr als beunruhigend ist. Unter Hinzunahme der hier genannten Fakten kann man sogar sagen, dass die Beziehung wie sie jetzt ist, einen Tages enden muss."

Irgendwann werden die Gold- und Silbermärkte einen Rückgang verzeichnen, ja. Vielleicht sogar einen schwerwiegenden. Allerdings sollte man trotzdem nicht versuchen, diesen vorherzusagen, sondern eher an seiner langfristigen Investmentstrategie festhalten, seine Kernposition nicht aufgeben, und Rückgänge als Möglichkeit sehen, sich nach eigenen Möglichkeiten neu zu positionieren.

Spannendes Interview mit Frank Holmes (CEO und Chief Investment Officer bei U.S. Global Investors)

Nun aber kommen wir ohne weitere Umschweife zum exklusiven Interview dieser Ausgabe.

Mike Gleason: Wir freuen uns sehr, Frank Holmes, CEO und Chief Investment Officer bei U.S. Global Investors, heute bei uns begrüßen zu können. Frank Holmes wurde im Jahr 2006 als Manager des Jahres für Bergbaufonds ausgezeichnet (A.d.R.: Auszeichnung des Mining Journals), und ist Co-Autor des Buches "The Goldwatcher: Demystifying Gold Investing". Er ist zudem regelmäßig zu Gast bei CNBC, Bloomberg, Fox Business, und hier bei unserem Money Metals Podcast.

Herr Holmes, wir freuen uns wie immer sehr, mit Ihnen auf Sendung zu sein. Vielen Dank für Ihr Kommen.

Frank Holmes: Es freut mich, hier zu sein.

Mike Gleason: Die Situation in der Edelmetallbranche ist immer noch äußerst vorteilhaft. Der Goldmarkt war vor allem die ersten zwei Monate diesen Jahres in sehr guter Form und befindet sich seitdem in einer Konsolidierungsphase, obwohl der Silbermarkt stark zugelegt hat. Deshalb macht er momentan als sicherer Hafen von sich reden. Vielen Ihrer Aussagen zufolge ist der Zinssatz ein entscheidender Faktor für die Entwicklungen auf dem Goldmarkt. In einer der letzten Ausgaben Ihres "Frank Talk" haben Sie geschrieben:

"Noch wichtiger für die Preisentwicklung ist jedoch ein negativer Realzinssatz. Immer wenn die Inflationsrate steigt, und kurzfristige Erträge von Staatsanleihen unter 0% sinken lässt, wenden sich versierte Investoren den sicheren, sogenannten 'Hafen-Vermögenswerten' zu, dazu gehört auch Gold. Dieses Phänomen nenne ich Angst-Handel. Im September 2011, als Gold einen Wert von $1900 erreichte, lagen die realen Notenbankanleihen bei ungefähr -4%.

Wenn man diesen Aussagen folgt, kann man dann sagen, dass wir im Moment einen negativen Realzins beobachten? Und wenn ja, wird dieser Ihrer Meinung nach so tief fallen, wie vor fünf Jahren und wird der Goldwert dementsprechend steigen?

Frank Holmes: Das ist eine gute Frage. Es wird vom globalen Handel und Wachstum abhängen. Wenn wir zurück in das Jahr 2011 gehen, als Gold einen Wert von $1900 erreichte, lagen die Notenbankanleihen bei dem genannten negativen Wert. Der Punkt, der viele verunsicherte war, dass wir bisher immer auf den Nominalsatz, den Leitzins, und die Notenbankanleihen geachtet haben. In dieser Zeit, und bis vor kurzem, lagen die Staatsanleihen bei 0%, so wie in fast allen Teilen der Welt. Vor dieser Zeit war es recht einfach: wenn sich die Raten von 8% auf 5% bewegten, oder andersherum, konnte man ablesen, wie sich die nominale Rate veränderte und dementsprechend einen Trend bestimmen. Wenn die Rate allerdings bei 0% liegt, muss man auf die realen Raten achten. Als der Goldpreis $1900 erreichte und anschließend auf $1100 fiel, stiegen die U.S. Raten um 200 Basispunkte. Und jedes Mal, wenn sie von -3% oder -4% auf 2% stiegen, war der Dollar sehr stark.

Der Goldmarkt ist großartig in das letzte Jahr gestartet, schwächelte jedoch schnell, weil die Zinsen positiv waren, sie lagen bei 200 Basispunkten. Sie sind nicht negativ. Werden sie in einen Bereich zwischen -300 und -400 Basispunkte gehen? Ein solcher Wert wäre nötig, um den Goldpreis auf einen ähnlichen Level steigen zu lassen wie 2011. Eine andere interessante Entwicklung ist, dass nach Beweislage ein neuer Aufwärts-Zyklus begonnen hat. In solchen Situationen schaut man auf die vorherigen Zyklen und stellt folgende Fragen: Was ist deren Breite und die Tiefe? Wie lange dauern sie an? Und abhängig von dieser Analyse fragen wir uns dann, wie sich Gold innerhalb der nächsten 3-4 Jahre entwickeln könnte. Es könnte sich wieder einen Wert von $1900 erreichen, das wäre normal für Korrekturen dieser Art.

Wenn wir uns die Amplitude, die Breite und die Dauer der momentanen Rallye anschauen, stellen wir fest, dass der Goldpreis nach dem üblichen saisonalen Hoch, Februar und März, beständig bleibt. Im Gegenteil du den letzten zwei Rallys in 2014 und 2015, die eher Finten waren, stiegen alle Kapitalquoten - selbst eher bei schwach aufgestellten Playern - im vergangenen Quartal um das Doppelte an. Die durchschnittliche Amplitude vergangener Abwärts-Zyklen liegt bei 44%, sie rangierten in einem Bereich zwischen 35% und 65% - in dieser Situation erreichte Gold einen Wert von nur $1050, das war ein Rückgang von 45%. Davon haben wir uns jetzt gelöst.

Die Dauer von Abwärts-Zyklen der Goldpreise variiert zwischen 1,8 und 5 Jahren, der Durchschnitt liegt bei 3,6 Jahren. Wenn wir uns das Hoch im Jahr 2011 anschauen und den Tierpunkt am 17. Dezember 2015, dann ergibt sich daraus eine Dauer von 4,3 Jahren für den letzten Zyklus. Man kann deshalb aufgrund mehrerer Faktoren sagen, dass wir uns jetzt einem steigenden Markt gegenübersehen. Gold erfüllt eine wichtige Funktion, es ist ein sicherer Hafen und eine alternative Währung in Zeiten hoher wirtschaftlicher Unsicherheit. Es wird, wie innerhalb vergangener Zyklen, als Inflationshemmer wirken. Die G20-Gipfel haben nichts mit globalem Wachstum zu tun, es geht vielmehr um gleichgeschaltete Besteuerung und Regulierung.

Als ich vor kurzem Yahoo Finance las, stieß ich auf einen Artikel, der darauf hinwies, dass die Menschen hier in Amerika mittlerweile nicht mehr 'nur' 7,5 Milliarden Stunden damit verbringen, offizielle Formulare auszufüllen, sondern 10,5 Milliarden Stunden dafür benötigen. Für anhaltendes Wachstum ist Stimulierung im Sinne von Fiskalpolitik notwendig - und das bedeutet, dass Regulierungen, Formalitäten, und Besteuerung in Stromlinienform gebracht werden müssen. Was wir erlebt haben, ist allerdings das absolute Gegenteil.

Wenn die Monetaristen sich dann einschalten und jede Menge Geld drucken, und wir trotz des ganzen Geldes wirtschaftlich gesehen nicht am Zug sind, dann landet man bei negativen Zinssätzen. Bis zu einem Wechsel in der globalen Fiskalpolitik, der die Besteuerung und Regulierungen angleicht und vermindert, werden wir mit negativen Zinssätzen leben, und Gold wird dem entsprechend eine gute Klasse für Investitionen sein.



Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung von http://www.valuewalk.com für Cashkurs übersetzt. Den Originalbeitrag finden Sie in englischer Sprache unter http://www.valuewalk.com/2016/05/frank-holmes-chinas-aggressive-program-gold-buying-motion-right-now.

Der zweite Teil dieses spannenden Interviews erscheint am morgigen Mittwochnachmittag (18. Mai 2016) hier auf Cashkurs.