Der seit der Finanz- und Bankenkrise unter staatlicher Kuratel stehende Hypothekenriese Freddie Mac wird morgen seine Ergebnisse für das erste Quartal 2016 präsentieren. Analysten rechnen mehrheitlich mit einem hohen Verlustausweis. Freddie Mac und Fannie Mae wurden auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2008 durch die Washingtoner Regierung quasi-verstaatlicht. Momentan laufen einige Entwicklung zusammen, die für die Häusermärkte in den Vereinigten Staaten abermals Unheil heraufbeschwören könnten.

Seitdem führen beide Konzerne eine Dasein als Warzen des Staates, die den Steuerzahlern des Landes wie Zecken im Pelz sitzen. Im Jahr 2012 modifizierte das US-Finanzministerium den einst vereinbarten Bailout-Deal. Ab diesem Zeitpunkt wurden Freddie Mac und Fannie Mae im Zuge kletternden Häuserpreise dazu verdonnert, alle erzielten Quartalsgewinne direkt an die Regierung abzuführen.

Gleichzeitig wurde beiden Hypothekenriesen zur Auflage gemacht, deren Finanzreserven bis zum Jahr 2018 auf Null zu schrumpfen. Im Februar dieses Jahres erklärte Mel Watt, Chef der für Fannie and Freddie zuständigen Regulierungsbehörde, dass beide Konzerne mit großer Geschwindigkeit dem Punkt zustrebten, an dem die Unternehmen nicht mehr umhin kämen, als die Regierung abermals um Bailout-Gelder der Steuerzahler zu ersuchen.

Quartalsverlust von 475 Millionen Dollar

Laut Watt gäbe es eine ganze Reihe von Gründen, weshalb beide Häusermarktriesen in den kommenden Quartalen in die roten Zahlen rutschen könnten. Dazu zähle die Tatsache, dass beide Unternehmen im Angesicht einer durch die Regierung auferlegten Schrumpfung der eigenen Portfolien deutlich weniger Geld verdienten. Analysten werden ihr Augenmerk hingegen noch auf eine ganze andere Entwicklung legen.

Und dabei handelt es sich um durch beide Konzerne genutzte Zinsderivate. Vor allem Freddie Mac hat sich dieser Instrumente in jüngster Vergangenheit bedient, um sich gegen die starke Volatilität an den Zinsmärkten abzusichern. Die Nutzung von Derivativen zur Absicherung des eigenen Portfolios hatte sich für Freddie Mac schon in der Vergangenheit als kostspielig erwiesen.

Erst im dritten Quartal des letzten Jahres wies Freddie Mac einen Verlust in Höhe von $475 Millionen aus, was dem ersten Verlustquartal in den vergangenen vier Jahren entsprach. Ein Warnschuss, wie sich eine Reihe von Analysten damals überzeugt zeigte. Mit ein Grund für den Verlustausweis war – entgegen Freddie Macs Absicherungsstrategien –, dass die Zinsen im 2. Halbjahr 2015 deutlich sanken und nicht kletterten.

Milliardenverlust im zurückliegenden Quartal?

Freddie Mac war im dritten Quartal 2015 zwar dazu in der Lage, diesen Verlustausweis selbst aufzufangen, überwies jedoch auch kein Geld mehr an die Bundesregierung. Eine Reihe von Analysten geht davon aus, dass sich die Finanzlage bei Freddie Mac gerade signifikant am Verschlechtern ist. Manche Schätzungen gehen vor Veröffentlichung der Ergebnisse für das erste Quartal am morgigen Dienstag von einem Quartalsverlust von bis $2 Milliarden aus.

Doch das könnte noch nicht alles sein. Schocken würde Freddie Mac die Finanzmärkte, wenn berichtet würde, dass der Konzern aufgrund von Verlusten im Zinsderivatebereich Verluste von bis zu $4 Milliarden in nur einem Quartal eingefahren hätte. Genau dies ist, womit einige namhafte Bankanalysten in den USA rechnen. Freddie Macs Vorsteuerergebnis könnte sich in diesem Fall um bis zu $750 Millionen in den roten Zahlen befinden.

Sollte es dazu kommen, schätzt Moody´s Analytics die Wahrscheinlichkeit aktuell auf 50%, dass Freddie Mac sich einmal mehr mit einem Bailout-Ersuchen an das Finanzministerium in Washington wenden wird. Darauf weist auch die Tatsache hin, dass sich die Finanzreserven des Konzerns – wie einst durch die US-Regierung auferlegt – in einem Schrumpfungsprozess befinden.

Reserven schmelzen rasch ab

Laut der Veröffentlichung zum Ergebnis im vierten Quartal 2015 wird Freddie Mac im Jahr 2016 noch Reserven von $1,2 Milliarden halten, die in 2017 auf $600 Millionen und im Jahr 2018 auf Null US-Dollar sinken werden. Analysten zeigen sich besorgt, dass im Zuge dieser Schrumpfung der Reserven – bei gleichzeitig potenziell hohen Verlusten in den kommenden Quartalen – ein erneutes Bailout-Ersuchen unumgänglich sei.

Bislang widersetzen sich die Kongressmitglieder vehement, auch nur ansatzweise über einen erneuten Bailout für Fannie oder Freddie nachzudenken. Analysten warnen aus diesem Grund davor, dass es zu einer neuen Häusermarktkrise kommen könnte, was die Gesetzgeber wohl dazu veranlassen würde, abermals ihren Segen zu einem Bailout zu geben. Der Zeitpunkt könnte sich allerdings als zu spät erweisen.

Nicht nur, dass es zu neuen und schwerwiegenden Verwerfungen an den Häusermärkten in den USA kommen würde, wenn auch nur einer der beiden Hypothekenriesen abermals in finanzielle Nöte geriete. Laut Analysten brauche es dazu nicht einmal das offizielle Einsetzen einer Rezession, weil Fannie und Freddie bis dahin ohnehin über keine Finanzreserven mehr verfügten...