In unserem ersten Teil zum Thema Futures & Optionen haben wir über grundlegende Informationen zur Handhabung und Ausgestaltung der genannten Finanzinstrumente berichtet (Link hier). Die daraufhin entstandene Diskussion mit vielen auch fachlich interessanten Beiträgen erfreut natürlich und zeigt, dass gerade dieses Thema bei vielen Lesern auf Anklang stößt. Auch aus diesem Grunde möchten wir die Thematik gerne mit einem ersten Einblick in unterschiedliche Optionsstrategien vertiefen.

Für unterschiedliche Markterwartungen existieren am Markt differenzierte Möglichkeiten diese umzusetzen. Dies geht sehr einfach über fallende oder steigende Märkte, seitwärtslaufende Kurse bei denen sich jedoch die Volatilität erhöht oder verringert, Währungsabsicherungen bei einem ausländischen Aktienexposure (z.B. in US$), Rohstoffhedging (vor allem für Unternehmen spannend, die regelmäßig Industriemetalle oder Energie benötigen), der Ausweitung oder Verengung von Spreads bis hin zur Ausnutzung von Preisunterschieden an unterschiedlichen Börsen (Arbitrage).

Kauf eines Long-Call

Annahme: Die Kurse werden steigen

Der Käufer eines Long-Calls erwirbt durch die Zahlung der Optionsprämie (diese erhält der Stillhalter) das Recht einen bestimmten Basiswert zu einem vereinbarten Preis (dieser nennt sich Ausübungs- oder auch Basispreis) vom Verkäufer (also dem Stillhalter) zu kaufen. Man geht mit einer solchen Position also davon aus, dass sich der Wert des Basiswertes erhöht und spekuliert demnach auf  steigende Kurse. 

Short-Call

Annahme: Die Kurse bleiben konstant oder sinken

Bei diesem Konstrukt verkauft man eine Kaufoption. Da man als Stillhalter auftritt erhält man sofort nach Abschluss die Prämie für das Verkaufen des Rechtes und der damit eingegangenen Risiken. Wenn die Kurse nun konstant bleiben oder gar sinken, hat der Käufer der Call-Option keinen Grund die Lieferung des Basiswertes (bzw. Barausgleich der Differenz) zu verlangen. Somit ist die eingenommene Prämie direkt auch der Gewinn des Anlegers. Diese Methodik findet vor allem bei institutionellen Investoren Anwendung.

Long-Put

Annahme: Sinkende Kurse

Nun kauft der Anleger eine Verkaufsoption. Man erwirbt somit das Recht, gegen Optionsprämie an den Stillhalter, eben diesem einen fixen Basiswert zu einem vorher definierten Preis zu verkaufen. Vereinbart man also einen Preis von 72,50€ pro Daimler-Aktie auf 3 Monate und fällt die Aktie nun auf 65€, so kann man am Markt für eben 65€ einkaufen jedoch zu 72,50€ an den Stillhalter verkaufen. Dieser guckt dann dementsprechend in die Röhre. Die Differenz von 7,50€ pro Aktie Minus die anfangs gezahlte Prämie ist dann der Gewinn.

Short-Put

Annahme: Steigende Kurse

Diese Variante ist besonders für strategische Einstiegspunkte interessant. Man verkauft dabei eine Verkaufsoption und erhält dementsprechend eine Prämie, da man sich verpflichtet dem Käufer eine Aktie zu einem vom Verkäufer selbst bestimmten Basispreis abzunehmen. Rein rechnerisch hat man also die Möglichkeit seine eigenen Einstiegskurse in eine Aktie (wenn man denn von dieser überzeugt ist) durch die erhaltene Prämie zu drücken, da man diese dann auf den jeweiligen Basispreis anrechnet.

Nun gibt es noch zahlreiche weitere und komplexere Strategien, die es in unterschiedlichsten Marktlagen ermöglichen Gewinne einzufahren. Vor allem aber wegen der Komplexität sollten Anleger immer Vorsicht walten lassen, denn bei kleinen Fehlhandhabungen kann es zu schmerzhaften Verlusten kommen.

Der Covered-Call (auch Buy-Write-Strategie genannt)

Annahme: Kurs bleibt einigermaßen konstant bzw. steigen leicht

Hierbei handelt es sich um eine sog. gedeckte Kaufoption, bei der eine Aktie mit einer Option kombiniert wird. Der Anleger erwirbt also eine Aktie und verkauft gleichermaßen eine Call-Option (s. Short-Call) auf eben dieselbe Aktie. Man erhält also die Prämie direkt bei Abschluss und ist durch das Besitzen der Aktie jederzeit bereit diese zu liefern (daher gedeckt).

Man kauft also beispielsweise 100 Daimler-Aktien zum Preis von 70€. Nun muss man die sog. Option-Chain (dies ist eine Auflistung der gehandelten Optionen auf Daimler mit der ISIN DE0007100000 – s. Bild) studieren und mit seinen eigenen Erwartungen abgleichen.

Man geht davon aus, dass Daimler bis zum Dezember auf ca. 82€ steigen kann. In diesem Fall wird die 82er Option demnach zum Geldkurs von 1,01€ angeboten. Wichtig ist dabei, dass diese Contracts immer für 100 Anteile gelten. Ein Optionskontrakt gilt in jedem Fall für 100 Aktien. Um nun genau einen Kontrakt für 100 Aktien zu verkaufen erhalten wir 100x 1,01€ = 101€.

An dem totalen Investment wird bereits der Reiz dieses Konstruktes deutlich. Man kann in das Papier für einen deutlich geringeren Preis einsteigen und muss demnach also heruntergebrochen nicht 70,-€ pro Anteilsschein sondern lediglich 68,99,- € aufbringen. Sollte der Aktienkurs nun am Verfallstag (in diesem Fall der 3. Freitag im Dezember 2015) über dem Basispreis (Ausübungspreis oder auch Strike Preis) liegen – diese Situation nennt man auch „Der Call ist IM GELD“ – wird der Käufer der Option seinen Call ausüben.

Der Profit gestaltet sich dann wie folgt:

Man sieht also, dass das Geschäft neben der Entwicklung der Aktie (hier sind wir davon ausgegangen, dass die Aktie steigt) auch von der Wahl des Ausübungspreises abhängt.

Das Risiko besteht darin, wenn die Aktie nun hingegen unter den berechneten Kurs von 68,99€ fällt. Dieser Kurs wird dann auch als Break-Even-Preis bezeichnet. Der Kontrahent und Optionsinhaber wird zwar nicht ausüben wollen, jedoch haben Sie direkt am Marktrisiko partizipiert, auch wenn man die Aktie mit einem kleinen Sicherheitspuffer nach unten erworben hat. Nichtsdestotrotz kann es natürlich sein, dass man von einer Aktie grundlegend überzeugt ist, gerne langfristig dabei bleiben möchte oder an attraktiven Dividendenrenditen zu partizipieren gedenkt.

Bei allen Berechnungen muss beachtet werden, dass bisher noch keine Gebühren mit einbezogen wurden, die Sie z.B. für den Kauf der Aktien und Verkauf der Option aufbringen müssen. Schließlich wollen Broker und Börsen immer fleißig mitverdienen und ganz aus Nächstenliebe bieten auch diese das Settlement dieser Geschäft nicht an.

Collar

Annahme: Absicherung gegen größere Abwärtsbewegungen

Hierbei werden Aktien oder Zinsindices abgesichert. Dahingehend ist dieses Instrument nicht nur für Aktienmarktinvestoren interessant, sondern gleichermaßen für Unternehmen, die sich gegen die Veränderungen am Zinsmarkt absichern wollen (dies tun sie nicht um zu sparen oder Gewinne einzufahren sondern lediglich um im Vorfeld mit fest vereinbarten Zinssätzen kalkulieren zu können). Da es sicherlich die Mehrheit interessiert ein Beispiel für einen Collar mit Aktienoptionen.

Collar kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Rahmen oder Kragen. Man befürchtet also, dass eine sich im Portfolio befindende Aktienposition stärker fallen könnte. Aus diesem Grund kauft der Anleger eine Put Option (s. Long Put) und verkauft gleichzeitig eine Call Option (s. Short Call). Dabei ist wichtig, dass beide Optionen aus dem Geld sind, das gleiche Verfallsdatum haben und sich selbstverständlich auf den gleichen Basiswert beziehen. Für den Kauf der Put Option muss der Investor nun die bereits bekannte Prämie an den Stillhalter zahlen, es entstehen Kosten und der Anleger ist nun gegen fallende Kurse abgesichert. Mit der gleichzeitig verkauften Call-Option finanziert man somit die zu zahlende Prämie für die Put-Option, wenn der Preis der verkauften Call Option dem Preis der gekauften Put-Option entspricht. Nun ist der Investor gegen fallende Kurse abgesichert, begrenzt allerdings auch seine Gewinne nach oben, sodass die Frage aufkommt wann diese Strategie Sinn ergibt.

Dies kann z.B. dann der Fall sein, wenn es sich um hohe Dividendenrenditen handelt, man an dieser gerne zukünftig partizipieren möchte, allerdings die Kursmöglichkeiten begrenzt einschätzt. Auch bei unsicheren Aktienmärkten (wie beispielsweise derzeit) kann die Strategie fördernd sein. Gerade institutionelle Investoren, die auch ihr Stimmrecht am Tag der Jahreshauptversammlung ausüben wollen, möchten an den Unternehmensanteilen festhalten. Weiterhin kann es steuerliche Aspekte mit sich bringen, da bereits hohe Aktiengewinnen durch den Verkauf besteuert werden müssten. Der zeitliche Anlagehorizont wird bei ca. 6-16 Monate gesehen.

Strangle & Straddle

So ungewöhnlich wie die Namen auch klingen desto selbstverständlicher sind diese beiden Ansätze jedoch unter Investoren mit einem Fokus auf Optionsstrategien.

Bei einer Long Strangle-Strategie kaufen Sie zum Aufbau der Position zur gleichen Zeit eine Call- und eine Put-Option mit gleicher Laufzeit und gleichem Basiswert. Der Strike (auch Ausübungspreis) des Calls liegt ÜBER dem aktuellen Kursniveau, der Strike des Puts DARUNTER. Aufgrund dessen ist das Prämienvolumen, welches man an die jeweiligen Stillhalter zahlen muss natürlich geringer. Diese Strategie setzt man ein, wenn man von sich sehr stark bewegenden Kursen ausgeht, also der Meinung ist, dass die Volatilität zunimmt, sich jedoch der Marktrichtung unsicher ist. Sollten an den Märkten also große Unsicherheit oder weitreichende Einflussfaktoren (z.B. von politischer Seite) bestehen, so macht eine solche Strategie Sinn. Der Gewinn ist dabei in der Theorie unbegrenzt, wohingegen sich der Verlust auf die zu zahlenden Prämien der Optionen bezieht.

Ein Beispiel: Bayer-Aktie (ISIN: DE000BAY0017) – Aktueller Kurs: 113,35€

Eine Short-Strangle-Strategie funktioniert genau umgekehrt und ist für den Zweck bestimmt, wenn der Anleger auf sich eher konstant entwickelnde Kurse setzt.

Eine Straddle-Strategie, die namentlich dem Strangle sehr ähnlich ist, unterscheidet sich von Aufbau und Funktionsweise hingegen in einem wichtigen Punkt. Am Anfang einer jeden Entscheidung steht auch hier die Erwartungshaltung einer großen Unsicherheit. Sie wissen also dass z.B. Bayer in der kommenden Woche wichtige Forschungsergebnisse melden wird, die den Kurs essentiell beeinflussen. Selbstverständlich wissen Sie aber nicht, ob diese positiv oder negativ ausfallen, wodurch die Chancen oder Risiken gleichermaßen gegeben sind. Der Straddle kann hier ein Lösungsansatz sein.

Auch hier kauft der Anleger sowohl eine Call als auch eine Put-Option. Viele Anleger kommen dabei primär (wie auch beim Strangle) auf den Gedanken, dass solche Positionen keinen Sinn ergeben, da sich Gewinn und Verlust aufheben. Dies ist jedoch nicht der Fall, da die Auszahlungsmodalitäten bei Optionen ein asymmetrisches Profil besitzen. Dies liegt, wie oben schon erwähnt auch daran, dass die gezahlten Prämien und somit der Verlust begrenzt, die Gewinne hingegen unbegrenzt sind.  Der wesentliche Unterschied zum Strangle ist der Fakt, dass auch der Strike hier absolut identisch ist. Wichtig ist dabei, dass man sich zwei Optionen sucht, welche möglichst dicht am aktuellen Kursniveau liegen. Um beim Beispiel von Bayer mit einem aktuellen Kurs von 113,35€ zu bleiben:

Von beiden Optionen kaufen wir nun 100 Stück. Dies bedeutet also Ausgaben in Höhe von 100 x (8,18+7,83) = 1.601 €. Sobald sich die Aktie bis zur Fälligkeit (in diesem Fall im Dezember 2015) so stark bewegt, dass entweder Put oder Call Prämie wieder hereingeholt wurde, bewegt man sich in der Gewinnzone. Der größtmögliche Verlust von 1.601 € würde dann eintreten, wenn am Ende der Laufzeit der Kurs der Bayer-Aktie bei genau 115€ (unser Strike) liegen würde. Je weiter er sich davon entfernt, desto höher ist der Gewinn, entweder mit dem Call oder dem Put. Die folgende Grafik veranschaulicht die möglichen Szenarios.

Man sieht also, dass die Welt der Derivate unterschiedlichste Möglichkeiten zulässt. Es muss dabei bedacht werden, dass dies nur eine kleine Einführung ist, die dazu anregen kann sich mit den zahlreichen Möglichkeiten näher auseinanderzusetzen. Die vielen weiteren Strategien, die bei unterschiedlichsten Marktsituationen interessante Opportunitäten bringen können, seien es Protective Put Strukturen oder derivative Konstrukte in Bezug auf Time- oder Strike-Spreads sollten im Vorfeld allesamt mit der notwendigen Vorsicht in Betracht gezogen werden. Dann kann es für den interessierten und engagierten Anleger jedoch spannende Modelle geben, bei denen man sich das jeweils passende Konstrukt herauspicken kann.

Ihr Andreas Meyer

Quelle: www.am-capital.de, www.eurexexchange.com