Die Märkte für Goldminenaktien ähneln zurzeit einem Fass ohne Boden. Die ganze Situation lässt sich einfach nur noch als riesiges Elend bezeichnen. Ich werde mir wohl nicht die Mühe geben müssen, um die unter Goldminenaktien vorherrschende Lage eingehender zu erläutern, doch ich werde Sie an dieser Stelle einmal mit einigen Zahlen und Daten vertraut machen, um Ihnen das ganze Ausmaß der aktuellen Misere vor Augen zu führen.

GDX, ein populärer und ausschließlich Aktien von Goldminen abbildender ETF, hat von seinem Hoch im Jahr 2011 mittlerweile fast 80% an Wert eingebüßt. Und GDXJ, ein ETF, der ausschließlich die Aktien ausgewählter Juniorgoldfirmen abbildet, hat es im selben Zeitraum noch schlimmer erwischt. Hier belaufen sich die Kursverluste auf knapp 90%.

Doch im Gegensatz zu einem Fass ohne Boden, ergeben sich im aktuellen Marktumfeld Chancen für jedermann, um von der sich darstellenden Lage finanziell zu profitieren. Steven Dean gehört beispielsweise zu diesen Leuten. Ich möchte Ihnen Steven vorstellen und Ihnen dessen alltägliche Arbeit in der Folge ein wenig näher bringen.

Ich begegnete Steven im Rahmen eines Abendessens im „The Flying Pig“ im kanadischen Vancouver. An diesem Abend war auch eine ganze Reihe von anderen Investoren und Analysten dort anwesend. Ich würde darauf wetten, dass Sie als Mineninvestor mindestens die Hälfte der dort am Tisch versammelten Personen namentlich kennen.

Steven ist Vorstandschef und Präsident der Firma Atlantic Gold, die an der Börse von Toronto unter dem Ticker AGB gelistet ist. Was Atlantic Gold zu etwas Besonderem macht und die Firma von ihrer Zunft unterscheidet, ist die Tatsache, dass Atlantic bei Geschäftsbeginn über keinerlei Vermögenswerte oder Liegenschaften verfügte.

Das Unternehmen startete sein Geschäftsmodell vielmehr mittels des Einsatzes eines Haufens von Bargeld sowie einem konträrzyklischen Geschäftsansatz: das Unternehmen fokussierte sich darauf, Bohrprojekte in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium in Gebieten und Regionen, die über eine minenfreundliche Jurisdiktion verfügen, aufzukaufen.

130 Bohrprojekte innerhalb von 3 Jahren

Steven und dessen Mitarbeiter statteten mehr als 130 Bohrprojekten innerhalb von drei Jahren einen Besuch ab. Und in eben jenem Aspekt spiegelt sich die Suche nach den besten Projekten in einem ausgebombten Marktumfeld wider. Erst gegen Ende letzten Jahres tat Steven ein Projekt auf, mit dem er sich anfreundete, und welches dem entsprach, wonach er suchte.

Bei Atlantic Gold legt man die Messlatte ziemlich hoch. Das Unternehmen hat einen ganzen Katalog von selbst ausgearbeiteten Regeln erstellt, die vorgeben, ob, auf welche Weise und wann investiert wird. Somit stellen sich eine ganze Reihe von technischen Hürden, bevor das Management von Atlantic Gold grünes Licht für etwaige Investitionen gibt.

20% jährliche Rendite zum aktuellen Goldpreis

Die wohl wichtigste dieser technischen Hürden leitet sich aus dem Umstand ab, dass die selbst gewählte Investitionsvorgabe von Atlantic eine jährliche Rendite von mindestens 20% in Relation zum aktuellen Goldpreis vorsieht. Das Unternehmen schließt Spekulationen in und mit Gold kategorisch aus.

Die Liegenschaften und Projekte, die Atlantic Gold im vergangenen Jahr käuflich erwarb, befinden sich im kanadischen Nova Scotia. Egal, aus welcher Perspektive man die Dinge auch betrachtet, so scheint es sich bei diesen Liegenschaften um absolut hochwertige und qualitativ vielversprechende Goldlagerstätten zu handeln.

Das Management von Atlantic Gold schätzt, dass diese Goldlagerstätten pro Jahr eine Rendite von 30% in Relation zum Goldpreis abwerfen werden. Darüber hinaus sollen sich die Kosten des Ankaufs innerhalb von nur zwei Jahren amortisieren.

Die veranschlagte Minen- und Abbaulaufzeit beläuft sich auf acht Jahre, während die Gesamtproduktionskosten unterhalb von nur $700 pro Feinunze Gold liegen. Im Rahmen des weiter oben angesprochenen Abendessens blätterten wir uns durch eine ganze Menge an Seiten, aus denen technische Informationen zu dem Projekt in Nova Scotia hervor gingen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht ausführlicher darauf eingehen. Das präsentierte Material war jedoch ausreichend, um den Eindruck zu gewinnen, dass das Projekt gut genug ist, um Steven den Glauben zu vermitteln, die komplette Projektentwicklung mittels aufzunehmender Bankkredite und dem Einsatz eigener Bargeldreserven zu finanzieren (erinnern Sie ich in diesem Kontext an die nur zweijährige Amortisationsperiode).

Fokussierung auf “Goldlagerperlen” ausfindig zu machen?

Bei Atlantic Gold setzt man die Suche nach ähnlichen Projekten derweil fort. An jenem Abend entwickelte sich am Tisch eine Diskussion, die sich darum drehte, ob Atlantic Gold seine Arbeit fortsetzen sollte, um das aufgekaufte Projekt in Nova Scotia selbst zu entwickeln oder ob sich die Firma in der Zukunft darauf fokussieren sollte, Goldlagerperlen dieser Art ausfindig zu machen und anzukaufen.

Steven schien der Ansicht zu sein, dass Atlantic Gold beiden Optionen nachgehen könne. Steven verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Minenindustrie. Er ist seit dem Jahr 1987 konstant im Goldgeschäft. Zuvor war er unter anderem Präsident des Unternehmens Teck Cominco und einer der Co-Gründer von Amerigo Resources.

Auch seine ausgewählten Top-Manager verfügen allesamt über mindestens 30 Jahre an Industrieerfahrung. Die ganze Mannschaft ist selbst an Atlantic Gold beteiligt. Insgesamt hält das Management etwa 20% aller emittierten Aktien. Ein durchaus interessanter Teil dieses Abendessens leitete sich aus dem Umstand ab, dass Steven eine separate Präsentation hielt, die nichts mit Atlantic Gold zu tun hatte.

Er verlieh dieser Präsentation den Titel „Die Risiken der Projekteinschätzung in der Goldindustrie“ und führte in der Folge aus, weswegen diese Präsentation ihren Namen verdiene. Ich war an Stevens Blickwinkel interessiert, stets dessen langjährige Erfahrung in der Goldindustrie zugrundelegend.

Goldpreisanstieg innerhalb einer Dekade, von $300 auf $1.800

Ich möchte Ihnen an dieser Stelle einige der Highlights wiedergeben, da Stevens langjährige Beobachtungen und Erfahrungen in Bezug auf die zyklische Natur der Märkte absolut zeitlos sind. Steven begann seine Präsentation, indem er einige grundlegende Fakten wiederholte. Der Goldpreis kletterte innerhalb von einer Dekade von etwa $300 auf $1.800 pro Feinunze.

Die Märkte zeigten sich euphorisch und investierten bis 2011/2012 Kapital en masse in Minenunternehmen jeder Art. Resultat waren außergewöhnliche Kapitalerträge…doch nur für diejenigen, die aus ihren ehedem getätigten Investitionen zum richtigen Zeitpunkt ausstiegen.

„In dieser Zeit“, wie Steven ausführte, „ist die gesamte Industrie faul geworden und ruhte sich auf ihren Lorbeeren aus. Hinzu kam, dass nun erneut immer mehr Amateure in die Industrie mit einstiegen“. In der gesamten Industrie ging die Kapitaldisziplin verloren, so dass es nicht mehr lange dauerte, bis auch das Vertrauen seitens Investoren und Märkten in die Binsen ging.

Abbaukosten stiegen schneller, wie die Verbraucherpreisindex bemessende Inflation

Es wurde alles nur noch schlimmer. Die Abbaukosten kletterten weitaus schneller als die sich am Verbraucherpreisindex bemessende Inflation. Auch wenn dieses Inflationsbarometer nicht allzu Ernst genommen werden kann. Die Kosten für Stahl und Energie schossen in die Höhe. Dasselbe ließ sich auch im Hinblick auf die Anwerbung von Arbeitskräften beobachten.

Und dann gab es zu guter letzt auch noch einige Unheil verkündende Dynamiken in Bezug auf den Abbau in den weltweiten Lagerstätten selbst. Während der Goldpreis in die Höhe schoss, traf dies auch für das Gesamtvolumen des weltweit „abbaubaren“ Goldes zu…die Abbaukosten pro Feinunze schossen ebenfalls in die Höhe.

Steven bezog sich auf ein Beispiel. Bei einem Goldpreis von $500 pro Feinunze wird ein Minenunternehmen seinen Abbau bei Reserven von 12 Millionen Tonnen zu Graden von 2 Gramm/Tonne „optimieren“. Die Reserven stehen synonym für die ökonomisch abbaubare Menge an Goldgestein.

Bei einem Goldpreis von $1.500 pro Feinunze würden sich die Abbaureserven derselben Lagerstätte nun auf 40 Millionen Tonnen belaufen. Doch dies nur noch zu einem Grad von 1,3 Gramm/Tonne.

Um es in anderen Worten auszudrücken, führte der steigende Goldpreis dazu, die jeweiligen Abbauressourcen größer aussehen zu lassen. Doch bei Licht besehen musste weitaus mehr Gestein abgebaut werden, um eine Unze Gold aus dem Erdboden zu fördern – und auf eben jene Weise explodieren die Kosten.

Das Problem

Und hier starten die Probleme. Steven machte dies an einem Fallbeispiel und an einem Ereignis deutlich, das sich tatsächlich auf eben jene Weise zugetragen hatte. Für jeden Goldmineninvestor sollten die sich daraus ableitenden Risiken ein Begriff sein.

„Projekt Bonanza“ beginnt mit dem Abbau einer Lagerstätte, die über 20 Millionen Tonnen an Ressourcen zu Graden von 1,8 Gramm/Tonne verfügt. Der aktuelle Goldpreis befindet sich bei $1.100 pro Feinunze. Die Gesamtabbaukosten belaufen sich auf $780 pro Feinunze. Die jährliche Abbauleistung – oder das Volumen der pro Jahr abzubauenden Tonnen – beläuft sich auf 2 Millionen Tonnen.

Kosten für Projektentwicklung zu finanzieren von $120 Millionen

Die Capex-Investitionen, um die Projektentwicklung zu finanzieren, belaufen sich auf $120 Millionen. Stellen wir uns nun vor, dass sich der Goldpreis neun Monate später in Richtung von $1.500 pro Feinunze bewegen würde. Jetzt kann das Management von Projekt Bonanza seine Schätzungen revidieren.

Denn die Abbaureserven belaufen sich nun auf 26 Millionen Tonnen Gestein bei einem Grad von 1,2 Gramm/Tonne. Die Cashkosten belaufen sich nun auf $1.200 pro Feinunze. Bonanza gibt eine Steigerung der jährlichen Abbauleistung von 50% auf 3 Millionen Tonnen bekannt. Capex beläuft sich nun auf $200 Millionen.

Das Unternehmen nimmt $60 Millionen in Form einer Emission von neuen Aktien auf, wodurch die bestehenden Anteilseigner verwässert werden. Blicken wir weitere zwei Jahre in die Zukunft. Nun befindet sich der Goldpreis bei $1.200 pro Feinunze.

Die Cashkosten belaufen sich auf $1.100 pro Feinunze. Die Gesamtabbaukosten der Mine liegen bei über $1.250 pro Feinunze. „Wie hoch ist die Kapitalrendite?“ wie Steven in die Runde fragte. „Einfach nur grässlich“.

Warum diese Entwicklung?

Warum kam es zu dieser Entwicklung? Antwort: da das Management von Bonanza zu optimistisch im Hinblick auf seine ursprünglichen Schätzungen gewesen ist. Es versagte dabei, adäquate Informationen im Hinblick auf die Verwässerung bereit zu stellen.

Und auch Capex übertrumpfte im Angesicht steigender Industriekosten plötzlich das zur Verfügung stehende Budget. Und die Lage stellt sich noch schlimmer dar, da es trotz gewisser Verpflichtungen zur Mitteilung firmenrelevanter Informationen – wie beispielsweise die Regularie 43-101 – einfach ist, diejenigen Resultate und Ergebnisse zu fabrizieren, die dem Kalkül des Unternehmens entsprechen.

Wie Steven weiter ausführte, verhindern derartige Regulierungsanforderungen nicht, „diverse Berater dabei zu stoppen, Schätzungen zu lancieren, die lediglich darauf ausgerichtet waren, die Interessen und Informationsnachfrage der ‘Zahlmeister’ auf Basis einer archaischen bzw. altmodischen Technologie sowie viel zu optimistischen Prognosen zu befriedigen“.

Wie Steven anmerkte, konnten 95% aller durch Atlantic Gold begutachteten Projekte einer umfangreichen Due Diligence in keiner Weise standhalten. Wir leben in Zeiten, in denen es Minenmanagements leicht fällt, Investoren aufs Glatteis zu führen. Auch Geologen erweisen sich in diesem Zusammenhang als keine große Hilfe.

Steven ergänzte, dass „sich der Abbau von Metalllagerstätten mehr, um nackte Zahlen als um geologische Formationen dreht“. Wie kann ein interessierter Investor nun mit dieser Art der Unsicherheit umgehen, um sich dagegen zu wappnen, aufs Glatteis geführt zu werden? Um erfolgreich in Projekte zu investieren, die tatsächlich in einen Minenabbau münden und nicht zu abschreckenden Fallbeispielen oder Misserfolgen avancieren?

„Suchen Sie sich Ihre Leute aus“

Steven hatte eine Antwort parat, die mir gefiel. „Suchen Sie sich Ihre Leute aus“, wie er sagte. „Investieren Sie nur zusammen mit Menschen, die dies in der Vergangenheit getan haben und sich in diesem Metier bestens auskennen.“

Steven und seine Mitarbeiter bauten Minen in der ganzen Welt. Und sie taten dies über einen sehr langen Zeitraum. Steven gehört anhand seines Track Records und seiner Erfahrung zu jenen Leuten in der Industrie, denen Investoren vertrauen können. Die Firma Atlantic Gold ist von ihrer Marktbewertung her gesehen aus meiner Perspektive zu klein, um sie Anlegern an dieser Stelle zum Kauf zu empfehlen.

Doch ich bin daran interessiert zu beobachten, wie sich diese Geschichte weiterentwickeln wird. Schließlich wurde an diesem Abend das letzte Glas Wein geleert, die Kellner räumten die Tische ab und wir gingen hinaus, um uns von einer kühlen Abendluft, die typisch für die Region Vancouver ist, umfangen zu lassen. Ich dachte in diesem Moment, meinen Lesern über die Risiken, die Steven im Rahmen seiner Präsentation ansprach, zu berichten. Selbst wenn Leser nicht an Investitionen in Atlantic Gold interessiert sein sollten. Denn mein Fazit und meine Empfehlung lauten, vorsichtig zu sein, bei wem Sie Ihr Geld und Kapital investieren. Dies gilt nicht nur für die recht intransparente Minenindustrie. Das Auswählen von Kennern und Experten empfiehlt sich auch in allen anderen Sektoren an den Finanzmärkten.

Gastbeitrag für CK*wirtschaftsfacts / © 2015 The Daily Reckoning und Agora Publishing in Baltimore/USA.