Schulden sind schon eine lustige Sache, vor allem, wenn man keine hat. Doch sich heute zu verschulden, muss lange nicht freiwillig stattfinden. Manchmal spielen Not oder auch Dummheit eine große Rolle…

Selten war das Schuldenmachen so einfach wie heute. Und noch nie waren Kredite billiger. Bis auf weiteres wird das wohl so bleiben bei ausgerotteten Zinsen.

Und siehe da, der DAX steigt schon wieder, angeblich weil die US-Zentralbank die Zinsen weder jetzt noch später erhöhen kann. Sie hat den richtigen Moment verpasst, wenn es diesen jemals gab. Nun kommen ihr auch noch miese Wirtschaftsdaten entgegen.

Geld-Druck-Orgie

Wahrscheinlich wird sie eher weitere Billionen US-Dollar drucken statt den Preis für Geld erhöhen. Auch die EZB bleibt ihrer Geld-Druck-Orgie treu. An entsprechenden Ankündigungen fehlt es ja nicht. Man muss die Leute auf ihr vermeintliches Glück langsam vorbereiten, auch wenn dieses Glück an nur wenigen Haustüren anklopft.

Angeblich richtet das alles ja keinen Schaden an, im Gegenteil! Wetten doch? Vielleicht sind wir schon mittendrin?

Ich habe mich neulich in Paris umgeschaut. Wohnen ist dort bei Mieten von 33 bis 40 Euro pro Quadratmeter inzwischen fast unbezahlbar geworden. Die gleiche Fläche kostet beim Kauf im Schnitt 8.300 Euro. Auf Friedhöfen ist es etwas preiswerter, doch bis dahin braucht man ja irgendwie ein Dach überm Kopf. Was halten Sie von folgender Idee? Wer sich Miete nicht mehr leisten kann, der finanziert seine Bleibe. Bei diesen Zinsen ist das billiger und der Ausweg in die Sackgasse nicht nur in Paris chic – voll finanziert, versteht sich, wenn das Eigenkapital fehlt. Die Nachfrage nach Wohnraum nährt die Preisblase und auch die Spekulationen des großen Geldes, bis diese Blase irgendwann platzt. Aber das dauert noch.

Der Wahnsinn hat Methode

Der Wahnsinn hat Methode und stammt wohl aus den USA. Was man sich nicht kaufen kann, wird finanziert bzw. aus der Zukunft geborgt. Nicht weil man es will, sondern weil man es oft muss. In der Tat, auch hierzulande ist in teuren Städten eine Finanzierung inzwischen billiger als zu mieten.

Die jungen Leute werden es künftig schwer haben, trotz Mindestlohn einen Kapitalstock für später zu bilden, wenn das überhaupt noch möglich ist. Und wenn, löst er sich später durch Inflation oder Zugriff spurlos auf. In der schönen neuen Welt der Kreditmärchen drehen die Schulden-Sklaven dann ihre täglichen Runden im Hamsterrad, welches sich auch noch schneller bewegt, und hoffen auf einen Goldregen wie bei Frau Holle. Vielleicht ist es auch die Pechmarie, die gerade ihre Kissen aufschüttelt.


© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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