Die Warnung der drei Wall Street Banken in allen Ehren, doch es macht gewiss einen nicht unerheblichen Unterschied, ob jemand einen kurz- bis mittelfristigen Trading- oder einen langfristigen Investitionsansatz verfolgt. Nicht nur Zucker, sondern auch Gold, Silber und vielleicht sogar Rohöl dürften kurz- bis mittelfristig orientierten Anlegern durchaus gute Spekulationsgewinne bescheren. Nur das Aussteigen sollte man nach hauptsächlich technisch bedingten Gegenreaktionen nicht vergessen, da es nach technischen Höhenflügen durchaus auch recht schnell zur Ausbildung von neuen Tiefs kommen könnte.

Trotz des anhaltenden Absturzes vieler Rohstoffpreise warnen Goldman Sachs, Morgan Stanley und die Citigroup ihre Kunden und Investoren davor, dass die Preise noch tiefer sinken und über einen längeren Zeitraum auf diesen Niveaus verharren könnten. So zeigen sich alle drei Wall Street Banken nicht sonderlich optimistisch im Hinblick auf Rohöl und Kupfer.

Schnelle Erholung der Preise sehr unwahrscheinlich

Es sei unwahrscheinlich, dass sich deren Preise im Angesicht von massiven Überkapazitäten und einem Überschussangebot in der Welt so schnell erholten, wie Analysten der drei Banken mitteilten. Trotz dessen, dass die meisten Rohstoffklassen in Bärenmärkte eingetreten sind, prognostiziert Morgan Stanley diesen Märkten ein sich weiter erhöhendes Angebot.

Grund sei, dass die Produktionsländer mehr anbauen müssten, um zukünftig dieselbe Menge an US-Dollars für ihre Produkte zu generieren. Dies liegt vor allem an den gegenüber dem US-Dollar taumelnden Währungen vieler Schwellenländer. So zeichne sich laut Morgan Stanley ab, dass das Angebot trotz Bärenmärkten in vielen Segmenten noch wachsen werde.

Das fünfte Jahr in Folge im roten Bereich

Ein gutes Beispiel hierfür sind neben den Kupfer- unter anderem auch die Aluminium- und Eisenerzmärkte (ich berichtete). Der Bloomberg Commodity Index hat im dritten Quartal dieses Jahres die schlechteste Performance seit dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2008 aufs Parkett gelegt und wird in 2015 das fünfte Jahr in Folge im roten Bereich enden.

Doch persönlich sehe ich kurz- bis mittelfristig auch gute Chancen, vielleicht gerade in den Bereichen, die zuletzt besonders stark nach unten geprügelt wurden. Dazu gehören zum Beispiel Zucker, wo bereits eine deutliche Rallye nach oben eingesetzt hat (siehe folgenden Chart). Auch Gold und Silber sehen charttechnisch vielversprechend aus.

Ebenso schnell könnten technische Reaktionen im Hinblick auf andere Soft Commodities wie Weizen oder Mais erfolgen (siehe meinen ersten Bericht von heute zu Monsanto). Langfristig lässt sich die Warnung der drei Wall Street Banken nachvollziehen. Denn es entspricht der Realität, dass trotz der deftig gesunkenen Preise immer mehr Material und Angebot an die Märkte strömt.

Physische Nachfrage kann mit dem Angebot nicht mithalten

Die physische Nachfrage kann in vielen Bereichen – mit Ausnahme der Edelmetalle – nicht mit dem Angebot mithalten. Um diesen Schwierigkeiten zu begegnen, müssten global aktive Minen- und Anbaukonzerne ihre Produktion zurückfahren, um das zukünftige Angebot zu verknappen.

Irgendwann wird es zu dieser Situation ganz von allein kommen, dann nämlich, wenn es zu einer Insolvenzwelle unter Rohstofffirmen und Minenunternehmen kommen wird. Investoren geben sich jetzt bereits skeptisch. Denn das weltwirtschaftliche Wachstum schwächt sich ab. Ein Großteil des nun an die Märkte strömenden Angebots resultiert noch aus Projekten, die im vorangegangenen Boomzyklus im Laufe der letzten Dekade online gingen.

Große Probleme bei der Beschaffung von Kapital

Nicht nur die Firmen im Fracking-Geschäft in den Vereinigten Staaten haben es immer schwerer, sich an den Märkten Kapital zu beschaffen. Gleiches gilt für viele Metallsektoren, unter denen die Bereiche Eisenerz, Aluminium oder Kupfer mit am härtesten getroffen worden sind.

Mancherorts werden die großen Minenkonzerne BHP Billiton, Rio Tinto oder Vale do Rio Doce dafür kritisiert, die allgemeine Lage an den Rohstoffmärkten zu eigenen Zwecken auszunutzen. Beispielsweise fluten die drei genannten Konzerne die Eisenerzmärkte trotz des rapiden Preisverfalls weiter mit Material. Die dahinterstehende Strategie lässt sich leicht erkennen: Konkurrenz in den Ruin treiben und deren Minen aus der Konkursmasse günstig aufkaufen.